Stift Zwettl

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Stift Zwettl
Prälatenhof mit Turm
Prälatenhof mit Turm
Lage OsterreichÖsterreich Österreich
Liegt im Bistum St. Pölten
Koordinaten: 48° 37′ N, 15° 12′ O48.61694444444415.2Koordinaten: 48° 37′ 1″ N, 15° 12′ 0″ O
Ordnungsnummer
nach Janauschek
133
Gründungsjahr 1138
Mutterkloster Stift Heiligenkreuz
Primarabtei Kloster Morimond
Kongregation Österreichische Zisterzienserkongregation
Fassade am Prälatenhof
Übersichtskarte am Stiftsportal
Kreuzganghof
Stiftskirche
Romanischer Brunnen

Stift Zwettl (lat. Abbatia B. M. V. de Clara Valle in Austria) ist eine Zisterzienser-Abtei und liegt im Waldviertel in Niederösterreich. Es besteht ohne Unterbrechung seit seiner Gründung im Jahr 1138 und ist damit nach dem Stift Rein und Stift Heiligenkreuz das drittälteste Zisterzienserkloster weltweit. Das Stift liegt unweit der gleichnamigen Stadt Zwettl. Der Klosterbau liegt typisch für eine Zisterze am Talboden und wurde in einer Flussschleife des Kamps errichtet.

Historische Entwicklung[Bearbeiten]

Das Kloster, 1138 vom Kuenringer Hadmar I. als erste Tochtergründung von Stift Heiligenkreuz aus gestiftet, gehörte der Filiation der Primarabtei des Klosters Morimond an. König Konrad III. bestätigte in einer Urkunde vom Oktober 1139 die von Hadmar gestiftetete Grundherrschaft und gewährte dem Kloster Schutz und Freiheit von jeder Vogtei.[1] 1159 wurde die Stiftskirche geweiht. 1185 gelangte ein Teil des südböhmischen Wittingau an das Stift. Dieser Teil wurde um 1250 an die Landsteiner Linie der Witigonen zurückverkauft.[2] 1266 übergab Čeč von Weleschin mit Zustimmung seiner Gemahlin Gisela von Kuenring das Dorf Reinprechts dem Zisterziensterstift Zwettl.[3] Im Stiftsareal befindet sich die Grablege einiger Kuenringer. Große Bedeutung erlangte das Skriptorium des Stiftes, das für ein rasches Anwachsen des Buchbestandes sorgte. Das Zwettler Stiftungsbuch, die Bärenhaut von 1311, ist eine der bedeutendsten Handschriften aus dieser Zeit.

Von besonderer kunsthistorischer Bedeutung ist der spätromanische bzw. frühgotische Kreuzgang, der den Kreuzgangsinnenhof einschließt. Dieser Kreuzganghof versinnbildlicht nach dem Glauben der römisch-katholischen Kirche das Paradies. Weitere Gärten sind der nach Art der italienischen Palastarchitektur erbaute Abteihof und der Garten de Prälatur, ein neobarocker Ziergarten nach englischem Vorbild. Bedeutsam sind weiters das frühgotische Brunnenhaus und der romanische Kapitelsaal mit beeindruckender Einsäulenarchitektur.

1427 wurde das Stift in der Schlacht bei Zwettl durch Hussiten unter Andreas Prokop großteils zerstört. Nach und nach erholte sich das Kloster und die umgebende Grundherrschaft erbuntertäniger Bauern; etwa 1490 wurde die prächtige gotische Stiftskirche fertiggestellt. 1544 wurde die erste Orgel von Jakob Künigswerth installiert.

Im 18. Jahrhundert erfuhr die Klosteranlage eine weitreichende Barockisierung; unter anderem wurde die barocke Westturmfassade von Joseph Munggenast nach Plänen von Matthias Steinl errichtet. Der Turm ist mit 82 Metern Höhe der zweithöchste Turm Niederösterreichs. Auch die Stiftsbibliothek, dessen farbenprächtige Deckenfresken der Barockmaler Paul Troger gestaltete, stammt aus dieser Zeit.

In den Jahren 1728 bis 1731 konzipierte Johann Ignaz Egedacher aus Passau die berühmten Orgeln des Stiftes Zwettl, die zu den größten und kostspieligsten Orgelprojekten in Wien und Niederösterreich zählen.

In den Jahren 2007 bis 2014 wurden die Stiftskirche und die anderen Gebäude des Komplexes mit einem Kostenaufwand von 13 Millionen Euro renoviert.[4]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Heute sind Land- und Forstwirtschaft, Fischzucht und die Weinproduktion im Weingut Schloss Gobelsburg die wirtschaftliche Grundlage für die Erhaltung des Stiftes. Mit der Errichtung des angrenzenden Truppenübungsplatzes nach dem Anschluss Österreichs 1938 an das Deutsche Reich verlor Stift Zwettl über 700 Hektar Wald und Ackerflächen in der Nähe der Grenze zur Tschechoslowakei durch Zwangsverkäufe.

