Stiftung Neue Verantwortung

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Stiftung Neue Verantwortung
(SNV)
Zweck: Förderung des interdisziplinären und sektorübergreifenden Denkens entlang der wichtigsten gesellschaftspolitischen Themen und Herausforderungen im 21. Jahrhundert.
Vorsitz: Michael Vassiliadis
Gründungsdatum: 2008
Sitz: Berlin
Website: www.stiftung-nv.de

Die Stiftung neue Verantwortung e. V. (Eigenschreibweise: Stiftung Neue Verantwortung oder kurz SNV) ist eine gemeinnützige Denkfabrik in Berlin, die sich auf Technologie- und Gesellschaftsthemen spezialisiert hat.[1] Sie ist als Verein organisiert und beschäftigt sich mit den Themen IT-Sicherheit, Datenökonomie, staatliche Überwachung, digitale Grundrechte, Medienwandel sowie anderen internet- und technologienahen Themen.[2]

Gründung und Entwicklung der Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stiftung Neue Verantwortung wurde 2008 gegründet und verfolgte ursprünglich das Ziel, jungen Nachwuchskräften aus Unternehmen, Forschungseinrichtungen und zivilgesellschaftlichen Organisationen jeweils für ein Jahr eine Plattform in Berlin zu bieten, um an gesellschaftlichen Problemen zu arbeiten, zu publizieren und Netzwerke aufzubauen.[3] Zu den Trägern des Vereins gehörten bei der Gründung die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften (Acatech), der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), die Union der deutschen Akademien der Wissenschaften und der Deutsche Sportbund. Finanziert wurde die Organisation durch Spenden von Unternehmen – darunter Friedhelm Loh, die Beisheim Holding, EnBW, Bosch oder Giesecke & Devrient.[4]

Mit dem Wechsel des Vorstands Ende 2014[5] begann die Neuausrichtung der Organisation zu einer Denkfabrik mit dem Themenschwerpunkt Digitalisierung und einem festen, interdisziplinären Personalstamm. Die Finanzierung erfolgte fortan größtenteils durch Förderungen gemeinnütziger Stiftungen oder der öffentlichen Hand.[6]

Aufgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stiftung will konkrete Vorschläge entwickeln, „wie die deutsche Politik den technologischen Wandel in Gesellschaft, Wirtschaft und Staat gestalten kann“ und möchte „der Zivilgesellschaft eine stärkere Stimme in der Digitalisierungspolitik geben“.[7] 2016 beschäftigte sie 14 Fachleute unterschiedlichster Disziplinen.[8]

Organisation und Leitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verantwortlich für die Leitung der Organisation ist der geschäftsführende Vorstand. Vorstandsmitglieder sind Anna Wohlfarth, Stefan Heumann und Ben Scott. Der Vorstand wird durch ein neunzehn-köpfiges Präsidium ernannt und kontrolliert.[9] Dem Präsidium gehören Vertreter der Wissenschaftsakademien, der Politik, der Wirtschaft sowie Führungspersönlichkeiten aus zivilgesellschaftlichen Organisationen an. Vorsitzender des Präsidiums ist Michael Vassiliadis.

Themen und Aktivitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Inhaltlich konzentriert sich die Stiftungsarbeit auf politische und gesellschaftliche Themenbereiche, die mit der Digitalisierung und anderen technologisch-gesellschaftlichen Umbrüchen zusammenhängen. Dazu gehören unter anderem digitale Infrastrukturen, die Automatisierung menschlicher Arbeit, IT- und Cyber-Sicherheit oder digitale Überwachung,[10] wobei man sich vorwiegend auf aktuelle politische Entwicklungen und laufende gesellschaftliche Debatten konzentrieren will.[11] Analysen oder praktischen Handlungsempfehlungen, die sich an den Politikbetrieb richten, werden als Publikationen bereitgestellt, darunter etwa Vorschläge zur strengeren Kontrolle des Bundesnachrichtendienstes[12], zur Breitbandpolitik[13] oder zur IT-Sicherheitspolitik[14]. Szenario-Studien untersuchen zukünftige technologisch-gesellschaftliche Entwicklungen wie den Wandel des Arbeitsmarkts durch Automatisierungstechnik, Robotik und intelligente Software.[15] Andere Publikationen beschäftigen sich mit den Auswirkungen von Technologien auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt.[16]

