Superiores Gut

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Als superiores Gut bezeichnet man in der Volkswirtschaftslehre und dort speziell in der Mikroökonomik bisweilen eine Klasse von Gütern, deren Nachfrage sich bei steigendem Einkommen überproportional zum Einkommensanstieg erhöht.

Einordnung und Definition[Bearbeiten]

In der Regel unterscheidet man bei der Untersuchung der Frage, wie sich eine Einkommenssteigerung auf die Güternachfrage auswirkt, nur zwischen normalen Gütern – Güter, deren Nachfrage im Einkommen (absolut) steigt – und inferioren Gütern – Güter, deren Nachfrage im Einkommen (absolut) sinkt.[1] Ein Teil der Literatur gebraucht jedoch eine teils im Widerspruch hierzu stehende, teils feinere Unterscheidung, die in seinen verschiedenen Varianten im Artikel Inferiores Gut#Abweichende Definitionen überblickartig dargestellt ist. Insbesondere findet dort regelmäßig der Begriff des superioren Gutes Eingang; dieses wird in der Regel folgendermaßen definiert:

Definition[2]: Man bezeichnet ein Gut als superior, wenn seine Nachfrage mit steigendem Einkommen überproportional zunimmt, das heißt, wenn sich sein Anteil an den Gesamtausgaben infolge der Einkommenssteigerung erhöht.

Eigenschaften[Bearbeiten]

Unter Hinzunahme der Definition der Einkommenselastizität[3] ist ein Gut genau dann superior, wenn die Einkommenselastizität größer als 1 ist.

Beispiel[Bearbeiten]

Bei einem Einkommen von 2.000 Euro wird im Monat für 30 Euro Champagner getrunken. Nachdem das Einkommen auf 4.000 Euro gestiegen ist, wird mehr und höherwertiger Champagner für 120 Euro konsumiert. Das Einkommen ist also um 100 Prozent gewachsen, die Ausgaben für Champagner sind aber sogar um 300 Prozent gestiegen. Champagner ist in diesem Beispiel daher ein superiores Gut, da der prozentuale Anstieg der Ausgaben für Champagner größer ist als der prozentuale Anstieg des Einkommens.

Anwendungen[Bearbeiten]

Superiore Güter werden als möglicher Erklärungsansatz für die im Wagnerschen Gesetz formulierte steigende Staatsquote diskutiert. Dabei wird staatlichen Gütern wie z.B. schulischer und universitärer Bildung, staatlichen/universitären Krankenhäusern, gesetzlicher Rente, polizeilicher und rechtlicher Sicherheit dieser Charakter zugesprochen, da deren Konsum durch die Bevölkerung über die Zeit überproportional zugenommen hat, was zu einem den prozentualen Anstieg des Bruttoinlansproduktes übersteigenden Anstieg der Staatsausgaben geführt haben soll. [4]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Michael Heine und Hansjörg Herr: Volkswirtschaftslehre. Paradigmenorientierte Einführung in die Mikro- und Makroökonomie. Oldenbourg, München 2013, ISBN 978-3-486-71523-1.
  • Johannes Natrop: Grundzüge der Angewandten Mikroökonomie. 2. Aufl. Oldenbourg, München 2012, ISBN 978-3-486-71315-2.
  • Jochen Schumann, Ulrich Meyer und Wolfgang Ströbele: Grundzüge der mikroökonomischen Theorie. 9. Aufl. Springer, Heidelberg u.a. 2011, ISBN 978-3-642-21225-3.
  • Susanne Wied-Nebbeling und Helmut Schott: Grundlagen der Mikroökonomik. Springer, Heidelberg u.a. 2007, ISBN 978-3-540-73868-8.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. hierfür insbesondere die weltweit gebräuchlichen Standardwerke Hal Varian: Intermediate Microeconomics. A Modern Approach. 8. Aufl. W. W. Norton, New York und London 2010, ISBN 978-0-393-93424-3, S. 143 ff.; Andreu Mas-Colell, Michael Whinston und Jerry Green: Microeconomic Theory. Oxford University Press, Oxford 1995, ISBN 0-195-07340-1, S. 25 sowie N. Gregory Mankiw und Mark P. Taylor: Grundzüge der Volkswirtschaftslehre. 4. Aufl. Übersetzt von Adolf Wagner und Marco Herrmann. Schäffer-Poeschel, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-7910-2787-6, S. 79 f.; ebenso auch, inter alia, Hal Varian: Microeconomic Analysis. W. W. Norton, New York und London 1992, ISBN 0-393-95735-7, S. 117; Geoffrey A. Jehle und Philip J. Reny: Advanced Microeconomic Theory. 3. Aufl. Financial Times/Prentice Hall, Harlow 2011, ISBN 978-0-273-73191-7, S. 56; Friedrich Breyer: Mikroökonomik. Eine Einführung. 5. Aufl. Springer, Heidelberg u.a. 2011, ISBN 978-3-642-22150-7, S. 143.
  2. Vgl. Heine/Herr 2013, S. 40; Natrop 2012, S. 80 ff.; Schumann/Meyer/Ströbele 2011, S. 65 f.; entgegen Wied-Nebbeling/Schott 2007, S. 48 f., die superiore Güter synonym zur gängigen Definition des normalen Gutes auffassen.
  3. Auch diese ist leider uneinheitlich. Gebräuchlicherweise ist sie durch \eta_{i}\equiv\frac{\partial x_{i}(\mathbf{p},y)}{\partial y}\frac{y}{x_{i}(\mathbf{p},y)} gegeben, vgl. der Artikel Einkommenselastizität.
  4. vgl. Wigger, Berthold: "Grundzüge der Finanzwissenschaft" Springer, Heidelberg 2006, ISBN 3-540-28169-X, insbesondere S. 9-11