Suspiria (2018)

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Filmdaten
OriginaltitelSuspiria
ProduktionslandItalien,
Vereinigte Staaten
OriginalspracheEnglisch
Erscheinungsjahr2018
Länge152 Minuten
AltersfreigabeFSK 16 [1]
Stab
RegieLuca Guadagnino
DrehbuchDavid Kajganich
ProduktionMarco Morabito,
Brad Fischer,
Luca Guadagnino,
David Kajganich,
Silvia Venturini Fendi,
Francesco Melzi d’Eril,
William Sherak,
Gabriele Moratti
MusikThom Yorke
KameraSayombhu Mukdeeprom
SchnittWalter Fasano
Besetzung

Suspiria (lateinisch für Seufzer) ist ein italienisch-US-amerikanischer Horrorfilm von Luca Guadagnino. Der Film ist eine Neuverfilmung von Dario ArgentosKultfilmSuspiria. Das Drehbuch, das auf Argentos und Daria Nicolodis Vorlage basiert, stammt von David Kajganich.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film spielt im geteilten Berlin der 1970er-Jahre während des Deutschen Herbstes. Die linke Terrorgruppe RAF hat Schleyer entführt und das Passagierflugzeug „Landshut“ wurde gekidnappt, um damit zu versuchen gefangene Terroristen freizupressen. Während dieser Unruhen sucht die Tänzerin Patricia den Dr. Josef Klemperer auf und erzählt ihm von den Geschehnissen an der Helena Markos Tanzakademie. Sie fühlt sich beobachtet und verunsichert. Dr. Klemperer glaubt ihr nicht. Zur gleichen Zeit macht sich in Ohio die junge Susie Bannion nach dem Tod ihrer Mutter, einer strenggläubigen Mennonitin, auf den Weg nach Berlin, um sich dort in der Tanzakademie einzuschreiben. Sie erweist sich als sehr talentiert und zieht bald die Aufmerksamkeit von Madame Blanc, Ballettmeisterin und Leiterin der Schule, auf sich.

Nach ihrem Einzug nimmt sie an den Proben teil. Olga, die Freundin der verschwundenen Patricia, erleidet dabei einen Zusammenbruch und beschimpft die Lehrerinnen und Madame Blanc als Heuchlerinnen. Madame Blanc fragt, wer die Hauptrolle im kommenden Stück „Volk“, das während der nationalsozialistischen Zeit entstanden ist, tanzen will, und Susie meldet sich zum Vortanzen. Beim Vortanzen bricht sie sich die Rippen, bricht schließlich wegen ihrer schweren Verletzungen zusammen, erhält aber die ersehnte Hauptrolle.

Klemperer merkt, dass Patricia vermisst wird, fühlt sich selbst bedroht und wird misstrauisch.

Der Abend der Premiere beginnt ohne Sara, welche einen Zugang zu einer Flucht von Kellergewölben entdeckt hat, wo sie eine lädierte Patricia vorfindet und auf eine Reihe von alten Frauen trifft, worunter sich auch Helena Markos, Leiterin der Akademie befindet. Sie ergreift die Flucht. Die Premiere ist in vollem Gange, als sie dann doch mitten im Stück auftaucht und ihre Rolle trotz des gebrochenen Beins perfekt tanzt. Susie merkt das, und anstatt die eingeübte Choreographie zu tanzen, improvisiert sie, was Sara aus der Trance befreit. Sara stürzt und schreit auf, die Vorführung wird abgebrochen. Das Publikum, darunter Klemperer, verlässt den Saal. Es soll in den nächsten Tagen ein neues Stück einstudiert werden, welches den erhofften Erfolg bringen soll.

Susie nimmt an einem Essen mit den Seniorinnen der Tanzakademie teil, während Klemperer auf einem Streifzug durch Ostberlin auf seine totgeglaubte Ehefrau Anke trifft. Sie erzählt ihm, dass sie der Verfolgung durch die Nazis entkommen konnte und nach dem Krieg ein neues Leben in Zürich begonnen hat. Sie passieren unbemerkt einen Grenzübergang nach Westberlin, gelangen zur Tanzakademie, wo Klemperer erkennt, dass er in eine Falle gelockt wurde, als Anke plötzlich verschwindet und die Hexen ihn schreiend ins Haus zerren.

