Stiftskirche St. Johann (Regensburg)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Außenansicht der Stiftskirche St. Johann in Regensburg von Südwesten
Innenraum
Kapitelsgruft unter dem Langhaus
Gedenktafel an die Funktion als Taufkirche des Regensburger Domes

Die Stiftskirche St. Johann in Regensburg, die sich in unmittelbarer Nähe des Domes St. Peter befindet, ist der geistliche Mittelpunkt des 1127 gegründeten Kollegiatstifts St. Johann, das den Heiligen Johannes dem Täufer (Gedenktag: 24. Juni) und Johannes dem Evangelisten (Gedenktag: 27. Dezember) geweiht ist. Die Stiftskirche hatte im Laufe der Jahrhunderte eine wechselvolle Geschichte. Der ursprünglich ottonische Bau musste zugunsten einer Westerweiterung des Regensburger Domes abgetragen werden. So entstand, bereits an der Stelle der heutigen Kirche, ein gotischer Bau, der in den 1760er Jahren eine durchgreifende barocke Umgestaltung erfuhr. Nach einem Brand im Jahr 1887 wurde das Gotteshaus in neobarocken Formen wiederaufgebaut.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorgängerbauten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stiftskirche St. Johann geht in ihren Wurzeln auf einen nicht mehr genau zu lokalisierenden Bau zurück, der als Taufkirche des alten Regensburger Domes diente. Deshalb wird die in den Fuldaer Annalen bezeugte Taufe von vierzehn böhmischen Fürsten am Oktavtag des Epiphaniefestes im Jahr 845 hier verortet. Daran erinnert seit 1995 eine Gedenktafel an der nördlichen Außenmauer der Kirche.[1]

Durch Ausgrabungen in den Jahren 1859 und 1924/25 wurde der Bau aufgefunden, der zu Beginn des 11. Jahrhunderts gleichzeitig mit dem an den karolingischen Dom angefügten Westquerhaus entstand und mit diesem durch eine Atrium verbunden war. Die erste bekannte Johanneskirche erstreckte sich quer zum Dom und war nach Süden ausgerichtet. Ihre Länge entsprach etwa der Breite des Domes. Bereits um die Mitte des 11. Jahrhunderts war St. Johann bereits nicht mehr Taufkirche, wie aus einer Stadtbeschreibung hervorgeht, sondern möglicherweise Dompfarrkirche, was allerdings nicht eindeutig nachgewiesen ist. Die großen Stadtbrände Regensburgs in den Jahren 1152 und 1176 dürften nicht nur den Dom, sondern auch die Stiftskirche in Mitleidenschaft gezogen haben.[1]

Um 1220 wurde das Atrium zwischen Johanneskirche und Dom erneuert. In der 1984/85 angelegten Bischofsgruft unter dem Dom sind von diesem Bau noch ein gut erhaltener Freipfeiler und mehrere Wandpfeiler zu sehen. Im 13. und 14. Jahrhundert baute man an die Johanneskirche mehrere Seitenkapellen an. Beispielsweise ist an der Südseite der Stiftskirche eine Nikolauskapelle bezeugt, die als frühgotische Rechteckkapelle ausgeführt war. Da deren Fundamente im Jahr 1859 unter dem Südturm des heutigen Domes gefunden wurden, weiß man, dass sie die gleiche Breite wie Stiftskirche besaß und mit dieser über eine Türe verbunden war.[1]

Abriss und Neubau der Stiftskirche im 14. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dem bereits um die Mitte des 13. Jahrhunderts begonnenen Neubau des Domes, bei dem die Bischofskirche stark nach Westen erweitert wurde, mussten die Stiftsgebäude und auch die Stiftskirche weichen. Obwohl die Nikolauskapelle 1325 noch vom Abriss ausgenommen wurde, trug man sie bald darauf dennoch ab, da dem Stift 1341 eine Ausgleichszahlung dafür zuerkannt wurde. Dem heiligen Nikolaus wurde als „Ersatz“ ein Altar in der Stiftskirche geweiht. Über mehrere Jahrzehnte widersetzte sich jedoch das Stift dem Abriss der Stiftskirche, auch da es zur damaligen Zeit großen Einfluss besaß. Bischof Konrad VI. von Regensburg schrieb beispielsweise im Jahr 1369, dass St. Johann „im Ansehen unseres Bistums die zweite Kirche“ sei. Am 2. Juli 1380 wurde dennoch der Abriss der alten Stiftskirche gegen Errichtung eines Neubaus mit fünf Altären innerhalb von zwölf Jahren vereinbart wurde.[1]

