Zum Inhalt springen

Stutenbissigkeit

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Stutenbissigkeit ist ein deutscher Ausdruck, der salopp abwertend[1] ein Verhalten von Frauen als Akteurinnen in offenen Konflikten mit Hilfe einer Tiermetapher benennt. Es handelt sich um einen Geschlechterrollen-Stereotyp. Damit wird ein empfindliches, aggressiv streitbares und hitziges Verhalten gegenüber anderen Frauen, die als mögliche Konkurrenz empfunden werden, beschrieben.[1][2] Dies kann direkt gegen die Person geschehen oder indirekt hinter ihrem Rücken. Die Redewendung bezieht sich auf Rangauseinandersetzungen unter Stuten innerhalb einer Herde.

Tiermetapher als weiblicher Geschlechterrollen-Stereotyp

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bissgurre, Bissgurn

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem 16. Jahrhundert ist die abwertend auf Frauen bezogene Tiermetapher des Konfliktverhaltens von Stuten belegt.[3][2] Das Wort Bissgurre ist ein Kompositum von beißen und dem Grundwort gurre (mhd. für alte Stute)[4]. In manchen, vor allem süddeutschen und österreichischen Gegenden hat sich der Ausdruck Bissgurn (auch Bissgurrn) als herabsetzende Bezeichnung für eine zänkische, tyrannische, oftmals ältere Frau erhalten.[5][6] Der Ausdruck wurde als Bissgurke(n) ins Hochdeutsche übertragen.

„Stutenbissigkeit“: Aktuelle Verwendung und Hintergrund

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff „Stutenbissigkeit“ hat sich seit Mitte der 1990er Jahre zunehmend verbreitet.[7] In der Gegenwartssprache wird die Tiermetapher als weibliches Geschlechterrollen-Stereotyp verwendet[8] – insbesondere im Beruf.[9] Angelehnt an das Konfliktverhalten von Stuten beschreibt der Begriff geschlechtsinternes Konkurrenzverhalten bzw. Rivalität von Frauen. Mit dem Ausdruck werden unterschwellig sozial unerwünschte Verhaltensweisen wie Eifersucht oder Neid assoziiert.[10][11]

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. 1 2 stutenbissig duden.de
  2. 1 2 Doris Semmelmann, "Stutenbissigkeit", im Magazin Piaffe Februar 2018, abgerufen am 6. April 2026. Magazin Piaffe
  3. ↑ Kluge, Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, de Gruyter, 1995
  4. ↑ So in den zitierten Wörterbüchern für Fränkisch und Bayerisch. Vgl. auch Lexer Mhd. Handwörterbuch
  5. ↑ Bissgurn duden.de
  6. ↑ Bayern: "Bayerisches Wörterbuch" von Andreas Schmeller, München 1872, dort unter Gurre; Franken: Handwörterbuch von Bayerisch-Franken, 2. Auflage, Bamberg 2007.
  7. ↑ Google Books Ngram Viewer: Stutenbissigkeit
  8. ↑ Zum Beispiel: Hanna Dietz: Weiberwahnsinn: Schuhtick, Handtaschenzwang, Tränendrüsenüberfunktion und weitere Besonderheiten der Spezies Frau. Berlin 2013.
  9. ↑ Zum Beispiel: Karin Bodewits, Andrea Hauk, Philipp Gramlich: Karriereführer für Naturwissenschaftlerinnen: Erfolgreich im Berufsleben. Weinheim 2015.
  10. ↑ „Stutenbissig“?! – Frauen und Konkurrenz: Ursachen und Folgen eines missachteten Störfalls, Mechtild Erpenbeck, Wirtschaftspsychologie aktuell, 2004
  11. ↑ Vgl. Romy Fröhlich u. a.: Public Relations. Daten und Fakten der geschlechtsspezifischen Berufsfeldforschung. Oldenbourg, 2005, S. 187 ff., 199, 201, 219, 246, 251.