Äbte[Bearbeiten]

  • Hermann, 1137/38–1147
  • Ruker, 1147/48–1149
  • Poto, 1149–1156
  • Rapoto, 1156–1161
  • Rudiger, 1161–1191/92
  • Wolfing (auch Bolfing genannt), 1191/92–1204(?)
  • Richer, 1207–1208
  • Marquard, 1208(?)–1227
  • Heinrich I., 1227–1233
  • Gottschalk, 1233–1248
  • Bohuslaus, 1248–1258
  • Konrad, 1258–1266
  • Pitrolf, 1267–1273
  • Ebro, 1273–1304
  • Otto I., 1304–1325
  • Gregor, 1325–1331
  • Dietrich, 1331–1334
  • Otto II. Grillo, 1334–1362
  • Eberhard, 1362–1371
  • Nikolaus I., 1371–1382
  • Michael I., 1382–1389
  • Nikolaus II., 1389–1392
  • Albert (auch Albrecht genannt), 1392–1402
  • Heinrich II., 1402–1404
  • Ulrich I. Offerl, 1404–1408
  • Nikolaus III. Gretzel, 1408–1410
  • Friedrich, 1410–1424
  • Thomas Paynger, 1425–1427
  • Michael II., 1428–1429
  • Johann I., 1429–1434
  • Johann II., 1434–1447
  • Johann III., 1447–1451
  • Georg, 1451–1453
  • Johann IV. Waltpekh, 1453–1474
  • Wolfgang I. Joachimi, 1474–1490
  • Koloman Bauernfeind, 1490–1495
  • Wolfgang II. Örtl, 1495–1508
  • Michael III., 1508
  • Ägid, 1508–1512
  • Erasmus Leisser, 1512–1545
  • Jakob Grünwald, 1545–1560
  • Joseph Scheuchenpflug, 1560–1561
  • Martin I. Steingaden, 1561–1566
  • Laurenz Hengenmüller, 1567–1577
  • Johann V. Ruoff, 1580–1585
  • Ulrich II. Hackl, 1586–1607
  • Johann VI. Neuner, 1608–1611
  • Johann VII. Seyfried, 1612–1625
  • Martin II. Günter, 1625–1639
  • Georg II. Nivard Koweindl, 1639–1645
  • Johann VIII. Bernhard Linck, 1646–1671
  • Kaspar Bernhard, 1672–1695
  • Robert Schöller, 1695–1706
  • Melchior Zaunagg, 1706–1747
  • Rainer I. Kollmann, 1747–1776
  • Rainer II. Sigl, 1776–1786 (1804 resigniert)
  • (Kom.abt Ignaz Weikopf), 1786–1804
  • Alois Pruckner, 1804–1808
  • Berthold Gamerith, 1808–1828
  • Julius Hörweg, 1834–1847
  • Augustin Steininger, 1847–1875
  • Anselm Brawenz, 1876–1878
  • Stephan Rössler, 1878–1923
  • Leopold Schmidt (Theologe)|Leopold Schmidt, 1923–1935
  • Bertrand Koppensteiner, 1935–1961
  • Ferdinand Gießauf, 1961–1980
  • Bertrand Baumann, 1980–1993
  • Paulus Winkelbauer, 1993–1996
  • Wolfgang Wiedermann, seit 1996, seit 2007 Abtpräses der Österreichischen Zisterzienserkongregation

Inkorporierte Pfarrkirchen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Karl Kubes, Joachim Rössl, Herbert Fasching: Stift Zwettl und seine Kunstschätze. Verlag Niederösterreichisches Pressehaus, St. Pölten, Wien 1979, ISBN 3-85326-481-6
  • Ursula Pechloff: Stift Zwettl. Kunstverlag Peda, Passau, 1995, ISBN 3-930102-71-4
  • Johann Tomaschek: Zisterzienserstift Zwettl. Brandstätter, Wien 1989, ISBN 3-85447-323-0
  •  Evelyn Benesch, Bernd Euler-Rolle, Claudia Haas, Renate Holzschuh-Hofer, Wolfgang Huber, Katharina Packpfeifer, Eva Maria Vancsa-Tironiek, Wolfgang Vogg: Niederösterreich nördlich der Donau. In: Bundesdenkmalamt (Hrsg.): Dehio-Handbuch Die Kunstdenkmäler Österreichs. Anton Schroll & Co, Wien 1990, ISBN 3-7031-0652-2, S. 1346–1366.
  • Walter Exner: Der Bernhardi-Altar im Stift Zwettl. Siebenberg-Verlag, Bad Wildungen, 1981
  • Gerhard Stenzel: Von Stift zu Stift in Österreich. Mit Luftbildaufnahmen von Lothar Beckel. Wien 1977, ISBN 3-218-00298-2. S. 54 bis 57, Kuenring oder Babenberg. Zwettl Niederösterreich, Zisterzienserstift. Mit einer Luftbildaufnahme der Gesamtanlage. S. 258 f. Stiftgeschichte. S. 259 Ehemaliges Kollegstift Zwettl.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Stift Zwettl – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Urkunde Nr. 36 in Friedrich Hausmann (Hrsg.): Diplomata 21: Die Urkunden Konrads III. und seines Sohnes Heinrich (Conradi III. et filii eius Heinrici Diplomata). Wien 1969, S. 58–60 (Monumenta Germaniae Historica, Digitalisat)
  2. Joachim Bahlcke u. a.: Handbuch der historischen Stätten Böhmen und Mähren, Kröner-Verlag, Stuttgart 1998, ISBN 3-520-32901-8, S. 666.
  3. Valentin Schmidt und Alois Picha: Urkundenbuch der Stadt Krummau in Böhmen. I. Band. 1253–1419. Prag, 1908, S. 2–4.
  4. Reportage in den Morgennachrichten von Radio Niederösterreich des ORF am 1. Mai 2014