Stora Enso

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Stora Enso Oyj

Rechtsform Aktiengesellschaft (Finnland)
ISIN FI0009005961
Gründung 1288 (Stora); 1872 (Enso); 1998 (Fusion)
Sitz Helsinki, Finnland Finnland
Leitung Annica Bresky[1] (CEO)
Mitarbeiterzahl 23.000[2]
Umsatz 8,6 Mrd. Euro[2]
Branche Papier und Verpackung, Forstwirtschaft
Website www.storaenso.com
Stand: 9. Februar 2021
1/8 Anteil am Bergwerk von Falun, 1288
Hauptquartier von Stora Enso im Stadtzentrum von Helsinki; Architekt: Alvar Aalto 1962

Stora Enso (schwedisch [stu:ra] und finnisch [enso]) ist ein finnisch-schwedischer Konzern und – gemessen an der Produktionskapazität – das zweitgrößte Forstunternehmen der Welt sowie einer der größten Papier- und Verpackungsmittelhersteller. Sitz der Gesellschaft ist Helsinki in Finnland. Stora Enso ist die älteste Aktiengesellschaft der Welt.

Das Unternehmen beschäftigt Mitarbeiter in mehr als 50 Ländern auf fünf Kontinenten und verfügt über eine Produktionskapazität von 13,1 Millionen Tonnen Papier und Karton sowie 7,5 Millionen Kubikmetern Schnittholzprodukten, von denen 3,2 Millionen Kubikmeter intern weiterverarbeitet werden. Die Stora-Enso-Aktien werden an den Wertpapierbörsen von Helsinki (OMX Helsinki 25) und Stockholm gehandelt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Grundstein für die Geschichte der Stora war der Erwerb einer Kupfererz-Abbaukonzession durch den schwedischen Bischof Peter im Jahr 1288. Sieben Jahrhunderte lang war der Kupferabbau im Bergwerk von Falun Kerngeschäft der Gesellschaft, die seit dem Jahr 1862 den Namen „Stora Kopparbergs bergslag“, kurz „Stora“, trägt. Erst seit Beginn des 20. Jahrhunderts betätigte sich die Firma zunehmend in den Bereichen Holzeinschlag und Papierproduktion. Im Jahr 1990 expandierte die Stora auf den deutschen Markt durch Übernahme des deutsch-schwedischen Feldmühle-Konzerns.

Die finnische Firma Enso wurde 1872 als Sägemühle „W. Gutzeit & Co“ gegründet und trägt seit dem Jahr 1924 nach dem Industrieort Enso (heute Swetogorsk) den Namen „Enso-Gutzeit“. Im Jahr 1997 übernahm „Enso“ die deutsche Papierfirma E. Holtzmann.

Die österreichische Schweighofer Holzindustrie entstand aus einem bis 1642 zurückreichenden Familienunternehmen. Gerald Schweighofer formte daraus in den 1990er-Jahren eines der größten Sägeunternehmen Europas. Im Oktober 1998 vereinigten sich Stora, Enso und Holzindustrie Schweighofer zur Stora Enso, wobei die Sägewerke zum Bereich Stora Enso Timber gehören. Zum Zeitpunkt der Fusion war Stora Enso mit einem Umsatz von 60 Mrd. Finnmark und einer Produktionskapazität von 12.700 Tonnen der weltweit größte Papierkonzern.[3] Im September 2001 übernahm Stora Enso Timber die 26 % Anteile von Holzindustrie Schweighofer.

2004 wurde die polnische Intercell-Gruppe übernommen. Damit besitzt Stora Enso ein weiteres Werk für Verpackung (Kraftpapiere) in Polen. 2006 wurde von Papyrus, dem Papier- und Verpackungsgroßhandelszweig von Stora Enso, die deutsche Schneidersöhne-Gruppe übernommen, womit Stora Enso zum zweitgrößten Papierhändler in Europa aufstieg. Ende April 2008 verkaufte Stora Enso Papyrus zu 100 % an die schwedische Finanzinvestmentgesellschaft Altor. Die Verkaufsvereinbarung beinhaltete auch eine langfristige Papierliefervereinbarung zwischen Stora Enso und Papyrus.[4] Am 29. März 2022 gab Stora Enso den geplanten Verkauf der vier Papierfabriken Maxau, Anjala, Hylte und Nymölla bekannt.[5]

Produktionsstandorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Papierfabrik in Oulu bei Nacht
Stora-Enso-Papierfabrik in Eilenburg
Stora Enso in Baienfurt
Stora Enso in Hagen (rechts, hinter dem Heizkraftwerk)
Stora Enso in Uetersen

Weltweit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2008: Die Produktion von Papier und Karton teilt sich auf folgende Länder auf:[6]

Die Produktionskapazität von Papier und Karton mit 12,1 Millionen Tonnen für 2013 teilt sich auf folgende Länder auf:[7]

  • Finnland 38 %
  • Schweden 28 %
  • Deutschland 13 %
  • Volksrepublik China 4 %
  • Brasilien 2 %
  • andere Länder 15 %

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stora Enso hatte 1998 in Deutschland 4200 Beschäftigte,[3] 20 Jahre später blieben davon nur noch 1600 Mitarbeiter.[8] Rund 13 Prozent der Kapazität und Umsätze des Konzerns entfallen auf die Bundesrepublik Deutschland mit einer Produktionskapazität von 2,3 Millionen Tonnen Karton und Papier (2001). Am 10. September 2008 veröffentlichte Stora Enso ein umfassendes Restrukturierungsprogramm.[9][10] Hiervon waren auch die deutschen Standorte betroffen.

Aktive Standorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Standorte des Konzerns verteilen sich auf

  • Düsseldorf: Verkaufsbüro und Holzeinkauf
  • Lübeck: Formatausrüstung von Faltschachtelkarton
  • Karlsruhe-Maxau: Magazinpapier
    • Die Zeitungspapierproduktion in Maxau wurde 2010 eingestellt.[11] Die Zahl der Mitarbeiter sank zwischen 2008 und 2012 von etwa 720[12] auf etwa 450.[13]

Ehemalige Standorte und Produktionsanlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das Werk Düsseldorf-Reisholz mit zwei Papiermaschinen wurde zum Jahresende 2007 geschlossen.
  • Werk Baienfurt: Stilllegung der Kartonmaschine zum Jahresende 2008 (210.000 t/a).[14] Am Standort Baienfurt verblieb damit nur ein Schneidcenter mit 40 Mitarbeitern, das 2018 an das finnische Unternehmen Pyroll Group Oy verkauft wurde.[15]
  • Werk Hagen: Stilllegung der Papiermaschine 3 zum Jahresende 2008 (140.000 t/a). 2016 Verkauf des Werks für gestrichene holzhaltige Papiere mit 540 Mitarbeitern an die neu gegründete Hagen-Kabel Pulp & Paper GmbH.[16]
  • Werk Maxau: Stilllegung der Papiermaschine 7 zum Jahresende 2010 (190.000 t/a), Abbau von 180 Arbeitsplätzen
  • Uetersen: holzfreie, mehrfach gestrichene Bilderdruckpapiere und einseitig gestrichene, nassfeste Etikettenpapiere. Das Werk ist seit 2015 als Feldmuehle Uetersen GmbH selbstständig.[17]
  • Forbach, Weisenbach: Ehemalige Werke der E. Holtzmann & Cie. (stillgelegt)
  • Pfarrkirchen: Holzverarbeitungsbetrieb. Das Werk ist seit 2020 als Lignopan Holzwerke Pfarrkirchen GmbH wieder selbstständig.[18]
  • Sachsen Mill in Eilenburg: Recycling-Zeitungsdruckpapier. Verkauft und umbenannt in Model Sachsen Papier GmbH.

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Drei der etwa 25 Sägewerke stehen in Österreich:[19]

  • Ybbs, NÖ. (460 Mitarbeiter, das größte Sägewerk des Konzerns, 1983 erbaut, produziert Cross Laminated Timber (CLT), Brettsperrholz)
  • Brand, NÖ. (war das Stammsägewerk der Familie Schweighofer)
  • Bad St. Leonhard, Ktn.

