Stille-Nacht-Kapelle

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Stille-Nacht-Kapelle in Oberndorf

Die Stille-Nacht-Kapelle steht in der Stadt Oberndorf im österreichischen Bundesland Salzburg und ist dem Gedächtnis des Weihnachtsliedes Stille Nacht, heilige Nacht und seines Textdichters Joseph Mohr sowie seines Komponisten Franz Xaver Gruber gewidmet. Sie steht an Stelle der ehemaligen St.-Nikolaus-Kirche (St. Nikola), in der am 24. Dezember 1818 das Weihnachtslied zum ersten Mal aufgeführt wurde.

Schifferkirche St. Nikola[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schifferkirche St. Nikola

Die Kirche St. Nikola (früher auch Pfarrkirche St. Nicola) ging auf einen romanischen Bau der Zeit 1135–1141 zurück und war dem Patron der Schiffer, dem hl. Nikolaus, geweiht. Sie wies als Besonderheit im Mittelgang eine brusthohe Mauer zur Trennung von Männern und Frauen auf.

Obwohl knapp unter der Bauoberfläche festes Konglomerat zur Fundamentierung vorhanden gewesen wäre, stand die Kirche auf hölzernen Piloten, die im Laufe der Zeit nachgaben. Der Stiftsdekan der Stiftskirche Laufen, Dr. Georg Paris Ciurletti, berichtet von einem am 27. Februar 1654 stattgefundenen Lokalaugenschein, bei dem festgestellt worden sei, dass schon eingebrachte Holzkonstruktionen nicht im Stande wären, die bereits eingetretenen Absenkungen und Mauerneigungen auszugleichen. Erst die Drohung der Salzburger Verwaltung gegenüber dem Kurfürstentum Bayern, bei Untätigkeit sämtliche Kircheneinkünfte an sich zu ziehen, brachte ein Einlenken desselben und führte zu einer Sanierung der Kirche. Bei dieser wurden auch der Dachstuhl, das Gewölbe, der Hauptaltar und die Seitenaltäre erneuert. Wolfgang Pfaffinger, der Vater von Josef Anton Pfaffinger, schuf den Hochaltar. Am 19. Februar 1663 genehmigte Erzbischof Guidobald von Thun und Hohenstein noch die Errichtung eines Seitenaltares durch Georg Lang, einem Laufener Schreiner, die Anschaffung von Priestergewändern und, 1665, die von Vorhängen für die Altäre.

Am 1. April 1757 wurde Oberndorf von einem Brand heimgesucht, der 79 Häuser, 22 Scheunen und die Nikolakirche vernichtete.[1] Kurfürst Maximilian III. Joseph veranlasste den Wiederaufbau der Kirche, am 15. März 1770 legte Vinzenz Joseph von Schrattenbach dazu den Grundstein. Den Plan des Kirchenbaues erstellte Franz Alois Mayr, der ein neues Langhaus im Stile des Rokoko vorsah, den alten Turm aber beließ; er wurde aufgestockt und mit einem Zwiebelhelm versehen.

Für die Innenausstattung wurden überwiegend bayerische Künstler und Handwerker herangezogen. Christian Wink (Hochaltarbild und Bild des Maximiliansaltares 1775), Franz Ignaz Oefele (Bild des Rupertusaltares 1775), Johann Georg Kapfer aus Trostberg (drei Altäre und Kanzel) und Georg Wolfgang Pröbstl und Johann Georg Lindt (1734–1795), wohnhaft in Burghausen, führten Tischler- und Bildhauerarbeiten aus (viele Kunstwerke wurden nach 1900 in die Pfarrkirche übertragen und sind erhalten). Die Einweihung der neuen Nikolakirche und den drei Altären nahm Sigmund Christoph von Waldburg zu Zeil und Trauchburg von Chiemsee am 28. Oktober 1798 vor.

Im Zuge des Salzausfuhrvertrages von 1594 und dessen Modifizierung 1611 hatte Kurbayern das Patronat über die Schifferkirche St. Nikola übernommen,[2] das 1816 erlosch: Gemäß dem Vertrag von München vom 14. April 1816 wurde Laufen zwischen dem Königreich Bayern und dem österreichischen Kaiserreich geteilt.[3] Damit lagen die wichtigsten Kirchen Laufens auf bayerischem Gebiet, lediglich die bisher unter bayerischem Patronat verwaltete Schifferkirche St. Nikola auf österreichischem. Ab 1816 wurde daher die St.-Nikolaus-Kirche für die Bewohner der Ortschaften Altach und Oberndorf zum wichtigsten Gotteshaus, und dieses daher anfangs provisorisch, ab 1850 definitiv zur Pfarrkirche Oberndorf erhoben.[4] Um seine finanzielle Lage zu verbessern und in der Hoffnung, später einmal die Lehrerstelle in Oberndorf zu erhalten, hatte Franz X. Gruber gleich 1816 und bis 1829 von Arnsdorf aus den Kantoren- und Organistendienst in der St.-Nikolaus-Kirche übernommen. Franz Xaver Gruber konnte damit die oft kombinierte Tätigkeit als Lehrer, Organist und Mesner ausüben.

