Subdominante

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Subdominante, auch Unterdominante bezeichnet die vierte Stufe einer diatonischen Tonleiter (also die Quarte über bzw. Quinte unter der Tonika) und die Funktion der darauf basierten Akkorde. Die Bezeichnung Subdominante (sous-dominante) wurde von Jean-Philippe Rameau eingeführt und bedeutet nach heutigem Verständnis, dass sie im Gegensatz zur (Ober-) Dominante, die sich eine Quinte über der Tonika befindet, eine Quinte unter der Tonika liegt.

Beispiele:

  • Der Dreiklang auf der vierten Stufe von C-Dur besteht aus den Akkordtönen f - a - c. Die Subdominante von C-Dur ist somit der F-Dur-Dreiklang.
  • Der Dreiklang auf der vierten Stufe von d-Moll besteht aus den Akkordtönen g - b - d. Die Subdominante von d-Moll ist somit der g-Moll-Dreiklang.

In ihrer klanglichen Wirkung stellt die Subdominante (Funktionssymbol: S, in Moll: s) ein Gegengewicht zur Dominante (D) dar und wird oft als Ruhepol empfunden. In ihrer Zielrichtung ist sie im Vergleich zur Dominante, die zur Tonika (T/t) zurückstrebt, wesentlich offener. Sie wird häufig als Ausgang für anstehende Modulationen verwendet. Gegenüber T und D hebt sie sich (insbesondere in der Moll-Variante) durch ihren vergleichsweise farbigen Klangcharakter ab.

Die Subdominante ist Bestandteil der gängigen Kadenz S - D - T. Der Plagalschluss als Akkordfortschreitung Subdominante - Tonika wirkt weniger zwingend als der authentische Schluss Dominante - Tonika.

Die Wirkung der Subdominante lässt sich durch das Hinzufügen der großen Sexte verstärken (in C-Dur ein dem F-Dur-Dreiklang hinzugefügtes d, in c-Moll entsprechend f-as-c-d).

Sixtajoutee.gif Beispiel eines Subdominantenakkords mit Sixte ajoutée: Dem Subdominantenakkord F-As-C wird noch die Sexte D beigefügt. Dann kommt der Dominantakkord G-H-D und die Tonika C-Es-G.

Schluss von "Wer nur den lieben Gott lässt walten". Satz von Georg Neumark (1657), transponiert nach c-moll. Siehe: Reine Stimmung Klangbeispiel

Anhören?/i

Der so entstehende Subdominantquintsextakkord wurde bereits von Jean-Philippe Rameau beschrieben („l'accord de la sixte ajoutée“, S56 bzw. s56). Gebräuchlich ist auch die Kurzbezeichnung „Rameau-Akkord“. Im Barock (Bach-Choral) und in der Wiener Klassik war er charakteristisches Element einer abschließenden Kadenz, in der Klassik allerdings überwiegend in abgewandelter Form mit Sexte statt Quinte (Subdominant-Sextklang, kurz: S6 o. s6). In der Romantik (z. B. Brahms, Tschaikowsky) wurde er in der Moll-Form gern plagalschlüssig als besonders reizvolle, emotionale Farbwirkung auch in Durtonarten eingesetzt (in C-dur also f-as-c-d).

Es gibt auch den subdominantischen Akkord mit Sexte statt Quinte, den man als subdominantischen Sektakkord bezeichnet (S6). Dies ist dann der Fall, wenn der Sextakkord der Subdominantparallele im Kontext einer Kadenz (mit anschließender D und T) auftritt.

Ein weiterer subdominantischer Akkord ist der neapolitanische Sextakkord (kurz: „Neapolitaner“, sn). Er ist - in Moll und Dur gleichermaßen - eine Variante der Moll-Subdominante, bei der aber die Quinte durch die tonleiterfremde kleine Sexte ersetzt wird (in C-Dur und c-Moll f-as-des). Da das Tonmaterial des Neapolitaners mit dem im Quintenzirkel weit entfernten Des-Dur-Akkord identisch ist, bietet er sich für Modulationen an.

Die Mollsubdominante hat eine engere Verbindung mit Tonika bzw. Dominante, da sie mit ihrer Terz und ihrem Grundton über einen Leitton von oben zur Quinte bzw. Terz der Tonika verfügt.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Harmonik, für einen allgemeinen Überblick über die Lehre der Akkordverbindungen
  • Quintenzirkel, für die Subdominant- und Dominantbeziehungen zwischen den Tonarten
  • Kadenz, für das Grundmodell einer Akkordfolge
  • Doppelsubdominante