Nach dem Essen kehrt Susie in die Akademie zurück und steigt dort eine Treppe hinauf, wo sie Madame Blanc und andere Seniorinnen der Akademie vorfindet. Auch Klemperer ist bei ihnen, der als Zeuge eines Rituals dienen soll. Madame Blanc stellt ihr eine grotesk deformierte Alte als Mutter Helena Markos vor. Man eröffnet ihr, dass sie als Neuling in die Hexengesellschaft aufgenommen werden und als neue Hülle für Mutter Markos dienen soll. Die Tanzelevinnen kommen hinzu. Es beginnt ein wildes Tanzritual, bei dem drei Tänzerinnen ausgeweidet werden. Madame Blanc versucht Mutter Markos zu überreden, das Ritual abzubrechen. Eine groteske Gestalt erscheint und tötet die falsche Mutter Markos mit einem Kuss.

Nach dem Vollzug des Rituals wird der sichtlich geschwächte Dr. Klemperer aus der Tanzschule geschickt. Am nächsten Tag geht der Unterricht gewohnt seinen Gang, und es scheint Ruhe einzukehren. Als Klemperer krank in seinem Bett liegt, taucht Susie bei ihm auf und klärt ihn über das wahre Schicksal seiner Frau auf. Sie wurde nach der Trennung von Klemperer nach Theresienstadt gebracht und umgebracht. Die letzte Einstellung zeigt das Gartenhaus Klemperers mit einem eingeritzten Herz und den Anfangsbuchstaben von Josef Klemperer und Anke Meier.

Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2007 erwarb die italienische Produktionsfirma First Sun zusammen mit Guadagnino von Dario Argento die Rechte für ein Remake von Suspiria.[2] Ursprünglich war Gordon Green als Regisseur vorgesehen, Isabelle Huppert sollte die Hauptrolle spielen, und Green erarbeitete eine neue Fassung des Drehbuchs. Dieses Projekt wurde 2013 endgültig aufgegeben.[3]

Bis es zur Realisierung des Films durch Guadagnino selbst kam, hat er zunächst drei Spielfilme gedreht. Guadagnino konnte daher in Suspiria mit einem eingespielten Team arbeiten. Abgesehen von Tilda Swinton und Fabrizia Sacchi, für die es jeweils der fünfte Film unter seiner Regie war, und Dakota Johnson hat er bereits mehrfach mit dem Editor Walter Fasano und dem thailändischen Kameramann Sayombhu Mukdeeprom gearbeitet, der auch hier mit 35-mm-Film und nicht mit Digitalkamera gefilmt hat.[4] Second Unit Director und Regieassistent war, wie auch in den drei vorhergehenden Filmen, Ferdinando Cito Filomarino. Für Giulia Piersanti, die für die Kostüme zuständig war, war es ebenfalls die dritte Zusammenarbeit mit Guadagnino. Jessica Harper, die hier eine Nebenrolle spielt, hatte in Argentos Film die Hauptrolle als Suzie Bannion. Für David Kajganich war es das zweite Drehbuch für Guadagnino.

Der vollständige Cast des Films ist weiblich. Der geheimnisumwitterte Lutz Ebersdorf/Dr. Jozef Klemperer, für den im Vorfeld des Film eigens eine – möglicherweise von der Biografie des Wiener Aktionisten Hermann Nitsch inspirierte[5] – Vita lanciert wurde, wird ebenfalls von Tilda Swinton gespielt, was Guadagnino und Swinton bis zur Veröffentlichung heftig bestritten haben.[6][7]

Die Musik des Films stammt von Thom Yorke, Sänger und Texter der Rockgruppe Radiohead, unter Mitwirkung des London Contemporary Orchestra unter Robert Ames, der im Film auch die Solo-Viola spielt. Thom Yorke wurde in Venedig für seinen Song A suspirium mit dem Sound Track Star Award ausgezeichnet. Auch für Robin Urdang, die für Call Me by Your Name mit einem Guild of Music Supervisors Award ausgezeichnet wurde, war es der dritte Film mit Guardagnino.[8] Die Tanzszenen wurden von dem renommierten belgischen Choreografen Damien Jalet einstudiert. Jalet hatte bereits ein Ballett „Les Médusés“ choreografiert, das auf Argentos Film beruht und das im Februar 2013 im Louvre aufgeführt worden war.[9][10]

