Schwedische Akademie

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Logo der Schwedischen Akademie
Die Schwedische Akademie in Stockholm

Die Schwedische Akademie (schwedisch: Svenska Akademien) ist eine Akademie der Wissenschaften Schwedens mit der Aufgabe, die schwedische Sprache und Literatur zu fördern. Sie hat ihren Sitz in Stockholm. Der Wahlspruch lautet Snille och smak (ungefähr: Talent und Geschmack).[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schwedische Akademie wurde am 20. März 1786 von König Gustav III. nach dem Vorbild der Académie française gegründet. Erster ständiger Sekretär der Schwedischen Akademie war Nils von Rosenstein. Bedeutende Gründungsmitglieder waren auch Johan Gabriel Oxenstierna, Johan Henrik Kellgren und Carl Gustaf af Leopold. Die Schwedische Akademie wurde auch unter dem Namen De Aderton (deutsch: Die Achtzehn) bekannt, da sie immer aus 18 Mitgliedern besteht, die auf nummerierten Stühlen Platz nehmen.

Aufgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprüngliche Aufgabe der Akademie ist es, die schwedische Sprache und Literatur zu fördern. Sie gibt dazu unter anderem das Svenska Akademiens ordbok (SAOB) und die Svenska Akademiens ordlista (SAOL) heraus.

Im Auftrag der 1900 gegründeten Nobel-Stiftung vergibt die Akademie zudem alljährlich den Nobelpreis für Literatur. Die erste Verleihung im Jahr 1901 erfolgte an den französischen Lyriker und Philosophen Sully Prudhomme. Daneben vergibt die Akademie eine Reihe von weiteren Preisen und Stipendien, darunter den Nordischen Preis, der in Skandinavien auch als „kleiner Nobelpreis“ bekannt ist.

Austritte von Akademiemitgliedern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1989 kam es zu der bis dahin schwersten Krise der Schwedischen Akademie in jüngerer Zeit: Der iranische Revolutionsführer Ajatollah Chomeini verhängte gegen den indisch-britischen Schriftsteller Salman Rushdie ein „Todesurteil“ und setzte ein Kopfgeld auf ihn aus, weil Rushdie durch den Roman Die satanischen Verse angeblich den Islam beleidigt habe. Dies löste weltweite Empörung aus. Die Schwedische Akademie weigerte sich allerdings, offiziell Stellung zu beziehen, mit der Begründung, dass nach hergebrachten Grundsätzen die Akademie sich nicht zu politischen Dingen äußern solle. Aus Protest hiergegen erklärten die Akademiemitglieder Werner Aspenström, Kerstin Ekman und Lars Gyllensten ihren Austritt aus der Akademie. Da aber die Mitglieder auf Lebenszeit gewählt waren und nicht austreten konnten, galt Kerstin Ekman bis zur Bewilligung des Austritts im Mai 2018 weiterhin als Mitglied, das nur nicht an den Sitzungen teilnahm. Werner Aspenström starb 1997, Lars Gyllensten im Jahr 2006.

Seit 2005 nahm Knut Ahnlund aus Protest dagegen, dass Elfriede Jelinek der Literaturnobelpreis zuerkannt wurde, nicht mehr an den Sitzungen teil. Knut Ahnlund starb im Jahr 2012.

Seit November 2015 nahm Lotta Lotass nicht mehr an den Sitzungen teil.[2] Ihr Austritt wurde formell im Mai 2018 bewilligt.

Krise von 2018[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur schwersten Krise kam es 2018, als am 6. April 2018 Klas Östergren, Kjell Espmark und Peter Englund, Inhaber der Stühle Nummer 11, 10 und 16, bekanntgaben, in Zukunft nicht mehr an den Sitzungen der Akademie teilzunehmen. Dadurch waren nur noch 13 der 18 Mitglieder aktiv.[3][4] Grund für diese Abgänge war das Hinwirken dieser und weiterer Mitglieder auf einen Ausschluss Katarina Frostensons, was jedoch scheiterte. Frostenson und ihr Ehemann Jean-Claude Arnault waren in einen Skandal verwickelt, bei dem Arnault sexuelle Belästigung, Indiskretionen und finanzielle Vorteilnahme vorgeworfen wurden.[5] Gleichzeitig wurde Kritik an der ständigen Sekretärin Sara Danius geäußert.[6] König Carl Gustaf griff persönlich ein und rief zu einer Problemlösung auf.[6] Am 12. April 2018 kündigten Sara Danius und Katarina Frostenson an, sich ebenfalls nicht mehr an der Arbeit der Akademie zu beteiligen, wodurch die Zahl der aktiven Mitglieder auf elf sank.[7] Damit wurde die Akademie praktisch handlungsunfähig, da mindestens zwölf Mitglieder zur Einwahl eines Mitglieds anwesend sein müssen. König Carl Gustaf erklärte sich bereit, die Statuten zu ändern, um inaktiven Mitgliedern ein Ausscheiden zu ermöglichen, was Neuwahlen zuließe. Eine weitere Möglichkeit wäre zu versuchen, die inaktiven Mitglieder zur Rückkehr zu bewegen.[8] Am 28. April 2018 teilte auch Sara Stridsberg mit, dass sie nicht mehr an der Arbeit der Akademie teilnimmt.[9] Damit sind noch zehn von 18 Akademiemitgliedern aktiv.

