Stiftung Würth

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Logo der Stiftung Würth
Unternehmen Würth in Künzelsau, Kunst am Bau, Skulptur von Jacobsen

Die Stiftung Würth gehört zu den gemeinnützigen unternehmensverbundenen Stiftungen in Deutschland. Die Stiftung des bürgerlichen Rechts, deren Gründung 1987 auf die Unternehmer Reinhold Würth und Carmen Würth zurückgeht, verfolgt gemeinwohlorientierte Projekte in den Bereichen Kunst und Kultur, Forschung und Wissenschaft, Bildung und Erziehung sowie Integration von Geflüchteten und Menschen mit Behinderung, vor allem in der Region Hohenlohe.[1][2]

Fördergebiete und Themen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reinhold Würth und Carmen Würth gründeten die Stiftung Würth im Jahr 1987, um das kulturelle und soziale Engagement der Würth-Gruppe zu bündeln und dessen kontinuierliche Fortsetzung zu gewährleisten.[3][4] Seit Gründung der Stiftung hat sich der Förderbereich mit Blick auf aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen kontinuierlich ausgeweitet.[5] Das gesellschaftliche Engagement wird als ausgleichendes und zusammenführendes Element verstanden.[6] Neben ihren eigenen Aktivitäten unterstützt die Stiftung Würth auch Projekte anderer Veranstalter mit Schwerpunkt auf der Region Hohenlohe.[7]

Kunst und Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ziel der Stiftung im Bereich Kunst und Kultur ist es, mit ihren Mitteln den Menschen den Zugang zur Kunst zu erleichtern.[8] Seit 1991 vergeben die Jeunesses Musicales Deutschland und die Stiftung Würth den Würth-Preis der Jeunesses Musicales Deutschland.[4][9] Für zeitgenössische bildende Künstler lobt die Stiftung Würth seit 1993 den Robert-Jacobsen-Preis aus, der an den dänischen Bildhauer Robert Jacobsen erinnert.[10] Der Würth-Preis für Europäische Literatur wird seit 1998 alle zwei Jahre an Persönlichkeiten verliehen, die im Schnittpunkt unterschiedlicher Kulturen arbeiten, die sich mit europäischen Kulturtraditionen auseinandersetzen oder sich Problemen widmen, die in ihrem Land erst durch europäische Einflüsse entstanden sind.[11]

Die Stiftung unterstützt regelmäßig besonders bedeutsame Projekte anderer Veranstalter, darunter der Hohenloher Kultursommer[12] sowie der dort alle zwei Jahre stattfindende Internationale Violinwettbewerb der Kulturstiftung Hohenlohe, der sich an hochbegabte junge Künstler aller Nationen unter 21 Jahren wendet[13][14] und die Junge Oper Schloss Weikersheim[15].

Forschung und Wissenschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stiftung Würth hat 2012 an der Technischen Universität München die Markus Würth Stiftungsprofessur für Kinderneuroorthopädie und Cerebralparese eingerichtet.[16][17] An der Eberhard Karls Universität Tübingen unterstützt die Stiftung die Tübinger Poetik-Dozentur, ein Projekt am Deutschen Seminar, das Studenten, Dozenten und der breiten Öffentlichkeit die Möglichkeit gibt, mit bekannten Autoren ins Gespräch zu kommen.[18][19]

Die von der Stiftung Würth verwaltete Stiftung zur Förderung der Reinhold-Würth-Hochschule der Hochschule Heilbronn in Künzelsau widmet sich der Förderung von Forschung und Lehre an dieser Hochschule.[1] Ihr wurden 2005 aus der Würth-Gruppe zehn Millionen Euro als Stiftungskapital zur Verfügung gestellt.[20] 2019 investierte die Stiftung Würth zusätzlich 17 Millionen Euro in zwei Erweiterungsbauten der Reinhold-Würth-Hochschule der Hochschule Heilbronn am Campus Künzelsau.[21] Auf einer Fläche von rund 7.500 Quadratmetern entstanden in nur 15 Monaten Bauzeit ein Hörsaal- und ein Institutsgebäude.[22]

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das größte Bildungsprojekt, das unterstützt wird, sind die Freien Schulen Anne-Sophie in Künzelsau und in Berlin, deren Trägerin die Stiftung Würth ist.[3][23] Beide sind staatlich anerkannte Schulen mit Ganztagsbetreuung für alle Bildungsgänge – von der Grundschule bis zum Abitur.[22] Die Schulen arbeiten nach einem eigenen pädagogischen Konzept.

