Straße von Kertsch

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Straße von Kertsch
Die Straße von Kertsch von der Krim aus gesehen
Die Straße von Kertsch von der Krim aus gesehen
Verbindet Gewässer Asowsches Meer
mit Gewässer Schwarzes Meer
Trennt Landmasse Halbinsel Krim
von Landmasse Taman-Halbinsel
Daten

Geographische Lage

45° 19′ N, 36° 34′ O45.31527777777836.568333333333Koordinaten: 45° 19′ N, 36° 34′ O
Straße von Kertsch (Ukraine)
Straße von Kertsch
Länge 40 km
Geringste Breite 4 km
Größte Tiefe 18 m
Küstenorte Kertsch
Inseln Tusla
Lage der Straße von Kertsch zwischen Asowschem und Schwarzem Meer
Lage der Straße von Kertsch zwischen Asowschem und Schwarzem Meer

Die Straße von Kertsch (von den alten Griechen Kimmerischer Bosporus genannt) ist eine Meerenge in Osteuropa, die das Schwarze Meer mit dem Asowschen Meer verbindet.

Geografie[Bearbeiten]

Sie trennt die Halbinsel Krim im Westen von der Halbinsel Taman (Russland) im Osten, ist rund 40 km lang und an ihrer schmalsten Stelle 4 km breit.

Auf der Seite der Krim liegt die Stadt Kertsch, auf der Seite von Taman an der schmalsten Stelle der Meerenge der Hafen Port Kawkas und weiter südlich als größte Ortschaft die Staniza Taman.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Straße von Kertsch auf einem LandSat-Foto (30. August 2011, genordet)

Am 19. Juli 1790 ereignete sich hier die Seeschlacht bei Kertsch, in deren Verlauf eine russische Flotte unter Admiral Fjodor Fjodorowitsch Uschakow die Landung einer türkischen Invasionsarmee auf der Krim unterband.

Von Januar bis Oktober 1943 vollzog sich über die Meerenge von Kertsch der Rückzug der deutschen Kaukasusarmee/Heeresgruppe A, der durch die 17. Armee im Kuban-Brückenkopf auf der Taman-Halbinsel gedeckt wurde. Der Rückzug wurde mit einer von der Organisation Todt (OT) errichteten Materialseilbahn quer über die Straße von Kertsch (Tagesleistung: 1.000 Tonnen) durchgeführt, aber auch mittels Fährprahmen auf See.

Im April 1943 wurde von deutschen Soldaten und Einheiten der OT noch mit dem Bau einer kombinierten Straßen- und Feldbahnbrücke aus eisernen Kriegsbrückenteilen über die Straße von Kertsch begonnen, der sich bis in den Herbst jenes Jahres hinzog. Am 1. September 1943 begannen die konzentrierten sowjetischen Angriffe auf die Reste des Brückenkopfs, so dass der deutsche Rückzug beschleunigt wurde. Zu diesem Zeitpunkt war die neue Brücke noch nicht fertiggestellt. Wehrmachtspioniere sprengten daraufhin die bereits vollendeten Teile der Brücke.[1] Die restlichen Brückenpfeiler wurden im Februar 1945 bei Eisgang aus dem Asowschen Meer weitgehend zerstört, da die Pfeiler über keine Eisbrecher verfügten. Um die Schifffahrt nicht zu behindern, wurden die Trümmerteile abgetragen.

Eine Fährverbindung wurde 1953 errichtet, ebenso eine Eisenbahnfähre. Sie wurden 1993 eingestellt, Ende 2004 für den Güterverkehr aber wieder eröffnet. 2003 gab es einen Streit zwischen der Ukraine und Russland um die kleine ukrainisch verwaltete, aber zwischen beiden Staaten umstrittene Insel Tusla (200 m breit, 6 km lang) in der Mitte der Straße von Kertsch. Russland wollte von der Taman-Halbinsel her einen Damm auf die Insel Tusla bauen, was u. a. zu einer Veränderung der Wasserströmungen in der Straße von Kertsch geführt hätte. 2010 war der Damm zu etwa 2/3 fertiggestellt.[2] Gleichzeitig wurde aber auch über den erneuten Bau einer Brücke nachgedacht. Im 2010 unterzeichneten die Ukraine und Russland eine Absichtserklärung zum Bau der Brücke.[3] Noch Mitte Februar 2014 wurde eine Machbarkeitsstudie vereinbart.[4] Noch vor der Annexion der Krim durch Russland wurde Anfang März 2014 in der russischen Föderation per Dekret die staatliche Straßenbauagentur Avtodor zur Gründung einer Tochtergesellschaft zum Bau der Brücke aufgefordert.[5] Der Bau der Brücke über die Straße von Kertsch begann im Jahr 2015.

Nach 25 Jahren Unterbrechung fuhr am 1. August 2014 wieder ein Zug von Simferopol via Eisenbahnfähre zur Taman-Halbinsel und über Rostow nach Moskau anstelle der Strecke durch die Ukraine. Bis zur Vollendung des Brückenprojekts soll der Verkehr über die Meerenge von Kertsch provisorisch mit Eisenbahn- und Autofähren abgewickelt werden. Abgesehen von völliger Überlastung der Verbindungen musste der Fährverkehr auch aufgrund der Witterungsbedingungen mehrfach vorübergehend eingestellt werden. Ergänzend wurde noch ein Hubschrauber-Service über die Meerenge von Kertsch eingerichtet.[6]

Literatur[Bearbeiten]

  • G. A. Koschelenko, V.D. Kusnetsow: Greek Colonisation of the Bosporus. In: Gocha R. Tsetskhladze (Hrsg.): The Greek Colonisation of the Black Sea Area. Historical Interpretation of Archaeology. Steiner, Stuttgart 1998, ISBN 3-515-07302-7, S. 249–263 (Historia. Einzelschriften 121).
  • Hans-Joachim Hoppe, Die Brücke von Kertsch: Russland will über die Straße von Kertsch eine Brücke bauen, Eurasisches Magazin, 21. März 2014.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Straße von Kertsch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Willi A. Boelcke: Deutschlands Rüstung im Zweiten Weltkrieg. Hitlers Konferenzen mit Albert Speer 1942–1945. Athenaion, Frankfurt am Main 1969, S. 274 und passim.
  2. google-maps-Ausschnitt mit dem zum Teil fertiggestellten Damm
  3. Grünes Licht für Brücke zwischen Krim und Russland, RIA 26. November 2010
  4. Brücke zwischen Nachbarn, Vedemosti.ru, 14. Februar 2014
  5. Medvedev Signs Decree Creating Contractor for Kerch Strait Bridge Project The Moscow Times, 4. März 2014
  6. Helicopter traffic through Kerch Strait to be launched this week, ticket price is 2500 rubles, Krymedia.ru, 24. Juni 2015.