Stimmen einer Gitarre

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Beim Stimmen einer Gitarre werden die Saiten dieses Musikinstruments auf ihre vorgesehene Tonhöhe eingestellt.

Standard-Stimmung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Grundlage zum Gitarren-Stimmen dient die Standard-Stimmung. Sie gibt an, auf welchen Ton jede einzelne Gitarrensaite gestimmt wird.

Die Töne der Standard-Stimmung sind: E – A – D – G – H – E, wobei der erste Ton die oberste, dickste und am tiefsten klingende Saite bezeichnet.

Um sich diese Töne zu merken, haben sich einige Eselsbrücken eingebürgert, z. B.:

  • Eine Alte Dame Geht Heute Einkaufen
  • Ein Anfänger Der Gitarre Hat Eifer
  • Eine Alte Dumme Gans Hat Eier

Da die Saiten von der hohen e-Saite aus gezählt werden, gibt es auch inzwischen Eselsbrücken wie:

  • Ein Hungriger Gitarrist Darf Alles Essen

Die folgende Tabelle gibt die Frequenzen der Saiten einer Gitarre wieder, die nach dem Standard-Kammerton a1 = 440 Hz gestimmt werden:

Saite Note Frequenz bei a1 = 440 Hz EDV-gerechte Notation
1 (Höchste Saite) e' 329,63 Hz E4
2 h 246,94 Hz H3
3 g 196,00 Hz G3
4 d 146,83 Hz D3
5 A 110,00 Hz A2
6 (Tiefste Saite) E  82,41 Hz E2

Falls mit anderen Instrumenten zusammengespielt werden soll, sind die Tonhöhen ggf. anzupassen. Beispielsweise ist in deutschen und österreichischen Sinfonieorchestern eine höhere Stimmung auf a1 = 443 Hz üblich, in der Schweiz auf a1 = 442 Hz (siehe: Kammerton).

Methoden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt mehrere Stimm-Methoden. Die am weitesten verbreiteten sind folgende:

Klassische Methode (Stimmen mit Bünden)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei dieser Methode wird der Klang der Saiten miteinander verglichen und die ungestimmten Saiten werden mit Hilfe der bereits gestimmten Saiten gestimmt. Falls alle Saiten ungestimmt sind, ist dafür zumindest ein Vergleichston notwendig (z. B. mit Hilfe einer Stimmpfeife oder einer Stimmgabel, s. Abschnitt Hilfsmittel).

Diese klassische Methode geht relativ schnell, allerdings ist sie auch vergleichsweise ungenau.

Konkret: Abgesehen von der G- und der H-Saite werden alle Saiten in reinen Quarten zueinander gestimmt. Dafür wird die untere (gestimmte) Saite leer gezupft. Dieser Ton wird mit der darüber liegenden Saite verglichen, die dafür im 5. Bund gegriffen wird. Wichtig: Zwischen der G- und der H-Saite liegt lediglich eine große Terz, so dass beim Stimmen der H-Saite die G-Saite im 4. Bund gegriffen werden muss.

Flageolett-Methode (Stimmen mit Obertönen)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine sehr weit verbreitete Methode ist das Stimmen mit Flageoletttönen (Obertöne). Ein Oberton ergibt sich dann, wenn eine Saite an einer bestimmten Stelle mit dem Finger nur leicht berührt wird.

Wenn beispielsweise eine Saite genau in der Mitte der Saitenlänge beim Anzupfen leicht berührt wird, so schwingt danach die Saite mit der doppelten Frequenz ihrer eigentlichen Stimmung. Aus halber Saitenlänge ergibt sich also die doppelte Frequenz, aus einem Drittel der Saitenlänge ergibt sich die dreifache Frequenz und so weiter.

Zwei Effekte ermöglichen das Stimmen:

  1. Wenn die Saiten angeschlagen oder gezupft werden, schwingen sie weiter. Das heißt, der Ton ist länger hörbar. Wenn man dabei eine weitere Saite anschlägt, können beide Töne miteinander verglichen und dabei eine Saite nach einer anderen gestimmt werden.
  2. Unterschiedliche Saiten haben – wenn sie an den entsprechenden unterschiedlichen Punkten berührt werden – etwa die gleichen Flageolett-Töne. Dadurch lassen sich die Saiten untereinander stimmen.

Im Folgenden sind beispielhafte Tonpaare aufgeführt:

  • Der Flageolett-Ton des 5. Bundes der E-Saite entspricht etwa dem des 7. Bundes der A-Saite.
  • Der Flageolett-Ton des 5. Bundes der A-Saite entspricht etwa dem des 7. Bundes der D-Saite.
  • Der Flageolett-Ton des 5. Bundes der D-Saite entspricht etwa dem des 7. Bundes der G-Saite.
  • Der Flageolett-Ton des 7. Bundes der tiefen E-Saite entspricht etwa der leer angeschlagenen H-Saite.
  • Der Flageolett-Ton des 5. Bundes der H-Saite entspricht etwa dem des 7. Bundes der hohen E-Saite.

