Sterzhausen

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Sterzhausen
Gemeinde Lahntal
Koordinaten: 50° 51′ 47″ N, 8° 42′ 16″ O
Höhe: 210 (205–223) m ü. NHN
Fläche: 13,14 km²[1]
Einwohner: 2014 (30. Jun. 2014)[2]
Bevölkerungsdichte: 153 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 35094
Vorwahl: 06420

Sterzhausen ist ein Ortsteil von Lahntal, einer Gemeinde im mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf mit etwa 2000 Einwohnern.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sowohl die romanische Kapelle, als auch der Ort Sterzhausen gehörten sehr wahrscheinlich ursprünglich zum Diakonat Kesterburg (Christenberg) und zur Pfarrei Schönstadt. In der Nähe des Ortes finden sich auch die Reste einer ehemaligen Wallburg, der Burg Eckelskirche.

Am 31. Dezember 1971 erfolgte im Zuge der Gebietsreform in Hessen der Zusammenschluss der Gemeinden Caldern, das aus den ehemaligen Gemeinden Caldern und Kernbach bestand, und Sterzhausen zur neu gebildeten Gemeinde Lahntal. Sitz der Gemeindeverwaltung wurde Sterzhausen.[3]

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt die Territorien bzw. Verwaltungseinheiten denen Sterzhausen unterstand im Überblick:[4][1]

Gerichte seit 1821[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Edikt vom 29. Juni 1821 wurden in Kurhessen Verwaltung und Justiz getrennt. Nun waren Justizämter für die erstinstanzliche Rechtsprechung zuständig, die Verwaltung wurde von Landkreisen übernommen. Der Kreis Marburg war für die Verwaltung und das Justizamt Wetter war als Gericht in erster Instanz für Sterzhausen zuständig. Das Oberste Gericht war das Oberappellationsgericht in Kassel. Untergeordnet war das Obergericht Marburg für die Provinz Oberhessen. Es war die zweite Instanz für die Justizämter.[8]

Nach der Annexion Kurhessens durch Preußen wurde das Justizamt Wetter 1867 zum königlich Preußischen Amtsgericht Wetter. Im Juni 1867 erging eine königliche Verordnung, die die Gerichtsverfassung in den zum vormaligen Kurfürstentum Hessen gehörenden Gebietsteilen neu ordnete. Die bisherigen Gerichtsbehörden sollten aufgehoben und durch Amtsgerichte in erster, Kreisgerichte in zweiter und ein Appellationsgericht in dritter Instanz ersetzt werden.[9] Im Zuge dessen erfolgte am 1. September 1867 die Umbenennung des bisherigen Justizamtes in Amtsgericht Wetter. Die Gerichte der übergeordneten Instanzen waren das Kreisgericht Marburg und das Appellationsgericht Kassel.[10]

Auch mit dem In-Kraft-Treten des Gerichtsverfassungsgesetzes (GVG) 1877 blieb das Amtsgericht bestehen. 1943 wurde dass Amtsgericht Zweigstelle des Amtsgerichts Marburg und 1946 wurde auch die Zweigstelle geschlossen. Der Bezirk des Amtsgerichts Wetter ging im Bezirk des Amtsgerichts Marburg auf.

In der Bundesrepublik Deutschland sind die übergeordneten Instanzen das Landgericht Marburg, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belegte Einwohnerzahlen bis 1967 sind:[1]

1502: 20 Männer
1577: 40 Hausgesesse
1630: 36 Hausgesesse (10 zweispännige, 9 einspännige Ackerleute, 17 Einläuftige).
1681: 28 hausgesessene Mannschaften
1747: 47 Haushalte
1787: 348 Einwohner. Erwerbspersonen: 1 Müller, 3 Schmiede, 4 Wagner, 2 Schreiner, 1 Maurer und Ziegelbrenner, 4 Schneider, 19 Leineweber, 2 Wirte, 3 Schäfer, 3 Tagelöhner, 3 einzelne Weibspersonen.
1838: 560 Einwohner (44 nutzungsberechtigte, 24 nicht nutzungsberechtigte Ortsbürger, 34 Beisassen). Familien: 44 Ackerbau, 10 Gewerbe, 10 Tagelöhner.
1861: 621 evangelisch-lutherische, 1 römisch-katholischer Einwohner, 9 Juden.
1961: 1214 evangelische, 116 römisch-katholisch Einwohner. Erwerbspersonen: 216 Land- und Forstwirtschaft, 266 Produzierendes Gewerbe, 104 Handel und Verkehr, 98 Dienstleistungen und Sonstiges.
Sterzhausen: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1967
Jahr  Einwohner
1834
  
567
1840
  
502
1846
  
543
1852
  
569
1858
  
607
1864
  
648
1871
  
555
1875
  
578
1885
  
611
1895
  
647
1905
  
665
1910
  
719
1925
  
838
1939
  
976
1946
  
1.324
1950
  
1.395
1956
  
1.311
1961
  
1.341
1967
  
1.352
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alte Eiche am Forsthaus von Sterzhausen

Naturdenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eiche am Forsthaus mit einem Brusthöhenumfang von 7,08 m (2014).[11]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sehenswert ist die für die Region typische alte Wehrkirche, deren Ursprung wahrscheinlich auf eine romanische Kapelle zurückgeht, sowie ein Baumdenkmal am alten Forsthaus am Waldrand des Wollenbergs. Dort entlang verläuft von Wetter kommend auch der Ubbelohderadweg, an dem sich eine Grillhütte befindet, von der Sterzhausen und ein Teil des oberen Lahntals einsehbar sind. Der Ubbelohderadweg trifft bei Caldern schließlich auf den Lahntal-Radweg.

