Streitkräfte Chiles

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ChileChile Streitkräfte Chiles
Fuerzas Armadas de Chile
Flag of the Minister of Defence of Chile.svg
Führung
Oberbefehlshaber: Michelle Bachelet
Militärische Stärke
Aktive Soldaten: 77.300 (2009)
Wehrpflicht: ja
Wehrtauglichkeitsalter: 18 Jahre
Haushalt
Militärbudget: $ 6,8 Mrd. (2012)
Anteil am Bruttoinlandsprodukt: 2,1 % (2012)[1]
Geschichte
Gründung: 1810
Soldaten der Armada de Chile (Marineinfanterie), Juni 2007

Die Streitkräfte Chiles (spanisch Fuerzas Armadas de Chile) bestehen aus den Teilstreitkräften Heer, Marine, Luftwaffe und der nationalen Polizei (Carabineros de Chile). Im Jahre 2008 umfassten die Streitkräfte der Republik Chile insgesamt 77.300 Soldaten.

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Streitkräfte unterstehen dem Oberbefehl des chilenischen Präsidenten, die militärischen Dienstgeschäfte werden vom Verteidigungsminister geführt. Seit der Verfassung von 1980 besaßen die Teilstreitkräfte politische Autonomie und unterstanden nicht der Exekutive, sondern bildeten quasi eine vierte Staatsgewalt. Damals konnte auch der Präsident die militärische Führung nicht ihrer Ämter entheben. Erst seit der Verfassungsänderung im August 2002 kann der Präsident die leitenden Offiziere entlassen.

In Chile herrscht eine allgemeine Wehrpflicht für Männer mit einer Dauer von 11 bis 13 Monaten. Dennoch werden alle nötigen Plätze durch Freiwillige belegt. Frauen können sich freiwillig für den Dienst an der Waffe entscheiden. Im chilenischen Heer können sich die Wehrpflichtigen für weitere fünf Jahre Dienst verpflichten.

Das Einzugsalter liegt bei 18 Jahren. Im Jahr 2007 dienten ca. 72.000 Mann in den Streitkräften; die potenzielle Verfügbarkeit von Soldaten betrug etwa 2.973.000 Mann. Im Jahr 1999 betrugen die Militärausgaben etwa 2,5 Milliarden US-Dollar, bezogen auf das Bruttosozialprodukt waren dies etwa 3,1 %. Dabei muss erwähnt werden, dass die Polizei, Grenzpolizei, Küstenwache, Rettungsdienste und andere Sicherheitskräfte dem Verteidigungsministerium unterstellt sind und aus seinem Etat finanziert werden. 2012 betrug der Anteil am BIP 2,1 %.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Escuela Militar in Santiago de Chile, Hauptkadettenanstalt des chilenischen Heeres (1916)

Unabhängigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Unabhängigkeitsbewegung in Chile entstand mit der Machtübernahme von Napoleons Bruder Joseph in Spanien im Jahr 1808. Am 18. September 1810 wurde eine Junta ins Leben gerufen, die die Treue Chiles zum abgesetzten König Ferdinand VII. erklärte, und zwar als eine autonome Provinz innerhalb des spanischen Königreichs. Dieses Datum feiert man in Chile als den Beginn der Unabhängigkeit. Wenig später erklärte Chile seine totale Losbindung von Spanien und der Monarchie.

1814, nach dem Ende des Spanischen Unabhängigkeitskrieges und der Niederlage der Patrioten in der Schlacht von Rancagua, übernahm Spanien wieder die uneingeschränkte Macht in Chile. Die Spanier wurden aber in der Schlacht von Chacabuco durch ein chilenisch-argentinisches Heer unter General José de San Martín geschlagen. In der Schlacht von Maipú 1818 brach der spanische Widerstand endgültig zusammen.

Am 17. April 1830 stürzte Diego Portales Palazuelos in der Schlacht von Lircay die liberale Regierung. Portales regierte (indirekt) bis August 1831 mit diktatorischen Mitteln. Im Jahre 1833 entstand mit Hilfe Portales eine streng präsidiale Verfassung. Diese stark zentralistische Verfassung gewährte Chile eine lange Zeit der Stabilität, bis zum Bürgerkrieg von 1891.

