Subcomandante Marcos

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Subcomandante Marcos (* 1957, genaues Datum unbekannt) oder auch Delegado Zero ist das Pseudonym eines mexikanischen Revolutionärs und Autors. Er bezeichnet sich selbst als das Sprachrohr der EZLN (Zapatistische Armee der Nationalen Befreiung). Über seine wahre Identität gibt es nur Spekulationen, auch seine Rolle in der EZLN ist umstritten.

Marcos in der EZLN[Bearbeiten]

Anlässlich des Inkrafttretens des Freihandelsabkommens zwischen den USA, Mexiko und Kanada am 1. Januar 1994 besetzten Indio-Guerilleros der EZLN fünf mexikanische Bezirkshauptstädte. Als Sprecher des „Geheimen Revolutionären Indigenen Komitees - Generalkommandantur“ wandte sich der maskierte Mestize Subcomandante Insurgente Marcos zum ersten Mal an die Medien.

Die Maskierung und die Nicht-Veröffentlichung seiner Biographie erklärte er zum Programm dieser Bewegung, die sich nach dem militärischen Auftritt wieder in Stellungen der Selbstverteidigung zurückzog und erklärte, nicht um die politische Macht zu kämpfen, so sagte er einmal: „Es ist nicht nötig, die Welt zu erobern. Es genügt, sie neu zu schaffen.“ [1]

Subcomandante Marcos (links) mit Comandante Tacho in Chiapas (1999)

In ironischen, mit spanischsprachiger oder französischer Lyrik durchsetzten Artikeln und Briefen – er selbst gibt spöttisch an, er bekomme sie oft vom Urwald-Käfer Durito diktiert – verbindet sich die Verteidigung der Maya-Kultur, der Kampf um die mexikanischen Bürgerrechte und radikale postsozialistische Kritik der neoliberalen Globalisierung. 1996 zum Beispiel lud er zu einem „Intergalaktischen Treffen gegen den Neoliberalismus“ in vom EZLN kontrollierte Gebiete.

Marcos zeigt auch seine Solidarität mit anderen Protestbewegungen weltweit, als er zum Beispiel einmal für einen Vortrag 500 US-Dollar erhielt, soll er diese den zur gleichen Zeit streikenden Fabrikarbeitern in Italien gespendet haben, um die Phrase „Euer Kampf ist auch unser Kampf“ zu unterstreichen.

Die Bezeichnung Subcomandante leitet sich von daher ab, dass Marcos seine „Befehle“ angeblich von der Generalkommandantur („CCRI-CG - Geheimes revolutionäres indigenes Komitee“), das aus gewählten Vertreterinnen und Vertretern der Dorfgemeinschaften besteht, erhält.

Als bei den Präsidentschaftswahlen 2000 die bürgerlich-konservative Partei der Nationalen Aktion (PAN) die 71-jährige Alleinherrschaft der Partei der Institutionalisierten Revolution (PRI) brach, nahm Marcos das rhetorische Gesprächsangebot über Verfassungsrechte der Indígenas von Präsident Vicente Fox an. Mit einem Buskonvoi fuhren Marcos und andere Führer des EZLN aus Chiapas nach Mexiko-Stadt, symbolischerweise über die Stationen des Feldzugs Emiliano Zapatas von 1917.

Identität Marcos’[Bearbeiten]

Subcomandante Marcos reitend und Pfeife rauchend

Nach Geheimdiensterkenntnissen soll „Unterkommandant“ Marcos der 1957 geborene Rafael Sebastián Guillén sein und aus einer bürgerlichen, spanischstämmigen Familie in Tampico (Bundesstaat Tamaulipas) stammen. Er sei Philosophiestudent an der Universidad Nacional Autónoma de México (UNAM) gewesen und später Dozent an der Universität in Mexiko-Stadt und sei ursprünglich von den Ideen von Mao Zedong, Louis Althusser, Fidel Castro und Che Guevara beeinflusst. Seine Gegner behaupteten häufig, er habe auf Kuba und im sandinistischen Nicaragua eine Guerilla-Ausbildung erhalten. Inzwischen wird dies auch von Anhängern nicht mehr gänzlich abgestritten.

