Stromanbieterwechsel

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Unter einem Stromanbieterwechsel versteht man die Kündigung eines Stromliefervertrags und den Abschluss eines neuen Liefervertrags durch einen privaten oder gewerblichen Kunden. Der Wechsel bezieht sich dabei ausschließlich auf den Stromanbieter und nicht auf den Verteilnetzbetreiber. Der Netzanschlussvertrag ist bei einem privaten Stromanbieterwechsel nicht betroffen; die Netzentgelte für die Netzdurchleitung des Stromes zahlt der Kunde über den neuen Stromanbieter an den Netzbetreiber.

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründe für einen Wechsel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mögliche Gründe für einen Wechsel des Energieversorgers sind zum Beispiel bessere Vertragskonditionen (z. B. Preiseinsparungen[1]) oder der Wunsch von einem anderen Energieversorger Strom zu beziehen. Viele Unternehmen treten mit verschiedenen Tochterunternehmen am Markt auf, die sich an unterschiedliche Zielgruppen wenden. Ein Wechsel kann auch mit dem Wunsch verbunden sein, andere Produkte (z. B. Ökostrom) zu beziehen.

Wechsel über Preisvergleichsportale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim Preisvergleich über Preisvergleichsportale können Voreinstellungen durch deren Betreiber getroffen sein, welche Nachteile für den Kunden mit sich bringen (Verträge mit Strompakettarifen, Tarife mit Vorkasse, Versteckte Preissteigerungen in den Folgejahren).

Rahmenbedingungen auf EU-Ebene[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Europäische Parlament beschloss im Jahr 2009 das dritte Energiepaket der EU. Ein Ziel ist es, in den Mitgliedsstaaten sicherzustellen, dass Stromkunden innerhalb von drei Wochen den Anbieter wechseln können, sämtliche Verbrauchsdaten erhalten können und dass diese Rechte ohne Diskriminierung bezüglich der Kosten, des Aufwands und der Dauer gewährt werden.[2]

Situation in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regulatorische Grundlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland kann jeder Kunde den Stromanbieter frei wählen – unabhängig davon, ob er umzieht oder einen existierenden Vertrag ändern möchte. Die Bundesnetzagentur ist die zuständige Regulierungsbehörde.

Die gesetzliche Grundlage für einen Wechsel zu einem anderen Stromanbieter schafft in Deutschland das Energiewirtschaftsgesetz, die Niederspannungsanschlussverordnung und die Stromgrundversorgungsverordnung. Der Gesetzgeber schreibt vor, dass das Verfahren für den Wechsel des Anbieters drei Wochen nicht überschreiten darf, „gerechnet ab dem Zeitpunkt des Zugangs der Anmeldung zur Netznutzung durch den neuen Lieferanten bei dem Netzbetreiber“ (§ 20a). Bei Verträgen mit Großkunden greifen hingegen auch andere Verordnungen.

Stromanbieterwechsel bei Haushaltskunden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grundsätzlich wird ein Kunde in der Grundversorgung mit Strom versorgt. Dies ist aber oft dann auch der teuerste Tarif. Neben der Grundversorgung durch den Grundversorger bieten auch die Stadtwerke, die großen vier Versorger, Billigstromanbieter und andere Unternehmen Lieferverträge für Strom an. Derzeit (Stand: November 2014) beziehen 34,1 % Prozent der Haushalte noch Strom in der Grundversorgung.[3][4] Weitere 45,0 % sind ebenfalls noch bei dem Grundversorger, haben jedoch einen anderen Tarif bei diesem gewählt. Folglich befinden sich lediglich 20,9 % der Kunden bei einem anderen Stromanbieter außerhalb des Grundversorgers.[5] Mit einem Wechsel ändern sich allerdings auch die vertraglichen Konditionen. Kündigungsfristen oder Vertragslaufzeiten sind dann oft länger. Neben einem Wechsel zum Laufzeitende des Vertrags können nach § 41 Abs. 3 Satz 2 EnWG Kunden bei vertraglich nicht vereinbarten Änderungen der Vertragsbedingungen (Preisanstieg) den Vertrag ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist außerordentlich kündigen.[6][7]

Für einen Stromanbieterwechsel benötigt man in Deutschland die Nummer des Stromzählers und den Jahresverbrauch. Sollte man noch im Grundversorgungstarif des Grundversorgers sein, beträgt die Kündigungsfrist 14 Tage.[8] Wenn Kunden den Stromanbieter wechseln, muss der Stromzähler nicht getauscht werden.

Im Fall einer Insolvenz des Stromanbieters wechselt der Kunde wieder automatisch in den Basistarif des Grundversorgers. Nicht erfüllte Ansprüche (z.B. bei Bezahlung in Vorkasse) aus dem ursprünglich geschlossenen Vertrag mit dem Stromanbieter können dann nur beim Insolvenzverwalter des insolventen Anbieters gelten gemacht werden. Ein Verlust des in Vorkasse bezahlten Geldes ist möglich.[9] Die Stromanbieter Teldafax und Flexstrom meldeten im Jahr 2011 und im Jahr 2013 Insolvenz an. Viele Kunden hatten dort Verträge gegen Vorkasse abgeschlossen.

