Susan Neiman

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Susan Neiman (2015)

Susan Neiman (* 27. März 1955 in Atlanta, Georgia) ist eine US-amerikanische Philosophin und Direktorin am Einstein Forum in Potsdam.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neiman wuchs in einer jüdischen Familie in Atlanta auf. Mit 14 Jahren verließ sie die Schule und lebte und arbeitete in Kommunen. Sie engagierte sich in der amerikanischen Anti-Vietnamkriegbewegung und studierte Philosophie in Harvard, wo sie Schülerin von John Rawls und Stanley Cavell war. Sie promovierte dort im Jahr 1986, danach folgte ein längerer Deutschlandaufenthalt an der Freien Universität Berlin.

Neiman war Professorin an der Yale University 1989–1996 und der Universität Tel Aviv 1996–2000 und ist heute Direktorin am Einstein Forum in Potsdam. Ihre Hauptarbeitsgebiete sind Moralphilosophie, politische Philosophie und Philosophiegeschichte. Sie ist Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.

Neiman war nach dem frühen Tod des ersten Mannes mit dem im Oktober 2016 verstorbenen Wiener Psychoanalytiker Felix de Mendelssohn verheiratet. Sie hat drei erwachsene Kinder aus erster Ehe und lebt in Berlin-Neukölln.

Lehre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In ihrem 2015 erschienenen Buch: Warum erwachsen werden? thematisiert Neiman die gegenwärtige, von ihr als infantilisiert beschriebene Gesellschaft und den materialistischen Wohlstand des Westens. Technische Geräte wie Autos, Computer und Smartphones verstärkten unsere Konsumhaltung und behinderten selbständiges Denken und eigenverantwortliches Handeln. Der westlichen Kultur fehle es heute an Basiswerten, mit Ausnahme von Kapitalismus und Konsum, was eine moralische Orientierung für junge Leute zunehmend erschwere und sie in die Arme von Fundamentalisten treibe. So wurden Marktfundamentalismus und religiöser Fundamentalismus nicht zufällig gleichzeitig zur führenden globalen Ideologie. Neiman empfiehlt dagegen Lesen von Klassikern, Lernen von Fremdsprachen und Reisen, das den Horizont weitet und bildet. Bei digitalem Medienkosum gelte es Grenzen zu setzen für Kinder, selber Maß zu halten und eigene Werte vorzuleben.[1][2]

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bücher

  • Slow Fire: Jewish Notes From Berlin, Schocken Books, New York, 1992
  • The Unity of Reason: Rereading Kant, Oxford University Press, New York, 1994
  • Zum Glück von Susan Neiman und Matthias Kroß, Oldenbourg Akademieverlag, 2004, ISBN 3-050-04057-2
  • Das Böse denken: Eine andere Geschichte der Philosophie, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main, 2004, ISBN 3-518-45753-5
  • Fremde sehen anders - Zur Lage der Bundesrepublik, Suhrkamp, Frankfurt am Main, 2005, ISBN 3-518-41735-5
  • Moralische Klarheit. Leitfaden für erwachsene Idealisten, Hamburger Edition, Hamburg, 2010, ISBN 978-3-86854-223-3
  • Warum erwachsen werden? Eine philosophische Ermutigung, Hanser, Berlin, 2015, ISBN 978-3-446-24776-5

Essays und Artikel

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • International Spinoza Prize, The Netherlands, 2014
  • Honorary Doctorate, University of Sankt Gallen, 2014
  • Tanner Lecturer, University of Michigan, 2010

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Susan Neiman – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Birgit Schmid: Werdet erwachsen! Alle Welt gebärdet sich kindisch, kritisiert die Philosophin Susan Neiman. Aber wie soll das aussehen: reifes Verhalten? Das Magazin N° 7, Tamedia, Zürich 14. Februar 2015
  2. Reto E. Wild: Leider laufen heute viele Leute halb tot durch die Gegend. Migros Magazin, Zürich 5. Oktober 2015, Seiten 24-29