Stolper-Samuelson-Theorem

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Qsicon Fokus2.svg Dieser Artikel wurde am 15. Juni 2015 auf den Seiten der Qualitätssicherung eingetragen. Bitte hilf mit, ihn zu verbessern, und beteilige dich bitte an der Diskussion!
Folgendes muss noch verbessert werden: Format der Grafiken und Formeln sowie grundlegende Formatierungen passen nicht. Wenn ich es selbst könnte, würde ich das auch machen, aber da bin ich leider nicht firm genug. --Alnilam (Diskussion) Heute schon gelobt? 21:15, 15. Jun. 2015 (CEST)

Das Stolper-Samuelson-Theorem (nach den US-amerikanischen Wirtschaftswissenschaftlern Wolfgang F. Stolper und Paul A. Samuelson), welches 1941 vorgestellt wurde, ist ein grundlegendes Theorem der Außenhandelstheorie und Teil des Heckscher-Ohlin-Modells. Es beschäftigt sich mit Güterpreisänderungen (zum Beispiel, durch Einführung von Zöllen) und deren Auswirkungen auf die Kosten der Produktionsfaktoren.

Entwicklung des Theorems[Bearbeiten]

Das Theorem wurde erstmals 1941 von Wolfgang Friedrich Stolper und Paul Anthony Samuelson vorgestellt, welche sich an der Harvard Universität in Cambridge kennenlernten. Dort schloss Stolper 1938 sein Ökonomiestudium ab und Samuelson erhielt 1941 seine Promotion. Das entwickelte Theorem gilt neben dem Rybczynski-Theorem, dem Heckscher-Ohlin-Theorem und dem Faktorausgleichstheorem als Bestandteil des Heckscher-Ohlin-Modells und gliedert sich somit in die traditionellen Faktorproportionenmodelle ein. Der ursprünglichen Version liegen fünf einschränkende idealtypische Annahmen zugrunde:

  1. Es liegt ein vollkommener Markt vor, der nicht durch persönliche, sachliche, zeitliche oder räumliche Präferenzen eingeschränkt wird und auf dem eine vollkommene Markttransparenz herrscht. Die auf dem Markt angebotenen Güter sind homogen und die Marktanpassungsprozesse geschehen sofort.
  2. Konstante Skalenerträge, darunter wird verstanden, dass bei proportionaler Veränderung der Inputfaktoren das Output im gleichen Verhältnis ansteigt
  3. Es werden ausschließlich zwei verschiedene Güter produziert
  4. Der Produktion bedarf es nur zwei Produktionsfaktoren, welche begrenzt vorhanden sind
  5. Es handelt sich um mobile Faktoren, die zwischen den Produktionsstätten verschoben werden können

Gründe für die Güterpreisveränderung wurden in handelspolitischen Maßnahmen (Einführung von Zöllen) gesehen und es wurden nur die Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital betrachtet.[1]

Aussage des Theorems[Bearbeiten]

Es lassen sich folgende zwei Effekte aus dem Theorem ableiten:

Verteilungseffekt
Unter den gegebenen Annahmen führt ein Anstieg des relativen Preises eines Gutes (etwa infolge der Aufnahme von Handelsbeziehungen), zur Erhöhung der realen Entlohnung des Faktors, der in der Produktion intensiv genutzt wird. Die Entlohnung des anderen Faktors sinkt.[2]

Magnification Effekt
Dieser Effekt besagt, dass der relative Preisanstieg der Güterpreise einen überproportionalen Effekt auf den Faktorpreis hat, welcher zur Produktion des Gutes intensiv genutzt wird.

Weiterhin führen die mobilen Produktionsfaktoren bei Angleichung der relativen Güterpreise auch zur Angleichung der relativen Faktorpreise für die Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital.

Herleitung[Bearbeiten]

Mathematische Herleitung
Angenommen in einer Wirtschaft werden nur zwei Güter, Stoff und Stahl, produziert, wobei Arbeit und Kapital die einzigen Produktionsfaktoren sind. Im Folgenden wird die Stoffproduktion als arbeitsintensiver und die Stahlproduktion als kapitalintensiver Wirtschaftszweig dargestellt. Der Preis eines Gutes wird aus den Grenzkosten gebildet. Unter diesen Bedingungen kann das Theorem wie folgt abgeleitet werden:

Die Preise von Stoff und Stahl setzen sich zusammen aus:

(I) P(C) = ar + bw
(II) P(S) = cr + dw

wobei gilt:
P(C) = Preis für Stoff (cloth)
P(S) = Preis für Stahl (steel)
r (rate) = Zinssatz
w (wage) = Lohn
a, b, c, d = eingesetzte Mengen von Kapital und Arbeit

Postulate:

  1. Steigt der Preis P(C) des produzierten Gutes Stoff, so wird auch mindestens einer seiner Faktoren teurer. Aufgrund der Tatsache, dass die Stoffproduktion ein arbeitsintensiver Wirtschaftszweig ist, kann davon ausgegangen werden, dass die Kosten des Produktionsfaktors Arbeit (Lohn) steigen.
  2. Steigen die Löhne, dann müssen die Zinsen fallen, dass Gleichung (II) weiterhin zutrifft. Ein Rückgang der Zinsen beeinflusst aber auch Gleichung (I). Damit diese ihre Gültigkeit behält, muss der Anstieg der Löhne überproportional zum Anstieg des Preises für Stoffe sein.
  3. Ein Anstieg des Preises eines Gutes bewirkt einen überproportionalen Anstieg der Entlohnung des am intensivsten eingesetzten Faktors, wohingegen die Entlohnung des anderen Faktors sinkt.