Der gotische Neubau der Stiftskirche war vermutlich bereits 1381 im Wesentlichen fertiggestellt. Dieser befand sich bereits an der Stelle der heutigen Kirche und war wie diese nach Osten ausgerichtet. Es handelte sich um eine zweischiffige Hallenkirche, deren südliches Seitenschiff im oberen Geschoss das Stiftsarchiv und den Kapitelsaal enthielt. Der Chor dieses Seitenschiffs diente wohl als Marienkapelle. An das nördliche Hauptschiff schloss sich das einschiffige Presbyterium an, über dem später der heutige Sakristeitrakt errichtet wurde. Die damalige Sakristei war nördlich in Richtung des Bischofshofes angebaut. Westlich davon erhebt sich der mächtige, quadratische Turm, der in der Barockzeit mit einer für Regensburg typischen Laterne bekrönt wurde.[1]

Umgestaltung im Zeitalter der Renaissance und des Barock[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1511 erhielt die Stiftskirche neue Figuren in einem Maß, das weit über die Vereinbarung von 1380 hinausging. 1538 baute Friedrich Pfannmüller aus Hirschau bei Amberg die bereits vorhandene Orgel um. 1628 erhielt der Turm eine Uhr mit Vierwochengangwerk, das sich bis heute in Betrieb befindet. Im gleichen Jahr goss Ulrich Deugner aus Regensburg zwei neue Glocken für die Stiftskirche, da im Jahr 1616 zwei Glocken wegen Dissonanz abgegeben worden waren. Laut Inschrift wurde um 1630 eine neue Altarretabel gebaut, in die das Tafelbild der „Schönen Maria“ von Albrecht Altdorfer aus der Zeit um 1520 eingesetzt wurde. Dieses befindet sich heute als Leihgabe im Diözesanmuseum in der nahe gelegenen Ulrichskirche. Außerdem wurde um 1630 unter dem damaligen Chor eine Gruft angelegt, die allerdings nie vom Kollegiatstift St. Johann genutzt wurde, sondern bis heute unter der Verwaltung des Bischofshofes steht. Zu dieser Zeit war die Stiftskirche von niedrigen Ladenbauten umgeben und durch eine Mauer, die bis ins 20. Jahrhundert bestand, mit dem Nordturm des Domes verbunden. Für das Jahr 1737 sind Ausbesserungsarbeiten am Dach und an den Altären überliefert. 1758 lieferte der Regensburger Bildhauer Simon Sorg ein nicht mehr vorhandenes Heiliges Grab.[1]

Heutiger Hochaltar mit dem Gemälde der Taufe Christi von Johann Nepomuk Schöpf (1769)

Von 1766 bis 1769 wurde die Stiftskirche durchgreifend umgebaut. Der gotische Bau wurde bis auf die Grundmauern niedergelegt. Die beiden Schiffe vereinigte man zu einem großen, einheitlichen Saal mit Flachdecke. Die Westfassade wurde dabei symmetrisch gestaltet, allerdings noch ohne den Ziergiebel. Der gotische Chor wurde durch eine Mauer abgetrennt und durch einen Zwischenboden zweigeschossig umgestaltet. Im unteren Stockwerk befindet sich seither die Sakristei umgewandelt, oben wurde der neue Kapitelsaal eingerichtet. Die 1698 wiederentdeckte Gruft auf der Westseite der Kirche wurde nun wieder für Bestattungen der Kanoniker geöffnet. Während auf eine Stuckierung verzichtet wurde, schuf der kurfürstlich-bayerische Hofmaler Johann Nepomuk Schöpf im Jahr 1768 zusammen mit seinen Gesellen drei prachtvolle Deckenfresken: die Enthauptung Johannes des Täufers, die Gründung und Erbauung der Stiftskirche St. Johann sowie Jakobs Traum. Außerdem schuf Schöpfs Werkstatt einige Wandgemälde, die zum Beispiel die Personifikation von Tugenden darstellten. Alle diese Gemälde sind heute nicht mehr erhalten.[1]

