Stiftung Preußischer Kulturbesitz

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Stiftung Preußischer Kulturbesitz

(SPK)

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Rechtsform: Stiftung des öffentlichen Rechts
Zweck: Bewahrung und Pflege der Kulturgüter des ehemaligen Landes Preußen
Vorsitz: Hermann Parzinger[1]
Bestehen: seit 25. Juli 1957
Stifter: Bund und Länder
Mitarbeiterzahl: rund 2000
Sitz: Berlin
Website: www.preussischer-kulturbesitz.de

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (kurz: SPK) ist eine Stiftung des öffentlichen Rechts mit Sitz in Berlin. Sie wurde am 25. Juli 1957 durch ein Bundesgesetz gegründet. Ihre Aufgabe ist die Bewahrung und Pflege der Kulturgüter des ehemaligen Landes Preußen. Zur Stiftung Preußischer Kulturbesitz gehören die Staatlichen Museen zu Berlin, die Staatsbibliothek zu Berlin, das Geheime Staatsarchiv, das Ibero-Amerikanische Institut und das Staatliche Institut für Musikforschung. Die SPK ist unabhängig von der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stiftung wurde am 25. Juli 1957[2] durch ein Bundesgesetz gegründet und erhielt am 6. September 1961[3] durch Verordnung der Bundesregierung eine Satzung. Das vorrangige Ziel war zunächst, die Kulturgüter des ehemaligen Landes Preußen zu erhalten und zu pflegen. Seit der Deutschen Wiedervereinigung besteht eine wichtige Aufgabe in der Zusammenführung bisher getrennter Sammlungen. Die SPK zählt zu den größten Kultureinrichtungen weltweit.[4] Die Hauptverwaltung und der Präsident haben ihren Sitz in der Villa von der Heydt in Berlin-Tiergarten. Die Stiftung wurde bzw. wird von folgenden Präsidenten geleitet:

Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Villa von der Heydt in Berlin-Tiergarten, Sitz der Hauptverwaltung und des Präsidenten

Aus den Sammlungen, Bibliotheken und Archiven des preußischen Staates sind die fünf Einrichtungen der Stiftung hervorgegangen:

Zu den fünf Einrichtungen der Stiftung gehört eine Vielzahl einzelner Organisationseinheiten, von denen die bekanntesten die 15 Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin sind. Zu den Museen gehören auch das Institut für Museumsforschung und das Rathgen-Forschungslabor, zu der Staatsbibliothek gehört die Bildagentur für Kunst, Kultur und Geschichte (vormals Bildarchiv). Das Staatliche Institut für Musikforschung betreibt das Musikinstrumenten-Museum mit eigener Restaurierungswerkstatt. Im Jahr 2014 hat die Stiftung ein neues Funktionsgebäude in einer entstehenden Speicherstadt im Ortsteil Friedrichshagen in Betrieb genommen. Das neue Archiv bietet Platz für sechs Millionen Bücher und wird von der Staatsbibliothek, dem Ibero-Amerikanischen Institut und der Bildagentur gemeinsam genutzt. Entworfen hat das Magazin-Gebäude der Münchener Architekt Eberhard Wimmer. Der Bau, vom Bund finanziert, kann bei Bedarf noch erweitert werden.[5]

Die dem deutschen Kulturstaatsminister unterstellte Stiftung wird zu 75 Prozent vom Bund und zu 25 Prozent von den Ländern getragen. Die Gebäudekosten wie die Unterhaltungskosten für die Museumsinsel werden zurzeit vollständig vom Bund übernommen. Die Stiftung engagiert sich für das Freiwillige Soziale Jahr in der Kultur. So gibt es seit 2004 jeweils eine Stelle in der Generaldirektion der Staatlichen Museen, im Ibero-Amerikanischen Institut, in der Staatsbibliothek und im Zentralarchiv der Staatlichen Museen. Seitdem wurden in einigen Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin weitere FSJ-Stellen eingerichtet, z. B. im Ägyptischen Museum und Papyrussammlung, der Gemäldegalerie, der Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst.

Die Stiftung vergibt jährlich den Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Preis, zur Auszeichnung von Nachwuchsmusikern deutscher Musikhochschulen. Alle fünf Jahre wird der Ernst-Waldschmidt-Preis von der Stiftung ausgelobt.

