Stratfor

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Logo von Stratfor, 2012

Strategic Forecasting, Inc (abgekürzt Stratfor) ist ein führender privater US-amerikanischer Think Tank, der Analysen, Berichte und Zukunftsprojektionen zur Geopolitik, zu Sicherheitsfragen und Konflikten in aller Welt anbietet. Täglich veröffentlicht Stratfor Länderberichte sowie Analysen zu globalen und regionalen Konflikten. In seinen Analysen bringt Stratfor nicht nur Hintergrundinformationen zu aktuellen politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen, sondern erschließt aus den Bestimmungsfaktoren einer Konfliktlage oder Ländersituation zugleich Voraussagen für die Zukunft. Dabei sind die Berichte knapp und präzise und kommen schnell auf den "Punkt". Die Stratfor-Analysen sind als tiefgründige Schnellinformation zu Konfliktlagen, regionalen und Länderentwicklungen nicht nur in journalistischen Kreisen beliebt, sondern auch bei Regierungsinstitutionen, Firmen und wissenschaftlichen Instituten.

Das Expertenteam des Unternehmens besteht aus Politologen, Ökonomen und Sicherheitsexperten, die über "Informanten" in allen Regionen der Welt verfügen und eine Vielzahl von allgemein zugänglichen und verdeckten Quellen auswerten. Das US-Magazin Barron’s bezeichnete Stratfor aufgrund seiner nachrichtendienstlichen Eigenschaften 2010 als „Schatten-CIA“.[1]

Stratfor wurde 1996 von dem Politologen und Sicherheitsexperten George Friedman gegründet. Den Firmensitz legte er bewusst nicht in die US-Hauptstadt Washington, sondern in die zu politischen Querelen distanziertere Universitätsstadt und Wirtschaftsmetropole Austin/Texas. Friedman ist Präsident und CEO des Unternehmens.

Dienste[Bearbeiten]

Seit 1996 publiziert Stratfor einen täglichen Bericht mit aktuellen Entwicklungen. Dieser Service wird heute über das Internet angeboten und steht gegen eine Gebühr jedem Interessierten offen. Daneben wird eine Vielzahl von geopolitisch verwertbaren Informationen angeboten. Dies umfasst beispielsweise umfangreiches Kartenmaterial, Auftragsarbeiten und regionale Analysen.

Daneben wird ein kostenloser wöchentlicher Newsletter verteilt, welcher sich mit einem aktuellen oder als interessant eingestuften Thema der Welt- und/oder Sicherheitspolitik befasst.

Kunden[Bearbeiten]

Die Liste der Kunden wurde bisher von Stratfor nicht veröffentlicht, ist aber teilweise über Wikileaks einsehbar. Es greifen beispielsweise einige internationale Konzerne, insbesondere aus der Rohstoffbranche, auf Stratfor zurück. Außerdem werden auch staatliche Organisationen mit Informationen versorgt. Viele größere amerikanische Medien verwenden Stratfor für Hintergrundinformationen oder als Quelle.[2] Auch deutschsprachige Medien nutzen Stratfor.[3]

Hackerangriff[Bearbeiten]

Am 24. Dezember 2011 wurde nach einem Hackerangriff, der mutmaßlich von Mitgliedern des Kollektivs Anonymous im Rahmen der Aktion LulzXmas verübt wurde, eine Kundenliste mit rund 4000 Einträgen veröffentlicht. Die Hacker verschafften sich eigenen Angaben zufolge Zugriff auf mehr als 200 Gigabyte Daten und kündigten an, mit den erbeuteten Kreditkartennummern, die unverschlüsselt abgespeichert waren, Überweisungen an Hilfsorganisationen zu tätigen.[4] Insgesamt wurden mehr als 10.000 Karten verwendet um mindestens 700.000 US-Dollar illegal zu überweisen.[5]

Andreas Bogk, Sprecher des Chaos Computer Clubs und als Abonnent des Stratfor-Newsletters selbst von der Aktion betroffen, kritisierte die mangelhaften Vorkehrungen des Unternehmens zur Wahrung der Informationssicherheit.[6] Ungewissheit besteht über die Identität der Angreifer. So dementierte eine am 25. Dezember 2011 veröffentlichte „Pressemitteilung“ von Anonymous jegliche Beteiligung und verurteilte den Hack als Missachtung der Pressefreiheit.[7][8] Am 31. Dezember wurden 75.000 Namen, Adressen, Kreditkartennummern und Passwörter von Kunden und 860.000 Benutzernamen und Passwörter ins Netz gestellt.[9][10]