Im Zuge des Totalumbaus wurde auch die Ausstattung teilweise erneuert. Das Altarblatt der Taufe Jesu für den neuen Hochaltar, das noch erhalten ist, stammt ebenfalls von Schöpf und entstand im Jahr 1769. Außerdem wurden am 22. Oktober 1769 durch den Regensburger Weihbischof drei Seitenaltäre zu Ehren der „Schönen Maria“, der Anna selbdritt und des heiligen Sebastian konsekriert. Auch das kunstvoll verzierte Chorgestühl, das wie verschiedene andere Bildhauerarbeiten von Johann Valentin Dirr aus Stadtamhof und Johann Ignaz Andres aus Obermünster ausgeführt wurde, stammt aus dieser Zeit. Außerdem verbrachte 1769 Michael Herberger aus Stadtamhof ein Orgelwerk aus der Zeit um 1730, das wohl von seinem Schwiegervater Johann Konrad Brandenstein stammt, auf die Westempore der Stiftskirche.[1]

Restaurierung, Brand und Wiederaufbau im 19. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1835 wurden die drei Seitenaltarblätter restauriert. 1874 bis 1878 erfolgte dann eine mehrjährige Außen- und Innenrenovierung, bei der unter anderem die Wand- und Deckengemälde Schöpfs durch den Münchner Historienmaler Leopold Weinmayer wieder im Originalzustand gebracht wurden. Außerdem schuf der Regensburger Schreiner Johann Kohlhaupt nach einem Entwurf des Landshuter Bildhauers Paul Weiß einen neuen Hochaltar und einen Kreuzaltar im Stile der Neorenaissance. Die Fassung der neuen Altäre besorgten die Gebrüder Goß, Maler und Vergolder aus Stadtamhof. Im Jahr 1882 erhielt die Kirche schließlich ein neues Orgelwerk von Johann Anton Breil.[1]

Am 24. Juni 1887 im nördlich gelegenen Bischofshof ein Brand aus, der rasch auch auf die Stiftskirche übergriff und die Anstrengungen der Kirchenrestaurierung weitgehend zunichte machte. Der Turm brannte aus, Dachstuhl und Flachdecke wurden zerstört und auch die Orgel in Mitleidenschaft gezogen. In der Folge wurde gar der Abbruch der Stiftskirche zugunsten der Errichtung einer Domfreiheit erwogen, was aber nicht in die Tat umgesetzt wurde. Stattdessen beauftragte man 1888 den Architekten Bruno Specht mit dem Wiederaufbau. Während der Turm im alten Zustand wiederaufgebaut wurde, gestaltete man den Kirchenraum im neobarocken Stil um. Der Westfassade wurde ein Schaugiebel aufgesetzt. Am 23. Juni 1890 wurde das Gotteshaus neu geweiht.[1]

20. und 21. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die nächste Renovierungsmaßnahme zog sich von 1926 bis 1931. Dabei wurden Außenbau und Innenraum instandgesetzt, eine Heizung eingebaut sowie alle sechs Altäre restauriert. Auch eine Ausmalung des Gewölbes war angedacht, wurde jedoch nicht umgesetzt. In den Jahren 1957 bis 1959 erfolgte eine weitere Innenrenovierung. Dabei wurden Teile der Ausstattung, insbesondere Hochaltar und Kreuzaltar, purifiziert. Außerdem verschenkte man die unbrauchbar gewordenen Glocken aus dem 14. Jahrhundert zum Umguss an die Kirche St. Anna im Regensburger Stadtteil Großprüfening.[1]

Im Jahr 1975 erfolgte eine Außenrenovierung, bevor 1976 und 1977 konservatorische Arbeiten im Kircheninneren durch die Firma Hugo Preis aus Parsberg unter Aufsicht es Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege durchgeführt wurden. Dabei konnte die in Vergessenheit geratenen Wandfresken Schöpfs zum Teil wieder freigelegt werden. Außerdem wurde im Obergeschoss der Sakristei eine Hauskapelle für die Kanoniker eingerichtet, die mit ehemaligen Seitenaltären der Stiftskirche ausgestattet wurde. Die Arbeiten waren pünktlich zum 850-jährigen Stiftsjubliäum im Jahr 1977 abgeschlossen. Im Jahr 1992 wurde in der Laterne des Turmes ein Glockenspiel mit 84 Melodien eingebaut, das seither viermal täglich ertönt. 1996 erfolgte die vorerst letzte Renovierungsmaßnahme. Dabei erhielt der Innenraum durch neue Farbgestaltung ein etwas freundlicheres Aussehen.[1]

