Surat

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Surat
Surat (Indien)
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Staat: Indien
Bundesstaat: Gujarat
Distrikt: Surat
Subdistrikt: Surat City
Lage: 21° 12′ N, 72° 50′ OKoordinaten: 21° 12′ N, 72° 50′ O
Höhe: 10 m
Fläche: 335,8 km²
Einwohner: 4.501.610 (2011)[1]
Bevölkerungsdichte: 13.406 Einw./km²
Postleitzahl: 394000
Website: Surat
Stadtbild von Surat
Stadtbild von Surat

d1

Surat (Gujarati સુરત, Hindi सुरत) ist eine Stadt mit etwa 4,5 Millionen Einwohnern im Südosten des indischen Bundesstaats Gujarat.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Surat liegt am Golf von Khambhat nahe der Mündung des Tapti in einer Höhe von 7 bis 15 m ü. d. M.[2] Mumbai, die Hauptstadt des südlich anschließenden Bundesstaats Maharashtra, befindet sich etwa 280 km südlich; Vadodara (das ehemalige Baroda) liegt ca. 154 km nordöstlich. Das Klima in Surat ist meist schwülwarm; Niederschläge fallen hauptsächlich in den Monsunmonaten Juni bis September.[3]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Offizielle Bevölkerungsstatistiken werden erst seit 1991 geführt und regelmäßig veröffentlicht; für Surat gibt es jedoch auch älteres Zahlenmaterial.[4][5] Der starke Anstieg der städtischen Bevölkerungszahlen beruht im Wesentlichen auf der Zuwanderung von Familien aus dem Umland.

Jahr 1901 1931 1961 1991 2001 2011
Einwohner 119.306 98.936 288.026 1.498.817 2.702.234 4.501.610

Gut 85 % der Einwohner sind Hindus, gut 11,5 % sind Moslems und knapp 2,5 % sind Jains; Sikhs, Buddhisten und Christen bilden Splittergruppen. Einer männlichen Bevölkerung von ca. 2,5 Millionen stehen nur etwa 2 Millionen Frauen gegenüber, was einerseits in Nordindien wegen der hohen Abtreibungsrate von Mädchen nicht ungewöhnlich ist, andererseits aber auch mit dem Zustrom von männlichen Arbeitern aus den ländlichen Gebieten im Hinterland zusammenhängt.[6] Man spricht Gujarati und Hindi aber auch Englisch ist weitverbreitet.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Surat war eine wichtige Hafenstadt, doch der innerstädtische Hafen versandet zusehends und ist nach der Flussregulierung des Tapti unbrauchbar geworden; der neue Hafen Port of Magdalla liegt unmittelbar an der Küste. Dafür ist Surat eine überaus aktive Wirtschaftsmetropole geworden: Es ist ein Zentrum der Textil- und Teppichherstellung sowie Gold- und Silberfäden; ca. 92 % aller Schmuckdiamanten der Welt werden hier geschliffen.[7] Darüber hinaus ist Surat eine kulturelle Metropole mit Universität, Theater, Museen und Galerien.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1194 wurde der Ort von dem Heerführer Qutb-ud-Din Aibak, dem Begründer des Sultanats von Delhi, erobert. 1373 plünderten Truppen von Muhammad bin Tughluq, dem damaligen Sultan von Delhi, den Ort. Im Jahr 1512 nahmen die Portugiesen Surat ein, plünderten und brannten den Ort nieder. 1576 eroberte der Großmogul Akbar das seit 1407 existierende Sultanat von Gujarat, und damit wurde Surat zu einer wichtigen Hafenstadt des Mogulreiches. Die Europäer, die die Stadt im 17. Jahrhundert besuchten, zeichneten ein multiethnisches und multireligiöses Bild der Handelsstadt (z. B. Jürgen Andersen, Jean-Baptiste Tavernier, Thomas Roe, Johann Albrecht von Mandelslo), waren aber auch beeindruckt von der Verwaltung und dem Militärsystem des Mogulreiches. Nachdem englische Schiffe im November 1612 die Portugiesen in der Seeschlacht von Suvali (nördlich von Surat) besiegt und deren maritime Dominanz gebrochen hatten, gründete die East India Company ihre erste Handelsniederlassung Indiens in dem Ort. Im Jahr 1664 wurde Surat vom Marathenführer Shivaji erobert und geplündert. Bis zum Jahre 1687 hatte die East India Company ihren Hauptsitz in Surat, danach verlagerte sie ihren Schwerpunkt nach Bombay. Von 1667 bis 1759 gab es in Surat auch eine Handelsniederlassung der Französischen Ostindienkompanie.

