Stymphalische Vögel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Herakles tötet die stymphalischen Vögel mit seiner Schleuder
Attische Vase, ~540 v. Chr.
British Museum, London
Herakles tötet die stymphalischen Vögel mit einem Bogen
Römisches Mosaik von Llíria, Valencia, Spanien, erste Hälfte des 3. Jahrhunderts v. Chr.
Nationales Archäologisches Museum von Spanien, Madrid

Die stymphalischen Vögel, auch Stymphaliden genannt, waren kranichgroße Vögel der griechischen Mythologie. Sie wohnten am See Stymphalos in Arkadien und waren eine Plage, da sie ihre ehernen Federn wie Pfeile auf Menschen abschossen und die Ernte vernichteten. Der Held Herakles vertrieb sie bzw. tötete sie größtenteils.

Sagenversionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stymphalischen Vögel hatten ihre Nistplätze im Schilf des Sees Stymphalos.[1] Dieses seit Menschengedenken bekannte stehende Gewässer (See ohne oberirdischen Abfluss und mit variierender Wasserfläche) ist auch heute Nist- und Rastplatz endemischer Vögel und von Zugvögeln. Der See liegt in gering besiedelter Gebirgslandschaft in ca. 600 m Höhe, die zu Arkadien gezählt wurde.[2]

Die stymphalischen Vögel besaßen eiserne Schnäbel, Klauen und Flügel und konnten damit sogar die Rüstungen der Krieger durchdringen. Zusätzlich konnten sie ihre metallenen Federn wie Pfeile gezielt auf ihre Opfer abschießen.[3] Die Stymphaliden wüteten unter den Menschen und Tieren Arkadiens.[4]

Herakles bekam im Rahmen der Zwölf Arbeiten von Eurystheus die Aufgabe, die Vögel zu vertreiben. Da aber ihre Zahl außerordentlich groß war, erhielt er von Athene große metallene Klappern, die Hephaistos gefertigt hatte.[5] Durch den Lärm, den der Held durch das permanente Aneinanderschlagen der Klappern verursachte, konnte er die offenbar schreckhaften Vögel verscheuchen.[6] Laut einer anderen Variante des Mythos scheuchte er sie durch den Lärm der Klappern nur auf und tötete sie daraufhin mit seinen Pfeilen.[7] Um sich vor ihren eisernen Federpfeilen zu schützen, benutzte er die beiden Klappern als Schilde. Nachdem er die meisten Vögel getötet hatte, floh der Rest.[8]

Gemäß der Argonautensage wohnten die überlebenden Vögel nach ihrer Vertreibung durch Herakles auf der Insel Aretias oder Aresinsel im Pontos. Die Argonauten wurden auf ihrer Fahrt nach Kolchis von ihnen überfallen, als sie auf der Insel landen wollten, konnten die Vögel aber mittels des durch Zusammenschlagen ihrer Schilde verursachten lauten Geräuschs vertreiben.[9]

Laut Mnaseas waren die Stymphaliden keine Vögel, sondern Töchter des Stymphalos und der Ornis.[10] Am Giebel des Artemistempels von Stymphalos waren sie aber als Vögel dargestellt, und hinter dem Tempel befanden sich Statuen von Jungfrauen mit Vogelfüßen.[11] Der Altphilologe Otto Gruppe hielt die Stymphaliden für Unwetterdämonen.[12]

In der griechischen Bildkunst werden die Klappern von Athene nie dargestellt. Stattdessen wird Herakles immer in dem Moment gezeigt, in dem er die aufgeschreckten Vögel mit einer Schleuder oder mit Pfeil und Bogen erschießt.[13]

Sternbild[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Man nimmt an, dass die Sternbilder Schwan, Geier (heute Leier) und Adler die Stymphaliden repräsentieren und gemeinsam zur Herakles-Familie gehören.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Stymphalische Vögel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Pausanias, Beschreibung Griechenlands 8, 22, 4; Bibliotheke des Apollodor 2, 92 f.; u. a.
  2. Griechenland (Alt-G.: Gewässer, Küstengliederung). In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Band 7, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig/Wien 1885–1892, S. 674.
  3. Hyginus, Genealogiae 30, 6.
  4. Laut der Bibliotheke des Apollodor (2, 92) waren die Stymphaliden hingegen nur gewöhnliche Vögel, die aus Angst vor Wölfen zum Stymphalischen See geflohen waren.
  5. Bibliotheke des Apollodor 2, 93; nach anderer Sagenversion machte sich Herakles die Klappern selbst (so Hellanikos im Scholion zu Apollonios von Rhodos, Argonautika 2, 1055 und Diodor, Bibliothḗkē historikḗ 4, 13, 2).
  6. Peisandros von Kameiros bei Pausanias, Beschreibung Griechenlands 8, 22, 4; Diodor, Bibliothḗkē historikḗ 4, 13, 2; u. a.
  7. Bibliotheke des Apollodor 2, 93; Quintus von Smyrna, Posthomerica 6, 227 ff.; u. a.
  8. Stymphalische Vögel. In: bamberga.de. Abgerufen am 22. März 2016.
  9. Apollonios von Rhodos, Argonautika 2, 1031 ff.
  10. Scholion zu Apollonios von Rhodos, Argonautika 2, 1052.
  11. Pausanias, Beschreibung Griechenlands 8, 22, 7.
  12. Otto Gruppe: Herakles. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Supplementband III, Stuttgart 1918, Sp. 910–1121 (hier: Sp. 1044).
  13. Objektkatalog. Germanisches Nationalmuseum Nürnberg, abgerufen am 22. März 2016.