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Westfassade, im Hintergrund der Nordturm des Domes
Südportal mit Wappen des Kollegiatstifts St. Johann
Neobarocke Gedenktafel am Eingang zur Kapitelsgruft
Kreuzaltar
Marienaltar
Sebastiansaltar
Orgelprospekt der Stiftskirche mit Schleierwerk

Städtebauliche Einbettung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nordwestlich des Domes St. Peter gelegen, begrenzt die Stiftskirche St. Johann den Domplatz auf der Nordseite und stößt mit ihrer Westfassade an den Krauterermarkt, der sich nach Norden in Richtung Donau zieht. Sie sticht insbesondere durch die gelb-graue Farbgebung ihrer Fassade hervor und ist in ihren Dimensionen dem benachbarten Bischofshof angeglichen, wobei sie sich seit dem Wiederaufbau Ende des 19. Jahrhunderts durch neobarocke Stilelemente gestalterisch von diesem abhebt. Aufgrund der dichten Bebauung in der Regensburger Altstadt sind nur die Süd- und Westseite der Stiftskirche frei von Anbauten.[2]

Außenbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Schaufassade darf sicherlich die von rustizierten Ecklisenen gegliederte Westfassade angesehen werden. Mittig ist das ebenfalls von rustizierten Lisenen eingefasste Steinportal angeordnet, das von einem geschweiften Volutengiebel bekrönt wurde. Dieser enthält das Wappen von Papst Urban III., der das damalige Augustiner-Chorherrenstift im Jahr 1186 unter seinen Schutz gestellt hat. Zwei beiden Seiten des Portals befindet sich ein kleines ovales Fenster; darüber je ein größeres, hochrechteckiges Fenster, das in Form eines Stichbogens abgeschlossen ist. Oberhalb eines Gesimses erhebt sich der im 19. Jahrhundert aufgesetzte, segmentbogige Ziergiebel, der von zwei Zierobelisken eingerahmt wird. In der ädikulaartigen Nische des Segmentgiebels befindet sich eine Statue des Kirchenpatrons Johannes des Täufers aus Donaukalkstein. Diese wurde 1889 von dem Bildhauer Friedrich Preckel aus Stadtamhof geschaffen.[2]

Die Südfassade ist dagegen deutlich einfacher gestaltet. Sie zeigt deutlich die Gliederung des Kirchenbaus in fünf Joche und einen dreiseitigen Chorschluss. Die Jochtrennung erfolgt dabei durch grau getünchte Lisenen. In den dazwischen liegenden Wandfeldern sind hochrechteckige Stichbogenfenster eingesetzt. Im mittleren Joch befindet sich Südportal, ein einfacheres Steinportal, das von zwei Pilaster eingefasst und von einem Schweifgiebel bekrönt wird. In Letzterem ist das Wappen des Kollegiatstifts St. Johann aufgemalt. An die Nordseite des Chorschlusses schließt sich der Sakristeitrakt an, in dem bis 1766 der Chor des gotischen Vorgängerbaus untergebracht war. In dessen Obergeschoss sind heute der Kapitelsaal und die Hauskapelle der Stiftskanoniker untergebracht.[2]

Nördlich der Sakristei erhebt sich der gotische Turm, der nach dem Brand von 1887 weitgehend in den Formen des 14. Jahrhunderts wiederaufgebaut wurde. Der mächtige Turm aus grobem Bruchsteinmauerwerk erhebt sich über annähernd quadratischem Grundriss mit einer Kantenlänge von etwa sieben Metern. Den oberen Abschluss bildet eine in der Barockzeit aufgesetzte Laterne auf dem abgestumpften Pyramidendach, die von einer Turmkugel und dem in der Sonne glänzenden Bild der „Schönen Maria“ bekrönt wird. Letztere verweist auf das kostbare Tafelbild Albrecht Altdorfers, das sich im Besitz des Kollegiatstifts befindet. Zwischen Kirchenschiff, Turm und dem Nachbargebäude befindet sich ein kleiner Innenhof, der einen Blick auf das noch erhaltene gotische Bruchsteinmauerwerk der Kirchennordwand ermöglicht.[2]

