Sulzbürg

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Sulzbürg
Gemeinde Mühlhausen
Koordinaten: 49° 10′ 46″ N, 11° 24′ 43″ O
Höhe: 567 m ü. NHN
Einwohner: 506 (1987)
Eingemeindung: 1. Januar 1976
Postleitzahl: 92360
Vorwahl: 09185
Sulzbürg
Sulzbürg

Sulzbürg ist ein Ortsteil der Gemeinde Mühlhausen im Oberpfälzer Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sulzbürg liegt auf einem der Zeugenberge, die sich aus dem Neumarkter Becken erheben, nordwestlich des Gemeindesitzes; das „Sulzbürger Massiv“ wird von den vier Kuppen Schlossberg, Badberg (mit Kriegerdenkmal), Galgenberg und Schlüpfelberg (mit Gedenkkreuz an das „Klösterlein Grab“) gebildet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In unmittelbarer Umgebung wurden Grabhügelfunde der Bronzezeit gemacht und eine Ringwallanlage der keltischen Kulturepoche festgestellt.[1]

Geschichtlich fassbar wird Sulzbürg mit dem Auftreten der Reichsministerialen von Stein (erst 1382 = Hilpoltstein)[2] und von Wolfstein. Die obere Burg besaßen die Wolfsteiner; wie diese mit dem um 1120 erstmals urkundlich fassbaren Edelfreien Wolfsteinern zu Wolfstein bei Neumarkt in Verbindung standen, ist nicht geklärt. Das Geschlecht der Wolfsteiner zu Sulzbürg wird inzwischen auf Gottfried von Wettenhofen als Stammvater zurückgeführt.[3] Eine erste urkundliche Erwähnung der Sulzbürg-Wolfsteiner stammt von 1217, als sich Gottfried von Sulzbürg neben anderen Reichsministerialen am Hofe Kaiser Friedrichs II. zu Regensburg aufhielt.[4] 1242 gründete er das Kloster Seligenporten (seit 1248 dem Zisterzienserinnenorden inkorporiert), das bis zur Reformationszeit Grablege des Geschlechts blieb.[5] Reichsgutübertragungen erfolgten durch die Sulzbürg-Wolfsteiner nicht nur an dieses Zisterzienserinnenkloster, sondern auch an die Deutschordenskommende Nürnberg. Als der Reichsministeriale Heinrich von Stein der Ältere, gesessen zu Untersulzbürg, 1297 testamentarisch seine Söhne bedachte, erhielt Hypolt diese „Solzburg“.[6] Dem Geschlecht der Sulzbürg-Wolfsteiner gelang es, um ihre Burg Obersulzbürg, die sie seit 1353 als Reichslehen besaßen, die Landeshoheit auszubauen und zu festigen; 1403 waren die Sulzbürg-Wolfsteiner zudem durch Kauf (wieder) in den Besitz der Burg Niedersulzbürg gekommen, wo die Gundelfinger die Steiner beerbt hatten. Schon um 1530 kann man in den seit 1522/23 edelfreien Wolfsteinern Anhänger der Reformation sehen, wenn sie auch erst 1561 unter den aus Ebenried nach Sulzbürg gewechselten Pfarrer Johann Huß die Sulzbürger Schlosskirche St. Michael und die Marktkirche zur Hl. Dreifaltigkeit dem Luthertum zuführten.[7] Die kurfürstliche Gegenreformation von 1621 musste vor den Toren ihres Territoriums Halt machen – die Reichsgrafschaft (seit 1673) Sulzbürg wurde zur protestantischen Enklave in der katholischen Oberpfalz.[8] Mit Reichsgraf Christian Albrecht starb das Sulzbürg-Wolfsteiner Geschlecht am 27. April 1740 aus;[9] der Besitz fiel als Reichslehen zurück, und zwar einem kaiserlichen Zugeständnis entsprechend an den bayerischen Kurfürsten, der zu Sulzbürg (und zu Pyrbaum für die dortigen Wolfsteiner Besitzungen) eine Kabinettsherrschaft errichtete. Nach langjährigen Auseinandersetzungen kam der Kurfürst 1769 auch in den Besitz der weit gestreuten wolfsteinschen Allodgüter.[10] In Sulzbürg selber waren dies das Areal des nicht mehr bestehenden Schlosses Niedersulzbürg, das Schloss Obersulzbürg, das Kastnerhaus, das Amtskechtshaus, die Ziegelhütte, 65 Untertanen-Haushaltungen, das Gemeinde-Hirtenhaus, dazu 24 Judenhaushaltungen.[11]

