Stiftskirche Lautenbach

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Außenansicht
Vorhalle der Stiftskirche Lautenbach im Westwerk
Säulen und Fries in der Vorhalle
Innenansicht nach Westen
Innenansicht nach Osten

Die Stiftskirche Lautenbach ist ein bedeutender Sakralbau der Romanik in Lautenbach im Elsass (Departement Haut-Rhin). Sie stellt eine wichtige Etappe an der Romanischen Straße dar.

Geschichte des Klosters und Stifts[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gründung des Benediktinerklosters Lautenbach reicht ins 8. Jahrhundert zurück, als irische Mönche aus dem Kloster Honau bei Straßburg im Blumental ansiedelten. Ein bedeutender Mönch und Propst dieses Klosters war der Philosoph Manegold von Lautenbach, der sich im Investiturstreit auf die Seite des Papstes stellte, woraufhin um 1080 kaiserliche Truppen das Kloster und seine Kirche zerstörten.

Dem Benediktinerkloster folgte ein Augustiner-Chorherrenstift, das sich in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts eine Stiftskirche errichtete, nachdem es unter der Vogtei von Werner von Habsburg zur Blüte gekommen war. Hierbei wurden Teile eines Vorgängerbaues wiederverwendet. Das über Jahrhunderte hin mächtige Stift wurde während der Französischen Revolution aufgehoben. Heute wird die ehemalige Stiftskirche als Pfarrkirche genutzt.

Romanische und gotische Bauteile der Stiftskirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ihre bedeutende Stellung in der Kunstgeschichte hat die Stiftskirche Lautenbach in erster Linie durch die gut erhaltene Vorhalle („Paradies“) innerhalb des Westwerks des Sakralbaus. Es handelt sich um eine dreischiffige Halle mit zwei Jochen, errichtet 1145 bis 1155, die sich durch schlanke Säulen und einen Fries auszeichnet. Der Fries um das Hauptportal zeigt linkerhand Szenen des Ehebruchs und rechterhand das Laster und seine Folgen. In der südwestlichen Ecke befinden sich zwei Erwählte im Paradies. Das Tympanon, das die Stiftspatrone Michael und Gangolf (Märtyrer der Ehetreue) und zwischen ihnen Christus in der Mandorla zeigte, wurde in der Französischen Revolution zerstört.

Über der Vorhalle befindet sich eine – für Besucher nicht zugängliche – Michaelskapelle, die früher gewölbt war und zum Langhaus Öffnungen aufwies.

Die ältesten Bauteile der Kirche aus dem Ende des 11. Jahrhunderts (1080–1100) sind die Außenmauern der Seitenschiffe, die außen noch vereinzelt Skulpturenschmuck des Vorgängerbaus sowie eine reliefgeschmückte (u. a. Davids Kampf mit dem Löwen?) Tür auf der Südseite aufweisen.

Auch das Querhaus, 1130 bis 1140 errichtet, ist älter als das Westwerk; an der östlichen Außenwand des südlichen Querhauses sind Spuren einer romanischen Apsis vorhanden. Ein Wasserspeier mit Judenhut ist beschriftet mit „Ich bin Vivilin“. Die Apsis des nördlichen Querhauses wurde in der Gotik durch eine Sakristei mit Kreuzrippengewölbe ersetzt. Auch der Chor stammt aus der Frühgotik (um 1235) und ersetzte einen romanischen Chor.

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frühest erhaltene Kunstwerke stammen aus dem 15. Jahrhundert, unter anderem das große Triumphkreuz von 1491 am Chorbogen und eine Madonna. Grabplatten von Chorherren gehören dem 15. bis zum 17. Jahrhundert an. Altäre, Kanzel und Orgel sind Barockschöpfungen. Das figurengeschmückte Chorgestühl stammt im Wesentlichen aus der Mitte des 15. Jahrhunderts.

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Orgel wurde 1772 von dem Orgelbauer Johann Peter Toussaint mit 41 Registern erbaut. Das Instrument wurde im 19. Jahrhundert mehrfach geringfügig verändert, und erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts nachhaltig, als unter anderem das ursprüngliche Echowerk gegen ein Recit ausgetauscht wurde. Die Orgel hat heute 38 Register auf drei Manualen und Pedal. Die Trakturen sind elektro-pneumatisch.[1]

I Récit expressif C–d3
1. Montre-viole 8′
2. Flûte majeure 8′
3. Dolce 8′
4. Voix céleste 8′
5. Prestant 4′
6. Doublette 2′
7. Mixture-cornet III 223
8. Basson/Hautbois 8′
II Grand Orgue C–cis3
9. Montre 8′
10. Flûte 8′
11. Bourdon 8′
12. Gambe 8′
13. Prestant 4′
14. Flûte 4′
15. Nasard 223
16. Doublette 2′
17. Tierce 135
18. Larigot 113
19. Fourniture III
20. Sifflet 1′
21. Cornet V
22. Trompette 8′
23. Clairon 4′
24. Voix humaine 8′
III Positif de Dos C–d3
25. Bourdon 8′
26. Salicional 8′
27. Prestant 4′
28. Flûte 4′
29. Nasard 223
30. Doublette 2′
31. Cornet III (D)
32. Fourniture III 1′
33. Cromorne 8′
Pédale C–d1
34. Contrebasse 16′
35. Bourdon 16′
36. Flûte 8′
37. Flûte 4′
38. Bombarde 16′
  • Koppeln: I/II, III/II, II/P

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Brockhaus' Konversationslexikon. F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894–1896, Band 17, S. 707. <http://www.retrobibliothek.de/retrobib/seite.html?id=137614>
  • Robert Will: Das romanische Elsaß. Verlag Zodiaque, 1966 (La Nuit des Temps 22).
  • Ernst Konrad: Die romanische Stiftskirche Lautenbach im Elsaß, Magisterarbeit am Institut Kunstgeschichte der Universität Stuttgart
  • M. W.: La Collégiale de Lautenbach. Eine kurze Führung, (Faltblatt) 2001
  • Hermann Brommer: Die Bildhauer zu Türckheim und die Barockausstattung der Stiftskirche in Lautenbach/Oberelsass. In: Alemannisches Jahrbuch 2003/2004. ISSN 0516-5644

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Nähere Informationen zur Orgel (Memento des Originals vom 10. März 2012 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/decouverte.orgue.free.fr

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Stiftskirche Lautenbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 47° 56′ 27,9″ N, 7° 9′ 32,1″ O