Das Rechnernetzwerk der SPK ist mit dem Berliner Wissenschaftsnetz BRAIN verbunden.

Reformpläne[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Organisationsstruktur der Stiftung gilt als reformbedürftig und wurde in einem von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) angeforderten und Anfang Juli 2020 veröffentlichten Gutachten des Wissenschaftsrats als „überfordert“ und „dysfunktional“ bezeichnet. Es wird darin erwogen, die SPK bis spätestens 2025 in vier eigenständige Stiftungen (Staatliche Museen, Staatsbibliothek, Geheimes Staatsarchiv und Ibero-Amerikanisches Institut) zu überführen.[6] Grütters erklärte, sie wolle die Stiftung innerhalb von drei bis fünf Jahren reformieren.[7] Der Stiftungsrat der SPK setzte infolgedessen eine Reformkommission ein, bestehend aus Vertretern des Bundes, der Länder Berlin, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt und Hamburg, des SPK-Präsidiums und von Museumsdirektoren.[8]

Finanzierungsschwierigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die seit Ende der 2010er Jahre mit der Begutachtung beauftragte Gruppe des Deutschen Wissenschaftsrates unter Vorsitz der Literaturwissenschaftlerin Marina Münkler evaluierte alle Ebenen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Sie kam zu dem Schluss, dass es in den Leitungsebenen der Teilbereiche zu viele unklare Verantwortlichkeiten und widerstreitende Interessen gebe. Zwar trage der Bund den Hauptteil der Kosten, aber die tatsächliche Mittelzuweisung sei beispielsweise an den Eigenanteil des Landes Berlin gekoppelt. Wenn Berlin jedoch keine Mittel ausschüttet, könnten auch Mittelzuweisungen des Bundes nicht erfolgen. Deshalb empfiehlt das Gutachten die Auflösung und Neustrukturierung der SPK. Empfohlen wird, dass die Staatsbibliothek, das Geheime Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz und das Ibero-Amerikanische Institut direkt dem Bund zugeordnet werden. Die Staatlichen Museen zu Berlin hingegen könne man nicht auseinanderreißen, doch brauchten die Häuser ein eigenes Budget. Hierfür sei der Verbund die richtige Organisationsform.[9]

Stellungnahmen zu den Reformplänen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Michelle Müntefering (SPD), Staatsministerin für Kulturpolitik im Auswärtigen Amt, kritisierte die Auflösungspläne. Ihr Ministerium habe in der Stiftung und deren Präsidenten Hermann Parzinger einen guten Ansprechpartner. Reformen seien zwar notwendig, eine Auflösung sei aber falsch; „denn warum sollte man einfach die Weltmarke SPK zerstören?“ Außerdem binde eine massive Neuorganisation über Jahre hinweg viele Energien, anstatt notwendige Entwicklungen wie beispielsweise die Digitalisierung von Archivbeständen voranzutreiben.[10]

Claudia Schwartz kritisierte in der NZZ, dass mit dem Preußischen Kulturbesitz mehr als eine Stiftung aufgelöst würde. „Es wäre damit eine Tradition der Preussenfeindlichkeit fortgeschrieben, die jene historische Epoche auf die deutsche Schuld verkürzt.“[11]

Ijoma Mangold kommentierte in der ZEIT, es sei „richtig, die aufgeblasene Stiftung aufzuteilen“, jedoch „falsch, die preußische Vergangenheit gleich mit zu entsorgen“. Mit der Stiftung sei nach der Wiedervereinigung das Preußen „nicht des Generalstabs, sondern das der Reformer Stein und Hardenberg und der Weltgelehrten Alexander und Wilhelm von Humboldt“ zum Bezugspunkt der Berliner Republik geworden, wofür die Museumsinsel genauso stehe wie der Reichstag. Es müsse eine Reform möglich sein, ohne die Dachmarke zu zerstören. „Preußen gehört zur deutschen Geschichte und sollte auch institutionell adressierbar bleiben. Wer Preußen exorziert, kann sich mit der Vergangenheit auch nicht mehr kritisch auseinandersetzen.“[12]

