Stuttgarter Neues Tagblatt

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Die Tagblattgebäude 1913
Setzmaschinen 1913
Tagblatt-Turm 1928

Das Stuttgarter Neue Tagblatt war ursprünglich eine liberale Tageszeitung, die von 1909 bis 1945 in Stuttgart herausgegeben wurde. Sie folgte auf das Stuttgarter Tagblatt, das bereits 1843 erschien[1] und 1909 mit der Württemberger Zeitung unter dem neuen Direktor Carl Esser fusionierte. Esser gab 1913 eine Festschrift zum siebzigjährigen Bestehen heraus.

Seit 1871 war das Tagblatt in den Gebäuden Torstraße 27 und 29 am südlichen Altstadtrand ansässig. Das viergeschossige Gebäude Torstraße 29 mit Werksteinfassade in Formen der italienischen Renaissance war ein Werk des Stuttgarter Architekten Christian Friedrich Leins von 1871. Das Nachbargebäude Torstraße 27 wurde 1895/97 durch ein fünfgeschossiges Hauptverwaltungsgebäude der Zeitung mit Werksteinfassade in Gliederungen der Spätgotik und deutschen Renaissance ersetzt. 1930 wurden beide Gebäude nach Plänen des Architekten des Tagblattturms aufgestockt und mit neu-sachlichen Fassaden versehen[2].

In den 1920er Jahren wurde die Zeitung von dem Industriellen Robert Bosch aufgekauft, "um sie nicht an den rechtsgerichteten Hugo Stinnes fallen zu lassen", wie Der Spiegel am 4. April 1966 schrieb.[3], oder um "die Stuttgarter Presse von norddeutschen Kapitaleinflüssen freizuhalten", wie Der Spiegel am 2. März 1970 den Bosch-Biograph Theodor Heuss zitiert.[4]

Mit dem modernen Tagblatt-Turm, einem Bau des Stuttgarter Architekten Ernst Otto Oßwald von 1927/28, errichtete das Blatt in jenen Jahren das höchste Gebäude der Innenstadt, zugleich den weltweit ersten Sichtbetonbau.[5] Die Kontur des Hochhauses war nachts beleuchtet.[6][7]. Bei seiner Einweihung sagte der damalige Hauptschriftleiter des Tagblatts, es stehe für den Willen der Stuttgarter, das Leben „das draußen brandet, als lebenswert anzuerkennen“.[8]

Nachdem Adolf Hitler 1933 Reichskanzler geworden war, schaffte er mit dem Schriftleitergesetz zum Jahr 1934 die Pressefreiheit ab. Das Tagblatt veröffentlichte nun Propaganda von Nationalsozialisten.[9] 1943 waren die Namen Stuttgarter Neues Tagblatt und Stuttgarter NS-Kurier schließlich gleichbedeutend.[10]

Die Bombardierungen von Stuttgart im Zweiten Weltkrieg legten die meisten Gebäude der Innenstadt in Trümmer, ließen das Hochhaus des Tagblatts aber intakt.[11] Im September 1945 lebte in ihm mit der Stuttgarter Zeitung die freie Presse wieder auf.[12]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Carl Esser: Stuttgarter neues Tagblatt. Betrachtungen über das Wesen einer modernen Tageszeitung; Einblick in einen Zeitungs- und Buchdruck-Großbetrieb. Stuttgart: Neues Tagblatt, 1913
  • Stuttgarter neues Tagblatt. Betrachtungen über das Wesen einer modernen Tageszeitung; Einblick in einen Zeitungs- und Buchdruck-Großbetrieb; zum 80jährigen Bestehen Ende 1923 neu bearbeitet, Stuttgart: Stuttgarter Neues Tagblatt 1923.
  • Vom Zeitungsverlag zum Medienhaus, bei Südwestdeutsche Medien Holding

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Adolf Müller-Palm, sein Vater Friedrich Müller (Buchdrucker) gründete 1843 das (Stuttgarter) Tagblatt.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten - Dokumentation Bild und Text. Landeshauptstadt Stuttgart. Abgerufen am 7. März 2010.
  2. Judith Breuer u. Angelika Reiff: Der Tagblattturm. Seit 1928 neu-sachliches Wahrzeichen Stuttgarts. In: Denkmalpflege in Baden - Württemberg. Nachrichtenblatt der Landesdenkmalpflege 50. Jg. 2021, S. 2f, 6
  3. Was not tut. Der Spiegel. 4. April 1966. Abgerufen am 7. März 2010.
  4. VERLAGE / BOSCH-BETEILIGUNGEN Prächtiges Paket. In: Der Spiegel, SpiegelNet GmbH, 3. Februar 1970. Abgerufen am 22. April 2016. 
  5. Tagblatt-Turm. Landeshauptstadt Stuttgart. Abgerufen am 7. März 2010.
  6. Der Tagblatt-Turm. Stuttgarter Zeitung. Archiviert vom Original am 4. März 2016.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.von-zeit-zu-zeit.de Abgerufen am 7. März 2010.
  7. Judith Breuer u. Angelika Reiff: Der Tagblattturm. Seit 1928 neu-sachliches Wahrzeichen Stuttgarts. In: Denkmalpflege in Baden - Württemberg. Nachrichtenblatt der Landesdenkmalpflege 50. Jg. 2021, S. 2ff
  8. Unterm Turm - Der Tagblatt-Turm. Landeshauptstadt Stuttgart. Abgerufen am 7. März 2010.
  9. Brinkmann, Albert Erich. Institut für Kunstgeschichte der Universität Karlsruhe. Archiviert vom Original am 27. Juni 2007.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ikg.uni-karlsruhe.de Abgerufen am 7. März 2010.
  10. G.d.1.2. Inhalt. Stadtarchiv Ulm. Abgerufen am 7. März 2010.
  11. 325 Jahre Verlagsgeschichte. J. B. Metzler’sche Verlagsbuchhandlung. Abgerufen am 7. März 2010.
  12. Der reimende Patriarch vom Tagblattturm. Stuttgarter Zeitung. 17. Januar 2007. Archiviert vom Original am 26. Dezember 2008.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.stuttgarter-zeitung.de Abgerufen am 7. März 2010.