Studienstiftung des deutschen Volkes

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Studienstiftung des deutschen Volkes
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Zweck: Förderung der Hochschulbildung junger Menschen, deren hohe wissenschaftliche oder künstlerische Begabung und deren Persönlichkeit besondere Leistungen im Dienste der Allgemeinheit erwarten lassen.[1]
Vorsitz: Reinhard Zimmermann
Gründungsdatum: 1925
Mitarbeiterzahl: 120 fest angestellte Mitarbeiter
Sitz: Bonn
Website: http://www.studienstiftung.de

Die Studienstiftung des deutschen Volkes e.V. ist eine Institution zur Begabtenförderung in Deutschland, die an besonders begabte Studierende und Doktoranden Stipendien vergibt. Die Studienstiftung, Deutschlands größtes und ältestes Begabtenförderwerk, ist politisch, konfessionell und weltanschaulich unabhängig. Ihre Geschäftsstelle befindet sich in Bonn, darüber hinaus unterhält sie ein Büro in Berlin. Finanziell wird die Studienstiftung vom Bund, den Ländern und Kommunen, einer Vielzahl von Stiftungen und Unternehmen sowie zahlreichen privaten Spendern[2] getragen. Der Haushalt der Studienstiftung betrug im Jahr 2014 gut 94 Millionen Euro. Seit ihrem Bestehen hat sie mehr als 60.000 besonders begabte Studierende und Doktoranden unterstützt; aktuell zählt sie rund 55.000 Alumni weltweit.[3]

Geschichte der Studienstiftung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1925 in Dresden zunächst als Abteilung innerhalb der Wirtschaftshilfe der Deutschen Studentenschaft e.V. gegründet, wurde die Studienstiftung des Deutschen Volkes in der Zeit des Nationalsozialismus 1934 aufgelöst und durch die Reichsförderung des Reichsstudentenwerks (RSW) ersetzt. 1948 kam es zur Neugründung als Studienstiftung des deutschen Volkes in der Rechtsform eines eingetragenen Vereins (e.V.) in Köln. Zusätzlich zu den Förderprogrammen auf Bundesebene führt die Studienstiftung seit 2005 das Max Weber-Programm zur Hochbegabtenförderung nach dem Bayerischen Eliteförderungsgesetz.

Aufnahme in die Studienstiftung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Studienstiftung des deutschen Volkes fördert besonders begabte Studierende und Doktoranden. Die Auswahl orientiert sich an dem Leitbild der Studienstiftung, das die Kriterien Leistung, Initiative und Verantwortung ausführt. Eine Aufnahme kann über verschiedene Wege erfolgen:

  1. Schulvorschlag: Die Schulleitung eines Gymnasiums oder einer anderen Schulart mit gymnasialer Oberstufe kann pro 50 Abiturienten einen Schüler für die Aufnahme in die Studienstiftung vorschlagen, der sich durch herausragende Leistungen in fachlicher Hinsicht, aber auch durch gesellschaftliches Engagement hervorgetan hat. Die vorgeschlagenen Abiturienten besuchen ein dreitägiges Auswahlseminar, bei dem durch Einzelgespräche und in Gruppendiskussionen die Förderungswürdigkeit der angehenden Studierenden festgestellt wird. Von den Vorgeschlagenen wurden im Auswahljahr 2014 23,9 % in die Studienstiftung aufgenommen, wobei es für die Aufnahme der Studierenden keine festen Aufnahmequoten gibt.
  2. Vorschlag durch Professorinnen und Professoren: Studierende an Universitäten und Fachhochschulen können direkt von Hochschullehrerinnen und -lehrern für die Förderung vorgeschlagen werden. Es folgt auch hier ein Auswahlseminar, wobei im Auswahljahr 2014 48,5 % der so vorgeschlagenen Studierenden in die Stiftung aufgenommen wurden.
  3. Prüfungsamtvorschlag: Analog zum Schulvorschlag kann an Universitäten und Fachhochschulen ein Studierender pro 50 Absolventen der Zwischenprüfung des jeweiligen Studienganges vorgeschlagen werden. Ein Professor muss den Vorschlag unterstützen. Das Auswahlseminar ist ähnlich organisiert wie in der Abiturientenauswahl, allerdings spielt die Prüfung der fachlichen Exzellenz eine größere Rolle. Im Jahr 2014 wurden 28,3 % der Vorgeschlagenen aufgenommen.
  4. Preisträger eines Bundes- oder Landeswettbewerbes bzw. Vorschlag durch ausgewählte Kooperationspartner: Preisträger bzw. Teilnehmer unterschiedlicher Wettbewerbe auf Bundes-, Landes- sowie internationaler Ebene (z.B. Bundeswettbewerb Informatik, Bundeswettbewerb Mathematik, Bundeswettbewerb Fremdsprachen, Jugend forscht, Jugend debattiert, Internationale Mathematik-Olympiade, Internationale Physik-Olympiade, Altsprachenwettbewerb des Landes Baden-Württemberg Humanismus heute) werden in die Stiftung aufgenommen. Darüber hinaus können ausgewählte Kooperationspartner (z.B. die START-Stiftung) Kandidaten für die Förderung vorschlagen.
  5. Eine Selbstbewerbung für ein Stipendium ist seit Februar 2010[4] möglich. Studierende im ersten und zweiten Semester können sich jeweils im Januar/Februar eines Jahres zum Auswahltest der Studienstiftung anmelden; der Test wird bundesweit in verschiedenen Testzentren angeboten. Die Testbesten erhalten eine Einladung zum Auswahlseminar der Studienstiftung. Während durch den Auswahltest die kognitive Leistungsfähigkeit festgestellt wird, stehen beim Auswahlseminar neben der Leistungsbereitschaft auch außerfachliche Interessen, gesellschaftliches Engagement und soziale Kompetenz im Vordergrund, die durch persönliche Gespräche und Gruppendiskussionen ermittelt werden.
  6. Vorschlag durch Alumni: Alumni der Studienstiftung können geeignete Studierende, die sie aus dem Schul- oder Hochschulunterricht persönlich kennen, für ein Stipendium vorschlagen.
  7. Musiker- oder Künstlerförderung: Studierende aus den Fächern Bildende Kunst, Musik und Darstellende Künste können von ihren Hochschulen nach einer hochschulinternen Vorauswahl für die Teilnahme an einem Auswahlseminar der Studienstiftung nominiert werden.
  8. Promotionsförderung: Hochqualifizierte und gesellschaftlich engagierte Doktorandinnen und Doktoranden können gemeinsam mit dem Betreuer oder der Betreuerin einen Antrag auf die Förderung ihrer Promotion stellen.

Geschieht die Aufnahme vor der Zwischenprüfung bzw. vor Abschluss des vierten Semesters, so gilt die Förderzusage in der Regel bis zum Ende des sechsten Studiensemesters. Ob die Förderung über das sechste Semester hinaus verlängert wird, wird in der Regel auf der Grundlage der Studienleistungen der ersten vier Semester entschieden und dabei überprüft, ob die zu Beginn des Studiums aufgenommenen Stipendiaten in ihrem Fach und Jahrgang zu den besten 10 bis 15 % der Studierenden gehören. In Zweifels- und Grenzfällen können dabei neben den Studienleistungen weitere Aspekte – etwa ein außergewöhnliches außerfachliches Engagement oder besondere persönliche Lebensumstände – den positiven Ausschlag für eine Weiterförderung geben. Nach erfolgreichem Antrag auf Weiterförderung wird die Förderung über das 6. Semester hinaus bis zum Studienabschluss (etwa Master oder Staatsexamen in Regelstudienzeit) zugesagt. Im Jahr 2014 wurden 91 % der Anträge auf Weiterförderung positiv entschieden.

Förderung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Studienstiftung fördert ihre Stipendiaten sowohl finanziell als auch ideell.

Finanzielle Förderung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die finanzielle Förderung beläuft sich auf eine Studienkostenpauschale (im Jahr 2008 betrug dieses 80 Euro/Monat, von 2011 bis 2013 150 Euro; im September 2013 wurde die Studienkostenpauschale auf 300 Euro/Monat erhöht) sowie auf ein Grundstipendium, das sich etwa an den Sätzen des BAföG orientiert, jedoch nach dem Studium nicht zurückzuzahlen ist. Seit Oktober 2006 wird außerdem das Vermögen des Stipendiaten auf die Höhe des Stipendiums angerechnet. Verheiratete Stipendiaten und Stipendiaten mit Kind können einen Familienzuschlag in Höhe von 155 Euro im Monat erhalten sowie eine Kinderbetreuungspauschale von 113 Euro monatlich für das erste Kind und 85 Euro für jedes weitere Kind. Doktorandinnen und Doktoranden erhalten ein monatliches Stipendium von 1.150 Euro; dazu kommt in der Regel eine monatliche Forschungskostenpauschale von 100 Euro. Verheiratete Promotionsstipendiaten und Stipendiaten mit Kind können einen Familienzuschlag von monatlich 155 Euro erhalten. Zusätzlich kann eine Kinderzulage in Höhe von monatlich 155 Euro für das erste und 50 Euro für jedes weitere Kind gewährt werden. Damit orientiert sich die finanzielle Förderung an den Richtlinien des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF).[5]

Auslandsaufenthalte werden zusätzlich durch Stipendien bzw. Auslandszuschläge und der Teilübernahme von Studiengebühren gefördert. Nach Nr. 11 Einkommensteuergesetz (EStG) sind Zahlungen aus dem Stipendium steuerfrei.

Ideelle Förderung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum ideellen Förderprogramm der Studienstiftung gehören Sommerakademien, Wissenschaftliche Kollegs, Sprachkurse, Kurztagungen sowie die Betreuung durch örtliche Vertrauensdozenten, die diese Aufgabe ehrenamtlich für die Studienstiftung übernehmen. Die Stipendiaten müssen in den frühen Fachsemester (i.d.R. bis zum Ende des vierten Fachsemesters) jedes Semester, danach jedes Jahr, einen Bericht über ihr Studium und ihr sonstiges Engagement abgeben. Darüber hinaus haben die Geförderten die Möglichkeit, eigene Tagungen und weitere Veranstaltungen selbständig zu entwickeln und umzusetzen.