Ab dem 16. Jahrhundert nahm der Seehafen von Surat eine führende Stellung als Umschlagplatz für Güter in Indien ein. Im Jahr 1616 gründeten auch die Holländer eine Handelsstation in Suratte. Erst im 19. Jahrhundert übernahm die südlich von Surat gelegene Stadt Bombay wegen der dort vorhandenen moderneren Hafenanlagen einen Großteil der Handelsaktivitäten. Im Jahr 1860 wurde der Bahnhof in Surat eröffnet; durch den Anschluss an das Bahnnetz nahm die Entwicklung der Stadt einen enormen Aufschwung und die Einwohnerzahl wuchs erheblich.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Freitagsmoschee und zwei Kuppelgräber

Trotz seiner langen Geschichte hat Surat kaum historisch oder kulturell bedeutsame Sehenswürdigkeiten:

  • Das aufwendig gestaltete Grabmal des 1691 auf einem Schiff vor der Küste Indiens verstorbenen Holländers Henrik van Rheede befindet sich auf dem Dutch Cemetery.
  • Zwei Kuppelgräber (qubbas) aus dem frühen 19. Jahrhundert erinnern an muslimische Würdenträger.
  • Die Masjid e Moazzam mit ihren zwei Minaretten, die in ihrer Architektur an die Große Moschee von Kairouan erinnern, wurde im Jahr 1817 fertiggestellt; sie wurde jedoch im Jahr 1996 gründlich restauriert.
  • Der von außen eher unscheinbare, aber im Innern reich ausgestattete Chintamani Jain-Tempel wurde noch zu Lebzeiten des Großmoguls Aurangzeb auf dem Westufer des Tapi errichtet.
  • Der ISKCON-Tempel entstand in den 1980er Jahren etwa 4,5  km nördlich.
  • Das Jagdishchandra Bose Aquarium ist eines der modernsten Aquarien Indiens bzw. ganz Asiens.
  • Das 1998 eröffnete Sardar Patel Museum zeigt Exponate aus der Geschichte Gujarats und benachbarter Regionen.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Pestepidemie ereignete sich von August bis Oktober 1994 in Surat. Die WHO zählte 6.344 vermutete, 234 erwiesene Pestfälle und 56 Tote. Der dort festgestellte Pesterreger wies dabei bislang noch nicht beobachtete Eigenschaften auf, denn er zeichnete sich durch eine schwache Virulenz aus und gilt aufgrund einiger molekularbiologischer Besonderheiten als neuartiger Erregerstamm.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ashin Das Gupta: The World of the Indian Ocean Merchant. 1500-1800. Collected Essays of Ashin Das Gupta, compiled by Uma Das Gupta. With an introduction by Sanjay Subrahmanyam. Oxford 2001.
  • Murari Kumar Jha: The Mughals, Merchants and the European Companies in the 17th century Surat. In: Asia Europe Journal 3, 2005, S. 269–283.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Surat – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Surat – Census 2011
  2. Surat – Karte mit Höhenangaben
  3. Surat – Klimatabellen
  4. Surat – City Population 1901–2011
  5. Surat – City Population 1991–2011
  6. Surat – Census 2011
  7. Surat – Diamantenmetropole