Zu beachten ist, dass beim Stimmen nach der Flageolett-Methode reine Oberton-Intervalle eingestimmt werden, die nicht genau die für die Gitarre gültige temperierte Stimmung wiedergeben. Die Differenz zwischen den reinen und den temperierten Frequenzen nennt man pythagoreisches Komma. Wenn man den Flageolett-Ton im 5. Bund auf der tiefen E-Saite spielt, erhält man eine temperierte doppelte Oktave, beim Anschlagen des Flageolett-Tons im 7. Bund der A-Saite erhält man jedoch eine pythagoreische (und damit eine gegenüber dem temperierten System leicht zu hohe) oktavierte Quinte, was dazu führt, dass die so gestimmte A-Saite leicht zu tief gestimmt wird. Dieser Fehler wird dann über das nächste Saitenpaar (A - D und über die nächsten Saiten) verschlimmert, weil sich ja die Differenz zur temperierten Stimmung beim Übernehmen des fehlerhaften A ähnlich wie beim Spiel Stille Post vergrößert. Aufgrund dieser Tatsache kann das Stimmen nach Flageolett-Tönen - so bequem es auch ist - nur als schnelle und angenehme, aber nicht als wirklich saubere Methode des Stimmens empfohlen werden.[1]

Hilfsmittel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wenn eine Gitarre mindestens eine gestimmte Saite hat, können theoretisch ohne Hilfsmittel alle anderen Saiten der Reihe nach gestimmt werden. Wenn allerdings keine einzige Saite mehr gestimmt ist, ist wenigstens ein Vergleichston nötig. Ferner kann ein Hilfsmittel nötig werden, wenn die Gitarre über ein Tremolo verfügt, bei dem die Saiten nicht am Sattel festgeklemmt werden (Bigsby, Fender), da sich mit jeder Veränderung einer Saitenspannung über das gefederte System gleich alle Saitenspannungen verändern. Wenn ein anderes Instrument verfügbar ist, können die Tonhöhen von dort abgenommen werden, beispielsweise durch Anschlagen der Töne auf einem Klavier. Ansonsten können folgende Hilfsmittel eingesetzt werden:

Stimmpfeife
Auf einer Stimmpfeife für Gitarre können genau die sechs Töne der Gitarren-Standardstimmung gespielt werden, nämlich E–A–D-G–H–E, meistens in Höhe des Standard-Kammertons.
Stimmgabel
Auf Stimmgabeln ist in der Regel eingraviert, welchen Ton oder welche Frequenz sie angeben. Meist ist dies ein A als Standard-Kammerton bzw. 440 für dessen Frequenz in Hertz. Wenn die Stimmgabel in Schwingung gebracht wird (z. B. durch leichtes Anschlagen an einer Tischkante), ertönt immer der Kammerton A. Nach diesem Ton wird die A-Saite gestimmt (2 Oktaven tiefer schwebungsfrei auf 110 Hz = A2) und davon ausgehend alle anderen Saiten.
Stimmgerät
Ein Stimmgerät ist ein elektronisches Gerät, das mit Hilfe eines Mikrofons oder über einen Klinkeneingang die gerade gespielte Tonhöhe optisch wiedergibt. Auf diese Weise lässt sich direkt ablesen, wie das Instrument zu stimmen ist. Stimmgeräte sind einfach zu bedienen und können auch bei störendem Umgebungslärm verwendet werden.
Computer
Für Computer sind kostenlose Programme verfügbar, die die Funktion eines Stimmgeräts übernehmen – ein Mikrofon muss dabei vorhanden sein.
Smartphone
Für Smartphones sind diverse Tuner-Apps verfügbar, so z. B. für Android die Apps DaTuner[2] und gStrings[3].

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • P. Päffgen: Die Gitarre – Geschichte, Spieltechnik, Repertoire. Schott Music, Mainz 2002. ISBN 978-3-7957-2355-2.
  • J. Powrozniak: Gitarren Lexikon. Komponisten, Gitarristen, Technik, Geschichte. Nikol Verlagsgesellschaft, Hamburg 1997. ISBN 978-3-930656-45-5.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wikibooks: Gitarre: Stimmen – Lern- und Lehrmaterialien
 Wikibooks: Gitarre: Stimmen mit Flageolett – Lern- und Lehrmaterialien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://timberens.com/essays/tuning.htm
  2. DaTuner im Android Market
  3. gStrings im Android Market