Nach Berechnungen der Stiftung Warentest (Stand: 2014) lassen sich bei einem Wechsel aus der Grundversorgung zu einem seriösen, günstigeren Stromanbieter mehrere hundert Euro pro Haushalt im Jahr sparen. In einem durchschnittlichen Haushalt in Essen mit einem Jahresverbrauch von 5500 Kilowattstunden ließen sich 321 Euro im Jahr einsparen.[1]

Statistik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland veröffentlicht die Bundesnetzagentur gemeinsam mit dem Bundeskartellamt einen Bericht mit Zahlen und Einschätzungen zum Stromanbieterwechsel. Im Monitoringbericht 2014[10] steht, dass von 3,84 Millionen Stromabnehmern, die im Jahr 2013 einen Stromanbieterwechsel durchgeführt haben, 244.000 zu den Industrie- und Gewerbekunden gehörten. Die mengenmäßige Wechselquote im Bereich der Haushaltskunden lag bei 9,6 Prozent. Im Bereich der Industrie- und Gewerbekunden betrug der Anteil 12,1 Prozent.

Im Segment der Haushaltskunden hat eine Mehrheit von 45 Prozent einen Sondervertrag beim lokalen Grundversorger, in der klassischen Grundversorgung sind noch 34 Prozent. Von einem anderen Unternehmen als dem Grundversorger werden 21 Prozent aller privaten Stromabnehmer beliefert. Bei den Gewerbe- und Industriekunden haben 34 Prozent einen Sondervertrag beim Grundversorger, alle anderen (66 Prozent) haben einen Vertrag mit einem anderen Lieferanten.

Seit 2009 ist die Quote der Privatabnehmer, die einen Stromanbieterwechsel durchführen, rückläufig. Die Wechselquote bei den Industrie- und Gewerbekunden ist seit 2006 in etwa konstant geblieben.

Situation in Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Österreich stieg die Bereitschaft zum Wechsel der Strom- aber auch Gasanbieter erst im Jahr 2013 in erhöhtem Maß. 1,9 % der Stromkunden wechselten im Jahr 2013 den Stromanbieter.[11] Zusätzlich Bewegung kam, als der Verein für Konsumenteninformation zu einem Gemeinschaftseinkauf Ende 2013 aufrief.[12] Diese Aktion wurde im April abgeschlossen, wobei etwa 260.000 Kunden teilnahmen.[13] Wie viele Kunden tatsächlich von dem Angebot Gebrauch machten, ist nicht bekannt.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Stromanbieter-Wechsel kann Hunderte Euro sparen. FAZ online, 2014
  2. Richtlinie 2009/72/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Juli 2009 über gemeinsame Vorschriften für den Elektrizitätsbinnenmarkt und zur Aufhebung der Richtlinie 2003/54/EG. (PDF) (PDF-Datei) – eur-lex.europa.eu
  3. Kritik an Preisen der Grundversorgung. Kölner Stadtanzeiger, September 2014
  4. Laut Monitoringbericht der Bundesnetzagentur (Stand: November 2014) http://www.bundesnetzagentur.de/SharedDocs/Downloads/DE/Allgemeines/Bundesnetzagentur/Publikationen/Berichte/2014/Monitoringbericht_2014_BF.pdf?__blob=publicationFile&v=4 (Seite 148)
  5. Laut Monitoringbericht der Bundesnetzagentur (Stand: November 2014) http://www.bundesnetzagentur.de/SharedDocs/Downloads/DE/Allgemeines/Bundesnetzagentur/Publikationen/Berichte/2014/Monitoringbericht_2014_BF.pdf?__blob=publicationFile&v=4 (Seite 148)
  6. Verbraucherzentrale NRW, Wechsel des Energieversorgers
  7. Gas- und Stromanbieterwechsel. IHK Leipzig
  8. Gewusst wie: Stromanbieter wechseln. Stiftung Warentest, 2013
  9. Bundesnetzagentur, Verträge außerhalb der Grundversorgung, Absatz: Was passiert, wenn mein Lieferant insolvent wird?
  10. Bundesnetzagentur und Bundeskartellamt, Monitoringbericht 2014
  11. Stromanbieter-Wechsel: 2013 war Rekordjahr im Standard von 9. Februar 2014 abgerufen am 1. Oktober 2014
  12. Günstiger Energietarif durch Gemeinschaftseinkauf von Strom und Gas auf Ö3 vom 26. September 2013 abgerufen am 1. Oktober
  13. Energiekosten-Stop vom 11. April 2014, abgerufen am 1. Oktober 2014
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