Streetscooter

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Streetscooter GmbH
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Rechtsform Gesellschaft mit beschränkter Haftung
Gründung 2010
Sitz Aachen, DeutschlandDeutschland Deutschland
Leitung Achim Kampker
Mitarbeiterzahl etwa 500 (Mitte 2018)
Branche Kraftfahrzeughersteller
Fahrradhersteller
Website www.streetscooter.eu

Der Streetscooter Work als Lieferwagen von DHL (2017)

Die Streetscooter GmbH (Eigenschreibweise StreetScooter)[1] in Aachen ist ein Hersteller von Elektrofahrzeugen. Das Unternehmen ist eine Tochtergesellschaft der Deutschen Post. Das Unternehmen produziert neben vollelektrischen Kleintransportern auch elektrische Lastenräder für den überwiegend innerstädtischen Gebrauch.

Geschichte des Herstellers[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Prototyp des C16 aus dem Jahr 2014[2]

Im Juni 2010 gründete Achim Kampker gemeinsam mit Günther Schuh die Street Scooter GmbH (im August 2014 Umfirmierung in StreetScooter GmbH), eine privatwirtschaftlich organisierte Forschungsinitiative an der RWTH Aachen, die zusammen mit 80 mittelständischen Unternehmen und zahlreichen Forschungseinrichtungen, wie dem Werkzeugmaschinenlabor WZL der RWTH Aachen, das erste Elektrofahrzeug ausdrücklich für den Kurzstreckenverkehr entwickelte. Die Forschungsinitiative hat sich mittlerweile zu einem eigenständigen Unternehmen entwickelt. Im Mai 2011 wurde das Concept Zeitgeist zum ersten Mal der Öffentlichkeit gezeigt, und im Herbst folgte der erste Prototyp des Streetscooter Compact auf der IAA in Frankfurt. Ihm folgte die Nutzfahrzeugversion Work. 2012 gründete Kampker den gemeinnützigen Verein Netzwerk für bezahlbare und nachhaltige Elektromobilität und wurde sein erster Vorsitzender.[3] An der RWTH Aachen wurde mit einem Multimaterial-3D-Drucker von Stratasys in zwölf Monaten ein voll funktionsfähiger Elektroauto-Prototyp gebaut, der StreetScooter C16, der am 25. Oktober 2014 auf der EuroMold der Öffentlichkeit präsentiert wurde.[4] 2014 fertigten etwa 100 Mitarbeiter auf dem Gelände der Waggonfabrik Talbot an der Jülicher Straße 200 Fahrzeuge. Im Mai 2014 wurde bekannt, dass die Stadt Aachen, die Städteregion Aachen und die Sparkasse Aachen Elektrofahrzeuge des Unternehmens bestellt haben. Das Unternehmen baute 2014 im deutsch-niederländischen Gewerbepark Avantis eine Teststrecke für seine Zustellfahrzeuge.

Im Dezember 2014 kaufte die Deutsche Post das Unternehmen, das damit zum hundertprozentigen Tochterunternehmen wurde.[5][6] Zuvor waren Versuche der Deutschen Post, von einem Automobilhersteller ein Elektrofahrzeug für den Zustellbetrieb entwickeln zu lassen, fehlgeschlagen, woraufhin sie beschloss, selbst ein Fahrzeug zu entwickeln.[7]

Im April 2016 wurde mit der Serienfertigung des Streetscooter Work begonnen; bis zum Jahresende sollten die ersten 2.000 Fahrzeuge hergestellt werden.[8] Tatsächlich gelang es, bis Ende 2016 insgesamt 1.906 Fahrzeuge zu produzieren. Post-Vorstandsmitglied Jürgen Gerdes äußerte 2016, langfristig solle die gesamte Post-Flotte von etwa 70.000 Fahrzeugen durch Elektroautos ersetzt werden. Ab 2017 sollten jährlich ursprünglich etwa 10.000 Fahrzeuge produziert werden.[9] Bis September 2017 hatte sich die Produktionskapazität bereits auf 15.000 Fahrzeugen pro Jahr erhöht.[10]

