Strzelin

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Strzelin
Wappen von Strzelin
Strzelin (Polen)
Strzelin
Strzelin
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Niederschlesien
Powiat: Strzelin
Fläche: 10,32 km²
Geographische Lage: 50° 47′ N, 17° 4′ OKoordinaten: 50° 47′ 0″ N, 17° 4′ 0″ O
Höhe: 173 m n.p.m.
Einwohner: 12.523
(30. Jun. 2015)[1]
Postleitzahl: 57-100
Telefonvorwahl: (+48) 71
Kfz-Kennzeichen: DST
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DzierżoniówBrzeg
Schienenweg: Breslau–Kamieniec Ząbkowicki
Nächster int. Flughafen: Breslau
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Gminagliederung: 45 Ortschaften
36 Schulzenämter
Fläche: 171,69 km²
Einwohner: 22.105
(30. Jun. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 129 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 0217043
Verwaltung (Stand: 2011)
Bürgermeister: Dorota Pawnuk
Adresse: ul. Ząbkowicka 11
57-100 Strzelin
Webpräsenz: www.strzelin.pl



Strzelin [ˈstʃɛlin] (deutsch Strehlen) ist eine Stadt in der polnischen Woiwodschaft Niederschlesien. Sie ist zugleich Sitz des Powiat Strzeliński (Strehlener Landkreis). Die Granitsteinbrüche in Strzelin gehören zu den größten in Europa.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Strehlen und seine Nachbarorte auf einer Landkarte von 1905.
Gotteshaus der tschechischen evangelischen Kirchengemeinde

Die Stadt liegt in Niederschlesien an der Ohle am Fuß der Strehlener Berge (Wzgórza Strzelinskie), etwa 40 Kilometer südlich von Breslau.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick über das Stadtzentrum von Strzelin mit der Kirche des Heiligen Kreuzes und dem Haus der Herzöge von Brieg
Turm des alten Rathausgebäudes auf dem Rathausplatz
Postamt

Strehlen erhielt 1293 vom Herzog Boleslaw I. von Schweidnitz deutsches Stadtrecht.[2]

Seit dem 18. Jahrhundert beheimatete Strehlen mit seiner Umgebung eine bedeutende ethnische Minderheit tschechischsprachiger Glaubensflüchtlinge und Siedler aus Böhmen. Der Ort Hussinetz (heute: Gęsiniec) im Landkreis Strehlen galt als wichtigster Siedlungsort dieser Nachfolger der Gemeinden von Jan Hus.

Um 1900 hatte Strehlen zwei evangelische, eine altlutherischem und eine katholische Kirche, eine Synagoge, ein Amtsgericht und ein Gymnasium.[2]

Bis zum Jahr 1945 war Strehlen Verwaltungssitz Landkreises Strehlen im Regierungsbezirk Breslau der preußischen Provinz Niederschlesien des Deutschen Reichs.

Im Januar 1945 erlitt Strehlen die ersten Luftangriffe, bei denen vor allem der Eisenbahnknotenpunkt Ziel der Angriffe war. Mitte März rückte die Rote Armee in Richtung Strehlen vor. Daraufhin kam es zu starken Gefechten um die Stadt. Kurz vor Ende der Kampfhandlungen ließ die deutsche Wehrmacht am 24. März 1945 die Türme in der Altstadt, darunter den Rathausturm, sprengen. Mit Ende der Kämpfe war die gesamte Stadt nahezu zerstört. Lediglich einzelne Fragmente von Gebäude blieben erhalten.[3] Die Bevölkerung der Stadt war vor Eintreffen der Roten Armee evakuiert worden. Nach Kriegsende wurde die Stadt von der sowjetischen Besatzungsmacht zusammen mit fast ganz Schlesien unter polnische Verwaltung gestellt. Die Polen führten für Strehlen die Ortsbezeichnung Strzelin ein. Soweit noch deutsche Bewohner anwesend waren, wurden diese in der Folgezeit von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde aus Strehlen vertrieben.

