SORMAS

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SORMAS

SORMAS Software-Logo
SORMAS Startseite Überwachungsübersicht.jpg
SORMAS Startseite
Basisdaten

Maintainer Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung
Entwickler Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung
Erscheinungsjahr 2014
Aktuelle Version 1.57.2[1]
(9. März 2021)
Aktuelle Vorabversion 1.53.0 RC
(2020-12-18)
Betriebssystem Server: Linux und Microsoft Windows, Client: Webbrowser und Android
Programmiersprache Java
Lizenz GNU General Public License, Version 3[2]
deutschsprachig ja
https://sormasorg.helmholtz-hzi.de/

SORMAS (Surveillance, Outbreak Response Management and Analysis System) ist eine vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) und Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) entwickelte E-Health-Software zum Management für Maßnahmen zur Epidemiebekämpfung. Sie basiert auf separaten Web- und mobilen Apps.

Die Version SORMAS-ÖGD ist eine um ein COVID-19-Modul erweiterte, spezialisierte Version für den Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) in Deutschland zum Kontaktpersonenmanagement im Rahmen der SARS-CoV-2-Pandemie. Sie unterstützt die Gesundheitsämter bei der Identifizierung und Überwachung von Kontaktpersonen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einsatz in Nigeria und Ghana[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Software wurde ursprünglich 2014 im Zuge eines Ebola-Ausbruchs in Westafrika entwickelt, um alle relevanten Daten und Beteiligten einer Epidemie miteinander zu vernetzen, neben Fallzahlen, Kontakten und Symptomen auch Laborpersonal, Ärzte und Epidemiologen.[3][4] Die Prototyp-Entwicklung wurde vom BMBF über das DZIF gefördert und vom Hasso-Plattner-Institut[5] und SAP unterstützt. Nach einer Pilotphase in Nigeria wurden mit SORMAS weitere Daten zu Cholera, Masern und Geflügelpest erhoben sowie eine Simulation eines Ebola-Ausbruchs durchgeführt. 2016 wurde SORMAS in eine Open-Source-Anwendung überführt. 2019 kamen als weitere Förderer unter anderem die Bill & Melinda Gates Foundation sowie die CDC hinzu.[6]

Vor Beginn der COVID-19-Pandemie wurde die Software in Nigeria und Ghana eingesetzt.[7]

Einsatz gegen COVID-19[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2020 führten Frankreich, Schweiz[8], Ghana und Fidschi SORMAS zur Bewältigung der Corona-Krise ein.[7][9]

Die Version SORMAS-ÖGD ist eine um ein COVID-19-Modul erweiterte, spezialisierte Version für den Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) in Deutschland zum Kontaktpersonenmanagement im Rahmen der SARS-CoV-2-Pandemie. Sie unterstützt die Gesundheitsämter bei der Identifizierung und Überwachung von Kontaktpersonen. Durch die Förderung des Bundesgesundheitsministeriums steht die Software allen Gesundheitsämtern kostenlos zur Verfügung.[10] Das HZI bietet allen Gesundheitsämtern Unterstützung bei der Einführung und den notwendigen Schulungen an.[11] Die Hotline des HZI ist allerdings nur mit einer Person besetzt.[12] IT-Experten schätzen die Kosten einer effektiven, flächendeckenden Einführung mit allen notwendigen Unterstützungen, wie Beratung bei der Installation, Schulungen etc. auf ca. 8 Mio. Euro. Doch von Gesundheitsminister Jens Spahn wurde für einen effektiven Roll-Out kein Plan vorgelegt.[13] Der deutsche Landkreistag wehrt sich in einem Brief an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn gegen die Einführung der Software und spricht von "unnötigem Aufwand".[14] Kontaktverfolgung ist für die Anfang März 2021 beschlossenen Corona-Lockerungsschritte von entscheidender Bedeutung. In Nordrhein-Westfalen ist die aktive Nutzung von SORMAS ein Muss-Kriterium, um Modell-Region für Öffnungen zu werden.[15] Ohne flächendeckende SORMAS-Einführung kommen Corona-Infektionsmeldungen im Durchschnitt mit 4 Tagen Verzögerung beim RKI an.[16]