Neben Publikationen richtet der Verein öffentliche Diskussionsveranstaltungen aus. Gäste waren unter anderem der Geheimdienstbeauftragte des Bundeskanzleramts Klaus-Dieter Fritsche, die Wikileaks-Aktivistin Sarah Harrison[17], der Moskauer Journalist Andrei Soldatov[18] oder Hillary Clintons Wahlkampfleiter Robby Mook[19]. Mitarbeiter der Denkfabrik beteiligen sich zudem regelmäßig als Gastautoren für Zeitungen und Online-Medien an öffentlichen wie akademischen Debatten.[20][21][22][23]

Politische Ausrichtung und Positionen in Debatten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während der Reform der deutschen Geheimdienstgesetze im Jahr 2016 sprach sich Thorsten Wetzling als Leiter des Bereichs „Digitale Grundrechte, Überwachung und Transparenz“ der Stiftung für eine stärkere Kontrolle des Bundesnachrichtendienstes aus.[24][25] Im Zusammenhang mit der Verwaltungsmodernisierung wurde gefordert, mehr Daten aus Behörden und Verwaltungen für Bürger und Start-Ups öffentlich zugänglich zu machen.[26] In anderen Papiere wird eine Aufweichung der Netzneutralität kritisiert[27] oder für mehr staatliche Eingriffe im Bereich der IT-Sicherheit[28] und eine stärkere Beteiligung der Zivilgesellschaft durch Parlament und Regierung argumentiert[29]. Durchgängige Positionen vertritt die Organisation anscheinend bei einem starken Schutz von Grundrechten und der Privatsphäre.[30][31][32]

Finanzierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stiftung verfügte 2016 nach eigenen Angaben über ein jährliches Budget von circa 1,1 Millionen Euro, das größtenteils durch Förderungen gemeinnütziger Organisationen, Stiftungen und öffentlichen Einrichtungen gedeckt wird. 30 Prozent des Gesamtbudgets sind Unternehmensspenden. Insgesamt finanzieren 27 Förderer die Organisation. Zu den größten Förderern der Organisation zählten 2016 das Omidyar Network, die Robert Bosch Stiftung, die Innogy Stiftung für Energie und Gesellschaft und das Auswärtige Amt, daneben auch die Stiftung Mercator und die Open Society Foundations.[33]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Anna Klar: Bei der Digitalisierung sollen alle mitreden können. In: Berliner Morgenpost. (morgenpost.de [abgerufen am 26. Januar 2018]).
  2. Stefan Krempl: Neue Berliner Denkfabrik will die Digitalisierung praktikabel machen. In: Heise online. 19. Juli 2016, abgerufen am 26. Januar 2018.
  3. Neuer Thinktank für junge Eliten in Berlin gegründet. In: Die Welt. 4. Juli 2008 (welt.de [abgerufen am 2. Februar 2018]).
  4. "Herausforderungen" statt "Probleme" – manager magazin. In: manager magazin. (manager-magazin.de [abgerufen am 2. Februar 2018]).
  5. Wohlfarth übernimmt alleinige Leitung der snv. In: Politik & Kommunikation. (politik-kommunikation.de [abgerufen am 2. Februar 2018]).
  6. heise online: Neue Berliner Denkfabrik will die Digitalisierung praktikabel machen. Abgerufen am 2. Februar 2018.
  7. Über uns | Stiftung Neue Verantwortung (SNV). Abgerufen am 2. Februar 2018.
  8. Denkfabrik vernetzt Digitalgesellschaft. In: vdi-nachrichten.com. 22. Juli 2016 (vdi-nachrichten.com [abgerufen am 2. Februar 2018]).
  9. Gremien | Stiftung Neue Verantwortung (SNV). Abgerufen am 30. Januar 2018.
  10. heise online: Neue Berliner Denkfabrik will die Digitalisierung praktikabel machen. Abgerufen am 30. Januar 2018.
  11. Anna Klar: Bei der Digitalisierung sollen alle mitreden können. (morgenpost.de [abgerufen am 30. Januar 2018]).
  12. Falk Steiner: Interview: Nachrichtendienst unter Kontrolle? Abgerufen am 30. Januar 2018.
  13. Breitbandausbau in Deutschland: Die Internet-Lüge. (handelsblatt.com [abgerufen am 30. Januar 2018]).
  14. tagesschau.de: Hacker-Angriffe auf Bundestag - Warten auf das Leak. Abgerufen am 30. Januar 2018.
  15. Sven Astheimer: Zukunft in sechs Szenarien: Was wird, wenn die Roboter übernehmen? In: FAZ.NET. 13. April 2016, ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 30. Januar 2018]).
  16. Impulspapier: Erhobene Daten müssen dem Allgemeinwohl dienen. Abgerufen am 30. Januar 2018.
  17. Podiumsdiskussion: Viele Worte zu Kontrolle, wenig Fragen zur grundsätzlichen Legitimation von Geheimdiensten. Abgerufen am 30. Januar 2018.
  18. Bundeszentrale für politische Bildung: Stiftung Neue Verantwortung | bpb. Abgerufen am 30. Januar 2018.
  19. German Angstwahl: Die digitale Nervosität der deutschen Parteien. In: WIRED. (wired.de [abgerufen am 30. Januar 2018]).
  20. Jan-Peter Kleinhans, Jan-Peter Kleinhans: IT-Sicherheit: Der Staat gegen das Internet der unsicheren Dinge. In: Die Zeit. 5. November 2016, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 30. Januar 2018]).
  21. Stefan Heumann: Nationalstaat gegen Internet | NZZ. In: Neue Zürcher Zeitung. 19. September 2016, ISSN 0376-6829 (nzz.ch [abgerufen am 30. Januar 2018]).
  22. Global, gemeinsam, vernetzt. In: DGAP e.V. 28. Juni 2016 (dgap.org [abgerufen am 30. Januar 2018]).
  23. Gastbeitrag von Stefan Heumann: Fünf digitale Großbaustellen für Jamaika. In: sueddeutsche.de. 10. November 2017, ISSN 0174-4917 (sueddeutsche.de [abgerufen am 30. Januar 2018]).
  24. Dr. Thorsten Wetzling: Stellungnahme zum Entwurf eines Gesetzes zur Ausland-Ausland-Fernmeldeaufklärung des Bundesnachrichtendienstes sowie weiterer Vorlagen. Hrsg.: Deutscher Bundestag Innenausschuss. Berlin, S. 19.09.2016 (bundestag.de [PDF]).
  25. Die Frage der Kontrolle. In: Das Parlament. (das-parlament.de [abgerufen am 2. Februar 2018]).
  26. Tobias Knobloch: Debatte Flüchtlinge und Digitalisierung: Flucht in die Datenwelt. In: Die Tageszeitung: taz. 6. Januar 2016, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 2. Februar 2018]).
  27. Unterschiedliche Regeln zur Netzneutralität könnten Internet fragmentieren. Abgerufen am 2. Februar 2018 (deutsch).
  28. Jan-Peter Kleinhans, Jan-Peter Kleinhans: IT-Sicherheit: Der Staat gegen das Internet der unsicheren Dinge. In: Die Zeit. 5. November 2016, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 2. Februar 2018]).
  29. Anna Klar: Junge Profis: Projektmanagerin in. (morgenpost.de [abgerufen am 2. Februar 2018]).
  30. Julia Manske: Debatte Digitalisierung der Städte: Der Hype um die Smart City. In: Die Tageszeitung: taz. 4. Juni 2017, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 2. Februar 2018]).
  31. NSA und BND - Mühsame Aufklärung der Geheimdienstaffäre. In: Deutschlandfunk. (deutschlandfunk.de [abgerufen am 2. Februar 2018]).
  32. Gastbeitrag von Stefan Heumann: Fünf digitale Großbaustellen für Jamaika. In: sueddeutsche.de. 10. November 2017, ISSN 0174-4917 (sueddeutsche.de [abgerufen am 2. Februar 2018]).
  33. https://www.stiftung-nv.de/de/finanzierung Webpräsenz der Stiftung