Manuel Vázquez Montalbán, der mit den Zapatistas sympathisierte und von Marcos persönlich zu Interviews eingeladen wurde, nennt als Quelle den kubanischen Nachrichtendienstler Manuel Piñeiro, der einen Aufenthalt Marcos' in Kuba bejahte und äußerte dann die Vermutung, dass Marcos dort eine derartige Ausbildung erhalten habe.[2]

Als einmal ein Interviewer Marcos nach seiner Identität fragte, antwortete dieser: „Marcos ist Schwuler in San Francisco, Schwarzer in Südafrika, Asiat in Europa, Anarchist in Spanien, Palästinenser in Israel, Indio in San Cristóbal (Chiapas), Jude in Deutschland.“ Auf die Frage nach seinem Alter sagte Marcos: „Ich bin 518“.[3]

Literatur[Bearbeiten]

  • Castellanos, Laura; Subcomandante Marcos: Kassensturz Nautilus ISBN 3-89401-590-X
  • Marta Duran de Huerta: Yo Marcos. Gespräche über die zapatistische Bewegung. ISBN 3-89401-380-X
  • Krüger, Reinhard (Hrsg.): México insurgente. Los Zapatistas y La marcha por la dignidad indígena 24 febrero - 11 marzo 2001 (= ROMANICE 2), Weidler-Verlag, ISBN 3-89693-702-2 (03/2001)
  • Krüger, Reinhard (Hrsg.): Los Zapatistas y La marcha por la dignidad indígena (vol. II). Los discursos en el Congreso y el regreso a Chiapas (= ROMANICE 7), Weidler-Verlag, ISBN 3-89693-707-3 (07/2001)
  • Krüger, Reinhard (Hrsg.): Aufständisches Mexiko. Die Zapatisten und der Marsch für die Würde der Indios. 24. Februar – 11. März 2001 (ausgewählt und übersetzt von Christiane Bauer) (= ROMANICE 12), Weidler-Verlag, ISBN 3-89693-712-X (07/2002)
  • Subcomandante Insurgente Marcos: Botschaften aus dem Lakandonischen Urwald. Über den zapatistischen Aufstand in Mexiko. Edition Nautilus, Hamburg, 2005 ISBN 3-89401-259-5
  • Subcommandante Marcos: "Geschichten vom alten Antonio" Verlag Assoziation A, Berlin 2007. ISBN 978-3-935936-50-7.
  • Subcomandante Insurgente Marcos: Our Word is Our Weapon Seven Stories Press, ISBN 1-58322-472-6
  • Manuel Vázquez Montalbán: Marcos Herr der Spiegel. Verlag Klaus Wagenbach, ISBN 3-8031-3606-7
  • Subcomandante Marcos, Paco Ignacio Taibo II : "Unbequeme Tote" Roman, Vierhändig. Verlag Assoziation A, ISBN 3-935936-39-7
  • Ramonet, Ignacio: Marcos. La dignité rebelle. Conversations avec le sous-commandant Marcos. Paris: Galilée, 2001, ISBN 2-7186-0565-0

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Subcomandante Marcos – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Marcos: Botschaften aus dem Lakandonischen Urwald, 2005.
  2. [Manuel Vázquez Montalbán – Marcos Herr der Spiegel, Verlag Klaus Wagenbach, Aktualisierte Ausgabe 2001, S. 67f.], Manuel Vázquez Montalbán – Marcos Herr der Spiegel, Verlag Klaus Wagenbach, Aktualisierte Ausgabe 2001, S. 67f.
  3.  García Márquez, Roberto Pombo: Subcomandante Marcos. The Punch Card and the Hourglass. In: New Left Review. Nr. 9, Mai–Juni 2001 (Interview mit Subcomandante Marcos, ursprünglich erschienen in Revista Cambio. Bogotá 26. März 2001, Online).