Drehort für die Tanzakademie war das repräsentative, seit 1968 leerstehende Grand Hotel Campo dei Fiori in Varese[11]. Die Bausubstanz des 1908 von Giuseppe Sommaruga im Liberty-Stil erbauten Hotels befindet sich zwar in einem Zustand allgemeiner Vernachlässigung, ist aber, was Innenräume und Treppenhaus betrifft, weitgehend erhalten. Weitere Drehorte in Varese waren unterirdische Gewölbe unter den Giardini Estensi.[12][13] Die Dreharbeiten in Varese dauerten von Dezember 2016 bis Januar 2017 und wurden anschließend in Berlin fortgesetzt. Drehende in Berlin war der 10. März 2017.[14]

Das Budget des Films betrug 20 Millionen US-Dollar.[15]

Veröffentlichung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film feierte seine Premiere am 1. September 2018 auf dem Filmfestival von Venedig. Die Premiere in den USA fand als limited release am 28. Oktober 2018 in zwei Kinos in New York und in Los Angeles statt, wobei der Film $179.806 einspielte.[16] Deutschlandpremiere war am 31. Oktober (Halloween) zeitgleich in 40 deutschen Städten.[17]

Distribution: Amazon Studios.

Am 26. Oktober 2018 veröffentlichte XL Recordings das Album „Tom Thorke. Suspiria (Music for the Luca Guadagnino Film)“, (2 Disks).[18]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Guadagnino erhielt den Robert Altman Award bei den Independent Spirit Awards 2019.[19]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schlagzeile des Guardian bezeichnet den Film zwar als „ein grandioses Remake von Dario Argentos Meisterwerk“, Mark Kermode vergibt aber nur drei von fünf möglichen Sternen und meint, eine Schere hätte dem Film nicht geschadet, und zwar nicht wegen der Horrorszenen, sondern wegen der Längen. Alles in allem wirke der Film seltsam verdrießlich, von der Schwere einer eigenartig überzogenen Einschätzung der eigenen Bedeutung herabgezogen, wie ein Tänzer, der freiwillig – oder aus Unfähigkeit – nicht einfach in die Luft springt und fliegt.[20]

Beatrice Behn von Film-Zeit geht in ihrer ausführlichen Analyse auf die drei großen Themen in Guadagninos Film ein: politische Systeme, Frauenfiguren und deren – systemimmanente – Positionierung und Kunst, hier vor allem Tanz, als ästhetische Kunst, aber auch als Körperkino. Verbunden seien alle drei durch Macht. In der Tanzakademie, so ihre Interpretation, „treffen [...] zwei Machtsysteme aufeinander: die eindeutig maskulin verortete Macht des Nationalsozialismus und die eindeutig weiblich verortete Macht der Hexen. Sie stehen sich antagonistisch gegenüber.“ Analyse und Metaphern des Films könnten ganze Bücher füllen. „Guadagnino und sein Drehbuchautor David Kajganich haben hier nicht nur Themen, die dem Original schon auf subtile Weise inhärent sind, hervorgehoben, sondern sie füllen die mythologischen und dem Horrorgenre typischen Risse damit aus. Es ist eine kleinteilige Faltarbeit, die hier geleistet wurde, die eine wunderbare Mischung aus Hommage an das Original und gleichsam ihr ganz eigenes Ding geworden ist“.[21]

Frédéric Jaeger interpretiert den Film eher als Neuinterpretation denn als Fortführung oder Remake: "David Kajganich hat das Drehbuch von Dario Argento und Daria Nicolodi nicht einfach nur adaptiert, hier und da umgeschrieben oder aktualisiert. Das Suspiria von 2018 hat mit dem Suspiria von 1977 ein eher weit gefasstes Verwandtschaftsverhältnis. […] Suspiria 2018 ist ein dramatisch entwickelter Stoff, der um ein vielfaches ambivalenter und emotional komplizierter als das Original ist, vor allem im Glauben an die widersprüchlichen Facetten seines Figurenarsenals. Die zweieinhalbstündige Laufzeit bietet zwar bereits jede Menge Gelegenheiten, Gewalt, Angst und auch etwas Verführung zu entfalten. Nichts davon aber fühlt sich definitiv und abgeschlossen an. Es ist der Witz und die Verheißung von Guadagninos Variationen."[22]

