Sursee–Triengen-Bahn

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Sursee–Triengen-Bahn
Dampfzug der ST unterwegs am 7. Mai 1988
Dampfzug der ST unterwegs am 7. Mai 1988
Streckenlänge: 8,9 km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Maximale Neigung: 15 
Minimaler Radius: 250 m
Strecke – geradeaus
Hauptlinie von Luzern
Bahnhof, Station
0,0 Sursee
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach links
Hauptlinie nach ZofingenOlten
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach links
0,7 Abzweig des Industriegeleis Münchrüti
Bahnhof, Station
3,75 Geuensee
Bahnhof, Station
5,77 Büron-Bad Knutwil
Kopfbahnhof – Streckenende
8,81 Triengen-Winikon

Die Sursee–Triengen-Bahn (ST) ist eine normalspurige Eisenbahn im Kanton Luzern in der Schweiz. Sie zweigt in Sursee von der SBB-Hauptstrecke Olten–Luzern ab und führt im Surental 8,81 km abwärts über Geuensee und Büron bis Triengen, wo sich Depot und Werkstätte befinden.

Geschichte[Bearbeiten]

Bestrebungen, das Surental mit einer durchgehenden Schienenverbindung zu erschliessen, reichen bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts zurück. Die Gemeinden des Tals setzten sich bei der Schweizerischen Centralbahn (SCB) dafür ein, dass ihre Nord-Süd-Hauptachse von Liestal durch einen Schafmatt-Tunnel nach Aarau und weiter über Sursee nach Luzern führen solle. Die SCB entschied sich jedoch für den Bau der Strecke durch den Hauensteintunnel und über Olten. Ein weiteres Projekt einer durchgehenden Surentalbahn gab es 1872; es war aber an die Schweizerische Nationalbahn gekoppelt und fiel bei deren Konkurs dahin.

1899 erhielt ein Aargauer Komitee die Konzession für den Bau einer Schmalspurbahn von Aarau nach Schöftland. Sechs Jahre zuvor hatte ein Luzerner Komitee ebenfalls eine Konzession erhalten, jedoch für eine Normalspurbahn. Die zwei konkurrierenden Komitees strebten danach, vor ihren Gegenspielern die benötigten Geldmittel aufzutreiben. Die Aargauer waren schneller und eröffneten am 19. November 1901 die Aarau-Schöftland-Bahn (AS, heute Teil der Wynental- und Suhrentalbahn).

Gegen die Verlängerung der AS über Schöftland hinaus regte sich im Luzerner Surental Widerstand. Insbesondere die Gemeinde Triengen vertrat die Meinung, dass eine Schmalspurbahn kapazitätsmässig nicht genüge. Die Luzerner hielten unbeirrt an einer Normalspurbahn fest, das Post- und Eisenbahndepartement konnte keine Einigung zwischen den verhärteten Fronten erzielen. Schliesslich wurde am 23. November 1912 nach kurzer Bauzeit die Sursee–Triengen-Bahn (ST) eröffnet. Zwischen Schöftland und Triengen bestand nun eine elf Kilometer lange Lücke. An eine Verknüpfung beider Strecken war nicht zu denken, denn sie unterschieden sich nicht nur in der Spurweite, sondern auch in der Art der Traktion – die ST ist bis heute nie elektrifiziert worden und stellt damit in der Schweiz ein Kuriosum dar.

Ab 1924 verkehrten Postautos zwischen Schöftland und Triengen. Von 1905 bis 1945 wurden insgesamt 29 Gutachten über einen Lückenschluss erstellt, von denen keines Projektreife erlangte. 1953 erschien eine Grundlagenstudie, die von den Aargauer und Luzerner Gemeinden gemeinsam in Auftrag gegeben worden war und somit realistische Chancen auf Verwirklichung hatte. Geplant waren die Verlängerung der AS nach Triengen und die Umspurung der ST auf Schmalspur. Das Eidgenössische Amt für Verkehr (EAV) lehnte aber 1956 eine finanzielle Beteiligung ab und zog eindeutig eine Busverbindung Schöftland–Sursee vor. In der Folge kam es zu Protestkundgebungen, wovon sich das EAV zunächst unbeeindruckt zeigte. Daraufhin reichten die Kantone Aargau und Luzern ein Konzessionsgesuch ein. Als eine weitere Kundgebung in Triengen mit 10'000 Teilnehmern für zusätzlichen politischen Druck sorgte, lenkte das EAV ein. Im März 1963 stellte der Bundesrat dem Parlament den Antrag, der Konzession zuzustimmen, was dieses im September desselben Jahres auch tat.

