Streitkräfte des Vereinigten Königreichs

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Flag of the United Kingdom.svg Streitkräfte des Vereinigten Königreichs
British Armed Forces
MinistryofDefence.svg
Führung
Oberbefehlshaber
de jure:
Britische Monarchin Elisabeth II.
Oberbefehlshaber de facto: Premierministerin Theresa May
Verteidigungsminister: Michael Fallon
Militärischer Befehlshaber: Chief of the Defence Staff Stuart Peach
Sitz des Hauptquartiers: London
Militärische Stärke
Aktive Soldaten: 227.160
davon 189.560 Berufssoldaten und 37.600 Freiwillige (November 2011)
Reservisten: 174.800
Wehrpflicht: nein
Wehrtaugliche Bevölkerung: Männer und Frauen, Alter 16–49: 13.740.669 (2008; Schätzung)[1]
Wehrtauglichkeitsalter: vollendetes 18. Lebensjahr, vorzeitige Verpflichtung mit Zustimmung der Eltern möglich.[1]
Haushalt
Militärbudget: 65.827 Mrd. $ (2015)[2]
Anteil am Bruttoinlandsprodukt: 2,8 % (2014)[2]
Geschichte
Faktische Gründung: 1946

Die Streitkräfte des Vereinigten Königreichs (engl. Bezeichnungen: British Armed Forces, im offiziellen Sprachgebrauch Her Majesty's Armed Forces oder Armed Forces of the Crown) sind das Militär des Vereinigten Königreichs. Sie gliedern sich in drei Teilstreitkräfte und haben ungefähr 150.000 Soldaten.[3] Zudem beschäftigen sie zivile Mitarbeiter. Oberbefehlshaber ist de jure der Monarch des Vereinigten Königreichs und de facto der Premierminister des Vereinigten Königreichs.

Großbritannien wurde 1952 die dritte Atommacht der Welt. Britische strategische Kernwaffen sind auf U-Booten der Royal Navy stationiert. Gegenwärtig sind es Schiffe der Vanguard-Klasse mit Interkontinentalraketen des Typs Trident, der von den USA entwickelt wurde.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kriege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Empire hat eine jahrhundertelange koloniale und eine lange imperiale Tradition. Es war im 19. Jahrhundert die führende Seemacht; das Empire war zeitweise das größte Weltreich der Weltgeschichte und umfasste ein Viertel der weltweiten Landmasse und Bevölkerung. Wichtigste Kriegsbeteiligungen seit der Entstehung des britischen Nationalstaates waren der Siebenjährige Krieg (1756–1763), die napoleonischen Kriege, der Krimkrieg (1853-1856) und die beiden Weltkriege. Wie das UK blicken auch die Streitkräfte des UK auf eine jahrhundertelange Geschichte zurück (siehe auch hier).

Britische Militäreinheiten sind heute in einigen Ländern der Welt stationiert oder in Einsätzen.

Während des Zweiten Weltkrieges dienten auch etwa zehntausend deutsche und österreichische Staatsbürger, die aus politischen oder rassischen Gründen aus ihrer Heimat fliehen mussten, in den britischen Streitkräften.[4]

Institutionalisierung des Verteidigungsministeriums[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das britische Verteidigungsministerium entstand als Provisorium im Zweiten Weltkrieg und wurde 1964 institutionalisiert. Es vereinigte die Kompetenzen der Admiralty, des War Office und des Air Ministry.

Überlastung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die nationale Rechnungsprüfungsbehörde (National Audit Office) gab am 3. November 2006 einen Bericht heraus, demzufolge das Militär chronisch mit 2 bis 3 % unterbelegt sei. Das Operationstempo sei tendenziell zu hoch. Das Verteidigungsministerium entgegnete, es gebe Engpässe, wies eine Überdehnung der Streitkräfte aber von sich.[5]

Armed Forces Act 2006[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 30. November 2005 ratifizierte das britische Unterhaus den Armed Forces Act. Das Gesetz, das am 8. November durch die Unterschrift der Königin rechtskräftig wurde, fasste die Gesetzesbücher aller Streitkräfte zusammen und führte neue Gesetze ein.[6]

Verbände der Streitkräfte wurden auch nach dem Zweiten Weltkrieg regelmäßig in Kampfeinsätze geschickt. Von 1968 bis 2015 starben dabei jedes Jahr Soldaten; 2016 starben dabei keine Soldaten.[7]

Politisch-militärische Grundlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die britischen Streitkräfte sind mit dem Schutz des britischen Mutterlandes sowie der Überseegebiete, der Durchsetzung britischer Sicherheitsinteressen und der Teilnahme an multinationalen Friedensmissionen beauftragt. Per definitionem betrachten sich die Streitkräfte des UK als der internationalen Gemeinschaft verpflichtet.[8]

Die britische Regierung bezeichnet die Einbindung in die Strukturen der NATO als existenziell für ihre Verteidigungspolitik.[9]