Von 1836 bis 1839 kam es zum Peruanisch-Bolivianischen Konföderationskrieg gegen Bolivien und Peru, den die Chilenen gewannen. Am 17. September 1865 erklärte Chile Spanien den Krieg (Spanisch-Südamerikanischer Krieg), nachdem Spanien versucht hatte mit militärischen Mitteln in Peru Einfluss zu gewinnen. Es kam daraufhin zu den Seegefechten bei Papudo sowie bei Abtao vor der Insel Chiloé. Am 5. Dezember 1865 verbündete sich auch Peru mit Chile, um den gemeinsamen Feind zu bekämpfen. Die Spanier beschossen am 31. März 1866 die Stadt Valparaíso massiv. Der Konflikt mit Spanien konnte aber erst in Verträgen von 1871 und 1883 endgültig gelöst werden.

Im Salpeterkrieg von 1879 bis 1884 besetzte Chile die bis dahin zu den Nachbarländern Peru und Bolivien gehörende Atacamawüste, Lima und Teile der Pazifikküste von Peru. Im Friedensvertrag von 1904 zwischen Chile und Bolivien musste Bolivien an Chile seinen freien Zugang zum Pazifik abtreten. Nach dem Ende des Salpeterkrieges wurde das chilenische Militär neu organisiert und modernisiert. Der preußische Artilleriehauptmann Emil Körner stieg im chilenischen Bürgerkrieg von 1891 zum General auf und wurde 1900 Generalinspekteur des chilenischen Heeres.

Erster und Zweiter Weltkrieg sowie Nachkriegszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chile blieb im Ersten Weltkrieg neutral. Nachdem Chile lange Zeit auch im Zweiten Weltkrieg neutral geblieben war, beschloss 1944 Präsident Juan Antonio Ríos Morales, an der Seite der Alliierten in den Krieg einzutreten, aber der Einfluss Chiles auf den Kriegsausgang blieb unbedeutend. Das Kupfergesetz von 1958 (Ley del Cobre Reservado) bestimmte, dass 10 % der Kupferexporterlöse ausschließlich dem Militär zustünden.

Von Pinochet bis heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chilenische Ehrengarde

Am 11. September 1973 kam es zu einem blutigen Militärputsch gegen die gewählte Regierung. Präsident Allende beging in der Moneda Selbstmord. Hunderte seiner Anhänger kamen in diesen Tagen ums Leben, Tausende wurden inhaftiert. Sämtliche staatlichen Institutionen in ganz Chile waren binnen Stunden vom Militär besetzt. Die Macht als Präsident einer Junta übernahm General Augusto Pinochet. Überall im Lande errichtete das Militär Geheimgefängnisse, wo Oppositionelle und deren Sympathisanten nicht selten zu Tode gefoltert oder unter anderem mit Flugzeugen hinaus aufs Meer geflogen und dort hinausgeworfen wurden. Tausende Chilenen gingen daher wegen der fortgesetzten Menschenrechtsverletzungen ins Exil (→ Folter in Chile).

Im Dezember 1978 verschärfte sich der Beagle-Konflikt mit Argentinien und es kam zu kriegerischen Drohungen gegen Chile. Die unbewohnten Inseln Lennox, Picton und Nueva im Beagle-Kanal wurden zum Streitpunkt, vor allem weil in der Gegend größere Öl-Reserven vermutet wurden. Der Streit erreichte seinen gefährlichsten Höhepunkt am 22. Dezember 1978, als Argentinien die Operation Soberanía startete, um die Inseln militärisch zu besetzen und in Kontinental-Chile einzumarschieren. Der 1989 nach 15-jähriger Diktatur frei gewählte Präsident Patricio Aylwin begann mit der Aufarbeitung der Verbrechen der Militärdiktatur: Im November 1993 standen erstmals Offiziere wegen Menschenrechtsverletzungen vor Gericht.

Im Jahr 2000 wurde der Sozialist Ricardo Lagos neuer chilenischer Präsident. Sein Programm sah die Einbindung des Armee-Budgets in den staatlichen Haushalt vor.

Traditionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chilenische Präsidentengarde (Grenadiere zu Pferd) in ihren seit 2011 erneut verwendeten klassischen preußischen Dragoneruniformen

Da in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg deutsche Ausbilder wesentlichen Anteil am Ausbau der chilenischen Armee hatten, hervorzuheben ist hier der Einfluss Emil Körners, hat sich eine Fülle von deutschen Militärtraditionen in Chile verwurzelt und erhalten (so genannte prusianización). So ähneln beispielsweise die Paradeuniformen der von Körner reformierten chilenischen Hauptkadettenanstalt in Santiago bis heute den deutschen Kadettenuniformen aus der Zeit des Kaiserreichs (von Farbgebung und Schnitt des Waffenrocks bis hin zur Pickelhaube mit Haarschweif). Das Exerzierreglement entspricht in weiten Teilen dem preußisch-deutschen. Ebenfalls übernommen wurden der preußische Stechschritt für Paraden und zahlreiche Militärmärsche aus der preußischen Armeemarschsammlung (daneben auch viele österreichische Märsche) sowie eine Vielzahl von Stücken aus dem deutschen militärischen Liedgut in spanischer Übersetzung (beispielsweise das Lied Der gute Kamerad). Die Paradeuniformen der regulären Heereseinheiten sind grau; zu ihnen gehört außerdem der deutsche M35-Stahlhelm, der als Helm der Wehrmacht während des Zweiten Weltkriegs verwendet wurde. Bei den Husaren gibt es eine Kunstreiterschwadron, deren schwarze Uniform an preußische Totenkopfhusaren erinnert. Das Eliteregiment der Grenadiere zu Pferd (Granaderos), die als Präsidentengarde fungieren und bis dahin reichswehrähnliche Kavallerieuniformen mit deutschem Stahlhelm und den traditionellen Lanzen trugen, erhielt 2011 die ursprüngliche hellblaue Paradeuniform mit Pickelhaube aus der Zeit der Prussianisierung zurück, die an die Uniform der preußischen Dragoner angelehnt ist. Ebenso trägt die Traditionsartillerie vom 1. Artillerieregiment Tacna, das bei offiziellen Anlässen die Salutkanonen bedient und bis 2011 Paradeuniformen im Stil der deutschen Zwischenkriegszeit verwendete, seither wieder klassische dunkelblaue Uniformen mit schwarzen, rot paspelierten Aufschlägen und den traditionell mit einer Kugel anstelle der Spitze versehenen Pickelhauben der preußischen Artillerie.

Heer (Ejército de Chile)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chilenische Husaren in modernem Kampfanzug (2015)
Ejército de Chile

Das chilenische Heer wird vom Hauptquartier des Oberkommandos in Santiago de Chile geführt. Oberbefehlshaber der chilenischen Landstreitkräfte ist der 2014 vom chilenischen Staatspräsidenten Sebastián Piñera ernannte General der Infanterie Humberto Oviedo Arriagada. Die Stärke der chilenischen Landarmee wird 2015 mit rund 51.000 Heeresangehörigen angegeben.[2] Diese Zahl beinhaltet rund 10.000 Wehrpflichtige und etwa 8.500 Zivilbeschäftigte.[3] Die Teilstreitkraft ist in sieben Divisionen eingeteilt. Die Infanterie gilt als die am besten ausgebildete in Lateinamerika. Eine Luftlandebrigade ist in Rancagua stationiert, Spezialkräfte in Colina. Das chilenische Heer gehört zu den wenigen Armeen der Welt, die auch heute noch eine moderne Kavallerie unterhalten, die als voll berittene Einheit neben dem Einsatz auf Panzerfahrzeugen auch tatsächlich kavalleristisch eingesetzt und trainiert wird.

Die chilenischen Landstreitkräfte kauften seit 1997 u.a. 24 M109 RUAG, 202 Leopard 1V, 140 Leopard 2 A4, 138 Marder 1A3, 139 YPR-765, ca. 330 M113 (div. Ausführungen) und 200 HMMWV. Die Heeresflieger verfügten Ende 2010 über 11 Transportflugzeuge (5 CASA C-212, 3 CASA CN-235 und 3 Cessna 208) und etwa 25 Kampfhubschrauber (8 Eurocopter AS332/AS532 plus 2 Bestellungen, 2 Eurocopter AS 350, 1 AS355, 1 Bell 206, 9 MD530, 1 Aérospatiale SA-315 und 1 Bell UH-1H).

Marine (Armada de Chile)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Armada de Chile

Admiral Edmundo González leitet eine 19.000 Mann starke Marine (inklusive 4.500 Marineinfanteristen).

Kriegsschiffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Flotte umfasst 29 Schiffe, davon sind die acht weiter unten aufgelisteten Fregatten für größere Einsätze vorgesehen. Sie sind in Valparaíso beheimatet und bilden zusammen mit dem Betriebsstofftanker Almirante Montt (AO-52) der Henry-J.-Kaiser-Klasse die Escuadra Nacional. In Valparaiso liegen darüber hinaus noch einige amphibische Einheiten. Außerdem besitzt die Marine vier U-Boote, die in Talcahuano stationiert sind. Zwei davon repräsentieren die modernsten Exemplare der Scorpène-Klasse, die anderen beiden sind Boote der Klasse 209. Unter den übrigen schwimmenden Einheiten befinden sich einige in Iquique beheimatete Flugkörper-Schnellboote der Klasse 148, die von der Deutschen Marine übernommen wurden. Weitere von Indien übernommene S-Boote sind in Punta Arenas beheimatet.