Im November 2020 legte die Ministerpräsidentenkonferenz das Ziel fest, SORMAS bis Mitte Januar 2021 in 90 % der 375 deutschen Gesundheitsämter zu installieren.[17] Dieses Ziel wurde jedoch nicht erreicht.[18] Laut dem Helmholtz-Zentrum hatten am 26. Februar 2021 lediglich 250 von 375 Gesundheitsämtern SORMAS installiert. Laut einer Umfrage des ARD Magazins Kontraste, war SORMAS Ende Februar 2021 lediglich bei 90 Gesundheitsämtern in Betrieb. Bei den übrigen Gesundheitsämtern wurde es noch nicht aktiv genutzt und befand sich im "Testbetrieb".[19] Als Pilot- und Best-Practice-Beispiele gelten die Gesundheitsämter in Rügen-Vorpommern und Reutlingen. Sie führten SORMAS als erste ein und erzielten nach eigenen Aussagen von Anfang März 2021 enorme Zeiteinsparungen bei der Datenerfassung und der Weitergabe an das RKI.[20] Noch Ende März bestanden größere Anwendungsprobleme, die erst mit dem Update vom 1. April 2021[21] behoben wurden. Ende März 2021 erklärte Bundesgesundheitsminister Spahn anlässlich der ersten Lesung des Gesetzentwurfs zur digitalen Modernisierung von Versorgung und Pflege: „Nach 70 Jahren Bundesrepublik setzen wir das Vernetzen der Gesundheitsämter gerade in diesen Wochen endlich final um“.[22] Im April 2021 kritisierte der Wissenschaftliche Beirat des Wirtschaftsministeriums „eklatante Rückstände“ bei der Digitalisierung der Gesundheitsämter. Daten würden allzu oft noch manuell geschrieben oder ausgedruckt und dann per Fax übermittelt und eingetippt.[23]

Funktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut einer Vergleichsstudie der Johns Hopkins University[24] enthält SORMAS Funktionen für:

SORMAS unterstützt die Terminplanung und To-do-Listen, enthält eingebaute Analysefunktionen mit Visualisierung von Übertragungsketten und bietet Schnittstellen zur Statistik-Programmiersprache R für Datenanalysen und -präsentation an.

Die Übertragung der Daten aus SORMAS sollte in Deutschland über eine Schnittstelle automatisch an die RKI-Software SurvNet erfolgen. SurvNet ist eine Entwicklung aus den 1990er Jahren und wird vom RKI ständig geändert. Dies erschwert die Programmierung einer funktionsfähigen Schnittstelle und führt dazu, dass die Daten von vielen Gesundheitsämtern weiterhin per Hand übertragen werden.[25]

Technologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

SORMAS basiert auf verschiedenen Open-Source-Anwendungen und -Daten, darunter:[6]

Krankheitsunterstützung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

SORMAS unterstützt spezifische Prozessmodelle für die folgenden Krankheiten:[26]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Deutsches Elektronisches Melde- und Informationssystem für den Infektionsschutz DEMIS

