Stoßboot

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Bei einem Stoßboot handelt es sich um einen eigens für einen besonderen Verwendungszweck – früher aus Holz, später aus Stahl – gebauten Handkahn mit Dieselmotor, der neben der Ruderfläche am Heck eines antriebslosen Binnenschiffs befestigt wird und dieses voranschiebt.[1]

Geschichte und Funktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ersten Stoßboote wurden in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts verwendet. Einige Eigner von Schleppkähnen nutzten erstmals Stoßboote für die Fortbewegung, um unabhängig von Schlepp- und Treidelkosten zu sein. Sie wurden damit zu Selbstfahrern, jedoch immer noch mit beschränkter Einsatzmöglichkeit; insbesondere war ein Einsatz zu Berg (= gegen die Strömung) auf fließenden Gewässern in der Regel nicht möglich.

Stoßboote wurden zu Beginn ihrer Entwicklung in Deutschland auch als Wasser-Diesel-Traktor bezeichnet.[2]

Das Stoßboot, einem Beiboot ähnlich und mit einem Dieselmotor von etwa 10 bis 50 PS ausgerüstet, wird gegen das Heck des Schleppkahns gesetzt und dort fest vertäut. Auf kanalisierten Gewässern sind mit dieser Antriebsart Geschwindigkeiten von etwa 7 km/h möglich. Bedient wird das Stoßboot meistens mittels einer Stange mit Drehpunkt am Ende des Ruderblattes und mittels Leinen. Mit den Leinen wird Gas gegeben und gekuppelt. Das Hinabsteigen in das Stoßboot ist unnötig, da es praktisch ferngesteuert wird.

Ein Stoßboot kann auch für kleinere Bugsierarbeiten und Schlepptätigkeiten verwendet werden.

Verwendung in der DDR[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund fehlender Schlepp- und Antriebsleistung in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg durch Kriegsverluste und Reparationsleistungen wurden auf dem Gebiet der ehemaligen DDR in der Zeit von 1954 bis 1957 an mindestens fünf Werften 55 neue Stoßboote mit einer Motorenleistung von je 50 PS gebaut.[3]

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dünner, Hans-Wilhelm; Knoll, Horst-Christin: 50 Jahre Deutsche Binnenreederei. - vom ostdeutschen Binnenschiffahrtsunternehmen zum europäischen Logistikdienstleister. 1. Auflage. Koehlers Verlagsgesellschaft mbH, Hamburg 1999, ISBN 3-7822-0757-2.
  • Schönknecht, Rolf; Gewiese, Armin: Binnenschiffahrt zwischen Elbe und Oder. Das andere deutsche Fahrtgebiet 1945–1995. Busse Seewald/DSV-Verlag, Hamburg 1996, ISBN 978-3-88412-218-1.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Stoßboote – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Uwe Giesler: Stoss-Boote. DDR-Binnenschifffahrt, abgerufen am 19. Januar 2016.

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Herbert Stertz: Havelschiffahrt unter Dampf. Wirtschaftsfaktor und Erlebnis. Media@Vice, Pritzwalk 2006, ISBN 3-00-019924-1, S. 74
  2. Schiffbautechnische Gesellschaft (Hrsg.): 100 Jahre Schiffbautechnische Gesellschaft: Festveranstaltung vom 25. bis 29. Mai 1999 in Berlin. Springer-Verlag, 2013, ISBN 3-642-93390-4, S. 130.
  3. Dünner, Hans-Wilhelm; Knoll, Horst-Christin: 50 Jahre Deutsche Binnenreederei, Koehlers Verlagsgesellschaft mbH, S. 176