Grafische Herleitung

Stolper-samuelson.jpg

Punkt E stellt das Gleichgewicht von Lohn (w1) und Zinssatz (r1) dar, wenn die Preise von P (S) und P (C) gleich den Grenzkosten sind.
Angenommen der Preis von Stahl P(S) steigt (zum Beispiel durch die Erhebung von Zöllen oder wenn ein Land sich von Autarkie zu freiem Handel entwickelt),
dann verschiebt sich die blaue Linie nach oben und ein neues Gleichgewicht im Punkt F stellt sich ein.
Diese Verschiebung verursacht einen Anstieg des Zinssatzes von r1 nach r2 und einen Rückgang der Gleichgewichtslöhne von w1 nach w2.
Wenn also der Preis für Stahl steigt, steigt auch die Entlohnung des in der Produktion am intensivsten genutzten Faktors, während die Entlohnung des Faktors Arbeit sinkt.




Beispiel[Bearbeiten]

Beispiel Stolper Samuelson.jpg

I: P(S) = a \cdot r + b \cdot w
II: P(C) = c \cdot r + d \cdot w

Im folgenden Beispiel werden für die eingesetzte Menge der Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital folgende Variablen verwendet:

a = 2, b = 1, c = 1, d = 2

Für die Preise der jeweiligen Güter Stoff C und Stahl S werden folgende Werte angenommen:
P(S) = 4, P(C) = 5

Daraus ergeben sich die folgenden zwei Formeln:
I: 4 = 2 \cdot r + 1 \cdot w
II: 5 = 1 \cdot r + 2 \cdot w

Wenn man diese Formeln gleichsetzt und nach Zins r und Lohn w umstellt, ergeben sich folgende Werte:
r = 1, w = 2

Geht man nun von einer Preissteigerung des Gutes Stoff P(S) von 4 auf 5 aus, ergibt sich folgende Formel:
I: 5 = 2 \cdot r + 1 \cdot w
II: 5 = 1 \cdot r + 2 \cdot w

Durch die Preissteigerung ergeben sich für die Löhne und Zinsen folgende Werte:
r = \tfrac {5}{3}, w = \tfrac{5}{3}

Es lassen sich durch das Beispiel zwei Effekte visualisieren:

Verteilungseffekt
Im Beispiel sinkt w von 2 auf \tfrac {5}{3} (Preissenkung um 17 %) und r steigt von 1 auf \tfrac {5}{3} (Preissteigerung um 66 %).

Magnification Effect
Im Beispiel steigt r überproportional (Preissteigerung von r um 66 % im Vergleich zur Preissteigerung von P(S) um 25 %).

Anwendung[Bearbeiten]

Weiterführende empirische Untersuchungen (u. a. von José Scheinkman, Ronald W. Jones) haben ergeben, dass grundlegende Elemente des Theorems generalisiert und auch bei globaleren Betrachtungen zu Rate gezogen werden können. So lassen sich die Effekte der ansteigenden Globalisierung auf die Einkommensverteilung in entwickelten Ländern und den daraus resultierenden langfristigen handelspolitischen Bündnissen zwischen diesen Ländern erklären. Anhand des Theorems können allgemeine Aussagen über den Zusammenhang zwischen Güterpreisen und realen Faktoreinkommen getroffen werden. Die Ursachen welche zu diesen Veränderungen führen sind für das Theorem unerheblich.

Kritik[Bearbeiten]

Eine Voraussetzung des Samuelson-Stolper-Theorems sind die homogenen Produktionsfunktionen (=konstante Skalenerträge), die lediglich den relativen Faktoreinsatz, nicht jedoch die absoluten Produktionsmengen berücksichtigen. Steigende Skalenerträge bilden beispielsweise einen Anreiz zur Steigerung der Produktionsmengen. In diesem Fall würde die Entlohnung nach dem Grenzerlösprodukt erfolgen, im Widerspruch zu Samuelson und Stolper.[3] Homogene Produktionsfunktionen setzen eine generelle Verfügbarkeit der Produktionsfaktoren voraus, die in der Realität nicht immer gegeben ist.

Literatur[Bearbeiten]

  • Wilfried F. Ethier: Moderne Außenwirtschaftstheorie. München 1997, ISBN 3-486-23980-5.
  • W. F. Stolper, P. A. Samuelson: Protection and Real Wages. In: Review of Economic Studies. 1941, 9, S. 58–73.
  • Rolf Peffekoven: Zölle und Lohnquote. 1966
  • Klaus Rose, Karlhans Sauernheimer: Theorie der Außenwirtschaft. 2006

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. J. Peter Neary: The Stolper-Samuelson Theorem. In: John J. McCusker u. a. (Hrsg.): History of World Trade Since 1450. Thomson Gale, Detroit/ Munich u. a. 2006, ISBN 0-02-865840-X.
  2. W. F. Stolper, P. A. Samuelson: Protection and Real Wages. In: Review of Economic Studies. 1941, 9, S. 70.
  3. Rolf Peffekoven: Zölle und Lohnquote.1966, S. 100f.

Weblinks[Bearbeiten]