Zudem wurde 2005 das Kompetenzzentrum Ökonomische Bildung Baden-Württemberg unter dem Dach der Stiftung eingerichtet, dessen Ziel es ist, Schulen näher an Wirtschaftsthemen heranzuführen.[24] Das Kompetenzzentrum vergibt jährlich den Würth Bildungspreis für weiterführende allgemeinbildende Schulen und den Landespreis für Absolventen der Werkrealschulen, organisiert die „Handwerkstatt“ als Maßnahme zur beruflichen Orientierung für Schüler und die Fortbildung „Wirtschaftspraxisprogramm für Lehrkräfte“ sowie ein Führungskräftesymposium.[25][26]

Weiter fördert die Stiftung Würth auf Initiative von Carmen Würth den gemeinnützigen Verein iThemba Labantu mit Sitz in München, der es sich in erster Linie zur Aufgabe gemacht hat, die Lebenssituation der Menschen in den Townships von Südafrika zu verbessern.[27] Unter anderem hat die Stiftung 2020 eine Patenschaft für eine Schulklasse und unterstützte finanziell den Philipp Lahm Sportsground.[28] Die Stiftung unterstützt zudem den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V..[29]

Integration[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stiftung Würth setzt sich stark für das selbstverständliche Zusammenleben von Menschen mit und ohne Behinderung ein sowie für die Integration von Geflüchteten.[7] So engagiert sich die Stiftung unter anderem seit 2009 für das Kinderzentrum Ümüt-Nadjeschda für körperbehinderte und entwicklungsverzögerte Kinder in Bischkek, Kirgisistan.[30] Außerdem unterstützt sie die Andreas-Fröhlich-Schule Krautheim, ein sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum mit dem Förderschwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung.[31] Seit 2013 gibt es das Musikfest der Stiftung Würth – Das Festival der besonderen Art, bei dem Musikgruppen mit Förderbedarf auftreten.[32] Auf Initiative von Carmen Würth unterstützt die Stiftung Würth auch die Gemeinschaft „Estia Agios Nikolaos“ (St.-Nikolaus-Heim), ein integratives Dorf in Galaxidi, Griechenland, in dem Menschen mit und ohne Beeinträchtigung ab 18 Jahren zusammen in Familiengemeinschaften leben, arbeiten und ihre Freizeit verbringen.[32]

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stiftung Würth ist eine rechtsfähige Stiftung bürgerlichen Rechts.[33] Das Stiftungskapital beträgt derzeit 12,6 Millionen Euro.[22] Die Stiftung verfolgt ausschließlich gemeinnützige und mildtätige Zwecke.[6] Ihre Arbeit wird finanziert von den deutschen Unternehmen der Würth-Gruppe.[22] Stiftung und Unternehmen arbeiten inhaltlich unabhängig voneinander, was eine klare Trennung zwischen ökonomischen und philanthropischen Gesichtspunkten bedeutet. Sitz der Stiftung ist Künzelsau[33]

