Sugammadex

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Strukturformel
Strukturformel von Sugammadex (freie Säure)
Allgemeines
Freiname Sugammadex
Andere Namen
  • Cyclooctakis(1→4)-[6-S-(2-carboxyethyl)-6-thio-alpha-D-glucopyranosyl] (IUPAC)
  • Sugammadexum (Latein)
Summenformel C72H112O48S8
Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer
  • 343306-71-8
  • 343306-79-6 (Natriumsalz)
PubChem 6918584
Wikidata Q420857
Arzneistoffangaben
ATC-Code

V03AB35

Wirkstoffklasse

Muskelrelaxanz-Reversor

Eigenschaften
Molare Masse 2002,15 g·mol−1
Sicherheitshinweise
Bitte die Befreiung von der Kennzeichnungspflicht für Arzneimittel, Medizinprodukte, Kosmetika, Lebensmittel und Futtermittel beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [1]
keine Einstufung verfügbar
H- und P-Sätze H: siehe oben
P: siehe oben
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.

Sugammadex (Handelsname Bridion, Hersteller: MSD Sharp & Dohme) ist ein Arzneistoff zur Revertierung der neuromuskulären Blockade (Muskelerschlaffung) durch Muskelrelaxantien vom Aminosteroid-Typ, insbesondere Rocuronium, nach einer Allgemeinanästhesie (Narkose). Der Arzneistoff ist seit Ende Juli 2008 von der Europäischen Kommission zugelassen.

Aufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

3D-Modell des Moleküls

Sugammadex ist ein modifiziertes γ-Cyclodextrin mit einer hydrophilen Außen- und einer lipophilen Innenseite. Durch die Bindung von negativ geladenen Carboxylatgruppen entsteht eine sehr stabile Einschlussverbindung, was unter dem Schlagwort „Enkapsulierung“ vermarktet wird. Sugammadex besitzt eine hohe Affinität zu Rocuronium, wofür es entwickelt wurde, sowie eine geringere zu Vecuronium und Pancuronium. Nicht-Steroidale Muskelrelaxanzien (Benzylisochinoline wie Mivacurium oder Atracurium) sowie Suxamethonium können nicht durch Sugammadex gebunden werden.

Wirkmechanismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach intravenöser Gabe von Sugammadex wird das freie Muskelrelaxans „enkapsuliert“. Dadurch entsteht ein Konzentrationsgradient für das Relaxans von der neuromuskulären Endplatte in den Intravasalraum, so dass sekundär weiteres folgt und gebunden wird. Durch diesen Prozess wird die Wirkung des Muskelrelaxans beendet. Im Unterschied zu den bislang verfügbaren Muskelrelaxans-Antagonisten (Acetylcholinesterase-Inhibitoren wie Neostigmin) erfolgt damit die Wirkung nicht an der neuromuskulären Endplatte.

Im Gegensatz zu den bislang verfügbaren Präparaten vermag Sugammadex auch tiefe neuromuskuläre Blockaden unmittelbar nach Rocuronium-Gabe dosisabhängig innerhalb von zwei bis drei Minuten aufzuheben. Die Gefahr einer Recurarisierung (Wiedereinsetzen der Muskelerschlaffung) scheint nicht zu bestehen, jedenfalls wurde in klinischen Studien bei adäquater Sugammadex-Dosierung eine Recurarisierung nicht beobachtet.

Nebenwirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sugammadex hat sich in den Zulassungsstudien als relativ nebenwirkungsarm herausgestellt. Aufgrund des Wirkmechanismus hat Sugammadex nahezu keine cholinergen Nebenwirkungen, welche die zurzeit gebräuchlichen Acetylcholinesterase-Inhibitoren aufweisen (Bradykardie, Bronchokonstriktion, Speichelfluss). Nur in Einzelfällen wurden allergische Reaktionen (Urtikaria) beobachtet.

Die häufigste Nebenwirkung ist eine Geschmacksstörung (metallisch oder bitter), die bei mehr als 10 % der Patienten auftritt. Ob die in einigen Fällen der Anwendung beobachtete intraoperative Wachheit auf Sugammadex zurückzuführen ist, ist unklar.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Diese Substanz wurde in Bezug auf ihre Gefährlichkeit entweder noch nicht eingestuft oder eine verlässliche und zitierfähige Quelle hierzu wurde noch nicht gefunden.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • W. T. Nicholson, J. Sprung, C. J. Jankowski: Sugammadex: a novel agent for the reversal of neuromuscular blockade. In: Pharmacotherapy. 27(8), 2007 Aug, S. 1181–1188. PMID 17655516.
  • M. Naguib: Sugammadex: another milestone in clinical neuromuscular pharmacology. In: Anesth Analg. 104(3), 2007 Mar, S. 575–581. PMID 17312211.
  • A. Bom u. a.: A novel concept of reversing neuromuscular block: chemical encapsulation of rocuronium bromide by a cyclodextrin-based synthetic host. In: Angew Chem Int Ed Engl. 41(2), 2002 Jan 18, S. 266–270. PMID 12491405.
  • H. D. De Boer u. a.: Sugammadex, a new reversal agent for neuromuscular block induced by rocuronium in the anesthesized Rhesus monkey. In: Br J Anaesth. 96(4), 2006, S. 473–479. PMID 16464982.
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