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karl-Mauracher-Orgel von 1825

Im Jahre 1825, anscheinend gleichzeitig wie in Faistenau, hatte der Tiroler Orgelbauer Karl Mauracher (* 1789; † 1844) eine von ihm geschaffene Orgel aufgestellt. Sie war das erste Instrument mit chromatischer Klaviatur, also ohne kurze Oktave, im Land – damals Herzogtum – Salzburg.[5] Conrad Franz Xaver Gruber war 1816–1829 Organist in Oberndorf und spielte ab 1825 auf diesem Instrument.

Disposition[6]

Manual
Principal 8'
Copel 8'
Gamba 8'
Octav 4'
Flauto Ottavo 4'[Anm. 1]
Flauto duodez 3'
Superoctav 2'
Mixtur V 2'
Pedal
Subbaß 16'
Oktavbaß 8' (aus Holz)
Posaun 8' (aus Zinn)
Anmerkungen
  1. in der Tiefe von Holz in der Höhe von Zinn. Dieß klingt sehr schön.

Aufgabe der Kirche wegen Hochwasser[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Kirche mehrmals vom Hochwasser der Salzach beschädigt. Dies trat nach den Begradigungen der Salzach 18511873, die Karl Schwarz im Bereich des Salzburger Stadtgebietes durchführen hatte lassen, verstärkt auf. Insbesondere wurde 1899 der Ortsteil Altach vom Hochwasser zerstört. Dies führte zu dem Entschluss, den ganzen Ort Oberndorf inklusive der Pfarrkirche St. Nikolaus ca. 800 m flussaufwärts neu zu errichten. Die Nikolauskirche, deren ältesten Teile auf das 12. Jahrhundert zurückgingen, wurde anschließend demoliert, wobei Einrichtungsgegenstände in die neue Kirche übernommen wurden, jedoch nicht die Orgel, die Franz Xaver Gruber konzeptioniert hatte.

Von einer Renovierung der beschädigten St.-Nikola-Kirche wurde aus zwei Gründen abgesehen: Zum einen scheute man die Kosten und das weiterhin drohende Risiko von Überschwemmungen, zum anderen wollte man die Kirchengemeinde zur Annahme der 1906 errichteten, weniger attraktiven Kirche im neuen Ortszentrum bewegen. So wurde die alte Pfarrkirche abgerissen, seit 1913 erinnerte nur noch ein Schuttkegel an den historischen Entstehungsort des inzwischen weitum bekannten Weihnachtsliedes.

Stille-Nacht-Kapelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Altargestaltung um das Hauptmotiv von Hermann Hutter vom Halleiner Bildhauer Max Domenig

Das 100-jährige Jubiläum des Liedes fiel in die Zeit des Hungerwinters 1918/19, unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg. Umso mehr wollten die Bürger von Oberndorf der Friedensbotschaft von Mohr und Gruber ein Denkmal setzen: 1924 entschloss man sich zum Bau einer Gedächtniskapelle. Das Vorhaben kam unter den schwierigen Bedingungen (politische und wirtschaftliche Krisen der Ersten Republik) nur langsam in die Phase der Realisierung.

Das dann Stille-Nacht-Gedächtniskapelle genannte Bauwerk wurde auf dem Schuttkegel der abgerissenen Kirche zwischen 1924 und 1936 erbaut. Die Kapelle ist in Form eines Oktogons mit einem Glockenhelm und einer Laterne gebildet, das Portal hat ein abgewalmtes Vordach.

Der Halleiner Holzbildhauer Max Domenig erhielt im Jahre 1933 den Auftrag den Altarbereich der Kapelle zu gestalten. Er schlug vor das vorhandene Hutter-Relief mit einem Lichterkranz zu umgeben und mit einer Predella zu ergänzen, sowie Gruber und Mohr als lebensgroße, vollplastische Figuren seitlich zu postieren. Das Denkmalamt entschied sich zwar für den Lichterkranz und die Predella, regte jedoch an, die Darstellung von Gruber und Mohr in den Seitenfenstern zu zeigen. Diesen Auftrag erhielt die Tiroler Glasmalereianstalt, 1935 erfolgte die Fertigstellung.[7] Max Domenig schuf die beiden Predellareliefs[8] Anbetung der Könige und Flucht aus Ägypten und den Lichterkranz als Rundbogen mit dem Stern. Das mittlere Predellenrelief Kreuzigung stammt ebenso aus der Werkstätte Domenig, wurde jedoch von Franz Budig geschnitzt.

