Strajk – Die Heldin von Danzig

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Filmdaten
Deutscher Titel Strajk – Die Heldin von Danzig
Originaltitel Strajk – Die Heldin von Danzig
Strajk – bohaterka z Gdańska
Produktionsland Deutschland, Polen
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 2006
Länge 104 Minuten
Altersfreigabe FSK 12[1]
Stab
Regie Volker Schlöndorff
Drehbuch Andreas Pflüger,
Sylke Rene Meyer,
Maciej Karpiński
Produktion Jürgen Haase,
Maciej Ślesicki,
Jolanta Rojek,
Jörg Rothe,
Alexander Ris
Musik Jean Michel Jarre
Kamera Andreas Höfer
Schnitt Peter Przygodda,
Wanda Zeman
Besetzung

Strajk – Die Heldin von Danzig ist ein Film des deutschen Regisseurs Volker Schlöndorff über die Lebensgeschichte der wichtigsten Mitgründerin der polnischen Solidarność, Anna Walentynowicz.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Agnieszka lebt allein mit ihrem unehelichen Sohn Krystian in einem Arbeiterwohnheim. Sie wird als Arbeiterin der Danziger Werft zur Heldin der Arbeit gekürt und erhält als Geschenk einen Fernseher. Sie verliebt sich in den Mitbewohner Kazimierz, der als Trompeter in der Werftkapelle arbeitet. Die beiden heiraten und Krystian bekommt einen Vater. Kurze Zeit später stirbt Kazimierz an einem Herzinfarkt.

Wieder ist Agnieszka allein mit ihrem Sohn. Angespornt durch ihn lernt sie Lesen und Schreiben und schafft schließlich die Prüfung zur Kranführerin. Auf der Werft ist die beliebte Agnieszka die einzige weibliche Kranführerin. Als es zu einem Unfall mit mehreren Toten kommt, lehnt sich Agnieszka erstmals gegen die sozialistische Obrigkeit auf und erstreitet Gelder für die Hinterbliebenen. Als sie 1970 Zeugin wird, wie streikende Werftarbeiter von der Miliz niedergeprügelt werden, entfernt sie sich zunehmend vom sozialistischen System.

1980 schließt sie sich einer Gruppe um den Elektriker Lech an, die nun die offene Konfrontation mit dem System sucht und damit die Wende im sozialistischen Ostblock einläutet. Agnieszka wird zur Galionsfigur der neu gegründeten ersten freien Gewerkschaft, überlässt jedoch Lech die Führung, da sie der Meinung ist, sie würde als Frau von den männlichen Gegnern in den Verhandlungen nicht ernst genommen. Angespornt durch Agnieszka erstreitet Lech für die Werftarbeiter dann auch mehr als er zuvor geglaubt hatte.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der deutsch-polnischen Ko-Produktion spielt Katharina Thalbach die Hauptrolle; im Film heißt die Protagonistin jedoch Agnieszka, nicht Anna. Andrzej Chyra spielt den Elektriker Lech (Lech Wałęsa). Strajk wurde 2005/2006 in Danzig am Originalstandort (Leninwerft Danzig) gedreht und ist den Klassikern der polnischen Geschichtsfilme von Schlöndorffs Freund Andrzej Wajda verpflichtet.

In Polen rief der Film bereits vor Erscheinen kontroverse Stellungnahmen hervor, z. B. wollte Anna Walentynowicz die Dreharbeiten gerichtlich verbieten lassen. Walentynowicz wurde bis zum Beginn der Dreharbeiten nie angesprochen und fand einige Passagen des Films inakzeptabel. Sie verlangte, dass vor und nach jeder Vorführung eingeblendet würde: „Dieser Film ist gegen den Willen von Anna Walentynowicz entstanden“, und forderte vom deutschen Regisseur eine Million Dollar Entschädigung. Dagegen äußerte der „Vater“ des polnischen Geschichtsfilms, Andrzej Wajda, sich lobend über den Film.

Strajk – Die Heldin von Danzig kam am 8. März 2007 in die deutschen Kinos, Kinostart in Polen war bereits im Februar. Der Film erhielt von der Filmbewertungsstelle das Prädikat „besonders wertvoll“. Für Fernsehausstrahlungen produzierte Arte eine Audiodeskription des Films. Die Bildbeschreibungen werden von Jan Gebauer gesprochen.[2] 2009 wurde die Produktion für den deutschen Hörfilmpreis nominiert.[3]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Der Film […] spannt […] einen Bogen vom Jahr 1961 bis zur Gegenwart, verliert sich aber in Details der an der authentischen Figur angelehnten Biografie, ohne sie zu einer spannenden Handlung zu fügen oder einen plausiblen Charakter zu formen. Auch deren Darstellerin vermag kaum für die Figur einzunehmen, hinzu kommen eine Erzählhaltung und eine Kamera, die gleichermaßen auf Distanz bleiben. Auch bleibt der Einfluss der Arbeiterin auf die Entstehung der freien Gewerkschaft schemenhaft und erscheint eher zufällig.“

„[…] ein liebevolles Epos um eine kleine Heldin der Geschichte, die mit dem Aufstieg ihres Kollegen Lech Wałęsa zum Politstar bald in Vergessenheit geriet. Schlöndorff […] schuf so den respektablen Versuch nicht einer polnischen Vergangenheitsbewältigung von außen, sondern der Illustration eines universell gültigen, politischen wie existentiellen Prinzips: Wer sich nicht wehrt, der lebt verkehrt.“

Jan Schulz-Ojala, in Dialog. Deutsch-Polnisches Magazin, 76/2006[5]

„Der Film behandelt einen entscheidenden Moment in der Geschichte Polens mit Sensibilität und einer großen emotionalen Kraft. Der Film verfügt über eine wunderbare Bildsprache und ist in der Hauptrolle mit einer außergewöhnlichen Schauspielerin besetzt. Ein ‚auferstandener‘ Schlöndorff.“

Auszug aus der Jury-Begründung des Saturno d'Oro[6]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung für Strajk – Die Heldin von Danzig. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, Januar 2007 (PDF; Prüf­nummer: 107 653 K).
  2. Strajk – Die Heldin von Danzig in der Hörfilm-Datenbank des Hörfilm e. V.
  3. 7. Deutscher Hörfilmpreis 2009
  4. Strajk – Die Heldin von Danzig im Lexikon des Internationalen Films
  5. zitiert nach Strajk-Website, gesichtet 18. Dezember 2006
  6. zitiert nach Strajk-Website