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Filme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Release 1.57.2. 9. März 2021 (abgerufen am 31. März 2021).
  2. github.com.
  3. Isabell Spilker: Kontaktpersonen digital und effizient nachverfolgen. Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung, 14. Dezember 2020, abgerufen am 25. Dezember 2020.
  4. History of SORMAS. Abgerufen am 25. Dezember 2020 (englisch).
  5. SORMAS – A Management Tool for Containing Infectious Disease Outbreaks. Hasso-Plattner-Institut, 13. November 2015, abgerufen am 29. Dezember 2020 (englisch).
  6. a b Gérard Krause: SORMAS – How it may contribute to EIOS. (PDF) Abgerufen am 25. Dezember 2020 (englisch).
  7. a b FAQ. In: sormas.org. Abgerufen am 18. April 2021 (englisch): „Several countries are using SORMAS to monitor diseases. Nigeria and Ghana implemented SORMAS before the corona-virus pandemic. Switzerland, France, Germany and Fiji implemented SORMAS during the pandemic and in Afghanistan, Nepal, Burkina Faso and Ivory Coast implementation is currently in preparation.“
  8. SORMAS in der Schweiz bald bundesweit im Einsatz. 23. September 2020, abgerufen am 28. Dezember 2020.
  9. FOCUS Online: Deutsche Software ist in Afrika eine Corona-Hilfe – bei uns wird sie noch wenig benutzt. In: FOCUS Online. 25. Januar 2021, abgerufen am 4. Februar 2021.
  10. Susanne Thiele: SORMAS entlastet Gesundheitsämter. 23. Dezember 2020, abgerufen am 26. Dezember 2020.
  11. Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft unterstützen die Gesundheitsämter bei der Einführung von SORMAS. Abgerufen am 2. März 2021 (deutsch).
  12. tagesschau.de: Corona: Massive Software-Probleme in Gesundheitsämtern. Abgerufen am 20. März 2021.
  13. tagesschau.de: Corona: Massive Software-Probleme in Gesundheitsämtern. Abgerufen am 20. März 2021.
  14. Deutscher Ärzteverlag GmbH, Redaktion Deutsches Ärzteblatt: Öffentlicher Gesundheitsdienst: Debatte um neue Software. 26. Februar 2021, abgerufen am 2. März 2021.
  15. Modellregionen für Öffnungen: Münsterland darf auf Café-Besuch hoffen. Abgerufen am 13. April 2021.
  16. Jakob Simmank: Corona-Maßnahmen: Zu wenig gelernt. In: Die Zeit. 4. März 2021, abgerufen am 6. März 2021.
  17. fst: Software »Sormas«: Gesundheitsämter verfolgen Corona-Kontakte unterschiedlich. In: Spektrum der Wissenschaft. 2. Februar 2021, abgerufen am 4. Februar 2021.
  18. Georg Ismar, Benjamin Reuter, Albert Funk, Julia Bernewasser, Michael Schmidt: Corona-Beschlüsse: Was dicht bleibt, wer öffnen darf – ein Überblick. In: tagesspiegel.de. 11. Februar 2021, abgerufen am 11. Februar 2021.
  19. tagesschau.de: Corona: Massive Software-Probleme in Gesundheitsämtern. Abgerufen am 20. März 2021.
  20. Vorpommern-Rügen: Landrat will Einzelhandel schnellstmöglich öffnen | Nordkurier.de. 1. März 2021, abgerufen am 7. März 2021.
  21. Software – SORMAS-ÖGD-COVID-19 – Kontaktpersonen-Management im ÖGD. Abgerufen am 13. April 2021.
  22. Spahn: „Potenziale der Digitalisierung besser nutzen“. In: bundesgesundheitsministerium.de. 26. März 2021, abgerufen am 18. April 2021.
  23. Martin Greive, Till Hoppe: Altmaier-Berater attestieren deutscher Verwaltung „archaische“ Zustände. In: handelsblatt.com. 13. April 2021, abgerufen am 18. April 2021.
  24. Digital Solutions for COVID-19 Response: An assessment of digital tools for rapid scale-up for case management and contact tracing. Johns Hopkins University, 30. Juli 2020, abgerufen am 29. Dezember 2020 (englisch).
  25. tagesschau.de: Corona: Massive Software-Probleme in Gesundheitsämtern. Abgerufen am 20. März 2021.
  26. About SORMAS – The real-time software for outbreak and epidemic surveillance. Abgerufen am 25. Dezember 2020 (englisch).