Strategie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Juli 1998, ein Jahr nach dem Amtsantritt der neuen Labour-Regierung, veröffentlichte das Verteidigungsministerium des Vereinigten Königreichs ein strategisches Grundlagenpapier namens Strategic Defense Review (SDR), das die Verteidigungspolitik des Landes neu konzipierte. Diese Neuorientierung stand im Gegensatz zu zwei Vorgängerdokumenten namens Options for Change aus dem Jahre 1990 und Front Line First von 1994, die sich vor allem mit der Verkleinerung der Streitkräfte befassten. Im Jahre 2002 veröffentlichte das Verteidigungsministerium als Reaktion auf die Terroranschläge am 11. September 2001 eine Ergänzung zum Strategic Defence Review, das New Chapter, und gab im Jahr 2003 eine Erweiterung der SDR namens Delivering Security in a Changing World heraus.

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Befehlskette[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Politisch-militärische Führung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dem Westminster-System und britischer Rechtstradition zufolge ist der britische Premierminister, derzeit Theresa May, Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Die alltägliche Ausgestaltung der Verteidigungspolitik übernimmt der Verteidigungsminister (Secretary of State for Defence), der ihn in Fragen der Verteidigung berät und ihn über den Zustand der Streitkräfte informiert. Das Verteidigungsministerium gliedert sich nicht, wie in den USA, nach Ressorts für die Teilstreitkräfte, sondern begreift die Streitkräfte als politische Einheit, mit deren Verwaltung einzelner organisatorischer Aspekte fünf Staatssekretäre (offiziell: je nach Ressort Minister oder Under Secretary) beauftragt sind.[10]

Der Verteidigungsminister wird vom fünfköpfigen Generalstab des Vereinigten Königreiches (Chiefs of Staff) beraten, in dem alle Teilstreitkräfte vertreten sind. Der Generalstab leitet Anweisungen und Befehle der Politik über die militärischen Kommandostränge an die Adressaten weiter.

Generalstab

Die drei Stabschefs der Teilstreitkräfte, der Vorsitzende sowie sein Stellvertreter bilden den Generalstab der Streitkräfte des Vereinigten Königreiches, Chiefs of Staff genannt.

Posten Rang und Name
Vorsitzender des Verteidigungsstabs Air Chief Marshal Sir Stuart Peach (RAF)
Stellvertretender Vorsitzender General Sir Gordon Messenger (BA)
Chief of the General Staff General Sir Nicholas Patrick Carter (BA)
First Sea Lord and Chief of Naval Staff Admiral Sir Philip Jones (RN)
Chief of the Air Staff Air Chief Marshal Sir Stephen Hillier (RAF)

Teilstreitkräfte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die größte Teilstreitkraft ist die British Army. Sie wird bei Bedarf von der „Army Reserve“ unterstützt. Sie hatte 2010 eine Sollstärke von 102.000 Soldaten und inzwischen (Stand Mitte 2017) von 82.000 Soldaten.[11] Sie hatte rund 400 Kampfpanzer vom Typ Challenger 2 und rund 400 Geschütze. Der Challenger 2 wurde 1994 bis 2002 ausgeliefert. Seine Kanone ist veraltet; die im Leopard 2 A6 eingebaute 120-mm-Glattrohrkanone L/55 ist wesentlich durchschlagskräftiger.

Luftwaffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Royal Air Force hat eine Stärke von 43.920 Mann und ist mit 940 Flugzeugen und Hubschraubern ausgerüstet. Sie verfügt über 269 Kampfflugzeuge vom Typ Panavia Tornado, 66 Hawker Siddeley Harrier, 36 Eurofighter Typhoon und 90 BAE Hawk.

Die letzten SEPECAT Jaguar wurden im April 2007 durch den Eurofighter Typhoon ersetzt.

Marine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Royal Navy ist mit 38.550 Mann und 90 Kriegsschiffen eine der größten Marinen der Welt. Im Bestand der Royal Navy gibt es unter anderem vier U-Boote mit nuklearen ballistischen Interkontinentalraketen der Vanguard-Klasse, einen Hubschrauberträger (HMS Ocean), acht Zerstörer und 17 Fregatten.

Von den drei Teilstreitkräften ist die Royal Navy seit der Strategic Defence Review 1998 am stärksten von Einsparungen betroffen. So wurde unter anderem die Anzahl der Fregatten und Zerstörer von 35 auf 25 und der Minenjagdboote von 25 auf 16 reduziert. Auch die U-Boot-Flottille wird mittelfristig von elf auf sieben Jagd-U-Boote verkleinert. Mehrjährige Verzögerungen bei mehreren Rüstungsprojekten, darunter den Flugzeugträgern der Queen-Elizabeth-Klasse und den U-Booten der Astute-Klasse, führen zudem dazu, dass einige Schiffe deutlich über ihr geplantes Einsatzalter hinaus eingesetzt werden müssen. Lediglich die Kapazitäten der amphibischen Einheiten wurden mit insgesamt sieben neuen Landungsschiffen seit 1997 erhöht.

