Suderwich

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Suderwich
Stadtteil von Recklinghausen
Übersichtskarte Recklinghausen mit Suderwich im Südosten
Koordinaten 51° 36′ 34″ N, 7° 15′ 52″ OKoordinaten: 51° 36′ 34″ N, 7° 15′ 52″ O
Höhe (Kreuzung Ehlingstr./Lülfstr.) 67 m ü. NHN
Fläche 10,142 km²
Einwohner 11.574 (30. Sep. 2015) (3/18)
Bevölkerungsdichte 1141 Einwohner/km²
Postleitzahl 45665
Quelle: [1][2][3]

Suderwich ist ein Stadtteil der Stadt Recklinghausen in Nordrhein-Westfalen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Alte Kirchplatz: früher Ortsmittelpunkt

Etwa um die Mitte des zweiten Jahrhunderts n. Chr. kamen Germanen, vielleicht zuerst die Sugambrer, in den Suderwicher Raum. Um 1066 tauchte in der Hebeliste des Essen-Werdener Klosters erstmals der Name Suderwick auf. Das bedeutete wohl Süddorf. Die Höfe waren bereits lehnspflichtig geworden. Das gilt auch für die drei Schultenhöfe Önting, Dobbeling und Pepping. Suderwich gehörte zum Vest Recklinghausen, das dem Kölner Erzbischof unterstand. Für Suderwich war Recklinghausen der Sitz der Gerichtsbarkeit und Horneburg der Ort der Verwaltung. Man ernährte sich von Ackerbau und Viehzucht. Emscherbruch und Esselerloh lieferten Weideland und Holz. Ab 1457 gab es in der Suderwicher Markgenossenschaft 70 Scharenberechtigte. Ab 1765 ging man daran, die gemeinsame Nutzung aufzulösen.

Der Kölnische-Spanisch-Niederländische, der Dreißigjährige und der Siebenjährige Krieg brachte den Bauern jeweils Einquartierungen, Kontributionen, Plünderung und Brandschatzung. In den Folgejahren wurde die wirtschaftliche Entwicklung durch häufig wechselnde Herrschaftsverhältnisse beeinträchtigt: nach der Kurkölnischen Zeit folgte das Herzogtum Arenberg, sodann für kurze Zeit das Großherzogtum Berg bis schließlich 1814 Preußen das Vest übernahm.

Ab 1860 machte sich die beginnende Industrielle Revolution im Dorf zunächst durch den florierenden Schweinehandel bemerkbar, seit der Jahrhundertwende weiteten sich die Aktivitäten der Montanindustrie auf das Gemeindegebiet aus. In diesem Zusammenhang folgte die Entwicklung zum Wohnvorort von Recklinghausen. Am 1. April 1926 wurde die Landgemeinde gegen teilweise bis heute anhaltendes Widerstreben in die Stadt Recklinghausen eingegliedert.[4] Die Idee der Ruhrfestspiele wurde fortgeführt, die Entfaltung des Schulwesens wurde durch die Eingemeindung begünstigt; ebenso wurde eine Großsporthalle errichtet.

1909 wurde der lokale Sportverein SG Suderwich gegründet.

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um 1250 wurde eine dem Johannes dem Täufer geweihte Holzkapelle gebaut. Mutterkirche war St. Peter in Recklinghausen. Nachdem diese Kapelle 1441 abbrannte, errichtete man eine Kirche von Stein in romanischem Stil. Die Namen der amtierenden Geistlichen sind bis zum Jahr 1510 nachweisbar. 1683 erwarb die Pfarrei das Beerdigungsrecht und wurde damit selbständig. Im Dreißigjährigen Krieg musste der Kirchturm erneuert werden und 1820 das Kirchenschiff. Nach dem Tode des Pfarrers 1877 blieb die Pfarrstelle acht Jahre unbesetzt. 1904 wurde die neugotische St. Johannes-Kirche erbaut.

1907 wurde für die zugezogenen Bergleute evangelischer Konfession ein so genannter „Betsaal“ in der Henrichenburger Straße errichtet. Der Pfarrer dieser Gemeinde, Walter Zillessen, machte sich um die Erforschung der Lokalgeschichte verdient. Die 1954 eingeweihte katholische St.-Barbara-Kirche in Suderwich wurde im September 2011 aufgrund von Mitgliederschwund wieder abgerissen; die freigewordenen Flächen in Suderwich-Süd werden als Bauland vermarktet.

Bergbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der Abteufung der Zeche König-Ludwig IV/V im Jahr 1900 erreichte der Bergbau den Suderwicher Raum; damit vollzog sich ein tiefgreifender Strukturwandel vom bäuerlich geprägten Dorf zur Industrielandschaft. Der hohe Flächenbedarf des Bergbaus ermöglichte den Bauern lukrative Immobiliengeschäfte. Das Verhältnis zwischen Alteingesessenen und zugezogenen Koloniebewohnern war aufgrund der Unterschiede in Sprache, Sitte und Konfession über Jahrzehnte problematisch.

Im Zweiten Weltkrieg wurden zwei Zwangsarbeitslager eingerichtet. Der auf den Krieg folgende wirtschaftliche Aufschwung führte 1955 bei der fusionierten Bergbau AG Ewald-König Ludwig zu einer maximalen Förderleistung von 1.618.076 Tonnen bei einer Belegschaft von 7767 Mann.

Ende der 1950er Jahre zeigte sich, dass der Abbau der geologisch stark gestörten Lagerstätten von „König Ludwig“ unrentabel wurde: 1965 wurde trotz Protestaktionen der IGBE die Stilllegung der Zeche beschlossen. Diese erfolgte am 15. Juli 1965; die Kokerei wurde noch bis 1978 durch die Ruhrkohle AG weiter betrieben. Die Tagesanlagen wurden in der Folgezeit weitestgehend abgerissen.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Suderwich hatte um 1818 nur 652 Einwohner, um 1900 waren es 1488, aber im Jahre 1910 bereits 5.932 Einwohner; 1999 wurde der Höchststand mit rund 12.000 erreicht.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

SBB-Mehrsystemlok der Baureihe 482 in Recklinghausen-Suderwich

In Suderwich befindet sich der stillgelegte Bahnhof Recklinghausen-Suderwich an der Bahnstrecke Oberhausen-Osterfeld–Hamm. Heutzutage kann Suderwich durch den öffentlichen Nahverkehr nur noch über die Buslinien der Vestischen erreicht werden (Linien 213, 233 und 234).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistischer Vierteljahresbericht III 2015, Stadt Recklinghausen (PDF; 9,9 MB)
  2. Geodatenportal der Stadt Recklinghausen
  3. Topographisches Informationsmanagement, Bezirksregierung Köln, Abteilung GEObasis NRW (Hinweise)
  4. Stephanie Reekers: Die Gebietsentwicklung der Kreise und Gemeinden Westfalens 1817–1967. Aschendorff, Münster Westfalen 1977, ISBN 3-402-05875-8, S. 285.