Subtext

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Unter Subtext versteht man in der Linguistik eine Ebene, die der expliziten Aussage eines Satzes als zusätzliche, implizite Bedeutungs­ebene unterlegt ist.

Definition[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Häufig wird als Subtext auch dasjenige definiert, was „eigentlich“ gesagt werden soll; diese Definition ist jedoch ungenau und sogar problematisch, da die beiden Bedeutungsebenen in gegenseitigem Abhängigkeitsverhältnis stehen. Im Gegensatz zur expliziten Aussage, die im Idealfall für alle verständlich ist, erschließt Subtext sich nur solchen Lesern, Hörern usw., die über besondere zusätzliche Informationen verfügen. Das Verstehen von Subtext ist immer eine Interpretation, die auch als „Zwischen-den-Zeilen-Lesen“ bezeichnet wird und meistens äußerst vieldeutig ist. Ohne zu wissen, wer die Interpretation vornimmt und welche Vorerfahrungen dieser mitbringt, ist nicht vorhersehbar, wie die Interpretation des Subtextes ausfällt, was als Subtext verstanden wird oder ob überhaupt ein Subtext erkannt wird oder ob auch nur der Versuch des Erkennens gemacht wird.

Beispiele für Subtext[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verhalten: A stellt B eine Frage und schaut weg, wenn B antwortet. Dann sagt A: „Kannst du das noch einmal sagen?“ Der Subtext ist: „Es interessiert A nicht, was B sagt.“

Beispiele für Subtext lassen sich besonders in der Literatur, im Film und in der Musik finden.

Subtext ist ein elementares Merkmal von Kunst. Neben einer scheinbar spielerischen bzw. ästhetischen Verwendung kann Subtext jedoch solche Interpretationsmöglichkeiten enthalten, die nur für einen Teil der Rezipienten erschließbar sind und von einem anderen Teil, z. B. von der Zensur nicht wahrgenommen werden sollen. Dies ist in vielen Filmen der Fall, z. B. in William Wylers Sandalenfilm Ben Hur, in dem nur Zuschauer, die in der Wahrnehmung solcher Bedeutungen nicht geübt sind, Messalas (Stephen Boyd) hingebungsvolle Freundschaft für seinen Freund Ben Hur (Charlton Heston) nicht als homosexuelle Verliebtheit „lesen“.[1]

Dass Subtext auch in der Musik eine Rolle spielt, zeigen u. a. viele Arbeiten von Dmitri Schostakowitsch, der unter dem Stalinismus gezwungen war, bestimmte Aussagen seiner Kompositionen in den Subtext zu verlagern. Ein Mittel, mit dem in der Musik Subtext erzeugt wird, ist z. B. das musikalische Zitat, das nur von „eingeweihten“ Hörern erkannt wird.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Armin von Bogdandy: The European constitution and European identity. Text and subtext of the Treaty establishing a constitution for Europe. In: International journal of constitutional law Bd. 3, 2005, 2/3, ISSN 1474-2640, S. 295–315.
  • Siglind Bruhn: Images and ideas in modern French piano music. The extra-musical subtext in piano works by Ravel, Debussy, and Messiaen. Pendragon Press, Stuyvesant NY 1997, ISBN 0-945193-95-5, (Aesthetics in music 6).
  • Dietmar Mieth: Geschlechtertheorie als Subtext theologischer Ethik. Wewel, München 2004, (Theologische Quartalschrift Jg. 184, ISSN 0342-1430, H. 1).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Charles Kaiser: The Gay Metropolis: 1940–1996, Boston, New York (Houghton Mifflin) 1997. ISBN 0-395-65781-4, S. 96f