Israelitischer Friedhof Sulzbürg

Am Ende des Alten Reiches, um 1800, bestand der Ort Sulzbürg aus einer evangelischen und einer katholischen Pfarrei mit jeweiliger Pfarrkirche, einer Synagoge, zwei Schulhäusern, dem Schloss, 67 Haushaltungen, dem Gemeindehirtenhaus und 24 Judenhaushaltungen. Hoch- und niedergerichtlich unterstanden alle Untertanen der Kabinettsherrschaft Sulzbürg. Die Juden, die sich hier seit dem 15. Jahrhundert ansiedeln konnten, hatten die Judenschutzgebühr an das Kastenamt Neumarkt zu entrichten. Bildeten sie 1840 mit 255 Einwohnern noch ein Viertel der Sulzbürger Bevölkerung, so minderte sich ihr Anteil durch Auswanderungswellen im 20. Jahrhundert. Als 1938 die Synagoge geschändet wurde, lebten nur noch 16 Juden in Sulzbürg, die bis 1942 ab transportiert wurden.[12]

Im neuen Königreich Bayern (1806) wurde ein weit verzweigter Steuerdistrikt Sulzbürg gebildet, der mit dem Gemeindeedikt von 1818 zu einer Marktgemeinde mit dem Ort Sulzbürg allein umgeformt wurde.[13] Dabei blieb es bis zur Gebietsreform in Bayern, in deren Folge der Markt Sulzbürg am 1. Januar 1976 in die Gemeinde Mühlhausen eingemeindet wurde. Seitdem ist Sulzbürg einer von 24 amtlich benannten Gemeindeteilen Mühlhausens.

Einwohnerzahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1840: 1142 (187 Häuser, 4 Kirchen einschließlich Synagoge, ein Bergschloss, ein Gesundbad; 255 Juden)[14]
  • 1867: 768 (171 Gebäude, 1 Kirche, 1 Schule, 1 Schloss; 120 Katholiken, 243 Juden)[15]
  • 1875: 720 (224 Gebäude, 134 Wohngebäude; 201 Katholiken, 356 Protestanten, 163 Juden – mit Rabbinat; Großvieh: 29 Pferde, 202 Stück Rindvieh)[16]
  • 1900: 676 (145 Wohngebäude; 223 Katholiken, 339 Protestanten, 114 Juden – mit Rabbinat; Großvieh: 18 Pferde, 225 Stück Rindvieh)[17]
  • 1938: 535 (204 Katholiken, 319 Protestanten, 12 Sonstige)[18]
  • 1961: 656 (132 Wohngebäude)[19]
  • 1987: 506 (153 Wohngebäude, 197 Wohnungen)[20]
Marktkirche Hl. Dreifaltigkeit
Schlosskirche
Kath. Pfarrkirche

Evangelisch-lutherische Marktkirche Hl. Dreifaltigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die frühgotische Marktkirche wurde 1688 erneuert und 1719 mit dem Altar und der 1667 gefertigten Kanzel der abgebrochenen Schlosskirche ausgestattet. 1726 und 1736 erhielt der Turm mit seinem Pyramidendach Glocken von Herold in Nürnberg. Die Kirche zeigt mehrere Epitaphien des 17. und 18. Jahrhunderts.[21] In Sulzbürg wurde das erste evangelische Dekanat in Bayern errichtet (später nach Neumarkt verlegt).[22]

Evangelisch-lutherische Schlosskirche St. Michael[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sie steht auf dem ehemaligen Schlossterrain westlich über dem Markt Sulzbürg. Laut einem Inschriftenstein am Turm, der aber hier nicht ursprünglich ist, wurde sie 1466 erbaut. Circa 1540 wurde die Kirche evangelisches Gotteshaus, das 1609 renoviert wurde. 1719 wurde die Kirche abgebrochen und 1723 durch einen Neubau ersetzt, errichtet mit quadratischem Chor im Ostturm mit Kuppeldach und Laterne und einem Langhaus zu vier Jochen durch Ulrich Mösel aus Nürnberg. Die Stukkaturen schuf Donato Polli aus Nürnberg; sie haben sich noch unter der doppelten Westempore und in der Herrschaftsloge erhalten. Auch die Kanzel über dem Altar ist eine Stuckarbeit. Ein Inschriftenstein von 1609 bezieht sich nicht auf die Kirche, sondern auf den Bau eines Schlossflügels. Im Turm hingen Anfang des 20. Jahrhunderts drei Glocken (zwei aus dem 14. Jahrhundert, eine von 1723).[23]

Katholische Pfarrkirche zur Schmerzhaften Muttergottes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1750 berief der baierische Kurfürst die Kapuziner nach Sulzbürg, die sich der erneut ansiedelnden Katholiken annehmen sollten; 1751 wurde für die beiden Ordensleute eine Hospitium errichtet (später Pfarrhof). 1756 erfolgte der Bau der Kirche südlich der Schlosskirche auf der Bergkuppe durch den Kurfürsten als Ersatz für die bald zu klein gewordene Kapelle des Hospitiums. Die Pläne für den dreijochigen Saalbau lieferte der Münchener Hofunterbaumeister Johann Bauer. 1758 schuf Johann Michael Berg aus Nürnberg die Stukkaturen, schnitzte die Stuhlwangen und lieferte Bildhauerarbeiten für die Altäre, die der Allersberger Bildhauer Johannes Michael Schreyer vollendete. 1802 wurde das Kapuzinerkloster aufgehoben und mit der Dotation des Klosters ein Weltgeistlicher für die katholische Pfarrei Sulzbürg angestellt. Der Dachreiter der Kirche wurde 1877 durch einen Turm ersetzt.[24]

Burgstall Obersulzbürg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1353 wurde Albrecht von Wolfstein Besitzer des Reichslehens Obersulzbürg und baute bald darauf hier sein neues Schloss.[25] Spätere Teile des Schlosses wurden 1609 durch den Erbauer des Nürnberger Rathauses, Stadtbaumeister Jakob Wolf d. J., unter Hans Adam von Wolfstein zu Obersülzburg errichtet. 1634 in Brand geschossen, wurde es mit seinen fünf Türmen und der doppelten Ringmauer wiedererrichtet. Nach dem Aussterben der Sulzbürg-Wolfsteiner 1740 wurde das Schloss an der Nordwestecke der allseitig steil abfallenden Bergkuppe zunächst als kurbaiersche Beamtenwohnung genutzt. 1806 verkaufte Bayern das Schloss auf Abbruch an Privatleute, die es in der Tat vollständig abtrugen.[26][25]

Burgstall Niedersulzbürg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1403 erwarben die Sulzburg-Wolfsteiner die Burg aus Hohenfelser und Gundelfinger Besitz. An der Nordostecke des Bergplateaus gelegen, wurde die Burg 1590 abgebrochen und war schon im frühen 18. Jahrhundert zur Gänze abgetragen.[26][25]

Baudenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Sulzbürg gibt es neben den Kirchen zahlreiche Baudenkmäler.

