Stutz Motor Car Company of America

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Stutz Motor Car Company of America
Rechtsform
Gründung 1913
Auflösung 1939
Sitz Indianapolis, Indiana, USA
Branche Automobile

Stutz-Rennwagen pilotiert von Gil Andersen in Elgin (1912)
Stutz Vertical Eight AA Limousine (1927)
Stutz DV-32 Cabriolet (1930)

Die Stutz Motor Car Company of America[1], in einer anderen Quelle verkürzt zu Stutz Motor Car Company,[2] war ein US-amerikanischer Hersteller von Oberklasse-Automobilen, der zu den „legendären amerikanischen Vollblutmarken der Vorkriegszeit“[3] gehörte. Die Stutz-Modelle hatten den Ruf außergewöhnlicher Sportlichkeit. Das Unternehmen stellte 1936 nach wirtschaftlichen Schwierigkeiten die Automobilproduktion ein.

Unternehmensgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der 1876 in Ohio geborene Ingenieur Harry C. Stutz beschäftigte sich seit 1898 mit dem Bau von Prototypen motorisierter Kutschen. Er hatte sich im Laufe der Jahre immer stärker mit dieser Thematik befasst. 1910 gründete er die Stutz Auto Parts Company zur Teilefertigung und 1911 die Ideal Motor Company zur Fahrzeugproduktion. Beide Unternehmen waren in Indianapolis im US-Bundesstaat Indiana.1911 begann die Automobilproduktion. Der Markenname lautete Stutz.

Im Mai 1913 schloss Stutz die beiden Unternehmen zusammen und wählte die neue Firmierung Stutz Motor Car Company of America.

In den folgenden Jahren beschäftigte sich Stutz mit der Weiterentwicklung seines Roadsters, den er Bearcat nannte, und erzielte weitere Erfolge. Um den steigenden Kapitalbedarf, der sich aus dem Bau einer neuen Produktionsstätte sowie den Aufwendungen für Forschung und Entwicklung ergab, decken zu können, wandelte Stutz seine Firma 1916 in eine Aktiengesellschaft um.

1919 wurde die Firma von ihrem Hauptanteilseigner Allan Ryan übernommen. Dieser musste jedoch zwei Jahre später Insolvenz anmelden, und die Firma wurde von einer Gruppe von Finanzinvestoren übernommen. Der amerikanische Ingenieur Frederick E. Moskowics führte seitdem das Unternehmen. Zu Mitte der 1920er-Jahre leitete er einen Kurswechsel ein: Die Produktion von Roadstern wurde zu Gunsten von luxuriösen Limousinen eingestellt, von denen in den folgenden Jahren mehrere Modelle präsentiert wurden. Gleichwohl hatten die Stutz-Modelle nach wie vor sportliche Fahrleistungen. 1929 wurde mit dem Blackhawk das letzte Modell unter Moskowics’ Führung fertiggestellt, der im folgenden Jahr die Geschäfte an Edgar Gorrell abgab. Von 1929 bis 1930 wurde ein Modell unter der Marke Blackhawk vertrieben.

Die Weltwirtschaftskrise trieb die Gesellschaft an den Rand des finanziellen Ruins. Die Stutz-Modelle, bei denen es sich regelmäßig um sehr teure Fahrzeuge handelte, trafen nicht mehr den Geschmack der zahlungskräftigen Kundschaft. Die Kunden bevorzugten leise, komfortable Automobile, Anforderungen, die Stutz mit seinen noch immer sportlich ausgelegten Modellen nicht erfüllen konnte.[3] In den 1930er-Jahren verkaufte Stutz daher jährlich weit weniger Fahrzeuge als die Konkurrenzmarken Cadillac, Packard, Lincoln und Pierce-Arrow. 1930 entstanden noch 649 Fahrzeuge, und 1932 und 1933 waren es jeweils weniger als 50 Exemplare. 1932 erwirtschaftete Stutz einen Verlust von 315.000 US-$, 1933 betrug der Verlust eine halbe Million US-$ und 1934 noch einmal 250.000 $. Das Unternehmen bot seine hochpreisigen Autos ungeachtet dessen bis 1936 an, verkaufte aber jährlich nur noch sehr wenige Exemplare. 1936 fertigte Stutz nur noch sechs Autos. In diesem Jahr versuchte Stutz, einen kleinen Lieferwagen namens Pack-Age in Serie zu produzieren und so die Einnahmen zu erhöhen. Es gelang dem Unternehmen jedoch nicht mehr, das Auto zur Serienreife zu bringen. Insgesamt entstanden lediglich 28 Pack-Age.

Am 3. April 1937 beantragte die Stutz Motor Car Company die Eröffnung des Insolvenzverfahrens. Die Schulden des Unternehmens waren zu dieser Zeit auf insgesamt 733.000 US-$ angestiegen. Da sich die Gläubiger nicht auf eine Neustrukturierung des Unternehmens einigen konnten, wurde Stutz 1939[2] aufgelöst. Der Pack-Age wurde von der Diamond T Truck Company übernommen.

