Suliformes

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Suliformes
Weißbauchtölpel (Sula leucogaster)

Weißbauchtölpel (Sula leucogaster)

Systematik
Stamm: Chordatiere (Chordata)
Unterstamm: Wirbeltiere (Vertebrata)
Überklasse: Kiefermäuler (Gnathostomata)
Reihe: Landwirbeltiere (Tetrapoda)
Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Suliformes
Wissenschaftlicher Name
Suliformes
Sharpe, 1891

Die Suliformes sind eine Ordnung der Vögel, zu der die Tölpel (Sulidae), die Fregattvögel (Fregatidae), die Kormorane (Phalacrocoracidae) und die Schlangenhalsvögel (Anhingidae) zählen. Die verschiedenen Arten der Ordnung sind von der Subarktis über die Tropen bis in die Subantarktis als Brutvögel vertreten. Vier Arten sind auch in den deutschsprachigen Ländern anzutreffen: Der Kormoran überall an Süßgewässern in Deutschland, Österreich und der Schweiz, die Krähenscharbe an der Nordseeküste und bei Helgoland, die Zwergscharbe mit einer kleinen Brutkolonie in Österreich und der Basstölpel brütet auf Helgoland.

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinsam ist allen Familien der Suliformes der Bau der Füße, bei denen alle vier Zehen durch eine Schwimmhaut verbunden sind, einschließlich der nach vorne und innen gerichteten Hinterzehe. Ein weiteres allen Familien gemeinsames Merkmale ist das Fehlen eines Brutflecks und im Kehlbereich unbefiederte Haut, die einen mehr oder weniger großen Kehlsack bildet. Nasenlöcher sind geschlossen oder extrem verkümmert.[1] Das Laufbein (Tarsometatarsus) ist stark verkürzt und nur noch halb so lang wie der Carpometacarpus (Mittelhandknochen) oder noch kürzer (nicht bei den Kormoranen).[2]

Mit Ausnahme der Fregattvögel fangen alle Arten dieser Ordnung ihre Nahrung, die überwiegend aus Fischen besteht, unter Wasser. Fregattvögel fangen ihre Beute im Flug. Während bei Schlangenhalsvögeln und Kormoranen nur die Federn unterhalb des Deckgefieders wasserabweisend sind, ist dies bei den anderen Mitgliedern der Ordnung für das gesamte Gefieder gegeben.[1]

Fortpflanzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Typisch für die Vogelarten dieser Ordnung ist, dass sie große Nistkolonien gründen. Sie befinden sich häufig auf entlegenen Inseln und Klippen. Die meisten Arten bauen kompakte Nester, die von beiden Partner gebaut werden. Die Jungen sind beim Schlupf hilflos und werden von den Elternvögeln mit hochgewürgtem Futter ernährt.[1]

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zusammen mit den Tropikvögeln (Phaethontidae) und den Pelikanen (Pelecanidae) bildeten die vier Familien bis vor einigen Jahren die Ordnung der Ruderfüßer (Pelecaniformes). Diese Ordnung erwies sich jedoch als nicht monophyletisch, d. h. sie enthielt nicht alle Untergruppen die von der jüngsten gemeinsamen Stammform abstammten.[2] Die Tropikvögel sind weder mit den Pelikanen noch mit den anderen Ruderfüßer nah verwandt, sondern die Schwestergruppe der Eurypygiformes.[3][4] Sie bilden jetzt eine eigenständige Ordnung, die Phaethontiformes.[5][6]

Die nächsten Verwandten der Pelikane sind dagegen der Schuhschnabel (Balaeniceps rex) und der Hammerkopf (Scopus umbretta), zwei Vögel, die im tropischen Afrika heimisch sind und in der traditionellen Systematik zu den Schreitvögeln (Ciconiiformes) gerechnet werden.[4][7] Schwestergruppe der von allen drei Taxa gebildeten Klade sind die Reiher (Ardeidae) und die Ibisse und Löffler (Threskiornithidae).[4][3] Schwestergruppe der von allen fünf Taxa gebildeten Klade sind die übrig gebliebenen Ruderfüßer. Um wieder zu monophyletischen Taxa zu kommen, ordnet das International Ornithological Committee alle Familien der Schreitvögel bis auf die Störche (Ciconiidae) den Pelecaniformes zu. Die übrig gebliebenen Ruderfüßer werden in die Ordnung Suliformes gestellt, die schon im Jahr 1891 durch den englischen Ornithologen Richard Bowdler Sharpe eingeführt wurde aber in späteren Vogelsystematiken nicht mehr verwendet wurde.[6][5]

Die wahrscheinlichen verwandtschaftlichen Verhältnisse gibt folgendes Kladogramm wieder.[4]


 Ciconiiformes  

 Störche (Ciconiidae)


   
  Suliformes  

 Fregattvögel (Fregatidae)


   

 Tölpel (Sulidae)


   

 Schlangenhalsvögel (Anhingidae)


   

 Kormorane (Phalacrocoracidae)





  Pelecaniformes  


 Reiher (Ardeidae)


   

 Ibisse und Löffler (Threskiornithidae)



   

 Hammerkopf (Scopus)


   

 Pelikane (Pelecanus)


   

 Schuhschnabel (Balaeniceps)







Vorlage:Klade/Wartung/Style

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c J. Bryan Nelson: Pelicans, Cormorants and their relatives. Oxford University Press, 2005, ISBN 0-19-857727-3.
  2. a b Mayr, Gerald (2008): Avian higher-level phylogeny: well-supported clades and what we can learn from a phylogenetic analysis of 2954 morphological characters (PDF). J. Zool. Syst. Evol. Res. 46 (1): 63–72. doi:10.1111/j.1439-0469.2007.00433.x
  3. a b Jarvis et al. (2014): Whole-genome analyses resolve early branches in the tree of life of modern birds. Science 1320 (2014); 346 DOI: 10.1126/science.1253451
  4. a b c d Richard O. Prum et al.: A comprehensive phylogeny of birds (Aves) using targeted next-generation DNA sequencing. Nature, October 7, 2015; doi: 10.1038/nature15697
  5. a b WorldBirdNames.org Orders of Birds
  6. a b AOU Committee on Classification and Nomenclature (North & Middle America) Proposals 2008-C (PDF; 109 kB)
  7. Hackett et al.: A Phylogenomic Study of Birds Reveals Their Evolutionary History. Science 27 June 2008: Vol. 320. no. 5884, pp. 1763–1768 doi:10.1126/science.1157704