Naval Jack of Chile.svg Armada de Chile (Abzeichen)

Fregatten der chilenischen Marine

  • L- oder Jacob-van-Heemskerck-Klasse:
    • Fregatte Almirante Latorre (FFG-14), (frühere HNLMS Jacob van Heemskerck)
    • Fregatte Capitán Prat (FFG-11), (frühere HNLMS Witte de With)
  • M- oder Karel-Doorman-Klasse:
    • Fregatte Almirante Blanco Encalada (FF-15), (frühere HNLMS Abraham van der Hulst)
    • Fregatte Almirante Riveros (FFG-18), (frühere HNLMS Tjerk Hiddes)
  • Type-22- oder Broadsword-Klasse:
  • Typ 23- oder Duke-Klasse:
    • Fregatte Almirante Lynch (FF-07), (frühere HMS Grafton)
    • Fregatte Almirante Cochrane (FF-05), (frühere HMS Norfolk)
    • Fregatte Almirante Condell (FF-06), (frühere HMS Malborough)

weitere Schiffe (Auswahl)

Marinewerft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Armada de Chile unterhält eine Werft mit drei Stützpunkten, die Astilleros y Maestranzas de la Armada - ASMAR

Marineflieger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Marineflieger besitzen zurzeit (Stand Ende 2010) die folgenden Luftfahrzeuge:

Die neueste Anschaffungen sind die P-295 in der MPA bzw. ASW, beheimatet auf der Base Aeronaval Viña del Mar.

Luftwaffe (Fuerza Aérea de Chile)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Fuerza Aérea de Chile
Fuerza Aérea de Chile

Die Luftwaffe (FACh) wird von General Osvaldo Sarabia Vilches geführt und ist 10.600 Soldaten stark.

Stützpunkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Luftwaffe besteht aus fünf Luftbrigaden mit Hauptquartieren auf den folgenden Militärflugplätzen, von Norden nach Süden:

Auf dem Festland sind Einheiten der chilenischen Luftstreitkräfte auf weiteren Plätzen stationiert.

Sie unterhält ferner die Base Aérea “Teniente Rodolfo Marsh” auf der King-George-Insel in der Antarktis und unterhält auch eine kleine Präsenz auf dem Flughafen Mataveri der Osterinsel.

Ausrüstung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Luftwaffe gehört neben der Brasiliens zu der am besten ausgestatteten Luftstreitkraft Südamerikas. Sie verfügt u.a. über

sowie eine Reihe von Transportfliegern und sogar Tanker.

Roundel of Chile.svg Fuerza Aérea de Chile (Abzeichen) Escarapela de Chile.svg Fuerza Aérea de Chile (Kokarde)

Nationale Polizei (Carabineros de Chile)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Carabineros de Chile

Die Nationale Polizei wurde als Gendarmes de la Frontera 1902 gegründet. Fünf Jahre später etablierten sich daraus die Carabineros de Chile. Nach dem Militärputsch 1973 wurde die chilenische Polizei vollständig dem Verteidigungsministerium unterstellt.[4] Erst mit der Rückkehr zur Demokratie ging die operationelle Befehlsgewalt wieder an den Innenminister über; trotzdem blieb die nominelle Kontrolle im Verteidigungsministerium. Hier leitet General Eduardo Gordon Valcárcel die rund 35.000 Mann starken Polizeikräfte. Die Hauptaufgaben umfassen den allgemeinen vollzugspolizeilichen Dienst in den Städten und auf dem Land, die Kontrolle und Sicherung des Straßenverkehrs, die Bekämpfung der Drogenkriminalität und die Grenzkontrolle.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Militär in Chile – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. CIA World Factbook (2012) (englisch)
  2. Pressemitteilung des Heeresoberkommandos vom 25. Juli 2015, abgerufen am 25. März 2017.
  3. Jahresbericht des chilenischen Heeres 2013 (PDF; 11,6 MB), S. 381.
  4. Chile - The Carabineros bei country-data.com (engl.), abgerufen am 26. September 2010