Vorstand und Aufsichtsrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stiftungsorgane sind der Vorstand und der Aufsichtsrat. Der Vorstand führt die Geschäfte der Stiftung.[34] Nach dem Willen der Stifter gehören dem Aufsichtsrat Mitglieder der Familie und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens an, der Aufsichtsrat berät und kontrolliert den Vorstand.[34] Vorstandsvorsitzender ist derzeit Harald Unkelbach, Vorsitzender des Aufsichtsrates ist Reinhold Würth.[34]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Stefanie Jani: Geballte Kraft für den Nachwuchs. Hohenloher Zeitung, 6. Oktober 2012.
  2. Stiftung Würth. In: C. Sylvia Weber (Hrsg.): Kultur bei Würth - Beiträge zur Kulturarbeit im Unternehmen. Swiridoff, 2020, ISBN 978-3-89929-238-1, S. 25.
  3. a b Henry Doll: Ins Gelingen verliebt sein: Stiftung Würth feiert 25-jähriges Bestehen. Hohenloher Zeitung, 2. Juli 2012.
  4. a b Martin-W. Buchenau: Für welche Projekte Deutschlands Milliardäre auch in Coronazeiten spenden. In: Handelsblatt. 30. November 2020, abgerufen am 21. April 2021.
  5. Manfred Stockburger: Würth-Hilfe läuft über gemeinnützige Stiftung. In: Hohenloher Zeitung. 15. September 2015, abgerufen am 21. April 2021.
  6. a b Martin-W. Buchenau: Für welche Projekte Deutschlands Milliardäre auch in Coronazeiten spenden. In: Handelsblatt. 30. November 2020, abgerufen am 21. April 2021.
  7. a b Stiftung Würth. In: C. Sylvia Weber (Hrsg.): Kultur bei Würth - Beiträge zur Kulturarbeit im Unternehmen. Swiridoff, 2020, S. 25.
  8. Pressemitteilung der Würth-Gruppe: Stiftung Würth feiert 25-jährigens Bestehen. 2. Juli 2012, abgerufen am 21. April 2021.
  9. Süddeutsche Zeitung: Junge Norddeutsche Philharmonie erhält Würth-Musikpreis. 7. September 2020, abgerufen am 17. Mai 2021.
  10. Monopol Magazin: Robert-Jacobsen-Preis an Berliner Bildhauer Yngve Holen. 29. September 2017, abgerufen am 21. April 2021.
  11. Der Tagesspiegel: Peter Handke mit Preis für Europäische Literatur geehrt. 23. März 2016, abgerufen am 21. April 2021.
  12. Hohenloher Kultursommer: Sponsoren und Förderer. Abgerufen am 28. April 2021.
  13. Rundschau: Geigentalente messen sich im Kloster. 20. August 2019, abgerufen am 21. April 2021.
  14. Bettina Lober: „Ohne Arbeit geht es nicht“. In: Haller Tagblatt. 29. August 2019, abgerufen am 21. April 2021.
  15. Mannheimer Morgen: Sponsoring schafft für beide Seiten ein „Mehr“. Abgerufen am 21. April 2021.
  16. Barbara Griesinger: Forschung für Menschen mit Handicap. Hohenloher Zeitung, 26. März 2012.
  17. Barbara Griesinger: Forschung und Hilfe für besondere Menschen. Heilbronner Stimme, abgerufen am 5. Mai 2021.
  18. Tübinger Poetik-Dozentur: Karl Ove Knausgård in Tübingen. Stuttgarter Nachrichten, 16. August 2019, abgerufen am 28. April 2021.
  19. Stiftung Würth: Kultur bei Würth - Beiträge zur Kulturarbeit im Unternehmen. Hrsg.: C. Sylvia Weber. Swiridoff, 2020, S. 70.
  20. Hochschule Heilbronn: Stiftung zur Förderung der Reinhold-Würth-Hochschule der Hochschule Heilbronn. Abgerufen am 28. April 2021.
  21. Sabine Arweiler: Neue Gebäude am Campus Künzelsau eingeweiht. 16. September 2021, abgerufen am 28. April 2021.
  22. a b c d Geschäftsbericht der Würth-Gruppe 2019. Abgerufen am 28. April 2021.
  23. Dagmar Deckstein: Die soziale Rebellin. In: Süddeutsche Zeitung. 4. Oktober 2017, abgerufen am 17. Mai 2021.
  24. Sascha Schmierer: Bildungspreis für Nachwuchs-Imker. Stuttgarter Nachrichten, 26. November 2015, abgerufen am 28. April 2021.
  25. Schwarzwälder Bote: Schule für Bildungspreis nominiert. 23. November 2017, abgerufen am 17. Mai 2021.
  26. Geschäftsbericht der Würth-Gruppe 2019: Kompetenzzentrum Ökonomische Bildung Baden-Württemberg. Abgerufen am 28. April 2021.
  27. Pressemitteilung der Würth-Gruppe: Neuer Fußballplatz in Kapstadt mit Unterstützung der Stiftung Würth eröffnet. 20. Februar 2019, abgerufen am 17. Mai 2021.
  28. Pressemitteilung der Würth Gruppe: Ähnliche Interessen zweier Stifter. 16. Januar 2020, abgerufen am 28. April 2021.
  29. Heilbronner Stimme: Würth spendet Gedenkkranz aus 1000 Metallblüten. 16. November 2020, abgerufen am 28. April 2021.
  30. Monika Everling: „Ich bin dankbar für das, was ich nicht hatte“. Südwest Presse, 18. Juli 2017, abgerufen am 28. April 2021.
  31. Würth finanziert Klavierprojekt. Südwest-Presse, 10. März 2016.
  32. a b Bernadette Schoog: Dem Herzen Raum geben: Die sozialen Projekte der Carmen Würth. Swiridoff, 2017, ISBN 978-3-89929-330-2.
  33. a b Die Stiftung. In: Stiftung Würth. Abgerufen am 28. April 2021.
  34. a b c Stiftungsorgane. In: Stiftung Würth. Abgerufen am 17. Mai 2021.