Innenraum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Inneren präsentiert sich die Stiftskirche ein lichter, einschiffiger Raum in der Art eines Kongregationssaals, wie zum Beispiel auch der Bürgersaal in München. Seit dem Wiederaufbau Ende des 19. Jahrhunderts wird der Saalraum von einer Flachtonne mit Stichkappen überwölbt. Diese ruht auf Volutenkonsole an flachen Pilastern. Das Gewölbe wird von einfachen Stuckrahmen in Felder geteilt, die wohl ursprünglich für eine Bemalung vorgesehen waren. Im rückwärtigen Langhausjoch ist eine Westempore mit Orgel und geschweifter Brüstung eingezogen, die auf zwei rechteckigen Säulen ruht. Darunter befindet sich der Zugang zu der Gruft, die seit 1769 den Kanonikern als Grablege dient. Diese ist quer zum Langhaus der Stiftskirche angelegt.[2]

An der Nordseite der heutigen Sakristei gelangt man über einige Stufen zur gotischen Sakristei hinunter, die gemeinsam mit der gotischen Stiftskirche im letzten Viertel des 14. Jahrhunderts entstand. Das gotische Kreuzrippengewölbe, das Schlusssteine mit Vierblattrosetten und Efeublättern besitzt, ist weitgehend in der Originalform erhalten.[2]

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Altäre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der heutige Hochaltar besitzt infolge der Purifizierung von 1957/59 keinerlei architektonischen Aufbau mehr und ist ein Konglomerat aus mehreren, ursprünglich nicht zusammengehörenden Stücken: dem 1878 neu gerahmten Altarblatt der Taufe Christi von Johann Nepomuk Schöpf aus dem Jahr 1769, einem Barocktabernakel, der aus der Pfarrkirche St. Laurentius in Alteglofsheim stammt, und zwei Anbetungsengeln, die zuvor im Kapitelsaal von St. Johann untergebracht waren.[3]

Gegenüber dem Südportal befindet sich der Kreuzaltar, der in dieser Zusammenstellung ebenfalls 1957/59 entstanden ist. Das monumentale Kruzifix mit überlebensgroßem Korpus ist ein romanisierendes Werk aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, das zuvor in der Sakristei untergebracht war. Es wird flankiert von zwei spätgotischen Tafelbildern aus dem Umfeld des Malers Jan Polack, die der Kanoniker Michael Helmberger 1899 stiftete. Wahrscheinlich stammen die Bilder aus dem Hochaltar der Wallfahrtskirche St. Wolfgang bei Velburg. Außerdem sind auf der Altarmensa drei versilberte Holzbüsten des Evangelisten Johannes (Mitte) sowie der Apostel Petrus (links) und Paulus (rechts). Eine vierte dieser Büsten stellt Johannes den Täufer dar und ist momentan eingelagert.[3]

Ebenfalls an der Nordwand ist der barocke Marienaltar angeordnet, der 1630 von dem Kanoniker Johann Hardinger gestiftet wurde. Im Zentrum ist eine qualitätvolle Rokokofigur der Maria Immaculata zu sehen, die ein frühes Werk des Regensburger Bildhauers Simon Sorg aus der Zeit um 1750 darstellt. Diese Statue ersetzte das Renaissance-Tafelbild der „Schönen Maria“ von Albrecht Altdorfer, das bei der Renovierung 1926/31 entnommen wurde und heute im Diözesanmuseum St. Ulrich zu sehen ist. Die Immaculata wird von Figuren der Apostel Petrus (links) und Paulus (rechts) flankiert. Gegenüber auf der Südseite ist der Sebastiansaltar mit der Darstellung des Martyriums des namensgebenden Heiligen zu finden. Die beiden spätgotischen Seitenfiguren der Heiligen Stephanus und Nikolaus stammen aus der Zeit um 1480 und verweisen auf Altäre der Stiftskirche zu Ehren dieser Patrone, die bereits seit dem 14. Jahrhundert nachweisbar sind, aber heute nicht mehr bestehen.[3]

Übrige Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu beiden Seiten des Hochaltares befinden sich auf Konsolen Rokokofiguren der beiden Kirchenpatrone Johannes Baptist (rechts) und Johannes Evangelist (links) aus der Zeit um 1730. Eine weitere Figur des heiligen Johannes Nepomuk (links) stammt ebenfalls aus dem 18. Jahrhundert. Das eichene Chorgestühl mit schön geschwungenen Wangen und Sitzen entstand im Jahr 1769 nach einem Entwurf von Georg Christian Garri. Unter der Orgelempore sind Grabsteine von Kanonikern aus den Jahren 1634 bis 1761 angebracht. Damals wurden die Beisetzungen in der Kirche, noch nicht in der Gruft vorgenommen. Über selbiger erinnert eine neobarocke Marmorgedenktafel von Georg Federl an die verstorbenen Kanoniker. Rechts neben dem Marienaltar ist auf einer Konsole eine 65 Zentimeter hohen Lindenholzgruppe der heiligen Mutter Anna mit Maria angebracht, rechts neben dem Kreuzaltar eine etwa gleich große Pietà. Diese Figurengruppen wurden 1899 von dem Kanoniker Michael Helmberger gestiftet.[3]