Auf der IAA Nutzfahrzeuge 2016 präsentierte Streetscooter das größere Modell Streetscooter Work L.[11] Im April 2017 kündigte die Post an, noch im selben Jahr eine zweite Produktionsstätte in Nordrhein-Westfalen in Betrieb zu nehmen.[12] Im September meldeten Medien, dieser Standort werde in Düren sein.[10] Die jährliche Produktion soll sich gleichmäßig auf die Modelle Work und Work L verteilen. Außerdem ist der Streetscooter, der ab 32.000 Euro kosten soll, nun auch für externe Kunden wie Kommunen erhältlich.[13] Noch im gleichen Monat kündigte der Fischgroßhändler Deutsche See an, 80 Streetscooter zu kaufen. Die Fahrzeuge sind mit Kühlkoffern für bis zu 680 Kilogramm Fisch ausgestattet und sollen in deutschen Großstädten eingesetzt werden.[12]

Außerdem kündigte die Post an, ab Juli 2017 den Work XL (20 Kubikmeter) in Kooperation mit Ford zu produzieren.[14] Bis Ende 2018 will die Post mindestens 2.500 Fahrzeuge des Typs im innerstädtischen Lieferverkehr einsetzen. Der Work XL wird zunächst nur für den Eigenbedarf der Deutschen Post produziert.[15]

Im Oktober 2017 stellten die GLS Bank, der Finanzdienstleister Comco Leasing und die Deutsche Post DHL Group ein Projekt vor, das Finanzierung und Vertrieb von 500 elektrisch betriebenen Nutzfahrzeugen von Streetscooter vorsieht.[16] Im Januar 2018 teilte die Post mit, ein Abkommen mit dem auf Leasing spezialisierten BMW-Tochterunternehmen Alphabet Fuhrparkmanagement GmbH zum Vertrieb der Streetscooter-Fahrzeuge geschlossen zu haben.[17] Im April 2018 folgte die Ankündigung, mit ausgewählten Ford-Händlern zusammenzuarbeiten.[18]

Seit dem 30. Mai 2018 werden am zweiten Standort in Düren ebenfalls Fahrzeuge produziert. Dadurch erhöht sich die Produktionskapazität auf 20.000 Fahrzeuge jährlich. Vorerst soll die Produktion im 1-Schichtbetrieb gefahren werden. Somit werden in Düren 46 Fahrzeuge pro Tag produziert[19][20].

Modelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kraftfahrzeuge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Work[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Streetscooter Work als Pritschenwagen (2017)
Blick in den Laderaum eines Streetscooter der DPAG

Das frontangetriebene Fahrzeug verfügt über eine elektrohydraulische Servolenkung.[21] Die Höhe der Ladefläche wurde für den Zustellbetrieb des Paketdienstes DHL und für die Verbundzustellung auf Rückenfreundlichkeit optimiert. Die höhere Ladefläche ermöglicht es konstruktiv auch, dass die Radkästen nicht in die Ladefläche ragen. Der Transportkasten ist auf beiden Seiten und von hinten zugänglich. Auf der rechten Seite neben dem Fahrersitz können sieben Briefbehälter verstaut werden. Die Karosserie besteht aus Kunststoff.

Work L[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Streetscooter Work L (höherer und längerer Kastenaufbau)

Das Modell L stellt die größere Variante des StreetScooter Work dar, mit 30 % mehr Zuladungskapazität und knapp doppeltem Ladevolumen.

Work XL[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 16. August 2017 wurde die Variante Modell XL vorgestellt, die auf Basis des Ford Transit entsteht und ein Nutzvolumen von 20 Kubikmetern haben wird.[22]

Transporträder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Work Bike[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Work Bike ist ein Transportrad zur Briefzustellung mit elektrischer Fahrunterstützung bis zu einer Geschwindigkeit von 25 km/h sowie elektrischer Schiebehilfe bis 6 km/h. Ein 36-V-Akkumulator mit 480 Wh Kapazität ermöglicht eine elektrische Reichweite bis zu 35 km. Der Antrieb erfolgt auf die Hinterachse. Es können maximal 50 kg Briefe zugeladen werden.

Work Trike[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dreirad hat eine maximale Zuladung von 90 kg Briefen. Zwei Elektromotoren an den Hinterrädern unterstützen bis 25 km/h und bieten Schiebehilfe bis 4 km/h. Verbaut sind zwei Akkus in 36-Volt-Technik mit je 480 Wh. Die elektrische Reichweite beträgt 30 km.