Siehe Liste der Baudenkmäler in Mühlhausen (Oberpfalz)#Sulzbürg

Verkehrsanbindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsteil ist zu erreichen aus südlicher Richtung über eine Gemeindeverbindungsstraße von Körnersdorf her, aus nördlicher Richtung über eine Gemeindeverbindungsstraße von Rocksdorf her und aus nordöstlicher Richtung über eine Gemeindeverbindungsstraße von Hofen her.

Sulzbürg hatte einen Halt an der Bahnstrecke Greißelbach–Freystadt.

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Freiwillige Feuerwehr
  • Musikverein Mühlhausen-Sulzbürg e. V.
  • Sportverein-Deutsche Jugendkraft-Sulzbürg e. V.
  • Sportverein Mühlhausen-Sulzbürg e. V.
  • Museumsverein „Landlmuseum“ Sulzbürg e. V.
  • Obst- und Gartenbauverein Sulzbürg
  • Soldaten- und Kriegerkameradschaft Sulzbürg

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Franz Xaver Buchner: Das Bistum Eichstätt. Band I und II, Eichstätt 1937 und 1938
  • Bernhard Heinloth: Historischer Atlas von Bayern. Teil Altbayern, Heft 16: Neumarkt, München: Kommission für Bayrische Landesgeschichte, 1967
  • Friedrich Hermann Hofmann und Felix Mader (Bearb.): Die Kunstdenkmäler von Oberpfalz & Regensburg, Heft XVII, Stadt und Bezirksamt Neumarkt, München: R. Oldenbourg, 1909

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Sulzbürg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Heinloth, S. 6
  2. Eckard Lullies: Die ältesten Lehnbücher des Hochstifts Eichstätt, Ansbach 2012, Nr. 27, Anm.
  3. Heinloth, S. 74
  4. Heinloth, S. 78; Sammelblatt des Historischen Vereins Eichstätt, 92/93 (1999/2009), S. 364
  5. F. X. Buchner: Regesten des Klosters Seligenporten. In: Neumarkt in der Oberpfalz, 3. Jahresbericht für 1906, S. 48
  6. Heinloth, S. 73
  7. Sammelblatt, S. 366
  8. Heinloth, S. 103
  9. Heinloth, S. 105
  10. Heinloth, S. 88
  11. Heinloth, S. 106
  12. Heinloth, S. 282; Bernhard Eder: Unbekanntes Mittelbayern. Entdeckungsreisen zu verborgenen Schätzen, München 2011, S. 86
  13. Heinloth, S. 329
  14. M. Siebert: Das Königreich Bayern topographisch-statistisch in lexicographischer und tabellarischer Form dargestellt, München: Verlag Georg Franz, 1840, S. 236; die Zahl von 1142 Einwohnern wird zu hoch gegriffen sein. Offizielle Zählungen in Bayern gibt es allerdings erst seit 1875.
  15. Joseph Heyberger: Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern nebst alphabetischem Ortslexikon, München 1867, Sp. 711
  16. Kgl. Statistisches Bureau in München (Bearb.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern… nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Decbr. 1875, München 1876, Sp. 886
  17. Kgl. Statistisches Bureau in München (Bearb.): Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern… [nach dem Ergebnis der Volkszählung vom 1. Dez. 1900], München 1904, Sp. 869
  18. Buchner II, S. 571
  19. Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961, München 1964, Spalte 553
  20. Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987, München 1991, S. 259
  21. Sammelblatt 92, S. 375; Hofmann/Mader. S. 276 f.
  22. August Sieghardt: Oberpfalz, 3. Auflage, Nürnberg o. J., S. 169
  23. Buchner II, S. 567 f.; Hofmann/Mader, S. 277, 279
  24. Buchner II. S. 568, 570; Sammelblatt des Historischen Vereins Eichstätt, 61 (1965/66),S. 53; Hofmann/Mader, S. 279 f.
  25. a b c Sieghardt, S. 170
  26. a b Hofmann/Mader, S. 280