Stiftung Natur & Wirtschaft

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Die Stiftung Natur & Wirtschaft (franz.: Fondation Nature & Economie, ital.: Fondazione Natura & Economia) ist eine Naturschutzorganisation der Schweizer Wirtschaft. Sie wurde 1995 anlässlich des Europäischen Naturschutzjahres vom Bundesamt für Umwelt BAFU und Wirtschaftsverbänden als gemeinnützige Organisation gegründet. Die Stiftung hat sich zum Ziel gesetzt, Unternehmen für eine naturnahe Gestaltung ihrer Unternehmensareale zu motivieren. Inzwischen erfüllen mehr als 350 Unternehmen die stiftungseigenen Kriterien für die Zertifizierung. Über Kapital verfügt die Stiftung nicht; finanziert wird sie durch jährliche Beiträge der Gründer, der zertifizierten Unternehmen, der Sponsoren (Migros, SIG) sowie durch Erträge aus Dienstleistungen.

Zielsetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Schweiz gibt es 250 Millionen Quadratmeter Industrie- und Gewerbezone, auf der mehr als vier Millionen Arbeitnehmer täglich ein- und ausgehen. Die Stiftung hat sich das Ziel gesetzt, 1000 naturnah gestaltete Unternehmensareale zu realisieren. So sollen sich Umwelt und Wirtschaft besser ergänzen. Die Stiftung will einerseits ökologische Räume als Ausgleichsflächen für verbaute Landschaften schaffen und den Lebensraum sowie die Lebensqualität für Menschen, Pflanzen und Tiere im urbanen Raum verbessern. Andererseits wird so eine ökologische, nachhaltige Unternehmenskultur gefördert, gestresste Manager und alle Mitarbeitenden können eine entspannende Arbeitspause in der Natur geniessen und werden so entschleunigt. Naturnahe Lebensräume sollen Teil des unternehmerischen Kapitals werden und dessen Nachhaltigkeitsstrategie sichtbar machen. Ab 2014 zeichnet die Stiftung auch vorbildliche Wohnsiedlungen aus, die eine naturnahe Umgebung aufweisen.

Wirkung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den vergangenen 19 Jahren wurden 37 Millionen Quadratmeter als naturnahe Fläche zertifiziert. Zum Vergleich: Die Fläche aller Schweizer Freizeitanlagen beträgt 40 Millionen Quadratmeter. Die wichtigsten Branchen sind Industrie- und Kieswerke, Kläranlagen, Institutionen des Bildungs- und Gesundheitswesens, der Lebensmittelindustrie, Hotels und Restaurants sowie Banken und Versicherungen.

Stiftungsrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im November 1996 wurde die Stiftung Natur & Wirtschaft auf Initiative der Biologen Reto Locher und Urs Hintermann gegründet und am 30. Januar 1997 im Handelsregister des Kantons Bern eingetragen. Stiftungspräsident ist Nationalrätin Christine Häsler, als Geschäftsführerin wirkt Manja Van Wezemael. Zum Stiftungsrat gehören Heidi Oswald vom Migros-Genossenschafts-Bund, David Mastrogiacomo vom Generalplaner Losinger-Marazzi AG, Markus Solinger vom Verband der Schweizerischen Gasindustrie, Martin Weder vom Fachverband der Schweizerischen Kies- und Betonindustrie, Hans Romang vom Bundesamt für Umwelt BAFU, sowie Naturgartenexperte Peter Richard von Winkler & Richard AG. Für die Geschäftsstelle in der Romandie ist Alain Stuber, im Tessin Roberto Buffi zuständig. Das Präsidium hält Beat Flach inne.

Kriterien für die Zertifizierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Qualitätslabel der Stiftung Natur & Wirtschaft werden Unternehmens- und Wohnareale ausgezeichnet, die durch ihre besondere ökologische Qualität einen Beitrag zur Erhaltung der natürlichen Artenvielfalt insbesondere in Industrie- und Gewerbezonen leisten.

Mindestanforderungen:

  1. Mindestens 30 Prozent des Gebäudeumschwungs (inkl. Flachdächer) sind naturnah gestaltet. Bei Wohnsiedlungen müssen 40 Prozent der Umgebung naturnah sein.
  2. Die naturnahen Flächen werden nur mit einheimischen und standortgerechten Arten bepflanzt oder eingesät.
  3. Auf den naturnahen Flächen werden keine Biozide und Düngemittel eingesetzt. Auf Herbizide ist auf dem ganzen Areal zu verzichten.
  4. Die naturnahen Wiesen werden höchstens zweimal jährlich geschnitten und nicht gedüngt.
  5. Verkehrsflächen sind mit wasserdurchlässigen Bodenbelägen aus regionalen Materialien versehen, soweit dies aus Sicherheitsgründen (z. B. Grundwasserschutz) möglich ist.
  6. Dach- und Regenwasser wird möglichst oberflächlich auf dem Grundstück versickert, sofern das Wasser keine Verschmutzung aufweist und der Untergrund dazu geeignet ist (GschG vom 24. Januar 1991).
  7. Die fachgerechte Planung, Realisierung und Pflege des naturnahen Areals sind gewährleistet.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Reto Locher (Hrsg.): Jubiläumsband zum zehnjährigen Jubiläum der Stiftung Natur & Wirtschaft. Edition Commcare, Luzern 2007, ISBN 978-3-033-01296-7.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Website und Jubiläumsband (s. o.)
  • Newsletter 1/2007 der Stiftung Natur & Wirtschaft