Alljährlich ziehen die Gedächtniskapelle und das daneben befindliche Museum besonders im Advent zahlreiche Besucher aus aller Welt an. Am 24. Dezember findet alljährlich um 17 Uhr eine feierliche Gedächtnismesse statt, bei der das Weihnachtslied in mehreren Sprachen der Besucher gesungen und als völkerverbindendes Ereignis begangen wird. Diese Feier wird seit 2002 mittels Webcam im Internet übertragen.

Im Rahmen der 200-Jahr-Feier des Weihnachtsliedes 2018 waren Kapelle und Museum Schauplatz der Salzburger Landesausstellung 200 Jahre Stille Nacht! Heilige Nacht!, die bis Mariä Lichtmess 2019 stattfand und bei der alle Gemeinden teilnahmen, die einen historischen Bezug zu Franz Xaver Gruber und Joseph Mohr, den Autoren des Liedes, haben.

Nachbildungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachgebaute Modelle der Stille-Nacht-Kapelle existieren im Freizeitpark Minimundus bei Klagenfurt in Kärnten (Maßstab 1:25) und im Modellpark Mönichkirchen in Niederösterreich. Des Weiteren gibt es eine Nachbildung im Maßstab 1:1 in Frankenmuth im US-Bundesstaat Michigan. Vom Modellbahnzubehör-Hersteller Vollmer gibt es Modellbausätze in verschiedenen Maßstäben.

Briefmarke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stille Nacht Briefmarke des Jahres 2018 zeigt aus der Predella des Altars der Stille-Nacht-Kapelle Oberndorf bei Salzburg das Relief „Anbetung der Könige“, das 1936 vom Halleiner Bildhauer Max Domenig geschaffen wurde. Diese österreichische Briefmarke wurde von Günther Oberngruber gestaltet.[9]

Bildergalerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs: Salzburg. Stadt und Land. Oberndorf bei Salzburg. Stille-Nacht-Gedächtniskapelle. Bundesdenkmalamt (Hrsg.), Verlag Anton Schroll & Co, Wien 1986, ISBN 3-7031-0599-2, Seite 290.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Stille-Nacht-Kapelle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Benedikt Pillwein (Hrsg.): Geschichte, Geographie und Statistik des Erzherzogthums Oesterreich ob der Enns und des Herzogthums Salzburg. Mit einem Register, welches zugleich das topographische und genealogische Lexikon ist und der Kreiskarte versehen. Geographisch-historisch-statistisches Detail nach Distrikts-Kommissariaten. 1. Auflage. Fünfter Theil: Der Salzburgkreis. Joh. Christ. Quandt, Linz 1839, S. 416  (Google eBook – Faks. Druckhaus Nonntal, Salzburg 1983). 2. Auflage 1843 (Google Book)
  2. Siehe Pfarre Oberndorf, Zeittafel: Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 4. März 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.pfarreoberndorf.at, aufgerufen am 8. September 2015.
  3. Friederike Zaisberger: Geschichte Salzburgs. In: Geschichte der österreichischen Bundesländer, hrsg. von Johann Rainer (München und Wien 1998), S. 249.
  4. Am 28. Mai 1850 wurde Johann Waibl (1788–1866) als erste Pfarrer investiert.
  5. Gerhard Walterskirchen: Orgeln und Orgelbauer in Salzburg vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Dissertation Universität Salzburg 1982, S. 266.
  6. Gerhard Walterskirchen: Orgeln und Orgelbauer in Salzburg vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Dissertation Universität Salzburg 1982, S. 170.
  7. Die Altarreliefs in der Stille Nacht-Kapelle Oberndorf von Hermann Hutter und Max Domenig. Josef A. Standl: Das Hauptrelief von Hermann Hutter ... Helmuth Hickmann: … und die Predella von Max Domenig. In: Blätter der Stille Nacht Gesellschaft. Folge 56, Jahrgang 2017. Oberndorf bei Salzburg 2017.S. 21ff
  8. Dehio Salzburg 1986
  9. Stille Nacht Briefmarke 2018. "Anbetung der Könige"

Koordinaten: 47° 56′ 43,8″ N, 12° 56′ 11,04″ O