Zwischen Pietà und Chorgestühl befindet sich ein Foto des Hlg. Papstes Johannes Paul II. (*1920 †2005) und darunter, auf einem Sockel, ein Reliquiar mit einer Blutsreliquie des Heiligen. Dieses Reliquiar ist ein Werk des Oberpfälzer Künstlers Engelbert Süss aus dem Jahre 2015. Das linke Bronzerelief zeigt die Grotte von Lourdes und Widmung der Stifter: „gestiftet von Deutsche Hospitalité Notre Dame de Lourdes“ – die rechte Seite zeigt Papst Johannes Paul II. und den Petersdom. Im Jahr 2014 wurde die Stiftskirche St. Johann der Deutschen Hospitalité Notre Dame de Lourdes als Kongregationskirche übertragen.[4]

Zahlreiche weitere Ausstattungsstücke, unter anderem ehemalige Seitenaltäre und Teile des wertvollen Kirchenschatzes, befinden sich in dem öffentlich nicht zugänglichen Teil der Kirche, bestehend aus Sakristei, Kapitelsaal und Hauskapelle.[3]

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die heutige Orgel wurde im Jahr 2004 von der Firma Orgelbau Eisenbarth aus Passau in einem barocken Gehäuse, das wohl von einer Orgel Johann Konrad Brandensteins stammt, neu errichtet. Sie ersetzte ein Werk von Eduard Hirnschrodt von 1953. Das Instrument umfasst 25 Register auf zwei Manualen und Pedal. Die Spieltrakturen sind mechanisch, die Registertrakturen mechanisch und elektrisch. Die Disposition lautet wie folgt:[5][6]

I Hauptwerk C–g3
1. Prinzipal 8′
2. Schrägflöte 8′
3. Gamba 8′
4. Copel 8′
5. Octave 4′
6. Copel 4′
7. Octave 2′
8. Mixtur IV 113
9. Cornettino III 223′ + 135
10. Trompete 8′
II Schwellwerk C–g3
11. Holzgedackt 8′
12. Salicional 8′
13. Vox coelestis 8′
14. Principal 4′
15. Flûte allemande 4′
16. Gemshörnlein 2′
17. Sifflöte III-IV 113
18. Plein jeu IV 2′
19. Oboe 8′
Tremulant
Pedal C–f1
20. Subbaß 16′
21. Zartbaß 16′
22. Oktavbaß 8′
23. Choralbaß 4′
24. Trompete 8′
25. Fagott 16′

Glocken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In dem Turm ist ein historisches, dreistimmiges Geläut mit der Tonfolge a1–cis2–gis2 untergebracht. Die große und die kleine Glocke wurden im Jahr 1333 von einem Magister Cunrad de Marburch gegossen. Die mittlere Glocke (cis2) ist ein Geschenk von einer Kirche in Mittelfranken und wurde vermutlich um 1480 gegossen. Damit dürfte das Geläut zu den ältesten im Bistum Regensburg zählen.[7]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Stiftskirche St. Johann (Regensburg) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i j k l Altmann, S. 2–9.
  2. a b c d e f Altmann, S. 9 und 12.
  3. a b c d e Altmann, S. 12–14.
  4. Informationen zur Deutschen Hospitalité und zur Einsetzung der Reliquie mit Abbildungen auf der Webseite des Bistums Regensburg, abgerufen am 4. Februar 2017
  5. Neue Orgeln in der Diözese Regensburg – Die Eisenbarth-Orgel in St. Johann, Regensburg. Online auf www.kirchenmusik-regensburg.de; abgerufen am 12. Januar 2017.
  6. Regensburg, St. Johann. Online auf www.orgelbau-eisenbarth.de; abgerufen am 12. Januar 2017.
  7. Regensburg, St. Johann – Vollgeläut. Online auf www.youtube.com; abgerufen am 24. Januar 2017.

Koordinaten: 49° 1′ 11″ N, 12° 5′ 51″ O