Sud-Express

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Laufschild des Sud-Express
Speisewagen 1887
Sud Express im Bahnhof Estoril, 1930er Jahre
Portugiesische Lok der Baureihe 5600 vor dem Sud-Express bei Bobadela
Durchfahrt eines Talgo-Zugverbandes von Lusitânia und Sud-Express im Bahnhof Lissabon Sete Rios (Januar 2013)

Der Sud-Express ist eine europäische Nachtreisezugverbindung zwischen Frankreich, Spanien und Portugal. Er ging aus dem gleichnamigen Luxuszug hervor.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Luxuszug[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Sud-Express wurde 1884 vom Gründer der CIWL, dem Belgier Georges Nagelmackers, als Teil einer durchgehenden Verbindung Sankt Petersburg-Paris-Lissabon konzipiert und verkehrte ab 1887. Er bediente dabei die Verbindung Paris Gare d’Austerlitz (zeitweise auch vom Gare d’Orsay)–Lissabon Santa Apolónia (anfangs nur bis Madrid).[1] In Lissabon bestand Anschluss an Dampfschiff-Verbindungen nach Südamerika. Ab 1897 gab es zeitweise einen Zugteil, der über Cordoba und Algeciras verkehrte, wo Schiffsanschluss nach Marokko bestand.[2] Die Fortsetzung am anderen Ende dieser transeuropäischen Verbindung bildete zwischen Paris Gare du Nord und St. Petersburg der Nord-Express, nach dem Ersten Weltkrieg nur noch bis Warschau. Ab der Fahrplanperiode 1935/36 gelang es, in Paris einen direkten Anschluss zwischen beiden Zügen herzustellen.

Der Sud-Express war eine für damalige Verhältnisse außergewöhnlich schnelle und komfortable Verbindung. Um 1900 galt er (in seinem französischen Abschnitt) als schnellster Zug Europas[3] mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 91,2 km/h. Ab 1926 fuhr er zwischen Hendaye und Bordeaux elektrisch, 1939 traf das für die gesamte, in Frankreich zurückgelegte Strecke zu. Das bedeutete eine durchschnittliche Reisegeschwindigkeit von 101/km/h zwischen Paris und Bordeaux. Zuvor war der Zug, gezogen von Dampflokomotiven der Baureihe PO-Midi 3700/SNCF 231.700, der schnellste Dampfzug Frankreichs.[4]

Nachtschnellzug[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Verbindung als Nachtschnellzug wieder in den Fahrplan aufgenommen. Zeitweise verkehrten durchgehende Liegewagen zwischen Paris und Lissabon sowie Porto. Ab 1953 verkehrte der Zug ohne Halt zwischen Paris und Bordeaux.[5]

Heute ist der Sud-Express ein Nachtreisezug zwischen Irun/Hendaye und Lissabon, der mit einem Talgo-Schlaf- und Liegewagenzug der portugiesischen Staatsbahn Comboios de Portugal (CP) gefahren wird.[6] Die ursprünglich durchgehende Verbindung von und nach Paris wurde Mitte der neunziger Jahre an der spanisch-französischen Grenze gebrochen und der französische Abschnitt bei höherer Reisegeschwindigkeit mit einem TGV bedient, der allerdings nicht den Namen „Sud-Express“ führt.

Der Zug, der allein auf CP-Kosten gefahren wurde, fuhr hohe Verluste ein. Deshalb fährt er seit Oktober 2012 gemeinsam mit dem Lusitânia-Zug zwischen Lissabon und Medina del Campo, wo der Zug getrennt wird und der „Sud-Express“ dann weiter nach Hendaye fährt.[7] Um Kosten zu sparen, verkehrt der Zug zudem seit Dezember 2013 ohne Bordrestaurant.[8] Die Ausgaben für den Sud-Express beliefen sich im Jahr 2014 auf 7,2 Millionen Euro, die Einnahmen auf rund 3,7 Millionen Euro. 2014 nutzten 78.000 Fahrgästen die Zugverbindung, im Vergleich zu 77.000 im Jahr 2011.[9]

Zwischenfälle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 18. Dezember 1965 stießen in Villar de los Álamos, Provinz Salamanca, Spanien, der Süd-Express und ein Eilzug zusammen. Mehr als 30 Menschen starben.

Am 11. September 1985 kam es bei Alcafache auf der Beira Alta-Strecke zu einem Frontalzusammenstoß des Sud-Express mit einem Regionalzug. Mindestens 113 Menschen starben.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vockrodt: Mistral, S. 61.
  2. Vockrodt: Mistral, S. 62.
  3. Vockrodt: Mistral, S. 61.
  4. Vockrodt: Mistral, S. 61.
  5. Vockrodt: Mistral, S. 62.
  6. Vockrodt: Mistral, S. 62.
  7. Carlos Cipriano: Sud Expresso e Lusitânia Expresso passam a comboio único a partir de 3 de Outubro. Público, 28. September 2012, abgerufen am 2. März 2014 (portugiesisch).
  8. Carlos Cipriano: Sud Expresso e Lusitânia perdem carruagem-restaurante. Público, 1. Dezember 2013, abgerufen am 2. März 2014 (portugiesisch).
  9. Carlos Cipriano: CP reduz prejuízos no serviço internacional. In: Público. 13. Juni 2015, abgerufen am 15. Juni 2015 (portugiesisch).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stefan Vockrodt: Mistral, Capitol und andere Legenden. Berühmte Züge von, nach und über Paris. In: Eisenbahnen in Paris = Eisenbahngeschichte Spezial 2 (2015). ISBN 978-3-937189-94-9, S. 60-67.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Sud-Express – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien