Stintfang

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Der Stintfang ist eine Aussichtsplattform und Landmarke im Hamburger Stadtbild. Mit 26,30 m üNN[1] liegt die Anhöhe des Geesthanges am rechten Elbufer, oberhalb der St. Pauli-Landungsbrücken.

Der Stintfang ist Bestandteil des geschützten Bodendenkmals Hamburger Wallanlagen. Der Name leitet sich ab vom Fisch Stint, der vor Jahrhunderten in dem an dieser Stelle in die Elbe einmündenden Wallgraben in großen Mengen gefangen werden konnte.[2]

Der Stintfang mit Bismarck-Statue (hinten), der Weinpflanzung und der Jugendherberge
Stadtplanausschnitt von 1856. Der Stintfang, auch Elbhöhe genannt. Die ursprüngliche Einbeziehung in die Stadtbefestigung ist noch gut erkennbar.
Gebäude der Deutschen Seewarte um 1890; Die Kersten-Miles-Brücke im Vordergrund führt über die Senke des alten Wallgrabens
Stadtplan von 1913 mit Eintrag der Seewarte

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Norden geht er über die Seewartenstraße hinweg in den Alten Elbpark mit dem Bismarck-Denkmal über, im Westen liegt die Helgoländer Allee, im Süden die St. Pauli Landungsbrücken und im Osten das ehemalige Portugiesenviertel im südlichen Teil der Hamburger Neustadt.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Errichtung der Hamburger Wallanlagen zwischen 1623 und 1629 wurde die natürliche Erhebung zusätzlich aufgeschüttet und dort die Bastion Albertus gesetzt, benannt nach dem Bürgermeister Albert van Eitzen. In der Festungsanlage bildete Albertus die südwestlichste aller Bastionen dort, wo der Stadtgraben mit der Elbe in Verbindung stand. Nach Westen wurde sie durch ein Hornwerk verstärkt.

Zwischen 1802 und 1811 befand sich auf der Elbhöhe die von dem Unternehmer und Konstrukteur optischer Instrumente Johann Georg Repsold errichtete private Sternwarte. Sie wurde abgerissen, da nach dem Einrücken der Franzosen die Besatzer zwischen 1811 und 1814 mit der Wiederherstellung der Festungswerke begannen und der Hauptwall gänzlich wieder hergestellt wurde.[4][5]

1881 wurde auf dem Gelände das repräsentative Dienstgebäude der Deutschen Seewarte, Vorgängerin des Deutschen Hydrographischen Instituts errichtet. In den vier Ecktürmen des quadratischen Gebäudes waren Instrumente für nautische und wetterkundliche Zwecke und Vorrichtungen für deren Prüfung untergebracht.

Besonderheiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jugendherberge Auf dem Stintfang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Paula-Karpinksi-Platz vor der Jugendherberge auf dem Stintfang

Nach der Zerstörung der Deutschen Seewarte durch Kriegseinwirkungen errichtete das Deutsche Jugendherbergswerk (DJH) 1953 dort die Jugendherberge Auf dem Stintfang, die sich wegen ihrer Lage und der dadurch gebotenen Sicht auf den Hamburger Hafen sowie der in der Nähe befindlichen Attraktionen auf St. Pauli und in der Speicherstadt großer Beliebtheit erfreut.

Die Errichtung und der Erhalt der Jugendherberge sind dem beharrlichen Engagement und Widerstand von Jugendsenatorin Paula Karpinski (1897–2005) zuzuschreiben. Schon damals gab es Pläne der Stadt, an dieser Stelle ein Luxushotel zu errichten. Auch in den 1990er Jahren kam diese Idee wieder auf. Erneut setzte sich Paula Karpinski in einem Brief an den damaligen Bürgermeister Henning Voscherau dafür ein, die Jugendherberge zu erhalten. Anfang der 2000er Jahre wurde das Haus grundlegend modernisiert. Im Jahr 2013 wurde der Platz vor der Jugendherberge, oberhalb der Landungsbrücken in Paula-Karpinksi-Platz benannt.

Weinberg auf dem Stintfang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1995 befindet sich am Südhang, der zur Elbe ausgerichtet ist, ein kleiner Weinberg, von dort lässt sich der Hafen weit überblicken. Die dort gepflanzten Reben sind ein Geschenk des Veranstalters des Stuttgarter Weindorfs, das in der Zeit von 1986 bis 2015 jährlich im Herbst auf dem Hamburger Rathausmarkt zu Gast war.[6][7] 1995 begann man mit 50 Rebpflanzen, anlässlich des 20. und 25. Stuttgarter Weindorfs in Hamburg kamen noch jeweils 25 weitere dazu. Am Stintfang werden Reben der Rotweinsorte Regent und der Weißweinsorte Phoenix angebaut. Jedes Jahr werden dort 40 bis 50 Flaschen Hamburg Stintfang Cuvée gewonnen, die ausschließlich für Ehrengäste der Stadt ausgegeben werden. Der Jahrgang 2010 fiel jedoch aus, da die Ernte von Unbekannten geplündert wurde.[8] Im Jahr 2016 wurden erneut 90 % der Trauben gestohlen.[9]

U-Bahn-Station Landungsbrücken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Fuß des Stintfangs befindet sich die U-Bahn-Station Landungsbrücken der Ringlinie. Sie ist wiederum Teil des Verkehrsknotenpunktes St. Pauli-Landungsbrücken.

Bebauung Osthang vom Stintfang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Februar 2017 wurde die Genehmigung eines voluminösen Gebäudekomplexes mit einer festgesetzten Gebäudehöhe von 27,1 m üNN[10] – somit höher als der Stintfang selbst – in der denkmalgeschützten Grünanlage im Bereich der historischen Bastion Albertus erteilt.[11] Kritik an dem Bauvorhaben wird begründet durch die Reduzierung großer Teile des Osthangs in seiner öffentlichen Grundfläche und vor allem mit der starken Beeinträchtigung des Panorama-Blicks vom Stintfang und den Parkwegen des Osthangs auf die Neustadt und den Hafen.[12][13][14][15]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Stintfang (Hamburg) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. wieweit.net: Ermittlung der GPS-koordinaten & der Höhe auf der Karte, Höhe vom Stintfang / Paula Karpinksi Platz (abgerufen am 28. April 2017)
  2. Hamburger Abendblatt: "Der Stint ist da!" (Memento vom 18. Januar 2016 im Internet Archive)
  3. Polyglott Reiseführer Hamburg. Polyglott-Verlag München, 3. Auflage 1971, S. 47.
  4. C. F. Gaedechens: Historische Topographie der Freien und Hansestadt Hamburg und ihrer nächsten Umgebung von der Entstehung bis auf die Gegenwart. Hamburg 1880.
  5. W. Melhop: Historische Topographie der Freien und Hansestadt Hamburg 1895-1920. Hamburg 1923, S. 199–201.
  6. Weinberg am Stintfang - Deutschlands nördlichster Weinberg (Memento vom 1. Februar 2014 im Internet Archive)
  7. Kein Stuttgarter Weindorf mehr in Hamburg. Stuttgarter Zeitung, 13. Januar 2017, abgerufen am 3. Juli 2017.
  8. Mundraub am Stintfang – Weinlese fällt aus. In: NDR.de vom 29. September 2010. (Memento vom 2. Oktober 2010 im Internet Archive)
  9. Die Trauben können wir nicht mehr herzaubern In: ZEIT Online, 20.09.2016.
  10. Begründung des Bebauungsplans als PDF Datei, 5.1.1 Maß der baulichen Nutzung, Seite 26, abgerufen am 31. Dezember 2017
  11. Neubau eines Wohn- und Geschäftshauses mit einer Tiefgarage. Baugenehmigungsverfahren M/BP/00127/2016 vom 22. Februar 2017, abgerufen am 31. Dezember 2017
  12. Denkmalrat Hamburg: Stellungnahme zur geplanten Bebauung am Stintfang, 6. Dezember 2013, abgerufen am 31. Dezember 2017
  13. Historiker warnt vor Neubau am Stintfang, abendblatt.de vom 31. August 2013, abgerufen am 31. Dezember 2017
  14. Neubau am Stintfang steht wieder auf der Kippe, abendblatt vom 6. Februar 2017, abgerufen am 31. Dezember 2017
  15. Grünes Licht für umstrittenen Neubau am Stintfang, abendblatt vom 10. Februar 2017, abgerufen am 31. Dezember 2017

Koordinaten: 53° 32′ 48″ N, 9° 58′ 20″ O