Klaus-Dieter Lehmann erklärte, das Gutachten des Wissenschaftsrates schieße über das Ziel hinaus. „Löst nicht auf, was vernetzt werden muss!“, warnte der ehemalige Stiftungspräsident in der FAZ.[13] Ohne expliziten Bezug zu den Reformplänen äußerte sich der amtierende Stiftungspräsident Hermann Parzinger Ende Januar 2021 anlässlich der Wiedereröffnung der Staatsbibliothek Unter den Linden nach deren Grundsanierung im Tagesspiegel zur Bedeutung der Staatsbibliothek dem Tenor nach ähnlich: „Bibliotheken sind in den letzten Jahren insbesondere im anglo-amerikanischen Bereich immer enger mit Archiven und Museen zusammengerückt, weil sie schon lange wesentliche Werte teilen. Als vernetzte Wissensspeicher machen sie das Wissen der Welt verfügbar und neue Bedeutungszusammenhänge sichtbar. Das ist die eignetliche Herausforderung für spartenübergreifende Einrichtungen wie die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK).“[14]

Beteiligungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stiftung ist Gesellschafter der PD – Berater der öffentlichen Hand.[15]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Präsident und Vizepräsident - Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Abgerufen am 3. Mai 2021.
  2. PrKultbG - Gesetz zur Errichtung einer Stiftung "Preußischer Kulturbesitz" und zur Übertragung von Vermögenswerten des ehemaligen Landes Preußen auf die Stiftung. Abgerufen am 3. Mai 2021.
  3. PrKultbSaV
  4. Geschichte der Stiftung Preußischer Kulturbesitz - Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Abgerufen am 3. Mai 2021.
  5. Preußenstiftung hat neues Magazin-Gebäude. In: Berliner Zeitung vom 1. Juli 2014, S. 15.
  6. Anna-Lena Scholz und Tobias Timm: Das war's, Preußen. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz sei handlungsunfähig, unterfinanziert und solle aufgelöst werden, sagt ein lange erwartetes Gutachten. Diese Kritik birgt eine historische Chance. In: Die Zeit, 9. Juli 2020; abgerufen am 4. Februar 2021.
  7. Grütters will Preußen-Stiftung in drei bis fünf Jahren reformieren. Abgerufen am 15. Juli 2020.
  8. Thomas E. Schmidt: Die Preußenstiftung reformiert sich selbst. In: Zeit Online. 19. August 2020, abgerufen am 21. August 2020.
  9. NDR: Stiftung Preußischer Kulturbesitz: Gutachten empfiehlt Auflösung. Abgerufen am 15. Juli 2020.
  10. Ulrike Knöfel: Die „Titanic“ unter den Stiftungen. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz gilt als schwerfällig und unzeitgemäß – ein Gutachten fordert nun die Zerschlagung. Dahinter steckt auch politisches Kalkül von Kulturstaatsministerin Monika Grütters. In: Der Spiegel, 11. Juli 2020; abgerufen am 4. Februar 2021.
  11. Claudia Schwartz: Der preussische Patient. Sind die Deutschen eine Kulturnation? Mit dem Preussischen Kulturbesitz würde mehr als eine Stiftung aufgelöst. Es wäre damit eine Tradition der Preussenfeindlichkeit fortgeschrieben, die jene historische Epoche auf die deutsche Schuld verkürzt. In: Neue Zürcher Zeitung, 29. Juli 2020; abgerufen am 4. Februar 2021.
  12. Ijoma Mangold: Keinen Exorzismus! Es ist richtig, die aufgeblasene Stiftung aufzuteilen. Es wäre falsch, die preußische Vergangenheit gleich mit zu entsorgen. In: Die Zeit, 16. Juli 2020; abgerufen am 4. Februar 2021.
  13. Klaus-Dieter Lehmann: Löst nicht auf, was vernetzt werden muss! In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28. Juli 2020; abgerufen am 2. Februar 2021.
  14. Hermann Parzinger: Berlins neue Kathedrale des Wissens. Nach einer Grundsanierung öffnet die Staatsbibliothek ihr historisches Haus unter den Linden neu. In: Der Tagesspiegel, 23. Januar 2021, S. 20. (Onlineversion vom 25. Januar 2020; abgerufen am 4. Februar 2021).
  15. Vorstellung der PD Vorstellung. (PDF) In: pd-g.de. 12. Mai 2021, abgerufen am 21. Mai 2021.