Als es an die Detailplanung ging, zeigte sich rasch, dass mit weitaus höheren Kosten zu rechnen war. Anstatt der budgetierten 15 Millionen Franken waren nun 40 Millionen notwendig. Daraufhin begann die Unterstützung für das Projekt allmählich zu schwinden. Mit dem Amtsantritt von Bundesrat Roger Bonvin im Jahr 1968, der auch für das EAV zuständig war, schlug die Stimmung komplett um und die Bundesbehörden strebten nun energisch einen Busbetrieb an. Dieser wurde am 26. September 1971 zunächst provisorisch zwischen Schöftland und Sursee aufgenommen und nach einer dreijährigen Testphase definitiv eingeführt.

Die Eisenbahnstrecke Sursee–Triengen wird heute von SBB Cargo für den regionalen Güterverkehr genutzt. Außerdem bietet die ST nostalgische Dampffahrten an. Im Mai 2009 veröffentlichte die ETH Zürich eine von der ST in Auftrag gegebene Studie zur Wiedereinführung des Personenverkehrs.[1] Die Gemeinde Triengen steht diesem Vorhaben ablehnend gegenüber, da die Siedlungen durch die Buslinie besser erschlossen sind und die Gemeinde sich zudem an einem allfälligen Defizit des Betriebes beteiligen müsste.[2]

Rollmaterial[Bearbeiten]

Dampflokomotiven
  • E 3/3 5 (1907, ex SBB 8479)
  • E 3/3 8522 (1913, ex SBB 8522)
Diesellokomotive
weitere Fahrzeuge mit Antrieb
  • "Louise" (Baujahr unbekannt, Eigenbau ST)
  • Dm 3652 (1947, ex SBB, Privatfahrzeug)
Personen- und Gepäckwagen
  • B3 3 und 4 (1905/06, ex SBB C3)
  • D3 54 (1908, ex SBB F3)
  • SRi 43 und 44 (1948/46, ex BLS ABi4/Bi4)
  • WR3 34 (1965. ex SBB Rottenwagen 40 85 96-32 506)
  • SRC2 36521 (2008, Privatfahrzeug, Eigenbau TEAM 3652)
Güterwagen
  • S 702 (1920, ex SBB-M)
  • X 455 (1971, ex SBB-Hbis, dient als Materialwagen)
  • K2 (1916, ex Nestlé, Privatfahrzeug)

Der Postwagen Z3i 424, welcher eine Zeit lang in Triengen und Geuensee abgestellt war, wurde Ende 2010 an "Swisstrain" weitergegeben.

Literatur[Bearbeiten]

  •  André Kirchhofer: Kundgebungen, Konzessionen, Kostendruck – Eisenbahnprojekte im Suhrental zwischen 1850 und 1975. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 119, hier+jetzt, Verlag für Kultur und Geschichte, Baden 2007, S. 146–168. Digitalisat auf retro.seals.ch
  •  Daniel Zumbühl: 75 Jahre Sursee–Triengen-Bahn − offizielle Festschrift. Ernst B. Leutwiler Verlag, Zürich 1987.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Weidmann Ulrich, Rieder Markus, Patrick Frank, Silko Höppner (2009):Wiedereinführung des Personenverkehr auf der Sursee–Triengen-Bahn und einer allfälligen Verlängerung Vorstudie, Institut für Verkehrsplanung und Transportsysteme (IVT), ETH Zürich, Zürich (pdf, 3.87 MB)
  2. Gemeinde Tringen, 27. April 2009: Aus dem Gemeinderat abgerufen am 12. Juli 2009 von Triengen Online in der Rubrik Neuigkeiten.