Stiftskirche Herrenberg

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Stiftskirche, Blick von Nordwesten
Blick von Süden
Stiftskirche von Herrenberg, Ansicht vom Schlossberg

Die Stiftskirche ist das Wahrzeichen der Stadt Herrenberg und beherrscht durch die Lage am Hang das Tal weithin. Aufgrund dieser Lage wird sie scherzhaft in Anlehnung einer über ihre Küken wachenden Henne auch „Glucke“ genannt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Merianstich, aufgenommen vor dem Stadtbrand 1635. Links das Schloss Herrenberg, in der Mitte die Stiftskirche
Chor der Stiftskirche

Die Stiftskirche wurde in zwei Bauphasen (1276–1293 und 1471–1493) erbaut. Es ist die erste spätgotische Hallenkirche, die in Württemberg fertiggestellt wurde.

Die ursprüngliche Kirche hatte eine gotische Doppelturmfassade. Im Jahre 1749 wurden die beiden Turmspitzen entfernt, die beiden frühgotischen Turmräume zu einem Turmraum zusammengefasst und mit einer barocken Zwiebelhaube bekrönt.

Im 19. Jahrhundert wurde die Kirche mit Emporen ausgestattet.

Zwischen 1971 und 1982 wurde die Kirche umfassend restauriert und renoviert, um die Kirche zu retten. Schäden waren insbesondere dadurch entstanden, dass das Gebäude auf einem Berg steht, der nicht stabil ist, und sich pro Jahr etwa 1 mm auf die Altstadt zubewegt. Die Kirche wurde in sich stabilisiert. Im Zuge der Renovierung wurden die Emporen aus dem 19. Jahrhundert wieder entfernt.

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die Stiftskirche wurden zu Beginn des 16. Jahrhunderts die steingehauene Kanzel und ein bilderreiches Chorgestühl (von Heinrich Schickhardt dem Älteren) geschaffen.

Der Herrenberger Altar mit acht Tafelbildern von Jerg Ratgeb entstand in den Jahren 1518 bis 1521 im Auftrag der Brüder vom gemeinsamen Leben als Hochaltar. Die erhaltenen Teile des Retabels wurden 1891 verkauft und befinden sich seit 1924 in der Staatsgalerie Stuttgart. Eine Kopie der Altarretabel ist in der Stiftskirche zu besichtigen.

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Orgel der Stiftskirche

Die Orgel der Stiftskirche wurde 1985 von dem Orgelbauer Richard Rensch (Lauffen am Neckar) erbaut, wobei das Pfeifenmaterial sowie das Gehäuse der Hauptorgel von 1890 wiederverwendet wurden, die von der Orgelbaufirma Eberhard Friedrich Walcker (Ludwigsburg) erbaut worden war. Hinzugekommen ist das schwellbare Rückpositiv. Das Schleifladen-Instrument hat 36 Register auf drei Manualen und Pedal. Die Spieltrakturen sind mechanisch, die Registertrakturen elektrisch.[1]

I Hauptwerk C–g3
1. Bourdon 16′
2. Principal 8′
3. Holzflöte 8′
4. Octave 4′
5. Rohrflöte 4′
6. Quinte 22/3
7. Octave 2′
8. Mixtur V 2′
9. Zimbel III 1/2
10. Kornett V 8′
11. Trompete 8′
Zimbelstern
II Oberwerk C–g3
12. Salicional 8′
13. Gedeckt 8′
14. Geigenprincipal 8′
15. Schwebung 8′
16. Flauto Dolce 4′
17. Fugara 4′
18. Waldflöte 2′
19. Scharf IV-VI 11/3
20. Klarinette 8′
III Schwell-Positiv C–g3
21. Rohrgedeckt 8′
22. Principal 4′
23. Kleingedeckt 4′
24. Sesquialter II 22/3
25. Octave 2′
26. Quinte 11/3
27. Scharfzimbel IV 1′
28. Basson-Hautbois 8′
Tremulant
Pedal C–f1
29. Principalbaß 16′
30. Subbaß 16′
31. Octavbaß 8′
32. Spitzflöte 8′
33. Choralbaß 4′
34. Posaune 16′
35. Trompete 8′
36. Clairon 4′

Glocken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gloriosa, größte Läute-Glocke

Charakteristisch ist der wuchtige frühgotische Turm mit barocker Zwiebelhaube, als Ergebnis einer Turmerneuerung im 18. Jahrhundert.

Im Inneren des Turmes befindet sich eine weiträumige Glockenstube, die das umfangreichste Kirchengeläut Deutschlands beherbergt. Die Glocken wurden im Laufe eines Zeitraumes von über 1000 Jahren gegossen. Die Glockensammlung umfasst zum einen historische Herrenberger Glocken, sowie Einzelstücke aus dem gesamten deutschsprachigen Raum, darunter auch Leihglocken aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten. Neben dem sog. Hauptgeläut (20 Glocken) gibt es im Turm ein elf-stimmiges Zimbelgeläut aus den Jahren 1998 - 2001, zu dem die heute noch arbeitenden Glockengießereien in Deutschland, Österreich und der Schweiz jeweils mindestens eine Glocke beigesteuert haben.

Neben dem Läute-Bestand befindet sich im Turm ein 2012 angeschafftes, 50-stimmiges Glockenspiel.

Hauptartikel: Glockenmuseum (Herrenberg)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Roman Janssen & Harald Müller-Baur (Hrsg.): Die Stiftskirche in Herrenberg 1293–1993. Herrenberg 1993, ISBN 3-926809-06-X

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Informationen zur Orgel der Stiftskirche (PDF; 31 kB)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Stiftskirche Herrenberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 48° 35′ 49″ N, 8° 52′ 16″ O