Stralsunder Rathaus

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Rathaus (rechts) mit Schaufassade, dahinter die Nikolaikirche
Rathaus Stralsund nächtlich erleuchtet
Das Rathaus zu Stralsund 1842, Lithographie von Heinrich Wilhelm Teichgräber
Nord-Süd-Durchgang mit Galerie
Südseite des Rathauses
Detail des Schaugiebels

Das Rathaus der Hansestadt Stralsund ist ein im Stil der norddeutschen Backsteingotik errichtetes Gebäude, dessen Anfänge aus dem 13. Jahrhundert stammen. Das Gebäude am Alten Markt gilt als einer der bedeutendsten Profanbauten des Ostseeraums und als das Wahrzeichen der Hansestadt Stralsund. Es liegt im Kerngebiet des von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannten Stadtgebietes des Kulturgutes „Historische Altstädte Stralsund und Wismar“. In die Liste der Baudenkmale in Stralsund ist es mit der Nummer 10 eingetragen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Anfänge dieses Gebäudes reichen in das 13. Jahrhundert zurück; etwa 1250 wurde mit dem Bau begonnen, nachdem Stralsund im Jahre 1234 das Stadtrecht verliehen bekommen hatte. Erste Einträge im Stadtbuch sind zwischen 1271 und 1278 datiert, sie betreffen Vermietungen des Rathauskellers.

Als Vier-Flügel-Bauwerk mit Kantenlängen von 30 und 60 Meter angelegt, diente das Gebäude zunächst als Kaufhaus (kophus). In Nord-Süd-Richtung sowie in Ost-West-Richtung verlaufen Durchgänge, Letzterer (Buttergang) führt zum Westportal der St.-Nikolai-Kirche. Das Kaufhaus verfügte im Erdgeschoss über 40 Ladengeschäfte. Zwei niedrige Dachböden und ein großer Keller dienten als Lagerflächen.

Im Laufe des 14. Jahrhunderts erfuhr das Stralsunder Rathaus mehrere Erweiterungen. Bis 1340 wurde das Gebäude im Norden und im Süden um Sitzungsräume für den Rat der Stadt, einen großen Saal sowie die Schaufassade zum nördlich gelegenen Alten Markt hin ergänzt. Die Fassade war reich geschmückt mit Figuren sowie mit Wappen der 1316 besiegten Fürsten Erich von Lüneburg, Guntzel von Wittenberg, Albrecht von Obersachsen, von Dannenberg und zwei weiterer. Die vom Alten Markt aus erreichbare Halle beherbergte Fleischbänke sowie den lübischen Baum, einen Ort der Gerichtsbarkeit.

Die Beratungsräume waren bis ins 16. Jahrhundert nur über eine Wendeltreppe mit quadratischem Grundriss, die neben dem östlichen Seitenflügel vom Keller bis in den Ratssaal führte, sowie von der Südseite erreichbar. 1579 errichtete man an der Nordseite des Westflügels eine steinerne Treppe im Stil der Renaissance. Im Westflügel führte eine hölzerne Treppe ins Dachgeschoss. Im Innenhof des Rathauses wurde eine hölzerne Galerie auf vierzehn Säulen errichtet. Ein Stadtbrand am 12. Juni 1680 zerstörte große Teile des Gebäudes, so den hölzernen Dachstuhl. Das mit Kupfer und Schiefer gedeckte Dach stürzte komplett ein. Es wurde durch ein mit Ziegeln gedecktes Dach ersetzt. Die Giebeldreiecke im Süden bekamen ein querliegendes Satteldach.

Bei Untersuchungen ab 1730 wurden erhebliche Schäden am Gebäude festgestellt. Umbauten und Reparaturen wurden vorgenommen. Die westliche Seite des Gebäudes wurde im 18. Jahrhundert im architektonischen Stil des Barocks umgestaltet, die Schaufassade verputzt, die Kupferschilde in den Giebelöffnungen entfernt. Nach einem Brand bei der Zulagenkammer am 2. Dezember 1782, der keine größeren Schäden anrichtete, veröffentlichte der Rat umfangreiche Brandschutzvorschriften. 1799 wurde der Putz für 606 Reichstaler erneuert.

In den südöstlichen Räumen im Obergeschoss wurde 1822 die Ratsbibliothek untergebracht, sie zog am Ende des 19. Jahrhunderts in die Badenstraße. 1859 wurde das Provinzialmuseum für Neuvorpommern und Rügen im Ostflügel des Rathauses eingerichtet, wo es 65 Jahre blieb.

Ab 1881 nahm Ernst von Haselberg umfangreiche Umbauten vor. Von der Schaufassade wurde der Putz entfernt und unter Verwendung von Ziegeln des 19. Jahrhunderts die noch heute sichtbare Backsteinfassade wiederhergestellt. Die Rundbögen, die Säulen zwischen den Giebeln, die Gesimse und die Saalfenster der Fassade wurden umgebaut und verstärkt. In die Giebelöffnungen wurden Sternscheiben eingefügt und über den Fenstern des Löwenschen Saals die Wappen der Hansestädte Bremen, Lüneburg, Hamburg, Lübeck, Wismar, Rostock, Greifswald und natürlich Stralsund angebracht.