Bis 2015 aktiv war:

  • Sollenau, NÖ. (Einstellung des Sägebetriebes zum Ende des 1. Quartales 2014, der Hobelwaren- und Leimholzproduktion mit Ende des 2. Quartales 2015, stellte Beams, Leimholzbinder her.)[20][21]

Schweden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heutiges Farbenwerk der Stora Kopparbergs Bergslags AB am ehemaligen Bergwerk von Falun, 2009
  • Fors Mill: Faltschachtelkarton
  • Hylte Mill, Hyltebruk: (aktuell Jan. 2020 ca. 220 Mitarbeiter), Zeitungsdruckpapier
    • 2012: Stilllegung der PM 1
    • Mai 2013: Stilllegung der PM 2 mit einer Kapazität von 205.000 Tonnen Zeitungsdruckpapier pro Jahr
  • Jönköping Mill
  • Kvarnsveden Mill
    • Mai 2013: Stilllegung der PM 11 mit einer Kapazität von 270.000 Tonnen Zeitungsdruckpapier pro Jahr
  • Nymölla Mill
  • Skene Mill
  • Skoghall Mill: Faltschachtelkarton
  • Skutskär Pulp Mill
  • Vikingstad Mill

Polen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kennzahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017[22] 2018[2] 2019 2020
Umsatzerlöse (Mio. €) 11.849 11.029 8.945 10.297 10.965 10.837 10.563 10.213 10.040 9.802 10.045 10.486 10.055 8.553
EBIT (Mio. €) 797 867 630 578 810 915 884 1.004 1.325 953 650
Gewinn (Mio. €) 113,3 148,7 59,0 87,3 −299,3 −476,9 614 988
Eigenkapital (Mio. €)(a) 691,5 841,1 865,5 922,9 630,8 117,8 6.055 6.732
Bilanzsumme (Mio. €)(a) 1.704,5 2.120,6 2.217,1 2.635,3 2.277,8 1.333,6 11.770 12.849
Eigenkapitalquote (%)(a) 40,6 39,7 39,0 35,0 27,7 8,8 51,4 52,3
Mitarbeiter(a) 36.137 33.815 28.696 27.383 27.958 28.777 28.231 27.200 25.680 25.447 26.116 26.151 26.096 24.455
(a) Durchschnitt

Umwelt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stora Ensos Holzeinkaufsorganisation (Division Forestproducts/Wood Supply) und ein Großteil der Werke sind nach PEFC und/oder FSC zertifiziert.[23] Weiter wurde ein System für den Ursprungsnachweis des verwendeten Holzes eingeführt, das auch von seinen Kunden honoriert wird (zum Beispiel Axel Springer Verlag). In Deutschland stammen über 70 % des verwendeten Holzes aus PEFC- oder FSC-zertifizierter Waldwirtschaft. Die deutschen Papierfabriken verarbeiten u. a. Holz aus Deutschland und Frankreich.[24] Zellstoff kommt in immer größerem Umfang aus den Plantagen in Lateinamerika. Hier engagiert sich Stora Enso zusammen mit den Umweltorganisation um Standards zur Zertifizierung.