Fahrzeuge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Markenname Stutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stutz bot in den 1930er-Jahren zwei Baureihen an, die sich in erster Linie durch die Motorisierung unterschieden. Die Baureihe SV16 wurde von einem Reihenachtzylindermotor angetrieben, der über zwei Ventile pro Zylinder verfügte. Der deutlich teurere DV32 hatte den gleichen Basismotor, aber vier Ventile pro Zylinder. Seine Höchstleistung betrug 161 PS bei 3900 Umdrehungen pro Minute. Beide Modelle wurden bis 1936 angeboten, wobei das Werk aufgrund knapper Finanzmittel im Laufe der Jahre jeweils nur geringfügige technische Veränderungen vornehmen konnte. Die Entwicklung eines Zwölfzylindermotors wie Lincoln oder eines V16 wie Cadillac oder Marmon konnte sich Stutz nicht leisten. Stattdessen experimentierte das Unternehmen mit einem Kompressor, der aufgrund seiner Lautstärke allerdings nicht mit den Komfortansprüchen der Kundschaft vereinbar war und deshalb nicht in Serie produziert wurde. Für beide Baureihen bot Stutz in den 1930er-Jahren diverse Aufbauten an, die teilweise von unabhängigen Karosserieherstellern entworfen worden waren und zugeliefert wurden. Weymann, Fleetwood, LeBaron und Waterhouse stellten einige Aufbauten im Auftrag von Stutz her.

Markenname Blackhawk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blackhawk (1929)

Dieser Markenname wurde 1929 für ein paar Modelle eingeführt, die weniger leistungsstark und nicht so hochwertig, aber dafür billiger waren. 1929 wurden 1310 Fahrzeuge verkauft. Im Folgejahr sank die Zahl auf 280 Fahrzeuge. Daraufhin wurde die Marke eingestellt. Im Angebot standen zwei Modelle, die den gleichen Radstand von 324 cm hatten. Das Model L-6, im Folgejahr ohne Bindestrich geschrieben, hatte einen Sechszylindermotor mit 85 PS Leistung. Ein Achtzylindermotor mit 90 PS Leistung trieb das Model L-8 bzw. 1930 Model L 8 an. Zur Wahl standen zwei- und viersitzige Speedster, zwei- und fünfsitzige Coupés, Cabrio-Coupé, fünfsitzige Limousine sowie vier- bis fünfsitzige Aufbauten mit Weymann-Karosserie namens Chantilly, Deauville und Monaco.

Jahr Modell Zylinder Leistung (PS) Radstand (cm) Aufbau
1929 Model L-6 6 85 324 Speedster 2- und 4-sitzig, Coupé 2- und 5-sitzig, Cabrio-Coupé 4-sitzig, Sedan 5-sitzig, Weymann Chantilly 5-sitzig, Weymann Monaco 4-sitzig, Weymann Deauville 4-sitzig
1929 Model L-8 8 90 324 Speedster 2- und 4-sitzig, Coupé 2- und 5-sitzig, Cabrio-Coupé 4-sitzig, Sedan 5-sitzig, Weymann Chantilly 5-sitzig, Weymann Monaco 4-sitzig, Weymann Deauville 5-sitzig
1930 Model L 6 6 85 324 Sedan 5-sitzig, Coupé 2- und 5-sitzig, Speedster 2- und 4-sitzig, Cabrio-Coupé, Weymann Chantilly 5-sitzig, Weymann Monaco 4-sitzig, Weymann Deauville 4-sitzig
1930 Model L 8 8 90 324 Sedan 5-sitzig, Coupé 2- und 5-sitzig, Speedster 2- und 4-sitzig, Cabrio-Coupé, Weymann Chantilly 5-sitzig, Weymann Monaco 4-sitzig, Weymann Deauville 4-sitzig

Renneinsätze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1911 setzte Stutz einen Wagen bei den 500 Meilen von Indianapolis ein, der auf einen elften Platz kam. Gil Andersen war der Fahrer.

Produktionszahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Produktionszahl Stutz Produktionszahl Blackhawk
1912 266
1913 759
1914 649
1915 1.079
1916 1.535
1917 2.207
1918 1.873
1919 1.544
1920 2.786
1921 3.860
1922 769
1923 1.602
1924 2.167
1925 2.190
1926 3.692
1927 2.906
1928 2.403
1929 2.320 1.310
1930 1.038 280
1931 310
1932 206
1933 80
1934 6
1935 2
Summe 36.249 1.590

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Simpsons-Folge „Die Trillion-Dollar-Note“ fährt Charles Montgomery Burns einen dunkelbraunen 1936er Stutz Bearcat.

Wiederbelebung des Markennamens Stutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stutz Motor Car of America verwendete zwischen 1970 und 1988 erneut den Markennamen Stutz.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Beverly Rae Kimes, Henry Austin Clark Jr.: Standard catalog of American Cars. 1805–1942. Digital Edition. 3. Auflage. Krause Publications, Iola 2013, ISBN 978-1-4402-3778-2, S. 130 und S. 1442–1447 (englisch).
  • George Nick Georgano (Chefredakteur): The Beaulieu Encyclopedia of the Automobile. Volume 1: A–F. Fitzroy Dearborn Publishers, Chicago 2001, ISBN 1-57958-293-1, S. 168. (englisch)
  • George Nick Georgano (Chefredakteur): The Beaulieu Encyclopedia of the Automobile. Volume 3: P–Z. Fitzroy Dearborn Publishers, Chicago 2001, ISBN 1-57958-293-1, S. 1534–1536. (englisch)
  • Richard M. Langworth: Encyclopedia of American Cars 1930–1980. New York (Beekman House) 1984, ISBN 0-517-42462-2.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Stutz Motor Car Company of America – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. George Nick Georgano (Chefredakteur): The Beaulieu Encyclopedia of the Automobile. Fitzroy Dearborn Publishers, Chicago 2001, ISBN 1-57958-293-1, S. 168 und S. 1534–1536. (englisch)
  2. a b Beverly Rae Kimes, Henry Austin Clark Jr.: Standard catalog of American Cars. 1805–1942. Digital Edition. 3. Auflage. Krause Publications, Iola 2013, ISBN 978-1-4402-3778-2, S. 130 und S. 1442–1447 (englisch).
  3. a b Richard M. Langworth: American Cars of the 1930s. S. 88.