Zum Ende des 19. Jahrhunderts befanden sich im Erdgeschoss des Rathauses im nördlichen Ostflügel die Nachtwache, das Depot der Feuerwehr und eine Polizeiwache mit sechs Gefängniszellen sowie südlich des Buttergang genannten Ost-West-Durchgangs ein Polizeikommissariat, auch der Nordflügel wurde durch die Polizei genutzt, zudem waren hier das Meldebüro und das Büro der Armenpflege untergebracht. Im Westflügel befanden sich zu ebener Erde im Südteil das Standesamt, eine Polizeidirektion und die Sparkasse. Das Obergeschoss beherbergte im Nordflügel den Löwenschen Saal, die Ratsstube, den Kollegiensaal und einen Verbindungsraum. Daran schlossen sich die im Westflügel befindlichen Kanzleiräume sowie die Räume des Bürgermeisters, der Kämmerei und des Stadtbauamtes an. Den Ostflügel nahmen die Sammlungen des Museums ein.

1897 stürzte nach Bauarbeiten ein Teil des Kellergewölbes ein. Sicherungsmaßnahmen wurden eingeleitet und 1904 wurden die Bauelemente des Kellergewölbes verstärkt. Die Renaissancetreppe wurde im Jahr 1915 verlängert, weitere Baumaßnahmen 1937 durchgeführt.

Zu Beginn der 1980er Jahre wurden weitere Sanierungsmaßnahmen durchgeführt. Die Bauteile des Nord-Süd-Durchgangs wurden restauriert und die Galerie teilweise erneuert. Die Baustellenüberdachung blieb bestehen, sie wurde wie geplant Anfang der 1990er Jahre durch ein Glasdach ersetzt.

In den 1990er Jahren und auch in den ersten Jahren dieses Jahrtausends erfuhr das Stralsunder Rathaus eine umfassende Sanierung.

Löwenscher Saal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick in den Löwenschen Saal

Im großen Saal zur Nordseite, mit Fenstern zum Alten Markt, wurden 1752 die Säulen entfernt und durch Flachbögen ersetzt. Die Wände wurden getäfelt.

Der Saal wird nach dem schwedischen Generalgouverneur Axel von Löwen der Löwensche Saal genannt. Löwen brachte mit Zustimmung seine Sammlung von Büchern und Kunstgegenständen in diesem großen Saal des Rathauses unter, und vermachte sie in seinem Testament 1761 der Stadt Stralsund; sie sollten jedermann frei zugänglich sein. Die gegenständlichen Sammlungsobjekte bildeten 1859 den Grundstock des Provinzialmuseums für Neuvorpommern und Rügen; die Büchersammlung befindet sie sich als Sonderbestand im Stralsunder Stadtarchiv.

Zur Umgestaltung des Löwenschen Saales wurde 1960 ein Wettbewerb initiiert.

Ratsweinkeller und Ratsbierkeller[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Weinkeller diente dem Rat der Stadt als Ruhestätte. Der Weinkeller wurde auf Rechnung der Stadt geführt. Ab 1757 wurde der Keller verpachtet, wobei der Pächter zur Zahlung der Pacht und zur Lieferung des Luthertranks am Tag der Heiligen Drei Könige an den Rat verpflichtet war. Der Trank wurde zu Martini angesetzt; er bestand aus Rheinwein, Zucker und Gewürzen.

Durchgang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Büste Gustav II. Adolf

Im Inneren der in sich geschlossen konzipierten, in vier Flügeln angelegten Anlage befinden sich zwei Laubenhallen sowie eine Galerie, die sich über zwei Geschosse erstreckt. Hier ist auch die Büste von Gustav II. Adolf von Schweden zu finden, ein Geschenk der Gustav Adolf Stiftung Stockholm aus dem Jahr 1930 zur Erinnerung an den Aufenthalt des schwedischen Königs in Stralsund.

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Stralsunder Rathaus waren der Stralsunder Stadtrat sowie einige Organe der Rechtsprechung untergebracht. Darüber hinaus diente es im Mittelalter dem Handel als Kaufhaus (niederdeutsch Kophus) und bot auch Lagermöglichkeiten im Kellergewölbe. Heute befinden sich hier die Stadtverwaltung und die Räume der Bürgerschaft sowie das Stralsunder Standesamt.

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Rathaus ist auf einer 10-Pf-Briefmarke der Deutschen Post der DDR und auf einer 70-ct-Briefmarke der Deutschen Post AG abgebildet.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ernst Heinrich Zober: Das Stralsunder Rathaus, In: Sundine. Unterhaltungsblatt für Neu-Vorpommern und Rügen, Neunter Jahrgang (1835), Nr. 63, S. 251f., Nr. 64, S. 253f., Nr. 65, S. 257f.
  • Stadterneuerungsgesellschaft Stralsund mbH (Hrsg.): Das Stralsunder Rathaus. Sanierung 2001 – 2004, Stralsund 2004.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Rathaus Stralsund – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 54° 18′ 56″ N, 13° 5′ 25″ O