Svalbard Global Seed Vault

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Eingang des Svalbard Global Seed Vault (2012). Über dem Eingang ist ein Kunstwerk angebracht.

Das Svalbard Global Seed Vault, zu deutsch Weltweiter Saatgut-Tresor auf Spitzbergen, ist ein Projekt des Welttreuhandfonds für Kulturpflanzenvielfalt (engl. Global Crop Diversity Trust, GCDT) zur langfristigen Einlagerung von Saatgut zum Schutz der Arten- und Varietäten-Diversität von Nutzpflanzen. Es befindet sich am Platåberget (dt. Plateauberg) in der Nähe der Stadt Longyearbyen[1] auf der Insel Spitzbergen (norw. Svalbard). Offiziell wird das Saatgutgewölbe norwegischerseits globalt sikkerhetshvelv for frø på Svalbard „weltweiter Saatgut-Tresor auf der Insel Spitzbergen“ genannt.

Geschichte[Bearbeiten]

Am 19. Juni 2006 fand der Spatenstich durch den norwegischen Staatsminister Jens Stoltenberg im Beisein seiner nordischen Kollegen aus Finnland, Dänemark, Island und Schweden statt. Im Herbst 2007 nahm die Saatgutbank ihre Arbeit auf,[2] die feierliche Eröffnung der Saatgutbank erfolgte am 26. Februar 2008 im Beisein internationaler Repräsentanten. Bis zu 4,5 Millionen Samenproben (eine Probe enthält 500 Samen, das entspricht 2,25 Milliarden Samen)[3][4] sollen im Bunker eingelagert werden, der nach Abschluss der Arbeiten von Schweden aus ohne Personal vor Ort via Fernwartung überwacht werden soll.[5][6] Am 21. September 2015 wurde erstmals die Rückführung von Samenproben aus dem Svalbard Global Seed Vault vom Internationalen Zentrum für landwirtschaftliche Forschung in Trockengebieten (ICARDA) in Aleppo, Syrien, angefragt.[7]

Gebäude[Bearbeiten]

Die Anlage ähnelt einem unterirdischen Bunker. Sie reicht 120 Meter in eine alte Kohlegrube hinein, nur der Eingang liegt über der Erde. Im Inneren besteht sie aus einem Gang, über den man drei Hallen von jeweils 27 Metern Länge, zehn Metern Breite und sechs Metern Höhe erreicht. Die Lagerhallen liegen 130 Meter über dem aktuellen Meeresspiegel, sollen also auch bei einem drastischen Anstieg durch den Klimawandel unversehrt bleiben. Sie werden mit armiertem Beton und zwei dicken Stahltüren versehen sein und sollen somit auch einem Atomkrieg oder einem Flugzeugabsturz standhalten.

Die Baukosten beliefen sich auf rund 9 Millionen US-Dollar, die zum Großteil von der norwegischen Regierung übernommen wurden.[8]

Betrieb[Bearbeiten]

Innenraum des Svalbard Global Seed Vault

Um den Betrieb der Saatgutbank kümmert sich der GCDT. Erklärtes Ziel der Initiative ist eine möglichst vollständige treuhänderische Aufbewahrung der 21 wichtigsten Nutzpflanzenarten wie Reis, Mais, Weizen, Kartoffeln, Äpfel, Maniok, Wasserbrotwurzel oder Kokosnuss und deren Sortenvielfalt.[9] Die genetische Vielfalt, die in der Saatgutbank verwahrt wird, bildet wertvolles Material für die Pflanzenzucht und viele Bereiche der biologischen Grundlagenforschung.

Die Einrichtung ist ausschließlich für die sichere Verwahrung von Kopien von Saatgut gedacht, daher wird anders als bei den meisten anderen Saatgutbanken mit dem Saatgut nicht gearbeitet. Das Saatgut wird von anderen Saatgutbanken geliefert und bleibt deren Eigentum. Es wird nur im Auftrag des Eigentümers entnommen, wenn das Saatgut dort nicht mehr verfügbar ist.[10]

Das Saatgut wird bei −18 °C gekühlt gelagert. Sollte das Kühlsystem einmal ausfallen, sorgt der Permafrostboden dafür, dass die Temperatur nicht über −3,5 °C ansteigt.[11] Die Haltbarkeit der Samen liegt wissenschaftlichen Schätzungen zufolge bei diesen Temperaturen bei etwa 55 Jahren (Samen der Sonnenblume) bis über 10.000 Jahren (Erbsensamen). Gealterte Samen werden ständig ersetzt.

Kritik[Bearbeiten]

Fachleute sehen Gefahren für das Gebäude durch die Klimaerwärmung. Bereits im Sommer 2008 taute der Permafrostboden am Eingang auf und gefährdete die Statik. Der Stahlmantel verformte sich und musste nachgebessert werden.[12]

Filme[Bearbeiten]

  • Seed Warriors - ein Dokumentarfilm über den Svalbard Global Seed Vault

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 'Doomsday vault' gets large shipment of rice
  2. Pressemitteilung des SGSV
  3. Arktischer Saatguttresor öffnet seine Türen für 100 Millionen Samen (HTML) EurekAlert!. 26. Februar 2008. Abgerufen am 14. März 2014.
  4. Croptrust-Artikel
  5. Bericht des SVT
  6. Pressemitteilung des Global Crop Diversity Trust
  7. Globaler Saatgut-Tresor wegen Syrien-Konflikt erstmals nachgefragt Meldung bei Zeit online, 21. September 2015, abgerufen am 23. September 2015
  8. Cary Fowler: The Svalbard Global Seed Vault: Securing the Future of Agriculture (PDF; 2,8 MB), 26. Februar 2008
  9. Die Arche Noah im Ewigen Eis derstandard.at, abgerufen am 1. Mai 2015
  10. Svalbard Global Seed Vault. Statsbygg, abgerufen am 24. September 2015 (PDF): „The seed vault in Svalbard will not be an active gene bank, but will contain a collection of duplicates, which will only be used if the seed stored in the gene banks is lost. The physical storage facility will remain in Norwegian hands, but the seeds will not in any sense be Norwegian property. The depositing of seeds will be regulated by an agreement. The seeds will not be passed on to any third party, but only returned to the sender when the need arises.“
  11. Bericht bei T-Online
  12. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatChristoph Seidler (Longyearbyen): Arktisberg zu warm für Pflanzen-Arche-Noah. In: spiegel online. 6. September 2008, abgerufen am 6. September 2008.

Video[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Svalbard Global Seed Vault – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

78.23822222222215.447222222222Koordinaten: 78° 14′ 18″ N, 15° 26′ 50″ O