Katja Nicodemus berichtete für Die Zeit von den Filmfestspielen Venedig: "Die Handlung von Suspiria ist ein kruder Mix aus Hexenritualen, Tanzstunden, blutiger Körperlichkeit und Anspielungen auf die Verdrängung der Nazi-Zeit. Doch Guadagnino gelingt es, im grau verschleierten Berlin der Siebzigerjahre eine Atmosphäre spezifisch deutscher Unheimlichkeit zu erzeugen, flankiert von großen Schauspielerinnen-Hexen […]." Sie fasst ihre Beobachtungen zu Suspiria und zum Kostümfilm The Favourite des griechischen Regisseurs Giorgos Lanthimos als "Vorspiel zu den Endspielen der Gegenwart" zusammen: "Man könnte die so überraschend interpretierten Kino-Genres auch als Versuchsanordnungen begreifen, in denen es zu immer neuen Reaktionen kommt. Als Kameraexpeditionen, die in der Schwärze der menschlichen Seele weitere Gänge, tiefere Abgründe ausleuchten."[23]

Bei Rotten Tomatoes erhielt der Film bei 63 Prozent der insgesamt 253 Rezensionen eine positive Bewertung.[24]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Suspiria Kino.de, 15. November 2018, abgerufen am 20. November 2018
  2. Festival di Cannes: Guadagnino produce il remake di 'Suspiria' E-duesse.it, abgerufen am 19. September 2018
  3. David Gordon Green Reflects on the “Very Expensive” Remake of ‘Suspiria’ He Almost Made abgerufen am 20. September 2018
  4. Suspiria, Shot in Berlin abgerufen am 18. September 2018
  5. Patrick Shanley: Who Is Lutz Ebersdorf? A 'Suspiria' Mystery Deepens Hollywoodreporter, 24. August 2018, abgerufen am 26. September 2018
  6. Tom Grater: 'Suspiria' lands in Venice, Tilda Swinton suggests Lutz Ebersdorf Oscar campaign Screen Daily, 1. September 2018, abgerufen am 19. September 2018
  7. Is Tilda Swinton not-so- secretly playing old man in Suspiria? The Telegraph, 31. August 2018, abgerufen am 19. September 2018
  8. 'Go for it!' Call Me By Your Name music supervisor Robin Urdang on her movie and TV career so far www.mandy.com, news, abgerufen am 20. September 2018
  9. Peter Debruge: Luca Guadagnino on ‘Suspiria’:‘I Have Always Loved the Cinema of Extremes’ variety.com, 2018, abgerufen am 25. September 2018
  10. Les médusés – a choreographic journey by Damien Jalet in Le Louvre – Paris, abgerufen am 18. September 2018
  11. Tutti attori per Suspiria SM News, 3. September 2016, abgerufen am 18. September 2018
  12. Carlotta Marelli: Tutte le location di Suspiria, aspettando il remake di Luca Guadagnino ElleDecor, abgerufen am 18. September 2018
  13. Suspiria-, anche i rifugi antiarei sei del film Verese News, Dezember 2016, abgerufen am 18. September 2018
  14. Zack Sharf: Luca Guadagnino is Done Filming ‘Suspiria’ Remake, Working on Post-Production For Possible 2017 Release IndieWire, 6. März 2016, abgerufen am 18. September 2018
  15. Katie Riefe: Newswire. Here's everything we know so far about Luca Guadagnino's Suspiria remake AV/News, 30. August 2018, abgerufen am 20. September 2018
  16. Rebecca Rubin: ‘Suspiria’ Plans Big Expansion After a Roaring Start Variety, 28. Oktober 2018, abgerufen am 2. November 2018
  17. Suspiria–Remake erzielt besten US-Kopienschnitt des Jahres, Previews in Deutschland Blairwitch.de, abgerufen am 2. November 2018
  18. Thom Yorke Suspiria – Music for the Luca Guadagnino Film
  19. Robert Altman Award per Suspiria, cinmatografo.it abgerufen am 11. Dezember 2018
  20. Mark Kermode: Suspiria review – dancing on the grave of a horror classic The Guardian, 18. November 2018, abgerufen am 21. November 2018
  21. Beatrice Behn: Suspiria (20i8). Eine Filmkritik Kino-Zeit, abgerufen am 21. November 2018
  22. www.critic.de: Suspiria | Kritik. Abgerufen am 1. Dezember 2018.
  23. Filmfestspiele Venedig: Ja, es geht noch tiefer hinab. In: ZEIT ONLINE. (zeit.de [abgerufen am 1. Dezember 2018]).
  24. Suspiria 2018