Technische Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kraftfahrzeuge Transporträder
Produkt Work (20 kWh)[21] Work (40 kWh)[23] Work L (40 kWh)[24] Work XL2[25] Work Bike[26] Work Trike[27]
Modell Box Pickup Pure Box Pickup Pure Box Pickup Pure Box
Motor 1 × permanenterregter Synchronmotor Synchronmotor 1 × Elektromotor GO SwissDrive 2 × Elektromotor GO SwissDrive
Leistung 0048 kW (38 kW Dauerleistung) bis 150 kW
Antriebsart Frontantrieb Heckantrieb
Leermasse 1460 kg 1280 kg 1595 kg 1415 kg 1695 kg 1705 kg 1465 kg 2900 kg 0058 kg 0085 kg
zul. Gesamtmasse 2180 kg 2600 kg 4250 kg 0210 kg 0280 kg
Gesamtzuladung 0720 kg 0900 kg 0585 kg 0765 kg 0905 kg 0895 kg 1135 kg 1350 kg 0050 kg 0090 kg
Nutzvolumen 0004,3 m³ 0004,3 m³ 0008 m³ 0020 m³
Li-Ion-Akkumulator 0020 kWh 0040 kWh 0040 kWh 30–90 kWh 0480 Wh 2 × 480 Wh
Reichweite (NEFZ) 0113 km1 0113 km 0232 km 0205 km 80–200 km 0035 km 0030 km
Höchstgeschwindigkeit 0085 km/h 0025 km/h
1 etwa 80 km im DHL-Betrieb
2 aktuell wird der Work XL nur für den Eigenbedarf der Deutschen Post hergestellt

Weitere Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende 2017 wurden fünf Fahrzeuge mit einem Feinstaubpartikelfilter von Mann+Hummel ausgerüstet um so den entstehenden Reifen-, Brems- und Straßenabrieb aufzufangen.[28]

2018 sollen 500 Transporter mit einer Brennstoffzelle gebaut und im Probebetrieb getestet werden.[29]

Zulassungszahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neuzulassungen von Streetscooter-Lastkraftwagen in Deutschland[30]

Den verfügbaren Statistiken des Kraftfahrt-Bundesamts nach wurden in Deutschland erste Fahrzeuge der Marke Streetscooter im Oktober 2015[31] zugelassen.

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut Fachverband der Fahrzeugindustrie Österreichs wurde das erste Fahrzeug der Marke Streetscooter im Jahr 2017 zugelassen. Laut den verfügbaren Quellen gab es zum Jahreswechsel 2017/2018 zehn zugelassene Streetscooter in Österreich.[32]

