Stuart Hameroff

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Stuart Hameroff auf einer Konferenz im Jahr 2008.

Stuart Hameroff (* 16. Juli 1947) ist Arzt und emeritierter Professor an der University of Arizona. Er ist bekannt für seine Thesen zum Bewusstsein, die er gemeinsam mit dem englischen Physiker Roger Penrose entwickelt hat.

Leben und Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stuart Hameroff studierte an der University of Pittsburgh, und anschließend am Hahnemann University Hospital, wo er mit dem M.D. sein Studium abschloss. Seit 1975 lehrt und forscht er an der University of Arizona, wo er sowohl Professor der Abteilung für Anästhesiologie und Psychologie, als auch stellvertretender Direktor des Center for Consciousness Studies, ist. Seit 2003 ist er emeritiert.[1][2]

Thesen zum Quantenbewusstsein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stuart Hameroff schlug in den 90'er Jahren vor, dass Elemente des Zytoskeletts, die sogenannten Mikrotubuli zur Informationsverarbeitung von Zellen genutzt werden.[3] Er argumentierte dass insbesondere im Nervensystem die Mikrotubuli die Basiseinheit der Informationsverarbeitung sind und nicht die Nervenzellen selbst. Diese Idee konkretisierte er in den Folgejahren zusehends unter Einbeziehung der Arbeiten von Roger Penrose.

Roger Penrose vertritt die Hypothese, dass das Gehirn Funktionen durchführt, die kein finiter Algorithmus durchführen kann und dass manche Denkprozesse fundamental nicht-algorithmisch sind. Das bedeutet, dass solche Funktionen nicht auf einer Turingmaschine modelliert werden können. Die fehlende Zutat um diese nicht-algorithmischen Rechnungen physikalisch zu realisieren sei im Wesentlichen ein derzeit im Einzelnen noch unbekannter quantenmechanischer Effekt, insbesondere eine Form des deterministischen Kollaps der Wellenfunktion, die er Objective Reduction (OR) nennt, und die auf der von ihm entwickelten Interpretation der Quantengravitation beruht.[4][5] Diese Ideen entwickelte Roger Penrose ohne eine konkreten Vorschlag, wo diese hypothetischen Prozesse verortet sind. Stuart Hameroff ergänzte diese Theorien dahingehend, dass Mikrotubuli die Orte im Gehirn sein könnten, wo Quantenmechanismen wirken.[6][7] Beide zusammen formalisierten ihre Idee als das Orchestrated Objective Reduction Model des Bewusstseins.[8]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ideen von Stuart Hameroff[8][9] werden sowohl von Neurowissenschaftlern wie Christof Koch, als auch von Physikern wie Lawrence Krauss und Max Tegmark[10] und Philosophen wie Thomas Metzinger, Rick Grush und Patricia Churchland[11] stark kritisiert. Stuart Hameroff antwortete auf einige dieser Kritikpunkte[12], jedoch gibt es keine physikalische Evidenz, dass Quantenzustände irgendeine Rolle für Informationsverarbeitung im Gehirn spielen.

Wirkung auf die Öffentlichkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hameroff sprach in der Dokumentation What the Bleep do we (k)now!? (2004). Er ist ebenfalls Produzent, Entwickler und wissenschaftlicher Berater des Films Mindville.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Online Lebenslauf der University of Arizona
  2. Der Webauftritt des Center for Consciousness Studies
  3. Hameroff, Stuart (1987) Ultimate Computing, Elsevier ISBN 978-0444702838
  4. Penrose, Roger (1989) The Emperor's New Mind Oxford University Press
  5. Penrose, Roger (1994) Shadows of the Mind: A Search for the Missing Science of Consciousness Oxford University Press
  6. S. Hameroff: Quantum Computation in Brain Microtubules? The Penrose-Hameroff 'Orch OR' Model of Consciousness In: Philosophical Transactions of the Royal Society: Mathematical, Physical and Engineering Sciences. Band 356, Nummer 1743, August 1998, S. 1869–1896
  7. S. R. Hameroff: `Funda-Mentality': is the conscious mind subtly linked to a basic level of the universe? In: Trends in cognitive sciences. Band 2, Nummer 4, April 1998, S. 119–124, PMID 21227102.
  8. a b S. Hameroff, R. Penrose: Consciousness in the universe: a review of the 'Orch OR' theory. In: Physics of life reviews. Band 11, Nummer 1, März 2014, S. 39–78, doi:10.1016/j.plrev.2013.08.002, PMID 24070914 (Review).
  9. S. Hameroff: How quantum brain biology can rescue conscious free will. In: Frontiers in integrative neuroscience. Band 6, 2012, S. 93, doi:10.3389/fnint.2012.00093, PMID 23091452, PMC 3470100 (freier Volltext).
  10. M. Tegmark: Importance of quantum decoherence in brain processes. In: Physical review. E, Statistical physics, plasmas, fluids, and related interdisciplinary topics. Band 61, Nummer 4 Pt B, April 2000, S. 4194–4206, PMID 11088215.
  11. Grush, Rick & Churchland, Patricia (1995) "Gap's in Penrose's Toilings," Journal of Consciousness Studies, 2(1), pp. 10–29
  12. S. Hagan, S. R. Hameroff, J. A. Tuszyński: Quantum computation in brain microtubules: decoherence and biological feasibility. In: Physical review. E, Statistical, nonlinear, and soft matter physics. Band 65, Nummer 6 Pt 1, Juni 2002, S. 061901, doi:10.1103/PhysRevE.65.061901, PMID 12188753.