Am 2. Mai 2018 informierte König Carl Gustaf über eine Änderung der Statuten. Sie ermöglicht Mitgliedern der Akademie, den Austritt zu beantragen. Außerdem kann die Akademie beschließen, dass Mitglieder, die zwei Jahre inaktiv gewesen sind, als ausgeschieden angesehen werden können.[10] Am 4. Mai 2018 gab die Schwedische Akademie bekannt, den Literaturnobelpreis für 2018 erst 2019, zusammen mit dem Preis für 2019, zu vergeben.[11] Am 7. Mai 2018 teilte die Akademie mit, dass die Austrittsgesuche von Lotta Lotass, Klas Östergren, Sara Stridsberg und Kerstin Ekman mit sofortiger Wirkung bewilligt wurden.[12]

Mitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ständige Sekretäre der Schwedischen Akademie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nr. Sitz Ständiger Sekretär der Schwedischen Akademie Geboren Jahre Anmerkungen
1. 11. Nils von Rosenstein 1752 1786–1824
2. 13. Frans Michael Franzén 1772 1824–1834
3. 12. Bernhard von Beskow 1796 1834–1868
4. 5. Johan Erik Rydqvist 1800 1868–1869 pro tempore
5. 15. Ludvig Manderström 1806 1869–1872
6. 12. Carl Gustaf Strandberg 1825 1872–1874 pro tempore
7. 9. Henning Hamilton 1814 1874–1881
8. 11. Bror Emil Hildebrand 1806 1881–1883 pro tempore
9. 8. Carl David af Wirsén 1842 1883–1912 pro tempore von 1883–84
10. 6. Hans Hildebrand 1842 1912 pro tempore
11. 11. Erik Axel Karlfeldt 1864 1913–1931
12. 14. Per Hallström 1866 1931–1941
13. 13. Anders Österling 1884 1941–1964
14. 7. Karl Ragnar Gierow 1904 1964–1977
15. 14. Lars Gyllensten 1921 1977–1986
16. 3. Sture Allén 1928 1986–1999
17. 17. Horace Engdahl 1948 1999–2009
18. 10. Peter Englund 1957 2009–2015
19. 7. Sara Danius 1962 2015–2018
20. 4. Anders Olsson 1949 12. April 2018- pro tempore[13]

Derzeitige Mitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zurzeit sind folgende Personen Mitglied der Schwedischen Akademie:

  1. vakant
  2. Bo Ralph (* 1945) seit 1999
  3. Sture Allén (* 1928) seit 1980
  4. Anders Olsson (* 1949) seit 2008, geschäftsführender Sekretär (amtierend seit 12. April 2018)
  5. Göran Malmqvist (* 1924) seit 1985
  6. Tomas Riad (* 1959) seit 2011
  7. Sara Danius (* 1962) seit 2013, inaktiv
  8. Jesper Svenbro (* 1944) seit 2006
  9. Jayne Svenungsson (* 1973) seit 2017
  10. Peter Englund (* 1957) seit 2002, inaktiv
  11. vakant
  12. Per Wästberg (* 1933) seit 1997
  13. vakant
  14. Kristina Lugn (* 1948) seit 2006
  15. vakant
  16. Kjell Espmark (* 1930) seit 1981, inaktiv
  17. Horace Engdahl (* 1948) seit 1997
  18. Katarina Frostenson (* 1953) seit 1992, inaktiv

Bekannte verstorbene Mitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Folgende bekannte schwedische Dichter und Schriftsteller waren Mitglieder der Schwedischen Akademie (in Klammer Zeit der Mitgliedschaft):

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Homepage der Schwedischen Akademie: [1] (schwedisch), abgerufen am 5. November 2012
  2. Därför lämnade Lotta Lotass Svenska Akademien Borås Tidning, abgerufen am 27. November 2017 (schwedisch).
  3. Klas Östergren, Kjell Espmark och Peter Englund lämnar Svenska Akademien, SVT, abgerufen am 6. April 2018 (schwedisch).
  4. Skandal an der Schwedischen Akademie, taz, abgerufen am 9. April 2018.
  5. Chaos im Nobelpreiskomitee, Welt, abgerufen am 30. April 2018.
  6. a b Carsten Schmiester: Machtwort vom König. tagesschau.de, 11. April 2018.
  7. Sara Danius och Katarina Frostenson lämnar Svenska Akademien, SVT, abgerufen am 12. April 2018 (schwedisch).
  8. Carsten Schmiester: Nobelpreiskomitee kämpft ums Überleben. In: tagesschau.de. 13. April 2018, abgerufen am 14. April 2018.
  9. Sara Stridsberg lämnar Akademien, SVT, abgerufen am 30. April 2018 (schwedisch).
  10. Förtydligande av Svenska Akademiens stadgar nu genomfört, abgerufen am 4. Mai 2018 (schwedisch).
  11. Literaturnobelpreis wird 2018 nicht vergeben Zeit Online, 4. Mai 2018
  12. Utträde ur Svenska Akademien Pressemitteilung der Schwedischen Akademie, abgerufen am 8. Mai 2018 (schwedisch).
  13. Sara Danius ersättare: ”Samtal med kungen ledde fram till detta” (sv). In: Expressen.