Besondere Beachtung in der Öffentlichkeit fand, im Zusammenhang mit der Sparpolitik, die Außerdienststellung von HMS Invincible 2005. Kritiker warfen der Regierung vor, durch die vorzeitige Außerdienststellung des 2003 runderneuerten Flugzeugträgers die hohen Kosten für den Irak-Krieg ausgleichen zu wollen.

Budget[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für das Haushaltsjahr 2009–10 veranschlagte die britische Regierung einen Verteidigungsetat von 38,7 Mrd. GBP, für das darauffolgende Haushaltsjahr £ 36,7 Mrd GBP.[12]

Das UK gab laut einer Berechnung des SIPRI umgerechnet $ 65,3 Mrd. (Kaufkraftparität und Wechselkurse des Jahres 2009) für seine Streitkräfte aus. Damit hatte das UK, das einige hundert Mio. US-Dollar weniger als Frankreich aufwendete, den viertgrößten Verteidigungshaushalt der Welt, gab im Pro-Kopf-Vergleich aber geringfügig mehr aus. Gegenüber 1999 war dies eine fast 21-prozentige Realsteigerung.[13]

Dieser in Relation zur Truppenstärke sehr hohe Etat ist durch die außerordentlich kostspieligen Beschaffungsprojekte, die seit der Jahrtausendwende in Großbritannien zur Beschaffung anstehen, begründet (u.a. 232 Eurofighter, 150 Joint Strike Fighter, 2 Flugzeugträger, 6 Zerstörer der Daring-Klasse, 7 nuklear getriebene U-Boote). Zudem sind die britischen Streitkräfte weltweit in vielen Einsätzen aktiv und verfolgen eine Modernisierung ihres Nuklearwaffenarsenals.

Bei der Berechnung der tatsächlich getätigten Verteidigungsausgaben unternahm das Verteidigungsministerium zur Jahrtausendwende eine zweischrittige Umstellung seiner Bilanzierungspraxis. Bis zum Haushaltsjahr 1998–99 bilanzierte es nach dem Rückstellungsprinzip, bis es im April 1999 die Umstellung auf die Rechnungsabgrenzung in einem hauseigenen Verfahren namens Resource Accounting and Budgeting vorbereitete. Diesen Schritt erachtete das Verteidigungsministerium wegen seiner Substanzlastigkeit als notwendig.[14]

Auslandsstützpunkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Streitkräfte unterhalten zudem etliche Militärbasen im Ausland. Hierzu gehören mehrere Basen in Deutschland mit insgesamt 20.000 Soldaten (vollständiger Abzug bis zum Jahre 2020, siehe Britische Streitkräfte in Deutschland) sowie zwei britische Hoheitsgebiete auf Zypern mit etwa 7.000 Soldaten. Außer den USA hat kein Staat mehr Soldaten im Ausland stationiert als das Vereinigte Königreich. Im Dezember 2010 waren 67.000 britische Soldaten im Ausland stationiert, darunter etwa 9.500 im Krieg in Afghanistan. Im Dezember 2007 waren etwa 4.500 britische Soldaten im Irak.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b CIA World Factbook, Abschnitt Military aus dem Artikel zum Vereinigten Königreich. Zugriff am 24. Juli 2009.
  2. a b „Financial and Economic Data Relating to NATO Defence“, Press Release Communique PR/CP(2015)047, NATO Public Diplomacy Division, 12. April 2015 (PDF, 99kB)
  3. GFB, United Kingdom Military Strength Globalfirepower, zuletzt gesehen am 24. Juli 2017
  4. Peter Leighton-Langer: X steht für unbekannt. Deutsche und Österreicher in den britischen Streitkräften im Zweiten Weltkrieg. BERLIN Verlag Arno Spitz GmbH, Berlin 1999, ISBN 3-87061-865-5.
  5. Ausführliche Dokumentation bei der BBC. Eingesehen am 27. Januar 2007
  6. Gesetzestext
  7. Ben Farmer: "Forces have first year since 1968 with no one killed on operations" telegraph.co.uk vom 2. Januar 2017
  8. www.mod.uk: Strengthening international peace and stability. Verlautbarung (aufgerufen 13. Januar 2007)
  9. www.direct.gov.uk: "Membership of Nato is central to UK defence policy." Funddatum: 13. Januar 2007
  10. o. V.: About Defence - Ministers. Zugriff am 10. März 2009.
  11. FAZ.net 30. Juli 2017: Militärmacht auf dem Weg ins Abseits
  12. HM Treasury: Table C11: Departmental Expenditure Limits - resource and capital budgets, in: Complete Budget 2009 Report (PDF; 2,7 MB), S. 249. Zugriff am 24. Juli 2009.
  13. SIPRI: The 15 major spender countries in 2008, in: Sources and methods for SIPRI military expenditure data. Zugriff am 24. Juli 2009.
  14. DASA: Resource Accounting & Budgeting, 2008. Zugriff am 24. Juli 2009.