Bevölkerungsentwicklung
Jahr Einwohner Anmerkungen
1875 6.289 [4]
1880 7.261 [4]
1890 9.016 davon 6.471 Evangelische, 2.433 Katholiken und 108 Juden[4]
1905 8.999 davon 2.433 Katholiken und 64 Juden[2].
1925 10.142 davon 7.422 Evangelische, 2.578 Katholiken, acht sonstige Christen, 59 Juden[4]
1933 11.364 davon 8.488 Evangelische, 2.643 Katholiken, ein sonstiger Christ, 51 Juden[4]
1939 12.290 davon 9.110 Evangelische, 2.904 Katholiken, 34 sonstige Christen, 14 Juden[4]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Kirche zum Heiligen Kreuz in der ul. sw. Floriana wurde zwischen 1700-1721 erbaut. Nach starken Kriegszerstörungen wurde das Gotteshaus wieder aufgebaut.
  • Die Muttergotteskirche wurde 1750 erbaut und 1979 nach starken Zerstörungen im Krieg wieder aufgebaut. Sie befindet sich in der ul. Staromiejska.
  • Der Turm der St. Gotthard Kirche stammt aus dem 12. Jahrhundert. Das römisch-katholische Gotteshaus wurde im 14. und 15. Jahrhundert erbaut.
  • Der 1520 erbaute Rathausturm bildet die letzten Reste des 1945 zerstörten Rathauses am Ring. 1945 durch die deutsche Wehrmacht gesprengt, standen lediglich die ersten beiden Stockwerke jahrzehntelang auf dem Platz. 2011 erfolgte die originale Rekonstruktion des Turms.[3]
  • Das Haus der Herzöge von Brieg wurde 1945 zerstört. Lediglich die Außenmauern blieben erhalten. In den 1990er Jahren wurde das Gebäude originalgetreu wiederaufgebaut.[5]
  • Empfangsgebäude des Hauptbahnhofs von 1896
  • Reste der mittelalterlichen Stadtmauer von 1300
  • Jüdischer Friedhof
  • Postamt

Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Stadt- und Landgemeinde (gmina miejsko-wiejska) gehören neben der Stadt Strzelin folgende 36 Ortsteile (deutsche Namen amtlich bis 1945)[6] mit einem Schulzenamt:

  • Kryniczno
  • Biały Kościół (Steinkirche)
  • Biedrzychów (Friedersdorf)
  • Bierzyn (Bärzdorf)
  • Brożec (Brosewitz)
  • Chociwel (Kuschlau)
  • Częszyce (Tschauschwitz, 1937–1945 Ohletal)
  • Dankowice (Danchwitz)
  • Dębniki (Eichwald)
  • Dobrogoszcz (Dobergast)
  • Gębice (Gambitz u. Neu Karlsdorf, 1937–1945 Karlsdorf)
  • Gębczyce (Geppersdorf)
  • Gęsiniec (Hussinetz, 1937–1945 Friedrichstein)
  • Głęboka (Glambach)
  • Gościęcice (Mehltheuer-Podiebrad, 1937–1945 Mehltheuer)
  • Górzec (Gurtsch)
  • Karszów (Karschau)
  • Karszówek (Karisch)
  • Kazanów (Schildberg)
  • Krzepice (Krippitz)
  • Kuropatnik (Töppendorf)
  • Ludów Polski (Klein Lauden)
  • Mikoszów (Niklasdorf)
  • Muchowiec (Mückendorf)
  • Nieszkowice (Neobschütz, 1937–1945 Kaltwassertal)
  • Nowolesie (Waldneudorf)
  • Pęcz (Pentsch)
  • Piotrowice (Peterwitz)
  • Pławna (Plohe)
  • Skoroszowice (Korschwitz)
  • Strzegów (Striege)
  • Szczawin (Saegen)
  • Szczodrowice (Wammen)
  • Trześnie (Birkkretscham)
  • Warkocz (Warkotsch, 1937–1945 Friedfelde)
  • Wąwolnica (Wammelwitz)
  • Żeleźnik (Eisenberg)

Weitere Ortschaften der Gemeinde ohne Schulzenamt sind:

  • Gliczyna
  • Góra
  • Grabiny
  • Kaczów
  • Maszyce
  • Mojków
  • Myszkowice
  • Plo (Plohmühle)
  • Ulica
  • Zimne Doły

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bahnhof Strzelin liegt an der Kreuzung der Bahnstrecke Wrocław–Międzylesie mit der stillgelegten Bahnstrecke Brzeg–Łagiewniki Dzierżoniowskie. Im Bahnhof der Ortschaft Głęboka an letzterer Strecke endete ferner früher die Bahnstrecke Grodków Śląski–Głęboka Śląska.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Stadt ist der Fußballverein Strzelinianka Strzelin ansässig.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Paul Ehrlich (1854-1915)

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Franz Xaver Görlich (1801–1881), katholischer Geistlicher, Pädagoge und Schriftsteller, wirkte 1842–1857 als Seelsorger in Strehlen

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Strzelin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2015. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (ZIP-Ordner mit XLS-Dateien; 7,82 MiB), abgerufen am 28. Mai 2016.
  2. a b c Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 19, Leipzig und Wien 1909, S. 113–114.
  3. a b Zerstörung Strehlen 1945 [1]
  4. a b c d e f http://www.verwaltungsgeschichte.de/strehlen.html
  5. Haus der Herzöge von Brieg
  6. Das Genealogische Orts-Verzeichnis