Stora Enso wie auch die finnischen Unternehmen UPM-Kymmene und Metsä-Serla geraten immer wieder in die Schlagzeilen, da sie als Großkunde des finnischen Staatswaldes Holz aus Wäldern beziehen, die von Umwelt-Nichtregierungsorganisationen als Urwälder eingestuft wurden, und deren Nutzung Konflikte mit dort ansässigen Samen und der Rentierhaltung nach sich zieht. Soweit dieses Holz in Zellstoffwerken weiterverarbeitet wird, kann es seinen Weg auch in Produkte für den deutschen Markt finden.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Stora Enso – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Annica Bresky. President and Chief Executive Officer (CEO). In: Group Leadership Team. Stora Enso, abgerufen am 6. November 2021 (englisch).
  2. a b c Stora Enso: Stora Enso Annual Report 2020. (PDF, 14,81 MB) 9. Februar 2021, abgerufen am 5. Januar 2022 (englisch).
  3. a b Handelsblatt, 3. Juni 1998, S. 1 / Titelseite.
  4. Stora Enso finalises divestment of its merchant business Papyrus to Altor. In: Stock Exchange Release. Stora Enso, 30. April 2008, abgerufen am 15. Juni 2016 (englisch).
  5. Stora Enso plans to divest four paper sites to focus on strategic growth areas. 29. März 2022, abgerufen am 30. März 2022 (englisch).
  6. Paper and board capacity by country in 2008 (Memento des Originals vom 8. Juli 2008 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.storaenso.com
  7. Facts & Figures. (PDF) Stora Enso, 19. Februar 2013, archiviert vom Original am 6. November 2021; abgerufen am 6. November 2021 (englisch, Jahresbericht 2012).
  8. Stora Enso in Fakten auf storaenso.com, abgerufen am 25. Dezember 2017.
  9. Annette Vincenz: Papierhersteller Stora Enso schließt Papierfabrik in Baienfurt: 350 Stellen betroffen. Schwäbische Zeitung, 10. September 2008, archiviert vom Original am 10. März 2016; abgerufen am 6. November 2021: „Insgesamt will das Unternehmen 1600 Jobs streichen und bis 2010 pro Jahr Kosten von 140 Millionen Euro sparen. Personalabbau sei auch in Finnland sowie bei schwedischen Tochterunternehmen geplant.“
  10. Stora Enso to close down Baienfurt Mill and paper machine at Kabel Mill in Germany. In: Stock Exchange Release. Stora Enso, 4. November 2008, abgerufen am 15. Juni 2016 (englisch): „The Supervisory Board of Stora Enso’s German holding company’s has decided to close down Baienfurt Mill and Kabel Mill’s coated magazine paper machine (PM) 3 with annual capacity 140 000 tonnes by the end of the year 2008.“
  11. Philip Wurster: Stora Enso legt Zeitungspapiermaschine still. (Nicht mehr online verfügbar.) In: print.de. 7. September 2010, archiviert vom Original am 6. Januar 2018; abgerufen am 6. Januar 2018.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.print.de
  12. Das Werk Maxau auf einen Blick – 15 April 2008 (Memento vom 22. Dezember 2009 im Internet Archive)
  13. Weiterer Stellenabbau bei Stora Enso. In: econo.de. 3. September 2013, abgerufen am 6. Januar 2018.
  14. Stora Enso Baienfurt Mill. (PDF; 90 kB) (Nicht mehr online verfügbar.) Stora Enso, September 2008, ehemals im Original; abgerufen am 19. Februar 2013 (englisch): „Stora Enso’s Baienfurt Mill, located in Southern Germany, has a production capacity of 210 000 metric tons per annum and employs approx 400 people. The mill produces folding boxboard grades on a multiply fourdrinier board machine in a substance range of 160 - 380 gsm.“
  15. Baienfurt. In: Service Centers. Pyroll Group Oy, 2021, abgerufen am 6. November 2021 (englisch): „PYROLL BAIENFURT SERVICE CENTER became a part of Pyroll Converting at the beginning of 2018, when Pyroll and Stora Enso agreed on the transition of the sheeting service business.“
  16. Stora Enso verkauft Werk in Hagen an neues Unternehmen. In: Westfalenpost. 1. Juni 2016, abgerufen am 6. Januar 2018.
  17. Die Papierfabrik ist wieder selbstständig – Quelle: shz.de ©2018. In: Pinneberger Tageblatt. 20. Februar 2015, abgerufen am 6. Januar 2018.
  18. Über Lignopan. Abgerufen am 22. Februar 2021 (deutsch).
  19. Japanische Hochhäuser mit Holz aus Ybbs gebaut orf.at, 16. Dezember 2018, abgerufen am 16. Dezember 2018.
  20. Stora Enso enhances efficiency in Central European sawmills newsclient.omxgroup.com, 19. Februar 2014, abgerufen am 16. Dezember 2018, Englisch.
  21. Sollenau schließt - wegen Rahmenbedingungen holzkurier.com, 21. Februar 2014, abgerufen am 16. Dezember 2018.
  22. Financial Report, Part of Stora Enso’s Annual Report 2017, Stora Enso, 4. Dezember 2018.
  23. storaenso.com@1@2Vorlage:Toter Link/www.storaenso.com (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. .
  24. storaenso.com (Memento vom 8. September 2015 im Internet Archive)