Susanna im Bade

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Susanna im Bade von Lorenzo Lotto, 1517

Mit Susanna im Bade, auch Susanna und die (beiden) Ältesten, wird die biblische Erzählung von der Rettung der Susanna durch den Propheten Daniel bezeichnet. Die Geschichte ist unter der ersten Bezeichnung nicht nur in der bildenden Kunst, sondern auch in der Rechtswissenschaft und in der Kriminalliteratur bekannt.

Text[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der griechische Text liegt in zwei unterschiedlichen Fassungen vor. Der frühen Septuaginta-Fassung (SusLXX) und einer ca. 100 Jahre danach erstellten Neufassung, der sogenannten Theodotion-Fassung (SusTh). Aufgrund eines griechischen Wortspiels in den Versen 54–55 und 58–59 (altgriechisch σχίνον > σχῖνος Mastixbaum und σχίσει > σχίζω ‚spalten‘; πρίνον > πρῖνος ‚Steineiche‘ und καταπρίσει > -πρίζω; -πρίω ‚absägen‘) geht man davon aus, dass das Buch auch ursprünglich in Griechisch verfasst wurde.[1]

Die Erzählung in der Bibel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lovis Corinth: Susanna im Bade, 1890
Artemisia Gentileschi, Susanna und die Ältesten, 1610
Wassyl Rjabtschenko, Susanna und die Ältesten, 1989
Susanna im Bade von Anthonis van Dyck, 1626

Die Geschichte um Susanna ist in der aramäischen Fassung des Buches Daniel, das zum jüdischen Kanon heiliger Schriften gehört, noch nicht enthalten. Die Septuaginta bietet einen erweiterten griechischen Text, der unter anderem auch die Perikope von Susanna im Bade enthält. Ihr folgt die lateinische Vulgata und damit die römisch-katholische Bibeltradition. So ist Susanna im Bade auch Bestandteil des Danielbuchs in der deutschen Einheitsübersetzung. Während er in der griechischen Bibel am Anfang des Buches Daniel erscheint, steht er in der Vulgata, und damit auch in der deutschen Einheitsübersetzung, an dessen Ende. In evangelischen Bibelübersetzungen erscheint die Perikope in den Apokryphen des Alten Testaments (Stücke zum Buch Daniel).

Nach Dan 13,1–64 EU lebte in Babylon ein reicher Mann namens Jojakim, der mit einer schönen und frommen Frau namens Susanna verheiratet war. In seinem Haus verkehrten auch zwei hoch angesehene alte Richter, die sich dabei in Susanna verliebten. In der Bibel heißt es: Da regte sich in ihnen die Begierde nach ihr. Ihre Gedanken gerieten auf Abwege und ihre Augen gingen in die Irre. (Dan 13,9 EU)

Sie lauerten der Frau heimlich im Garten auf, als diese ein Bad nehmen wollte. Sie bedrängten sie und wollten sie zwingen, mit ihnen zu schlafen. Sie drohten, sie ansonsten zu beschuldigen, Ehebruch mit einem jungen Mann begangen zu haben. Doch Susanna blieb standhaft, weigerte sich und schrie. Die beiden Ältesten riefen ebenfalls lautstark, ließen Susanna verhaften und erklärten, sie beim Ehebruch überrascht zu haben. Daraufhin hielten sie öffentlich über Susanna Gericht und verurteilten sie zum Tode. Als das Urteil vollstreckt werden sollte, hatte Daniel eine Eingebung des Heiligen Geistes und stellte ein Verhör der beiden Zeugen an. Er fragte sie unabhängig voneinander, unter welchem Baum Susanna ihren Mann betrogen haben soll. Während der eine angab, sie habe es unter einer Zeder getan, sagte der andere, es sei eine Eiche gewesen. Da erkannten auch die jüdischen Autoritäten und das zuhörende Volk die beiden Lügner, und Susanna kam frei. Die beiden falschen Zeugen aber wurden getötet.

Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Abgesehen von ihrer religiösen Bedeutung gilt die Geschichte in der Entwicklung der Rechtsprechung als wegweisend, weil sie den auch heute noch wichtigen Grundsatz der unabhängigen Zeugenbefragung betont.

Daneben haben sich zahlreiche Vertreter der bildenden Kunst dieses Themas angenommen. Dabei spielte wohl auch eine Rolle, dass das Motiv als biblisches Thema einen legitimen Anlass zur Aktdarstellung bot. Aus einem anderen Blickwinkel betrachtet Artemisia Gentileschi das Thema: Sie verzichtet auf romantische Attribute und stellt Susanna und ihre prekäre Lage in den Mittelpunkt.

Zahlreiche Maler verschiedener Epochen haben sich des Themas „Susanna im Bade“ angenommen, unter anderem: Rembrandt, Peter Paul Rubens, Massimo Stanzione, Jacopo Tintoretto und zeitgenössisch Moran Haynal. Es sind über 1400 Werke u. a. im Bereich Skulpturen, Malerei, Photographie oder Druck bis heute zum Thema Susanna im Bade und unter anderen Werk-Benennungen bekannt.

Einige Komponisten haben das Motiv aufgegriffen: So zum Beispiel Orlando di Lasso in seinem berühmten Chanson Susanne un jour, Georg Friedrich Händel in dem Oratorium Susanna und Carlisle Floyd in der Oper Susannah.

Auch in der Literatur war Susanna ein beliebtes Motiv. So fand sie Eingang in die um 1331 entstandene Reimpaardichtung Daniel eines unbekannten Autors. 1577 wurde das Drama Susanna von Nicodemus Frischlin uraufgeführt. Paul Rebhun widmete ihr mit Ein Geistlich Spiel von der Gotfürchtigen und keuschen Frauen Susannen, ein Trauerspiel, welches erstmals 1536 gedruckt wurde. Vom böhmischen Lyriker Hugo Salus stammt ein Drama Susanna im Bade aus dem Jahr 1901.

Dem Soziologen Niklas Luhmann dient das Motiv als Beispiel für eine frühe Form der Perspektive, die Beobachtungs- und Nichtbeobachtungsverhältnisse abbildbar machte, dafür aber im Gegensatz zur Zentralperspektive ein Vorwissen des Betrachters um die abgebildete Situation voraussetzt.[2]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Susanna and the Elders – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dagegen Marshall (in Hastings: Dict. Bible. s.v.), der die Wortspiele aus einem aramäischen Text heraus erklärbar glaubt (zit. n. Crawford Howell Toy in der Jewish Encyclopedia unter Literatur).
  2. Niklas Luhmann: Die Kunst der Gesellschaft (= Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft. Band 1303). Suhrkamp, Frankfurt am Main 1997, ISBN 3-518-28903-9, S. 142.