Streitkräfte Eritreas

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Die Streitkräfte Eritreas (engl. Eritrean Defence Forces, tigrin. ምክልካል ሃይልታት ኣርትራ; arab. ﺍﻟﻘﻭﺍﺖ ﺍﻟﺪﻓﺎ ﺍﻹﺮﺗﺮﻱ) sind 1991 aus der Eritreischen Volksbefreiungsfront (EPLF) hervorgegangen, die für die Unabhängigkeit Eritreas von Äthiopien kämpfte.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Eritreische Volksbefreiungsfront spaltete sich 1970 als christlich dominierter Flügel von der muslimisch/christlich dominierten Eritreischen Befreiungsfront (ELF) ab (wobei beide Gruppen offiziell marxistisch orientiert waren). Von 1972 bis 1974 befanden sich die beiden Organisationen in einem bürgerkriegsähnlichen Zustand. Nachdem sich 1978 die EPLF in die Region um Sahel zurückzog, führte der wieder auflebende Konflikt zwischen den beiden Gruppierungen zu einem Rückzug der ELF in das sudanesische Nachbarland. 1988 begann die EPLF ihre Offensive in Richtung Süden. Mit Hilfe der äthiopischen Opposition und der Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF; heutige Regierung in Äthiopien) konnten Anfang 1991 einige wichtige Siege über das äthiopische Militär gefeiert werden. Am 24. Mai 1991 nahm die EPLF Eritreas Hauptstadt Asmara ein und beendete damit militärisch den Unabhängigkeitskrieg.

Unter anderem bedingt durch den jahrzehntelangen Unabhängigkeitskrieg gegen Äthiopien wird die Eigenständigkeit Eritreas stark betont, was zum Teil als Isolationismus bezeichnet wird. Dementsprechend nimmt das Militär in Eritrea eine große Rolle ein. Es kam in der jungen Geschichte des Landes zu mehreren Grenzkonflikten, insbesondere zum erneuten Krieg gegen Äthiopien 1998–2000. Mitte 2008 kam es in einem umstrittenen Grenzgebiet um Ras Doumeira mehrfach zu Zusammenstößen dschibutischer Truppen mit Truppen Eritreas. Die USA und der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen beschuldigten Eritrea der militärischen Aggression gegen Dschibuti.[1]

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt eine Allgemeine Wehrpflicht für Männer und Frauen.[2] Das 12. (letzte) Schuljahr ist in Sawa, dem militärischen Grundausbildungszentrum zu absolvieren. Weibliche Einberufene erfahren weit verbreitete sexuelle Gewalt unter Androhung von Urlaubsverweigerung über sexuelle Sklaverei bis hin zu Dienst an der Kriegsfront. "Schwangere Frauen wurden nach Hause geschickt". [3]

Oberbefehlshaber der Streitkräfte ist der Präsident Eritreas. Sie gliedern sich in Heer, Marine und Luftwaffe. Die Militärausgaben betragen momentan 6,3 Prozent[4] der Staatsausgaben. Friedensstärke der Streitkräfte ist nach älteren Angaben ca. 45.000 Soldaten[5] mit ca. 250.000 Reservisten.[6] Unbestätigte Berichte sprechen inzwischen von einer Personalstärke zwischen 250.000 und 300.000.

Heer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kommandeur der 1991 aufgestellten Eritrean Army ist Ahmed Umer Kakay.[7] Das Hauptquartier befindet sich in Asmara.

Das Heer verfügt über folgendes schweres Gerät:

Name Typ Anzahl Herkunft Anmerkungen
T-55A Kampfpanzer 300 [8] BulgarienBulgarien Bulgarien 120 T-55A wurden 2005 von Bulgarien geliefert.[9][10]
BMP-1 Schützenpanzer 50 SowjetunionSowjetunion Sowjetunion / AthiopienÄthiopien Äthiopien Quelle vermutlich Äthiopien.[11]
BTR-60PB Gepanzerter Mannschaftstransporter 100 [12] SowjetunionSowjetunion Sowjetunion
MT-LB Gepanzerter Mannschaftstransporter 10 [13] BulgarienBulgarien Bulgarien 2005 von Bulgarien geliefert.
2S1 Gvozdika Panzerhaubitze 20 [14] BulgarienBulgarien Bulgarien 2005 von Bulgarien geliefert.
BM-21 Grad Raketenwerfer 25 SowjetunionSowjetunion Sowjetunion [15]
BM-27 Uragan Raketenwerfer 9 [16] WeissrusslandWeißrussland Weißrussland 2007 von Weißrussland geliefert.
130-mm-Kanone M-46 gezogene Haubitze 30 [17] BulgarienBulgarien Bulgarien 1999 von Bulgarien geliefert.
ZSU-23-4 „Schilka“ Flakpanzer 9 [18] SowjetunionSowjetunion Sowjetunion
57 mm AZP S-60 Luftabwehrgeschütz 12 [18] SowjetunionSowjetunion Sowjetunion
SA-18 Grouse schultergestützte Luftabwehrwaffe 50 RusslandRussland Russland

Luftwaffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Roundel der Eritrean Air Force
Mil Mi-171

Die Eritrean Air Force (ERAF) entstand 1994. Im Eritrea-Äthiopien-Krieg wurde die ERAF mit modernen Kampfflugzeugen hochgerüstet. Kommandeur der Eritrean Air Force ist Generalmajor Teklai Habteselassie. Das Hauptquartier befindet sich in Asmara.

Die ERAF verfügt über folgendes Fluggerät:[19]

Fluggerät Herkunft Typ Version In Dienst Anmerkungen
Aermacchi M-290 RediGO ItalienItalien Italien Trainer L-90TP 8
Aermacchi MB-339 ItalienItalien Italien Trainer MB-339CE 5
Harbin Y-12 China VolksrepublikVolksrepublik China Volksrepublik China Transportflugzeug Y-12 4
Beechcraft King Air Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten Transportflugzeug B-200 6
Suchoi Su-27 RusslandRussland Russland Mehrzweckkampfflugzeug Su-27S
Su-27UB
2
MiG-29 RusslandRussland Russland Mehrzweckkampfflugzeug MiG-29A
MiG-29UB
4
Agusta-Bell AB 412 ItalienItalien Italien Mehrzweckhubschrauber AB-412 3
Mil Mi-8 RusslandRussland Russland Transporthubschrauber Mi-8MT 7
Mil Mi-24 RusslandRussland Russland Kampfhubschrauber Mi-24P 4

Marine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Marine entstand 1991 aus Kräften der Befreiungsbewegung EPLF und den Resten der äthiopischen Marine. Kommandeur ist Generalmajor Hummed Ahmed Karikare. Das Hauptquartier befindet sich in Massaua.

Sie verfügt über folgende Schiffe:

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. BBC News: France backing Djibouti in ‚war‘
  2. TAZ.de vom 24. Mai 2013: 20 Jahre Eritrea - Kalaschnikows zu Gehstöcken
  3. Schweizerische Flüchtlingshilfe: Eritrea: Wehrdienst und Desertion
  4. The World Factbook
  5. Tom Killion: Historical Dictionary of Eritrea. The Scarecrow Press, 1998, ISBN 0-8108-3437-5.
  6. Asmara's Finest. Abgerufen am 4. September 2006.
  7. togoruba.org. Abgerufen am 25. Februar 2016.
  8. Military balance 2004-2005
  9. SIPRI Arms Transfers Database. Abgerufen am 27. Oktober 2014.
  10. Deagel article on T-54/55
  11. tanknutdave.com: The russian BMP-1
  12. BTR-60. Army Guide. Abgerufen am 4. Dezember 2016.
  13. Deagel article on MT-LB
  14. Deagel article on 2S1
  15. Analysis: Arms pour in for border war. In: BBC News, 2. März 1999. 
  16. Deagel article on BM-27
  17. Deagel article on M-46
  18. a b issafrica.org
  19. FlightGlobal World Air Forces 2014

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Streitkräfte Eritreas – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien