Stiftsgymnasium Kremsmünster

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Stiftsgymnasium Kremsmünster
Kremsmünster Stiftskirche und Sternwarte.jpg
Schulform Gymnasium
Gründung 1549
Adresse

Stift 1

Ort Kremsmünster
Bundesland Oberösterreich
Staat Österreich
Koordinaten 48° 3′ 20,2″ N, 14° 7′ 51,6″ OKoordinaten: 48° 3′ 20,2″ N, 14° 7′ 51,6″ O
Schüler 350 (Stand 2015)
Lehrkräfte 44 (Stand 2015)
Leitung Wolfgang Leberbauer
Website stiftsgymnasium-kremsmuenster.at

Das Stiftsgymnasium Kremsmünster ist eine Allgemeinbildende höhere Schule im Stift Kremsmünster in der Marktgemeinde Kremsmünster in Oberösterreich. Das humanistisch-neusprachliche Stiftsgymnasium vermittelt Allgemeinbildung und als katholische Schule humanistisch-christliche Grundhaltungen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Öffentliche Klosterschule[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die frühere Klosterschule des Stiftes ist seit 1549 eine „Schule für die Öffentlichkeit“, und ab 1804 auch als kaiserlich-königliches Konvikt geführt. Das heutige Gymnasialgebäude wurde im Jahr 1891 vom Architekten Hermann Krackowizer errichtet. Ab 1906 war im Konvikt mit dem Museum auch ein Sängerknabeninstitut integriert. Von 1938 bis 1945 wurden das Gymnasium und Internat zwischenzeitlich als NS-Oberschule und NS-Schülerheim geführt.[1] Seit 1990 wurden im vormaligen Knabeninternat auch erstmals Mädchen und externe Fahrschüler aufgenommen.[2] Das der Schule angeschlossene Konvikt wurde im Jahr 2013 nach mehr als 200 Jahren wegen mangelnder Auslastung geschlossen, und wird heute als Tagesheim weitergeführt.[3]

Missbrauchsfälle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenktafel für Missbrauchsopfer

Ab 2010 war das Stiftsgymnasium Kremsmünster im Zusammenhang mit der Aufarbeitung der Missbrauchsfälle im Stift Kremsmünster immer wieder Gegenstand öffentlichen Interesses, wobei die jüngsten dokumentierten Fälle sexueller Gewalt bis ins Jahr 2001 zurückgehen. Eine vom Münchner Institut für Praxisforschung (IPP) unter der Leitung des Sozialpsychologen Heiner Keupp durchgeführte wissenschaftliche Studie[4] zum Thema "Sexualisierte, psychische und physische Gewalt in Konvikt und Gymnasium des Benediktinerstifts Kremsmünster" nannte unter anderem eine mangelnde pädagogische Qualifikation als Ursache für ein im Stiftsgymnasium bis in die jüngste Vergangenheit praktiziertes System der Schwarzen Pädagogik.[5] Seit September 2014 erinnert auch eine Gedenktafel im Gymnasialgang an die von den oben genannten Gewaltformen betroffenen ehemaligen Schüler des Gymnasiums. Im Juni 2017 wurde erneut ein Lehrer des Stiftsgymnasiums aufgrund von "Quälen oder Vernachlässigen unmündiger, jüngerer oder wehrloser Personen" angeklagt, und vom Landesgericht Steyr zu einer Geldbuße von 6400 EUR verurteilt.[6]

Neuer Träger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem Schuljahr 2013/14 wird das Gymnasium vom Schulverein des Benediktinerstiftes Kremsmünster getragen. Im Jahr 2015 besuchten rund 350 Schüler das Gymnasium, von den 44 Professoren sind aktuell auch sieben Patres. Seit der Schließung des Internats hat das ehemals österreichweit als Eliteschule bekannte Stiftsgymnasium jedoch eine überwiegend lokale Bedeutung für einheimische Schüler oder Fahrschüler aus der Region. Mehr als die Hälfte der Schüler wechselt während oder nach der Unterstufe in eine andere Schule, während aktuell nur rund ein Drittel der Schulanfänger das Gymnasium auch mit der Matura abschließt.[7]

Bekannte Schüler und Absolventen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenktafel für Adalbert Stifter

Ein Teil der Absolventen des Stiftsgymnasiums ist bis heute im Verein der Altkremsmünsterer organisiert.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. P. Alfons Mandorfer: "Das Gymnasium im Rückspiegel", 142. Jahresbericht des Stiftsgymnasiums, Kremsmünster 1999, S.43–56.
  2. P. Tassilo Boxleitner: "Vor 200 Jahren: Gründung des Konvikts im Jahr 1804", 147. Jahresbericht des Stiftsgymnasiums, Kremsmünster 2004, S. 87–93.
  3. Als letzte Klosterschule schließt Kremsmünster sein Internat, Oberösterreichische Nachrichten am 29. Februar 2012
  4. Heiner Keupp, Florian Straus, Peter Mosser, Wolfgang Gmür & Gerhard Hackenschmied: Schweigen - Aufdeckung - Aufarbeitung: Sexualisierte, psychische und physische Gewalt im Benediktinerstift Kremsmünster. Springer VS, Wiesbaden 2017, ISBN 978-3-658-14653-5.
  5. Das Missbrauchssystem von Kremsmünster, ORF.at am 27. März 2015
  6. 6400 Euro Strafe für Professor, der Schüler beschimpfte, Oberösterreichische Nachrichten am 8. Juni 2017
  7. Jahresberichte des Stiftsgymnasiums Kremsmünster, 1996-2012