Das Kirchengebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wehrkirche von Sterzhausen

Der weithin sichtbare Wehrturm der Kirche ist das Wahrzeichen des Ortes. Er ist mit Abstand das älteste Gebäude in Sterzhausen. Sehr wahrscheinlich gehen die Grundmauern des Turmes auf eine romanische Kapelle zurück. 1383 wird ein Pfarrer aus Caldern erwähnt, der die Kapelle Sterzhausen versah.

Bei einer Renovierung sind die ältesten Balken im Turm mit einem genauen Verfahren auf das Jahr 1246 datiert worden. Aus dieser Zeit stammt auch der besondere Putz an der Ostseite des Turmes, der damals restauriert wurde und für seine Zeit einzigartig erhalten ist. Bei einem Angriff verschanzten sich alle Dorfbewohner im oberen Geschoss des Turmes. Der einzige Zugang (auf dem Dach über der heutigen Kanzel) wurde durch eine schwere Tür geschlossen und diese wurde mit einem kräftigen Querbalken von innen gesichert. Diese Schließanlage ist noch heute zu sehen. So gesichert war man mehrere Tage – bis zum Eintreffen der Verteidiger – einigermaßen sicher.

Im Chorraum sind Wandmalereien aus dem 13. Jahrhundert erhalten, die 1962 freigelegt wurden: Kreuzweise, schwarze Hahnenschwanzfedern, Kreuze und zehn Sterne. An der Ostwand ist in blassgrünen Farben ein richtender Christus in der Mandorla mit einem Schwert im Mund aus der Spätromanik (12./13. Jahrhundert) zu sehen. Darunter wird ein weiteres, altes Christusbild vermutet. Ein Walmdach mit vier Dacherkern aus späterer Zeit überdeckt Turm und Umgang. Das heutige Kirchenschiff ist ein klassizistischer Saalbau aus dem Jahre 1836 mit charakteristischen Halbkreisfenstern. Es wurde nach dem großen Brand am Anfang des letzten Jahrhunderts neu erstellt. An der Westempore sind die vier Apostel und Martin Luther mit dem Schwan – eine große Besonderheit – abgebildet. Dieses Bild wurde von der Lutherhalle in Wittenberg übernommen. In den 1960er Jahren kamen neben der Leichenhalle zwei Grabsteine für die verstorbenen Söhne des Pfarrers Ruppersberger aus dem Jahre 1664 und 1667 in die Umfassungsmauer.[12]

Brauchtum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Brauchtums- und Trachtenverein veranstaltet in unregelmäßigen Abständen gut besuchte Märkte und Feste.

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben Goßfelden ist Sterzhausen der zweite Ortsteil mit zentralörtlicher Funktion und allen Geschäften des täglichen Bedarfs. In Sterzhausen ist der Sitz der Verwaltung der Gemeinde Lahntal. Zu Sterzhausen gehören eine evangelische Kirche, eine Grundschule, ein Kindergarten, eine Freiwillige Feuerwehr, eine Gemeinde- und Turnhalle (mit großer Photovoltaikanlage), mehrere Spielplätze, Fußballplätze, zwei Banken, eine Apotheke, eine Eisdiele und vier Gaststätten.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Bahnhof Sterzhausen an der Oberen Lahntalbahn (MarburgBiedenkopfBad LaaspheErndtebrück) halten stündlich Regionalbahnen der Kurhessenbahn. Der Bahnsteig wurde Mitte der 2000er Jahre erneuert und gepflastert. Er ist 55 Zentimeter hoch und für mobilitätseingeschränkte Personen problemfrei erreichbar.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Sterzhausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Sterzhausen, Landkreis Marburg-Biedenkopf. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). (Stand: 16. Dezember 2014)
  2. Lahntal in Zahlen im Internetauftritt der Gemeinde Lahntal. Archiviert vom Original am 27. Januar 2016; abgerufen am 15. Januar 2016.
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 402.
  4. Verwaltungsgeschichte Land Hessen bei M. Rademacher, Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990
  5. Georg Landau: Beschreibung des Kurfürstenthums Hessen. T. Fischer, Kassel 1842, S. 389 (online bei HathiTrust’s digital library).
  6. Kur-Hessischer Staats- und Adress-Kalender: 1818. Verlag d. Waisenhauses, Kassel 1818, S. 123 (online bei Google Books).
  7. Verordnung vom 30sten August 1821, die neue Gebiets-Eintheilung betreffend, Anlage: Übersicht der neuen Abtheilung des Kurfürstenthums Hessen nach Provinzen, Kreisen und Gerichtsbezirken. Sammlung von Gesetzen etc. für die kurhessischen Staaten. Jahr 1821 – Nr. XV. – August., (kurhessGS 1821) S. 223-224
  8. Neueste Kunde von Meklenburg/ Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und den freien Städten, aus den besten Quellen bearbeitet. im Verlage des G. H. G. privil. Landes-Industrie-Comptouts., Weimar 1823, S. 158 ff. (online bei HathiTrust’s digital library).
  9. Verordnung über die Gerichtsverfassung in vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf vom 19. Juni 1867. (PrGS 1867, S. 1085–1094)
  10. Verfügung vom 7. August 1867, betreffend die Einrichtung der nach der Allerhöchsten Verordnung vom 19. Juni d. J. in dem vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf, zu bildenden Gerichte (Pr. JMBl. S. 221–224)
  11. Eintrag im Verzeichnis Monumentaler Eichen. Abgerufen am 10. Januar 2017
  12. kg-sterzhausen.lahntal.de: Kirchengemeinde Sterzhausen