Am 27. Februar 2012 begann Wikileaks in Kooperation mit 25 Medienpartnern mit der Veröffentlichung von zunächst 214 Nachrichten aus einem Gesamtmenge von über fünf Millionen unternehmensinternen E-Mails.[11][12] WikiLeaks verfolgt das Ziel, das Informantennetz des Unternehmens zu enttarnen, sowie die aus Sicht von WikiLeaks fragwürdigen oder illegalen Methoden von Stratfor darzustellen.

„Um zu belegen, dass Stratfor eher ein privat und unkontrolliert arbeitender Geheimdienst sei, führt WikiLeaks etwa eine E-Mail des Stratfor-Gründers und Chefs George Friedman an eine Mitarbeiterin an.“

Die Zeit[13]

Darin heißt es[14]:

„Wenn dies eine Quelle ist, von der du glaubst, dass sie wertvoll sein könnte, musst du die Kontrolle über sie gewinnen. Kontrolle heißt finanzielle, sexuelle oder psychologische Kontrolle“

Verurteilung[Bearbeiten]

2012 wurde Anklage gegen Jeremy Hammond erhoben, nachdem dieser von seinem ehemaligen Mitstreiter Xavier Monsegur der Gruppe LulzSec an die Behörder verraten wurde. Im Mai 2013 gestand Hammond mit den Worten:

„Now that I have pleaded guilty it is a relief to be able to say that I did work with Anonymous to hack Stratfor, among other websites.[...] I did this because I believe people have a right to know what governments and corporations are doing behind closed doors. I did what I believe is right.“

„Nun, wo ich mich schuldig bekannt habe ist es erleichternd, sagen zu können, dass ich mit Anonymous auch an den Hacks anderer Websites gearbeitet habe. [...] Ich tat dies, weil ich an das Recht des Volkes glaube, zu wissen was hinter den geschlossenen Türen von Regierung und Unternehmen passiert. Ich tat das, was ich für das Richtige halte.“

November 2013 wurde dann ein Urteil über 10 Jahre Haft gefällt.[5]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikinews: Stratfor – in den Nachrichten

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jonathan R. Laing: The Shadow CIA. In: Barron’s. 15. Oktober 2001, abgerufen am 19. Dezember 2010.
  2. Stratfor: STRATFOR in the news (letzter Abruf 20. Oktober 2011)
  3. Thomas Frankenfeld: Analyse des US-Geheimdienstes Stratfor – Der Euro ist Instrument deutscher Dominanz. In: Hamburger Abendblatt. 19. März 2010
  4. Tyler Durden: Stratfor Hacked, 200GB Of Emails, Credit Cards Stolen, Client List Released, Includes MF Global, Rockefeller Foundation. In: ZeroHedge. 24. Dezember 2011, abgerufen am 31. Dezember 2011.
  5. a b Zehn Jahre Haft für Anonymous-Mitglied, Heise online. Abgerufen am 17. November 2013.
  6. Stephan Dörner: Anonymous-Hack: „Die Website war schlicht schlecht gesichert“. In: Handelsblatt. 27. Dezember 2011
  7. Press Release: Stratfor hack NOT Anonymous. In: Pastebin.com. 25. Dezember 2011, abgerufen am 31. Dezember 2011.
  8. heise online: Viele Fragen nach Hacker-Angriff auf US-Sicherheitsberatung. 27. Dezember 2011
  9. Spiegel Online: Angriff auf Stratfor: Anonymous veröffentlicht Hunderttausende Daten. 31. Dezember 2011
  10. Jan Jirát: Die Unfassbaren. In: WOZ Die Wochenzeitung. 5. Januar 2012
  11. Wikileaks: The GIFiles. In: Wikileaks, 27. Februar 2012. 
  12. WikiLeaks veröffentlicht neue Daten – E-Mails des Unternehmens Statfor, tagesschau.de vom 27. Februar 2012
  13. Stratfor; WikiLeaks veröffentlicht E-Mails von US-Analysedienst, Die Zeit vom 27. Februar 2012
  14. Bei WikiLeaks veröffentlichte E-Mail Nr. 201031 an George Friedman. Abgerufen am 27. Februar 2012.