Strukturelle Diskriminierung

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Als strukturelle Diskriminierung werden die Formen von Diskriminierung gesellschaftlicher Gruppen bezeichnet, die in der Beschaffenheit der Struktur der Gesamtgesellschaft immanent begründet liegen. Das Gegenstück zur strukturellen Diskriminierung stellt die interaktionelle Diskriminierung dar.[1][2]

Theoretischer Ansatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausgangspunkt sind Normen und Regeln, die für alle Gesellschaftsteile gleichermaßen gelten. Sie ziehen strukturelle Diskriminierung nach sich, wenn durch ihre Anwendung in Form von Haltungen oder Handlungen gesellschaftliche Teilgruppen gravierender Ungleichbehandlung ausgesetzt sind. Die Psychologin Ute Osterkamp stellt beispielsweise für den Rassismus fest, „dass rassistische Denk- und Handlungsweisen nicht Sache der persönlichen Einstellungen von Individuen, sondern in der Organisation des gesellschaftlichen Miteinanders verortet sind, welche die Angehörigen der eigenen Gruppe systematisch gegenüber den Nicht-Dazugehörigen privilegieren“.[3] Strukturelle Diskriminierung beruht auf eingespielten und dauerhaften, oft formalisierten und explizit geregelten institutionellen Praktiken.[1]

Strukturelle Diskriminierung findet häufig versteckt statt und ist zu unterscheiden von der interaktionellen wie auch der institutionellen Diskriminierung.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Helma Katrin Alter: Gleiche Chancen für alle. Transidentität, Transsexualität, Transgender, Trans* ??? (Transidentität in Deutschland 1998/1999. Ein Sachbuch für ... den interessierten Bürger, Ärzte und Psychologen, Transidenten, Partner und Angehörige). KatrinLive SV, Köln 1999, ISBN 3-89811-043-5.
  • Anita Kalpaka, Nora Räthzel: Rassismus als Form ideologischer Vergesellschaftung. In: Anita Kalpaka, Nora Räthzel: Die Schwierigkeit nicht rassistisch zu sein. 2., völlig überarbeitete Auflage. Mundo, Leer 1990, ISBN 3-89452-413-8, S. 18–44.
  • Christopher Knoll, Monika Bittner, Manfred Edinger, Günter Reisbeck, Rainer Schmitt, Heiner Keupp: Studie. „Lesben und Schwule in der Arbeitswelt“. Ergebnisse zur Diskriminierung von Lesben und Schwulen in der Arbeitssituation. Durchgeführt von der Schwul-lesbischen Forschungsgruppe München am Institut für Psychologie – Sozialpsychologie – der Ludwig-Maximilians-Universität München im Auftrag des Niedersächsischen Sozialministeriums. Institut für Psychologie – Sozialpsychologie – der Ludwig-Maximilians-Universität München, München 1995, (online).
  • Birgit Rommelspacher: Dominanzkultur. Texte zu Fremdheit und Macht. Orlanda-Frauenverlag, Berlin 1995. ISBN 3-929823-29-2.
  • Ursula Wachendorfer: Weiß-Sein in Deutschland. Zur Unsichtbarkeit einer herrschenden Normalität. In: Susan Arndt (Hrsg.): AfrikaBilder. Studien zu Rassismus in Deutschland. Unrast, Münster 2001, ISBN 3-89771-407-8, S. 87–101.
  • Änneke Winckel: Stabilisierung der „Zigeuner“-Konstruktion durch staatliche Politik. In: Änneke Winckel: Antiziganismus. Rassismus gegen Roma und Sinti im vereinigten Deutschland. Unrast, Münster 2002, ISBN 3-89771-411-6, S. 18 f.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Thomas Lemke: Die Polizei der Gene. Formen und Felder genetischer Diskriminierung (= Frankfurter Beiträge zur Soziologie und Sozialphilosophie. 9). Campus, Frankfurt am Main u. a. 2006, ISBN 3-593-38023-4, S. 139–140.
  2. Ulrike Hormel, Albert Scherr: Bildung für die Einwanderungsgesellschaft. Perspektiven der Auseinandersetzung mit struktureller, institutioneller und interaktioneller Diskriminierung. VS – Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2004, ISBN 3-531-14399-9, S. 28.
  3. Ute Osterkamp: Rassismus als Selbstentmächtigung. Texte aus dem Arbeitszusammenhang des Projekts Rassismus/Diskriminierung (= Argument. Sonderbd. 244). Argument-Verlag, Hamburg 1996, ISBN 3-88619-244-X, S. 201.