Offene Stipendienprogramme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben der regulären Förderung bietet die Studienstiftung offene Stipendienprogramme an, die sie in Kooperation mit Organisationen durchführt und finanziert. Die bekanntesten darunter sind das McCloy Academic Scholarship Program, das ERP-Stipendienprogramm, und das Carlo-Schmid-Programm.[6] Eine vorherige Förderung durch die Studienstiftung ist bei all diesen Stipendienprogrammen nicht erforderlich.

Die Studienstiftung des deutschen Volkes in Zahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Im Auswahljahr 2014 hat die Studienstiftung 2.641 Förderzusagen an Studierende ausgesprochen und rund 300 Promotionsstipendien vergeben.
  • Im Jahr 2014 haben 60,9 % der Stipendiaten ausschließlich eine Studienkostenpauschale in Höhe von 300 Euro erhalten, 25,7 % haben ein Teilstipendium bekommen und 13,4 % ein Vollstipendium. [7]
  • Die Studienstiftung des deutschen Volkes wurde 2014 zu mehr als 90 % aus öffentlichen Mitteln finanziert.
  • Die Studienstiftung hat in den vergangenen Jahren den Anteil von Studierenden aus nicht-akademischen Elternhäusern und von Studierenden mit Migrationshintergrund deutlich gesteigert: Aktuell stammen 30 % der Stipendiaten aus einem nicht-akademischen Elternhaus und 18 % haben einen Migrationshintergrund
  • Der Anteil an Frauen in der Grundförderung lag 2014 bei 46,6 %, der Anteil der Frauen in der Promotionsförderung bei 51,3 %.
Jahr Geförderte Stipendiaten[8] Anzahl
Studenten
Deutschland[9][10]
Studium Promotion Gesamt
2005 6.966 993 7.959 1.985.765
2006 7.352 946 8.298 1.979.043
2007 8.438 1.080 9.518 1.941.405
2008 10.030 1.194 11.224 2.025.307
2009 11.482 1.211 12.693 2.121.178
2010 11.336 1.303 12.639 2.217.294
2011 11.123 1.350 12.473 2.380.974
2012 11.373 1.274 12.647 2.499.409
2013 11.195 1.273 12.468 2.613.168
2014 11.858 1.184 13.042 2.694.579
Studierenden- und Stipendiatenzahlen deutscher Universitäten und Hochschulen mit einem Stipendiatenanteil über 1 %[11]
Universität Studierende im
WS 2013/2014
Anzahl der
Grundstipendiaten
Anteil
in %
Bucerius Law School 954 73 7,65
Hertie School of Governance 403 20 4,96
Charité Berlin 6.803 221 3,25
WHU – Otto Beisheim School of Management 990 28 2,83
Zeppelin Universität Friedrichshafen 919 26 2,83
Universität Witten/Herdecke 1.688 38 2,25
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg 30.334 628 2,07
Jacobs University Bremen 1.290 24 1,86
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg 24.157 404 1,67
Universität Lübeck 3.471 50 1,44
Universität Mannheim 11.735 151 1,29
Medizinische Hochschule Hannover 3.212 41 1,28
Ludwig-Maximilians-Universität München 47.959 426 0,89

Bekannte ehemalige Stipendiaten der Studienstiftung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Übersicht bekannter ehemaliger Stipendiaten findet sich unter Liste ehemaliger Stipendiaten der Studienstiftung des deutschen Volkes.

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Satzung der Studienstiftung des deutschen Volkes e.V. Fassung vom 29. November 1996.
  2. Webauftritt - Jahresbericht 2014. Abgerufen am 15. Januar 2016.
  3. Webauftritt - Daten und Fakten. Abgerufen am 15. März 2014.
  4. Aktuelles - Neuer Auswahltest der Studienstiftung. Abgerufen am 15. März 2014.
  5. Allgemeiner Überblick zu Förderungsvoraussetzungen und Leistungen. Abgerufen am 15. März 2014.
  6. Stipendienprogramme. Abgerufen am 15. März 2014.
  7. Förderung in Zahlen 2014_Finanzielle Förderung. S. 240, abgerufen am 15. Januar 2016 (PDF 4,35 MB).
  8. Geförderte in Studium und Promotion. S. 240, abgerufen am 15. Januar 2016 (PDF 4,35 MB).
  9. Anzahl der Studierenden in Deutschland - Insgesamt. Abgerufen am 15. März 2014.
  10. Studierende. nach Bundesländern und tiefer gegliederte Angaben
  11. Studierenden- und Stipendiatenzahlen deutscher Universitäten und Hochschulen mit einem Stipendienanteil über 1 %. S. 240, abgerufen am 15. Januar 2016 (PDF 4,35 MB).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Studienstiftung und Zeitgeschichte

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]