Einschränkungen im Winterbetrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Dezember 2017 wurde Kritik von Zustellern und Betriebsräten bekannt, nach der die bisher ausgelieferten Fahrzeuge im Alltagsbetrieb in den Wintermonaten die Praxisanforderungen der DHL nicht vollständig erfüllen würden. Insbesondere die elektrische Heizung verkürze die mit 100 km angegebene Reichweite auf 70 km, so dass dadurch Betriebsabläufe beeinträchtigt würden. Diese Beeinträchtung wird von der Deutschen Post bzw. DHL bestritten.[33]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Streetscooter Work – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Impressum – StreetScooter GmbH. In: streetscooter.eu. StreetScooter GmbH, abgerufen am 1. Juni 2018.
  2. AUTO BILD: E-Autos deutscher Hochschulen gehen in Serie. In: presseportal.de. news aktuell GmbH, 23. Oktober 2014, abgerufen am 1. Juni 2018.
  3. Europäisches Netzwerk für nachhaltige Elektromobilität e. V. In: euro-network-emobility.eu. Abgerufen am 18. Januar 2018.
  4. StreetScooter C16 mit Multimaterial-3D-Drucker hergestellt. In: springerprofessional.de. Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, 21. November 2014, abgerufen am 1. Juni 2018.
  5. Deutsche Post DHL übernimmt StreetScooter GmbH. In: dpdhl.com. Deutsche Post AG, 9. Dezember 2014, abgerufen am 1. Juni 2018.
  6. Deutsche Post kauft Aachener Streetscooter-Firma. In: aachener-zeitung.de. Aachener Zeitung, 9. Dezember 2014, abgerufen am 1. Juni 2018.
  7. Frank Dohmen: Gelber Weckruf. In: Der Spiegel. Nr. 33/2016, 13. August 2016, S. 58 ff.
  8. Die Deutsche Post baut bald eigene Elektroautos wired.de vom 4. April 2016
  9. Der tausendste Elektro-Transporter der Post. In: FAZ.net, 23. August 2016.
  10. a b Post will Streetscooter wohl auch in Düren bauen. RP Online, abgerufen am 14. September 2017.
  11. Uli Baumann: Streetscooter Work L: Neuer Look und viel mehr Platz. In: auto motor und sport. Abgerufen am 11. Dezember 2016.
  12. a b Fischhändler goes Elektro Deutsche See will 80 Elektro-Lieferfahrzeuge kaufen. 30. April 2017. Abgerufen am 30. April 2017.
  13. Benedikt Plass-Fleßenkämper: Die Deutsche Post expandiert mit ihrem Elektrolaster weltweit. In: Wired. 11. April 2017 (wired.de [abgerufen am 8. August 2017]).
  14. Mit dem E-Transporter Work XL wird die Post zum E-Mobility-Vorreiter. wired.de, 17. August 2017.
  15. Lutz Reiche: Deutsche Post baut größere Version des Streetscooters. In: Manager Magazin. 15. Juni 2017 (manager-magazin.de [abgerufen am 8. August 2017]).
  16. GLS Bank und COMCO Leasing bringen 500 E-Transporter auf die Strasse. 22. Oktober 2017, abgerufen am 24. April 2018.
  17. StreetScooter: Post und BMW kooperieren bei Elektrotransporter. In: Spiegel Online. 11. Januar 2018, abgerufen am 11. Januar 2018.
  18. Ford-Händler verkaufen den Streetscooter. In: Golem.de. 10. April 2018, abgerufen am 24. April 2018.
  19. Streetscooter eröffnet neues Werk in Düren. In: Aachener Nachrichten. (aachener-nachrichten.de [abgerufen am 30. Mai 2018]).
  20. Elektrolastwagen: Streetscooter eröffnet weitere Fabrik - Golem.de. (golem.de [abgerufen am 1. Juni 2018]).
  21. a b StreetScooter Work 20 kWh. In: streetscooter.eu. StreetScooter GmbH, abgerufen am 29. Mai 2018.
  22. Wolfgang Kempkens: Die Post baut ihre Elektrotransporter lieber selbst. In: ingenieur.de. VDI Verlag GmbH, 17. August 2017, abgerufen am 5. Januar 2018.
  23. StreetScooter Work 40 kWh. In: streetscooter.eu. StreetScooter GmbH, abgerufen am 29. Mai 2018.
  24. StreetScooter Work L 40 kWh. In: streetscooter.eu. StreetScooter GmbH, abgerufen am 29. Mai 2018.
  25. Factsheet zum StreetScooter WORK XL. In: dpdhl.com. Deutsche Post AG, abgerufen am 29. Mai 2018 (PDF; 49 kb).
  26. StreetScooter Work Bike. In: streetscooter.eu. StreetScooter GmbH, abgerufen am 29. Mai 2018.
  27. StreetScooter Work Trike. In: streetscooter.eu. StreetScooter GmbH, abgerufen am 29. Mai 2018.
  28. Deutsche Post DHL Group, StreetScooter und MANN+HUMMEL präsentieren das weltweit erste völlig emissionsneutrale Fahrzeug. In: dpdhl.com. Deutsche Post AG, 19. Dezember 2017, abgerufen am 4. Juni 2018.
  29. Wenn die Milch mit dem Postwagen kommt. In: tagesschau.de. Norddeutscher Rundfunk, 6. Juni 2018, abgerufen am 12. Juni 2018.
  30. Neuzulassungen von Kraftfahrzeugen und Kraftfahrzeuganhängern. Kraftfahrt-Bundesamt, abgerufen am 22. Dezember 2017.
    Einzel-Referenz-Links:
  31. Statistische Mitteilungen des Kraftfahrt-Bundesamtes FZ 8, Oktober 2015. In: kba.de. Kraftfahrt-Bundesamt, abgerufen am 13. Juni 2017 (PDF).
  32. Lkw und Sattelzugmaschinen - Neuzulassungen nach Gesamtgewicht und Marken. In: fahrzeugindustrie.at. Fachverband der Fahrzeugindustrie Österreichs, abgerufen am 4. Juni 2018.
  33. Birger Nicolai: Probleme im Winter – Post-Zusteller haben Angst, den Streetscooter zu nutzen. In: welt.de. 22. Dezember 2017, abgerufen am 22. Dezember 2017.

Koordinaten: 50° 47′ 6,7″ N, 6° 6′ 31,3″ O